{"id":77519,"date":"2026-04-28T17:00:25","date_gmt":"2026-04-28T15:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=77519"},"modified":"2026-04-27T10:15:06","modified_gmt":"2026-04-27T08:15:06","slug":"ein-vergessenes-fest-aus-der-mottenkiste-der-geschichte-von-lanzen-und-einem-deutschen-geschenk-auf-dem-wawel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/ein-vergessenes-fest-aus-der-mottenkiste-der-geschichte-von-lanzen-und-einem-deutschen-geschenk-auf-dem-wawel\/","title":{"rendered":"Aus der Mottenkiste der Geschichte: Von Lanzen und einem deutschen Geschenk auf dem Wawel"},"content":{"rendered":"<h1>Ein vergessenes Fest<\/h1>\n<p><strong>Nur wenige wissen, dass die katholische Kirche am Freitag, dem 17. April 2026, das historische Fest der Heiligen Lanze und der N\u00e4gel Christi feiert. Die Geschichte dieses Festes reicht bis ins Mittelalter zur\u00fcck, als Karl IV. als Kaiser des Heiligen R\u00f6mischen Reiches Deutscher Nation herrschte \u2013 jener Karl, den viele mit der Karlsbr\u00fccke in Prag verbinden. Hinzugef\u00fcgt sei, dass in Schlesien Figuren des hl. Johannes Nepomuk an Br\u00fccken weit verbreitet sind; dieser Heilige wurde ermordet und von der Karlsbr\u00fccke aus in die Moldau geworfen.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Karl IV. richtete eine Bittschrift an den in Frankreich gefangenen Papst Innozenz VI., um die Best\u00e4tigung zu erhalten, dass die Reichslanze die einzig wahre Passionslanze sei. Dies geschah, und mit p\u00e4pstlicher Autorit\u00e4t wurde die Echtheit der damals in Prag aufbewahrten Reliquie anerkannt. Im Jahr 1354 wurde das Fest eingef\u00fchrt, das am zweiten Freitag nach Ostern gefeiert wird \u2013 also an dem, was wir heute den Freitag nach dem Wei\u00dfen Sonntag nennen w\u00fcrden. In der Erbauungsliteratur finden sich zahlreiche Gebete und Andachten, die f\u00fcr das Festum Lanceae et Clavorum vorgesehen sind, auch auf Polnisch. Diese wurden in Oberschlesien genutzt, so zum Beispiel das Ende des 19. Jahrhunderts im \u201eWydawnictwo Dzie\u0142 Ludowych\u201c in Nicolai (Miko\u0142\u00f3w) erschienene, ein Kilogramm schwere und fast 1000 Seiten z\u00e4hlende \u201eBuch zur Erleuchtung und Erbauung der christlich-katholischen Seele\u201c (\u201eKsi\u0105\u017cka do o\u015bwiecenia i zbudowania duszy chrze\u015bcija\u0144sko-katolickiej\u201d) des deutschen Norbertiners Leonard Goffin\u00e9 (1648\u20131719).<\/p>\n<div id=\"attachment_77520\" style=\"width: 2058px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-77520\" class=\"size-full wp-image-77520\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/wloczni-sw-maurycego-quelle-katedra-na-wawelu.jpg\" alt=\"\" width=\"2048\" height=\"1366\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/wloczni-sw-maurycego-quelle-katedra-na-wawelu.jpg 2048w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/wloczni-sw-maurycego-quelle-katedra-na-wawelu-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/wloczni-sw-maurycego-quelle-katedra-na-wawelu-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/wloczni-sw-maurycego-quelle-katedra-na-wawelu-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/wloczni-sw-maurycego-quelle-katedra-na-wawelu-1536x1025.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/><p id=\"caption-attachment-77520\" class=\"wp-caption-text\">Heilige Lanze.<br \/>Foto: Rene Hanke\/Wikipedia<\/p><\/div>\n<p>Es stellt sich die Frage, was es mit dieser Lanze auf sich hat und ob sie bis heute erhalten geblieben ist. Ich wage zu behaupten, dass fast jeder in Polen \u2013 in Deutschland und \u00d6sterreich dagegen nur noch eine Handvoll \u2013 diese Lanze aus der Schule und von den zahlreichen Reproduktionen in Lehrb\u00fcchern kennt, die den ersten polnischen Herrscher Mieszko und K\u00f6nig Boles\u0142aw den Tapferen (Chrobry) darstellen. Wir sehen sie auf dem von Jan Matejko gemalten Portr\u00e4t Boles\u0142aws des Tapferen sowie auf seinem Gem\u00e4lde \u201eDie Kr\u00f6nung des ersten K\u00f6nigs\u201c, ebenso wie auf der vor vier Monaten von der Polnischen Nationalbank herausgegebenen 20-Z\u0142oty-Sammlerm\u00fcnze anl\u00e4sslich des tausendsten Jahrestages der Kr\u00f6nung Boles\u0142aws des Tapferen.