{"id":77214,"date":"2026-04-18T17:00:35","date_gmt":"2026-04-18T15:00:35","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=77214"},"modified":"2026-04-18T15:09:40","modified_gmt":"2026-04-18T13:09:40","slug":"einsamer-kampf-fuer-die-freiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/einsamer-kampf-fuer-die-freiheit\/","title":{"rendered":"Einsamer Kampf f\u00fcr die Freiheit"},"content":{"rendered":"<h1>Vortrag von Dr. Sebastian Rosenbaum \u00fcber Eduard Pant und den Anti-Hitler-Widerstand in Oberschlesien<\/h1>\n<p><strong>Im Dokumentations- und Ausstellungszentrum der Deutschen in Polen \u2013 einer Abteilung der \u00d6ffentlichen Woiwodschaftsbibliothek in Oppeln \u2013 fand eine Veranstaltung aus der Reihe \u201eGoldener Vortrag\u201c statt. Diese vom Forschungszentrum der Deutschen Minderheit (FZDM) organisierte Veranstaltung bot Gelegenheit zur Pr\u00e4sentation einer monumentalen Publikation: \u201eDas wahre Deutschtum ist nicht in den Reihen des Nationalsozialismus\u201c. Deren Herausgeber, Dr. Sebastian Rosenbaum, stellte w\u00e4hrend seines Vortrags nicht nur den Inhalt des Buches vor, sondern vor allem die dramatische Figur des Eduard Pant \u2013 eines Mannes, der in Oberschlesien einen einsamen Kampf gegen die totalit\u00e4re Maschinerie des Dritten Reiches aufnahm.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Publikation ist eine Auswahl publizistischer Texte aus der Kattowitzer Wochenzeitung \u201eDer Deutsche in Polen\u201c aus den Jahren 1934\u20131939. Wie Dr. Rosenbaum w\u00e4hrend des Vortrags betonte, handelt es sich nicht um eine klassische Monografie, die man von vorne bis hinten durchliest. Es ist eine reichhaltige Quelle von Texten, die im originalen Wortlaut der deutschen Sprache belassen wurden.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>\u201ePant nahm einen einsamen Kampf gegen die totalit\u00e4re Maschinerie des Dritten Reiches in Oberschlesien auf.\u201c<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die Entscheidung, die Texte in der Originalsprache zu belassen, war bewusst und geschah aus Respekt vor dem historischen Kontext: \u201eIn dieser Publikation bewahren wir die Sprache, in der diese Texte entstanden sind, also das Deutsche, das in der Zwischenkriegszeit in der Woiwodschaft Schlesien tats\u00e4chlich Alltagssprache der damaligen deutschen Minderheit war\u201c, betonte der Forscher.<\/p>\n<h2>Eduard Pant: Intellektueller auf der Barrikade<\/h2>\n<p>Die zentrale Figur des Vortrags war Dr. Eduard Pant. Geboren 1887, ausgebildeter Philologe und aus \u00dcberzeugung gl\u00e4ubiger Katholik, war er ein Mensch mit einer \u00e4u\u00dferst komplexen Innenwelt: \u201eEr hatte als praktizierender und gl\u00e4ubiger Katholik spezifische Interessen, n\u00e4mlich war er ein Liebhaber Nietzsches. Nietzsche offenbarte die Krise der europ\u00e4ischen Zivilisation, und Pant war \u00fcberzeugt, dass diese Krise tats\u00e4chlich deutlich ist\u201c, beschrieb Dr. Rosenbaum.<\/p>\n<div id=\"attachment_77159\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-77159\" class=\"wp-image-77159 size-large\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC_1293-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC_1293-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC_1293-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC_1293-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC_1293-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC_1293-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-77159\" class=\"wp-caption-text\">Ein Moment f\u00fcr die Leser \u2013 der Autor Dr. Sebastian Rosenbaum signiert Exemplare des neuen Buches nach dem Vortrag. Foto: Manuela Leibig<\/p><\/div>\n<p>Pant, Mitglied der deutschen Minderheit in Polen, war ein Politiker von gesamtpolnischem Format: Abgeordneter des Schlesischen Sejm, dessen Vizemarschall sowie Senator der Republik Polen. Alles \u00e4nderte sich 1933. W\u00e4hrend ein gro\u00dfer Teil der F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten der deutschen Minderheit begann, eine Verst\u00e4ndigung mit dem neuen Regime zu suchen, nahm Pant eine unvers\u00f6hnliche Haltung ein. Wie Rosenbaum sagte: \u201ePant vertritt in diesem Moment eine v\u00f6llig andere Position, n\u00e4mlich: Wir als Deutsche und als Christen m\u00fcssen Hitler und diese Bewegung, also die NSDAP, beim Namen nennen, das hei\u00dft anerkennen, dass dies etwas ist, das protoverbrecherisch ist.\u201c<\/p>\n<h2>Der Preis f\u00fcr das \u201eNein\u201c<\/h2>\n<p>Der Preis f\u00fcr diese Unbeugsamkeit war enorm. Berlin verh\u00e4ngte eine finanzielle Blockade und sandte ein klares Signal an die Minderheitenorganisationen: \u201eJede deutsche Institution, die auch nur die geringste Zusammenarbeit mit Pant aufnimmt, bekommt keine einzige Reichsmark. Wenn jemand eine Veranstaltung mit Pant macht, ist es aus \u2013 ihr bekommt kein Geld.