{"id":77146,"date":"2026-04-19T05:00:48","date_gmt":"2026-04-19T03:00:48","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=77146"},"modified":"2026-04-17T12:19:50","modified_gmt":"2026-04-17T10:19:50","slug":"3-sonntag-der-osterzeit-wort-zum-sonntag-von-bischofsvikar-dr-peter-tarlinski-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/3-sonntag-der-osterzeit-wort-zum-sonntag-von-bischofsvikar-dr-peter-tarlinski-10\/","title":{"rendered":"Wort zum Sonntag von Bischofsvikar Dr. Peter Tarlinski"},"content":{"rendered":"<p><strong>3. Sonntag der Osterzeit<\/strong><\/p>\n<p><strong>1. Lesung: Apg 2, 14.22b\u201333 <\/strong><br \/>\n<strong>2. Lesung: 1 Petr 1, 17\u201321<\/strong><br \/>\n<strong>Evangelium: Lk 24, 13\u201335<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In den aufeinanderfolgenden Sonntagen der Osterzeit werden wir zu Zeugen der Begegnungen des auferstandenen Christus mit seinen J\u00fcngern. Vor kurzem lauschten wir dem Gespr\u00e4ch Jesu mit dem suchenden und hinterfragenden Apostel Thomas. In dieser Woche \u2013 dank der Aufzeichnung des Evangelisten Lukas \u2013 werden wir Zeugen der Begegnung des auferstandenen Jesus mit den J\u00fcngern, die nach Emmaus unterwegs sind. Nach der Kreuzigung des Messias wurden die zahlreichen Hoffnungen, die mit seinen Verhei\u00dfungen vom Reich Gottes verbunden waren, ged\u00e4mpft. Aus Furcht vor Verfolgung verlie\u00dfen die J\u00fcnger Jerusalem und begaben sich in die umliegenden Ortschaften. Ihre Herzen vermochten das Geheimnis, das die Sendung Jesu umh\u00fcllte, weder zu tragen noch zu begreifen.<br \/>\nSchlie\u00dfen wir uns also den Wandernden an.<\/p>\n<h2>Die Entt\u00e4uschung \u2014 der Versuch, der Wirklichkeit zu entfliehen<\/h2>\n<p>\u201eWir aber hatten gehofft\u2026\u201c Dieser Satz klingt nicht wie eine Erinnerung. Er klingt wie ein Seufzer, der noch keinen Abschluss gefunden hat \u2014 wie ein Echo einer Hoffnung, die an der Wirklichkeit zerbrach und nun weniger gewiss zur\u00fcckkehrt. Die J\u00fcnger gehen nicht nur einen Weg. Sie tragen in sich das Gewicht eines unerf\u00fcllten Gottesbildes. Ihr Messias sollte ein Licht ohne Schatten sein, ein Sieg ohne Wunde, eine Antwort ohne Fragen. Doch die Wirklichkeit erwies sich als komplexer \u2014 und gerade deshalb weniger durchsichtig.<br \/>\nWir kennen diesen Zustand aus eigener Erfahrung. Wir bauen unsere \u201eJerusalems\u201c: Karrieren, Beziehungen, Selbstbilder, eine sorgf\u00e4ltig entworfene Zukunft. Und dann kommt der Moment, in dem etwas zerbricht \u2014 leise, ohne dramatische Zeichen \u2014 und pl\u00f6tzlich muss alles von Neuem begonnen werden. Wir erleben Entt\u00e4uschung. Sie ist nicht nur ein Gef\u00fchl. Mit Augen und Herzen, die von ihr erf\u00fcllt sind, beginnen wir, die Welt zu lesen und zu betrachten. Alles filtern wir durch den Verlust. Selbst die Gegenwart Gottes erscheint dann wie Abwesenheit \u2014 nicht weil er verschwunden w\u00e4re, sondern weil er nicht unserem Bild entspricht, demnach er handeln sollte.<br \/>\nUnd doch \u2014 gerade dann, in jener Spalte zwischen dem, was war, und dem, was sich noch nicht geb\u00e4ren will \u2014 n\u00e4hert sich jemand. Er geht neben ihnen. Er unterbricht nicht. Er korrigiert nicht sofort. Er l\u00e4sst sie sprechen. Als w\u00fcsste er, dass der Mensch zuerst seine Entt\u00e4uschung aussprechen muss, bevor er f\u00e4hig wird, die Wahrheit zu h\u00f6ren. Die J\u00fcnger auf dem Weg nach Emmaus sprechen \u2014 und der auferstandene Jesus h\u00f6rt zu.<\/p>\n<h2>Das Wort \u2014 ein Feuer, das erw\u00e4rmt<\/h2>\n<p>Die J\u00fcnger erkennen den auferstandenen Christus nicht. Und das ist vielleicht das Ersch\u00fctterndste: Gott ist gegenw\u00e4rtig, und doch bleibt er unerkannt. Er geht mit ihnen, h\u00f6rt ihnen zu, antwortet \u2014 und dennoch bleiben ihre Augen gleichsam von einem kaum wahrnehmbaren Schleier umh\u00fcllt, der das Sehen nicht nimmt, sondern das Erkennen verz\u00f6gert. Der auferstandene Jesus beginnt zu erkl\u00e4ren. Er tut dies geduldig, wie einer, der nichts aufzwingen will, sondern zum Verst\u00e4ndnis der vergangenen Ereignisse hinf\u00fchren m\u00f6chte. Er ist ein Lehrer, der keine fertigen Antworten gibt, sondern lehrt, die Wahrheit und den Sinn zu erkennen. Die Worte des auferstandenen Jesus sind wie ein Feuer, das die Herzen der Zuh\u00f6renden erw\u00e4rmt. Nach einiger Zeit werden die J\u00fcnger dieses Erleben benennen:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Der Weg nach Emmaus ist kein Weg des Endes, sondern ein Weg des \u00dcbergangs \u2013 von der Entt\u00e4uschung zum Sinn und von der Einsamkeit zur Gemeinschaft.