{"id":76950,"date":"2026-04-17T05:00:24","date_gmt":"2026-04-17T03:00:24","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=76950"},"modified":"2026-04-15T15:59:11","modified_gmt":"2026-04-15T13:59:11","slug":"informelles-ministertreffen-des-rates-der-ostseestaaten-krasinski-palast-foto-polnisches-aussenministerium-msz-die-neue-strategie-der-polnischen-aussenpolitik-2026-2030","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/informelles-ministertreffen-des-rates-der-ostseestaaten-krasinski-palast-foto-polnisches-aussenministerium-msz-die-neue-strategie-der-polnischen-aussenpolitik-2026-2030\/","title":{"rendered":"Die neue Strategie der polnischen Au\u00dfenpolitik (2026-2030)"},"content":{"rendered":"<h1>Zwischen Anspruch und Unausgesprochenem<\/h1>\n<p><strong>Polens neue au\u00dfenpolitische Strategie f\u00fcr 2026\u20132030 diagnostiziert die zentralen geopolitischen Herausforderungen pr\u00e4zise \u2013 bleibt jedoch in entscheidenden Punkten vage. Weder die Balance zwischen NATO und Europa noch zentrale bilaterale Beziehungen werden strategisch durchdrungen. Sie ist deshalb ein Dokument mit klaren Ambitionen, aber ohne das n\u00f6tige Instrumentarium zu ihrer Umsetzung.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Staaten formulieren au\u00dfenpolitische Strategien nicht nur, um ihre eigenen Ziele zu ordnen, sondern auch, um diese ihren Partnern zu vermitteln und dem Handeln staatlicher Institutionen Koh\u00e4renz zu verleihen. F\u00fcr Staaten mittlerer Gr\u00f6\u00dfe wie Polen kommt solchen Strategien eine besondere Bedeutung zu: Ihre St\u00e4rke ergibt sich weniger aus materiellen Ressourcen als aus der F\u00e4higkeit, Beziehungen klug zu gestalten und Glaubw\u00fcrdigkeit aufzubauen. Deren Fehlen \u2013 oder ihre Erosion \u2013 wird nach au\u00dfen als Signal wahrgenommen.<\/p>\n<p>Polen verabschiedet ein solches Dokument nicht zum ersten Mal. Die Strategie f\u00fcr die Jahre 2017\u20132021 konzentrierte sich auf Sicherheit, transatlantische Beziehungen sowie auf die St\u00e4rkung der Position des Nationalstaats innerhalb der Europ\u00e4ischen Union und strukturierte ihre Priorit\u00e4ten in drei Kategorien: Sicherheit, Entwicklung und internationale Autorit\u00e4t (Strategia PPZ 2017\u20132021, S. 4\u20135).<\/p>\n<p>Das aktuelle Dokument kn\u00fcpft an diese Praxis an, setzt sich jedoch nur in begrenztem Ma\u00dfe mit den Erfahrungen der vergangenen Jahre auseinander. Der Leser erh\u00e4lt keine Antwort auf die Frage, ob es sich um eine Fortsetzung der bisherigen au\u00dfenpolitischen Linie handelt oder um den Versuch ihrer Korrektur bzw. Neudefinition.<\/p>\n<p>Dieses Problem ist nicht nur redaktioneller Natur. Angesichts der deutlichen Spannungen um die europapolitische Ausrichtung Polens in den vergangenen acht Jahren erschwert das Ausbleiben einer solchen Einordnung die Bewertung des tats\u00e4chlichen Umfangs einer m\u00f6glichen Kurskorrektur.<\/p>\n<h2>Treffende Diagnose, fragw\u00fcrdiger Zeithorizont<\/h2>\n<p>Die Strategie zeichnet ein koh\u00e4rentes Bild der internationalen Realit\u00e4t. Bezugspunkt ist der russisch-ukrainische Krieg sowie die daraus resultierende Destabilisierung der europ\u00e4ischen Ordnung. Zutreffend stellt das Dokument fest, dass \u201eunabh\u00e4ngig vom Verlauf des Krieges in der Ukraine Russland eine Bedrohung f\u00fcr ganz Europa bleiben wird, solange das gegenw\u00e4rtige Regime seine Ziele nicht \u00e4ndert\u201c (S. 4). Ebenso pr\u00e4zise wird die Instabilit\u00e4t der transatlantischen Beziehungen sowie das wachsende Risiko eines geringeren Engagements der USA in Europa beschrieben.<\/p>\n<p>Bedenken k\u00f6nnen sich jedoch hinsichtlich des Zeithorizonts ergeben. F\u00fcnfj\u00e4hrige Planung \u2013 unter Bedingungen relativer Stabilit\u00e4t gerechtfertigt \u2013 wird in einem Umfeld zunehmender Unsicherheit problematisch. Dessen ist sich auch der Au\u00dfenminister Rados\u0142aw Sikorski bewusst, der im Vorwort ausdr\u00fccklich feststellt, dass \u201edie polnische Au\u00dfenpolitik in absehbarer Zukunft in einer Welt betrieben wird, die deutlich weniger stabil und wesentlich unvorhersehbarer geworden ist\u201c (S. 4). Die Strategie 2017\u20132021 entstand vor der Pandemie, vor der gro\u00df angelegten russischen Invasion und vor der deutlichen Ersch\u00fctterung der transatlantischen Beziehungen. Keiner dieser Einschnitte wurde vorhergesehen \u2013 und keiner passte in die damalige Planungslogik.