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_77163\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-77163\" class=\"wp-image-77163 size-large\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC_1245-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC_1245-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC_1245-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC_1245-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC_1245-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC_1245-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-77163\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Sebastian Rosenbaum w\u00e4hrend seiner spannenden Erz\u00e4hlung \u00fcber das Schicksal von Eduard Pant. Moderiert wurde das Treffen von Dr. Micha\u0142 Matheja, Vorsitzender des Forschungszentrums der Deutschen Minderheit (FZDM) in Oppeln. Foto: Manuela Leibig<\/p><\/div>\n<p>In der Folge wurde Pant aus allen Minderheitenstrukturen verdr\u00e4ngt: \u201eEr wird nach und nach von allem abgedr\u00e4ngt. Er wird aus der Redaktion geworfen, ist nicht mehr Chefredakteur. Im Rahmen einer Intrige wird er aus dem Bund der Deutschen Katholiken entfernt. Bereits um die Wende der Jahre 1933\/34 ist er praktisch ein v\u00f6llig marginalisierter Mensch\u201c, beschrieb Dr. Rosenbaum.<\/p>\n<p>Genau in diesem Moment entstand \u201eDer Deutsche in Polen\u201c. Obwohl die Auflage nur etwa 5.000 Exemplare betrug, wurde die Zeitschrift zu einem Magneten f\u00fcr die herausragendsten K\u00f6pfe der deutschen Emigration gegen Hitler, wie Dietrich von Hildebrand oder Waldemar Gurian. Die Zeitschrift wurde unter anderem an Universit\u00e4ten und Forschungszentren in Deutschland verschickt.<\/p>\n<p>Die Wochenzeitung wurde zu einem intellektuellen Zentrum, in dem \u2013 so der Forscher \u2013 \u201eGurian ein neues thematisches Element einbringt, n\u00e4mlich den Vergleich des Nationalsozialismus mit dem Bolschewismus. Er zeigt \u00c4hnlichkeiten und geradezu verwandte Elemente.\u201c<\/p>\n<h2>Gegengift f\u00fcr die Giftstoffe der Sprache<\/h2>\n<p>Pants wichtigste Mission war jedoch der Kampf um die Seele und die Sprache der Nation: \u201eDas ist eine Wochenzeitung, die zu einer Zeit, als die deutsche Sprache auf schreckliche Weise mit den Giftstoffen dieser vollkommen verbrecherischen Ideologie getr\u00e4nkt wird, eine Art Gegengift schafft. Sie liefert eine Sprache, auf die man wird zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, wenn Hitler nicht mehr da ist.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_77209\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-77209\" class=\"size-large wp-image-77209\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC_1216-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC_1216-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC_1216-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC_1216-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC_1216-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC_1216-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-77209\" class=\"wp-caption-text\">Publikacja \u201eDas wahre Deutschtum ist nicht in den Reihen des Nationalsozialismus\u201d \u2013 owoc wnikliwych bada\u0144 dr. Sebastiana Rosenbauma.<\/p><\/div>\n<p>Die Autoren der Zeitschrift sagten die kommende Katastrophe mit erstaunlicher Genauigkeit voraus. Dr. Rosenbaum zeigte sich bewegt: \u201eIch war ersch\u00fcttert, als ich darauf stie\u00df. Als sie 1937 behaupten, dass das gesamte antisemitische Programm Hitlers auf Vernichtung abziele.\u201d<\/p>\n<h2>Tragische Einsamkeit und Vergessenheit<\/h2>\n<p>Rosenbaums Vortrag war auch eine schmerzhafte Reflexion \u00fcber die Undankbarkeit der Geschichte. Pant k\u00e4mpfte an zwei Fronten: gegen den Nationalsozialismus und gegen die polnische Sanacja, die ihn nach dem Nichtangriffspakt von 1934 als unbequemen \u201eSt\u00f6renfried\u201c betrachtete.<\/p>\n<p>Eduard Pant starb 1938. Heute ist er eine nahezu v\u00f6llig vergessene Figur: \u201eWir hatten wunderbare, engagierte Menschen in Kattowitz, und niemand erinnert sich daran.\u201d<\/p>\n<h2>Fazit: Ein Ruf in der W\u00fcste<\/h2>\n<p>Der Abschluss des \u201eGoldenen Vortrags\u201c enthielt einen wichtigen Appell. Die vom FZDM herausgegebene Publikation ist nicht nur eine wissenschaftliche Arbeit, sondern ein Akt der Gerechtigkeit gegen\u00fcber Menschen, die alles riskierten.<\/p>\n<p>Heute, dank des Engagements von Forschern wie Dr. Sebastian Rosenbaum, kann die Stimme von Eduard Pant wieder erklingen. Die darin enthaltenen Artikel aus dem \u201eDeutschen in Polen\u201c sind auch nach 90 Jahren ein eindringliches Memento und erinnern daran, dass W\u00fcrde und Meinungsfreiheit Werte sind, f\u00fcr die es sich lohnt, jeden Preis zu zahlen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vortrag von Dr. Sebastian Rosenbaum \u00fcber Eduard Pant und den Anti-Hitler-Widerstand in Oberschlesien Im Dokumentations- und Ausstellungszentrum der Deutschen in Polen \u2013 einer Abteilung der \u00d6ffentlichen Woiwodschaftsbibliothek in Oppeln \u2013 fand eine Veranstaltung aus der Reihe \u201eGoldener Vortrag\u201c statt. 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