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>\u201eBrannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften er\u00f6ffnete?\u201c Das Herz \u2014 es ist der Ort, an dem die Wahrheit fr\u00fcher entflammt als im Denken. Es ist der Raum, in dem der Sinn noch ohne Worte geboren wird, wie eine Ahnung, die keine Ruhe l\u00e4sst. In einer Welt, die nach sofortigen Antworten verlangt, erscheint eine solche Erfahrung beinahe fremd. Wir haben uns an Verk\u00fcrzungen gew\u00f6hnt, an vereinfachte Darstellungen, an Sinngehalte, die in Form von Schlagzeilen dargeboten werden. Gott jedoch spricht die Sprache des Weges, die Sprache der Verwandlung, der inneren Reifung und der Unterscheidung. Auf diese Weise bef\u00e4higt er den Menschen, Entscheidungen zu treffen.<\/p>\n<h2>Das Brot \u2014 das vereint und st\u00e4rkt<\/h2>\n<p>In Emmaus senkt sich der Abend langsam herab. Das Licht schwindet, und damit w\u00e4chst das Bed\u00fcrfnis nach N\u00e4he. \u201eBleibe bei uns\u201c, sagen die J\u00fcnger, \u201edenn es will Abend werden, und der Tag hat sich schon geneigt.\u201c Dieser Satz ist Einladung und Ruf zugleich: Wir wollen nicht in die Einsamkeit zur\u00fcckkehren. Setze dich mit uns an den Tisch. W\u00e4hrend der Mahlzeit beginnt der auferstandene Jesus, das Brot zu brechen. Eine einfache, allt\u00e4gliche Geste \u2014 und doch f\u00fcr die J\u00fcnger erkennbar und verst\u00e4ndlich. Da \u00f6ffnen sich ihre Augen. In dem, was zerbrechlich, allt\u00e4glich und vertraut ist, erkennen sie ihren Meister und Herrn. Gott wird dort erkannt, wo man tiefer zu schauen vermag.<br \/>\nUnd dann verschwindet Jesus. Es ist kein Fortgehen, sondern eine andere Weise der Gegenwart. Man kann ihn nicht mehr unmittelbar sehen, aber man kann ihn erkennen. Man kann ihn nicht festhalten, aber man kann mit ihm leben. Der Auferstandene entzieht sich den Augen, um im Herzen zu bleiben, in der Erinnerung, der Geste des Brechens und Teilens des Brotes, die von nun an in jeder Eucharistie wiederholt wird. Es ist die erf\u00fcllte Verhei\u00dfung Jesu \u2014 das Zeichen seiner Gegenwart und seines Mit-Seins am Tisch mit dem Menschen. Ein Zeichen der Einheit und der St\u00e4rkung der J\u00fcnger durch seinen Leib \u2014 das Brot f\u00fcr das irdische und ewige Leben.<\/p>\n<h2>Die Flucht wird zur R\u00fcckkehr<\/h2>\n<p>F\u00fcr die J\u00fcnger, die in Emmaus das Brechen des Brotes erfahren haben, kehrt sich der Weg pl\u00f6tzlich um. Was Flucht war, wird zur R\u00fcckkehr. Die Nacht ist kein Hindernis mehr. Die M\u00fcdigkeit verliert ihre Bedeutung. Wenn der Mensch dem Leben wirklich begegnet, h\u00f6rt er auf zu fliehen \u2014 vor sich selbst, vor den anderen, vor der Wirklichkeit, selbst vor der schwierigsten. Die J\u00fcnger kehren nach Jerusalem zur\u00fcck \u2014 nicht weil sie m\u00fcssen, sondern weil sie nicht anders k\u00f6nnen. Denn die Begegnung mit dem, der lebt, dr\u00e4ngt immer zum Handeln. Sie erlaubt kein Verharren. Sie verschlie\u00dft sich nicht in ein privates Erleben.<br \/>\nDer Weg nach Emmaus ist daher kein Weg des Endes, sondern ein Weg des \u00dcbergangs \u2014 vom Entt\u00e4uscht-Sein zum Sinn, von der Verschlossenheit zur \u00d6ffnung, von der Einsamkeit zur Gemeinschaft. Und der auferstandene Jesus geht weiterhin neben den Menschen her \u2014 neben jenen, die auf Bildschirme starren, die Sensationen aufnehmen, die in ihre eigenen Geschichten verstrickt sind, die sich nicht ordnen wollen. Er geht neben denen, die sagen: \u201eIch hatte mir mehr erhofft.\u201c Jesus ist da \u2014 und wartet, bis jemand, vielleicht z\u00f6gernd, vielleicht leise, die Worte ausspricht, die immer den Raum der Begegnung und eines neuen Anfangs \u00f6ffnen: Herr, bleibe bei uns!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Sonntag der Osterzeit 1. Lesung: Apg 2, 14.22b\u201333 2. 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