<\/p>\n<p>Das aktuelle Dokument zieht daraus jedoch keine methodologischen Schlussfolgerungen. Es erkl\u00e4rt zwar die Notwendigkeit einer \u201est\u00e4ndigen \u00dcberpr\u00fcfung\u201c der Annahmen (S. 7), pr\u00e4zisiert jedoch weder das Verfahren noch die institutionelle Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr diese \u00dcberpr\u00fcfung.<\/p>\n<p>Das Fehlen eines j\u00e4hrlichen Evaluationsmechanismus, von Leistungsindikatoren und klar zugewiesenen Verantwortlichkeiten ist kein technisches Detail \u2013 es stellt vielmehr eine strukturelle L\u00fccke in einem Dokument dar, das den Anspruch erhebt, eine Strategie zu sein.<\/p>\n<h2>Zwischen NATO und Europa: eine ungekl\u00e4rte Balance<\/h2>\n<p>Die Strategie bekr\u00e4ftigt die fundamentale Bedeutung der NATO sowie der Beziehungen zu den Vereinigten Staaten als Grundlage der Sicherheit Polens. Gleichzeitig nimmt sie die wachsende Unsicherheit in den transatlantischen Beziehungen sowie die M\u00f6glichkeit eines reduzierten US-Engagements in Europa zur Kenntnis (S. 12).<\/p>\n<p>Dieser Aspekt wird jedoch nicht weiter ausgef\u00fchrt. Das Dokument analysiert weder ein Szenario einer dauerhaften strategischen Verschiebung der USA in Richtung Indo-Pazifik noch die Konsequenzen einer erheblichen Abh\u00e4ngigkeit von der amerikanischen R\u00fcstungsindustrie.<\/p>\n<p>Die St\u00e4rkung des europ\u00e4ischen Pfeilers der Sicherheit wird als Erg\u00e4nzung zur NATO dargestellt, nicht als Antwort auf eine m\u00f6gliche Schw\u00e4chung des B\u00fcndnisses. Die Strategie erkennt das Problem \u2013 macht es jedoch nicht zum Gegenstand einer eigenst\u00e4ndigen Analyse.<\/p>\n<h2>Regionale Formate \u2013 Deklarationen ohne Architektur<\/h2>\n<p>Eine \u00e4hnliche Allgemeinheit zeigt sich im Umgang mit regionalen Kooperationsformaten. Dem Weimarer Dreieck wird die Rolle eines \u201eMotor der Entwicklung der Europ\u00e4ischen Union als Labor ambitionierter Reformprojekte\u201c zugeschrieben (S. 18). Dies wiederholt die Formulierung der Strategie von 2017, in der eine \u201eVertiefung der Zusammenarbeit im Rahmen des Weimarer Dreiecks\u201c gefordert wurde (Strategia PPZ 2017\u20132021, S. 11) \u2013 damals ohne konkrete institutionelle Vorschl\u00e4ge und auch heute ohne solche.<\/p>\n<p>Das Weimarer Dreieck existiert seit \u00fcber drei\u00dfig Jahren ohne st\u00e4ndiges Sekretariat, ohne gemeinsame Finanzinstrumente und ohne dauerhafte sektorale Projekte. Ein Format ohne institutionelle Verankerung bleibt ein Instrument reaktiver Politik, abh\u00e4ngig vom jeweiligen politischen Willen der Regierungen. Es f\u00e4llt schwer, es als ein bedeutendes Forum innerhalb der EU zu betrachten.<\/p>\n<p>Im Jahr 2026 \u2013 einem Jubil\u00e4umsjahr sowohl f\u00fcr das Weimarer Dreieck als auch f\u00fcr den deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag von 1991 \u2013 war kaum ein ernsthafter Versuch zu erkennen, diesem Format auf h\u00f6chster Ebene neue Dynamik zu verleihen.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund spiegelt das Fehlen eines Bezugs zur St\u00e4rkung des Dreiecks in der Strategie nicht nur bestehende Defizite wider, sondern reproduziert sie f\u00fcr die kommenden Jahre. In dieser Logik bleibt das Weimarer Dreieck eher ein Potenzial als ein Instrument.<\/p>\n<h2>Deutschland: pr\u00e4sent und abwesend zugleich<\/h2>\n<p>Besonders auff\u00e4llig ist die Abwesenheit Deutschlands und der deutsch-polnischen Beziehungen als eigenst\u00e4ndiges Feld der Au\u00dfenpolitik. Deutschland erscheint im Dokument lediglich indirekt \u2013 \u00fcber die Europ\u00e4ische Union und das Weimarer Dreieck \u2013 und wird kein einziges Mal als eigenst\u00e4ndiger und zentraler Partner genannt. Dies kann als Versuch einer Normalisierung der Beziehungen interpretiert werden \u2013 oder als Vermeidung einer schwierigen Debatte \u00fcber ihren tats\u00e4chlichen Zustand.