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Es stellt sich die Frage, was es mit dieser Lanze auf sich hat und ob sie bis heute erhalten geblieben ist. Ich wage zu behaupten, dass fast jeder in Polen \u2013 in Deutschland und \u00d6sterreich dagegen nur noch eine Handvoll \u2013 diese Lanze aus der Schule und von den zahlreichen Reproduktionen in Lehrb\u00fcchern kennt<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Im Geschichtsunterricht wird heute nicht mehr gelehrt, dass die Lanze des heiligen Mauritius ein deutsches Geschenk ist, das das B\u00fcndnis der polnischen Herrscher mit den deutschen Herrschern besiegelte. Gallus Anonymus berichtete, dass der deutsche K\u00f6nig und Kaiser Otto III. w\u00e4hrend des Gnesener Treffens Boles\u0142aw dem Tapferen einen Nagel vom Kreuz des Herrn zusammen mit der Lanze des heiligen Mauritius als Zeichen des B\u00fcndnisses und der Freundschaft schenkte. Dies muss ein bedeutendes Ereignis gewesen sein, beruft sich doch der Chronist, der \u00fcber hundert Jahre sp\u00e4ter im Auftrag von K\u00f6nig Boles\u0142aw Schiefmund schrieb, auf die symbolischen Verbindungen der ersten polnischen Herrscher mit Otto III.<\/p>\n<div id=\"attachment_77522\" style=\"width: 970px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-77522\" class=\"size-full wp-image-77522\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Boleslaw_I_Chrobry_274954.jpg\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"1232\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Boleslaw_I_Chrobry_274954.jpg 960w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Boleslaw_I_Chrobry_274954-234x300.jpg 234w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Boleslaw_I_Chrobry_274954-798x1024.jpg 798w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Boleslaw_I_Chrobry_274954-768x986.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><p id=\"caption-attachment-77522\" class=\"wp-caption-text\">Boles\u0142aw I. der Tapfere.<br \/>Foto: Jan Matejko\/ Nationalbibliothek\/Wikipedia<\/p><\/div>\n<p>Der polnische Herrscher erhielt im Jahr 1000 tats\u00e4chlich eine getreue Kopie der heiligen Lanze, die auch Heilige und kreuztragende Kaiserlanze genannt wird und die 1000 Jahre lang ein Attribut der Macht der Kaiser des Heiligen R\u00f6mischen Reiches Deutscher Nation sowie eines der Reichskleinodien war.<\/p>\n<p>Die Heilige Lanze besitzt in ihrer T\u00fclle einen Nagel vom Kreuz Jesu Christi. \u00dcberlieferungen zufolge wurde sie im 3. Jahrhundert n. Chr. von der heiligen Helena gefunden, soll dem heiligen Mauritius geh\u00f6rt haben und sp\u00e4ter Konstantin dem Gro\u00dfen und Karl dem Gro\u00dfen. Die Lanze des heiligen Mauritius wurde vom ersten deutschen K\u00f6nig Heinrich I., dem Vogler, vom Burgunderk\u00f6nig Rudolf II. erworben und befand sich ab 926 im Besitz der Reichsherrscher. Otto III. beabsichtigte, ein universalistisches Reich zu schaffen, das alle Herrscher des christlichen Europas vereinen w\u00fcrde, und \u00fcbergab Chrobry nach deutschem Brauch (more germanico) als Zeichen der Oberhoheit und Macht eine Kopie der Lanze des heiligen Mauritius. Diese ist nicht nur eine Reliquie, sondern vor allem ein Machtsymbol und eines der Kr\u00f6nungsinsignien der polnischen K\u00f6nige.<\/p>\n<p>Heute k\u00f6nnen wir beide Machtsymbole bewundern. Das Original befindet sich in der Kaiserlichen Schatzkammer in Wien, seine getreue Kopie wird in der Schatzkammer der Wawel-Kathedrale in Krakau streng geh\u00fctet.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Waldemar Gielzok<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein vergessenes Fest Nur wenige wissen, dass die katholische Kirche am Freitag, dem 17. April 2026, das historische Fest der Heiligen Lanze und der N\u00e4gel Christi feiert. 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