<\/p>\n<p>Die deutsch-polnischen Beziehungen werden dabei zunehmend durch die Perspektive der Sicherheit gefiltert. In Bereichen, in denen Deutschland sich am Ausbau von Verteidigungs- und Abschreckungsf\u00e4higkeiten beteiligt, zeigt sich eine klare Konvergenz der Interessen. Dort jedoch, wo der Schwerpunkt auf politischen oder wirtschaftlichen L\u00f6sungen liegt, relativiert sich die Bedeutung Berlins aus polnischer Sicht.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Das Weimarer Dreieck existiert seit \u00fcber drei\u00dfig Jahren ohne st\u00e4ndiges Sekretariat, ohne gemeinsame Finanzinstrumente und ohne dauerhafte sektorale Projekte. Ein Format ohne institutionelle Verankerung bleibt ein Instrument reaktiver Politik, abh\u00e4ngig vom jeweiligen politischen Willen der Regierungen.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>In diesem Sinne gewinnt die Suche nach alternativen Kooperationsformaten an Bedeutung, darunter insbesondere mit den nordischen Staaten, die als verl\u00e4sslichereB Partner im Sicherheitsbereich wahrgenommen werden. In diesem Kontext ist das Jahr 2026 von besonderer Bedeutung. Es markiert den 35. Jahrestag des Vertrags \u00fcber gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit vom 17. Juni 1991 \u2013 eines Dokuments, das die Grundlage der Normalisierung der Beziehungen nach der deutschen Wiedervereinigung bildete. Die Strategie enth\u00e4lt keinen Hinweis auf dieses Jubil\u00e4um.<\/p>\n<p>Es dr\u00e4ngt sich die Frage auf: Wenn das Au\u00dfenministerium es f\u00fcr angebracht hielt, sich im Juli 2025 in einer diplomatischen Intervention gegen\u00fcber dem Heiligen Stuhl \u2013 als Reaktion auf \u00c4u\u00dferungen polnischer Hierarchen \u2013 auf den Brief der polnischen Bisch\u00f6fe von 1965 zu berufen, warum schweigt derselbe Apparat dann zum Vertrag von 1991 in einem programmatischen Dokument f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre? Die Diskrepanz zwischen der instrumentellen Nutzung der Geschichte und ihrem Ausblenden in der strategischen Planung erscheint symptomatisch.<\/p>\n<h2>Geschichte als Ressource \u2013 aber welche Geschichte?<\/h2>\n<p>Auff\u00e4llig ist die Selektivit\u00e4t dieser Erz\u00e4hlung. Das Dokument nimmt kaum Bezug auf die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs und deren Folgen und betont stattdessen das Bild Polens als eines Landes, das \u201eals erstes den Kommunismus \u00fcberwunden und die erfolgreichsten Wirtschaftsreformen in Europa durchgef\u00fchrt hat\u201c (S. 28). Fr\u00fchere strategische Dokumente hoben hingegen deutlicher die Bedeutung der Pflege des polnischen kulturellen Erbes und der Erinnerungsorte hervor, insbesondere in Osteuropa. Diese Verschiebung der Akzente wird in der aktuellen Strategie jedoch nicht erl\u00e4utert.<\/p>\n<p>Dies bedeutet allerdings nicht, dass hier eine v\u00f6llig neue Meistererz\u00e4hlung entsteht. Der Bezug auf die Transformationserfahrung war bereits in polnischen programmatischen Dokumenten der fr\u00fchen 2000er Jahre pr\u00e4sent. In den au\u00dfenpolitischen Grundsatzreden aus der Zeit des EU-Beitritts (2004) sowie des 25-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums von Solidarno\u015b\u0107 (2005) wurde konsequent das Bild Polens als eines Landes gezeichnet, das als erstes den Kommunismus \u00fcberwunden und damit den Weg f\u00fcr demokratische Transformationen in der gesamten Region er\u00f6ffnet hat. Die Nationale Sicherheitsstrategie von 2003 schrieb Polen gerade aufgrund dieser Transformationserfahrung die Rolle eines stabilisierenden Faktors in Mittel- und Osteuropa zu.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Die Diskrepanz zwischen der instrumentellen Nutzung der Geschichte und ihrem Ausblenden in der strategischen Planung erscheint symptomatisch.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die Schw\u00e4che dieser Meistererz\u00e4hlung liegt darin, dass die Transformation kein abgeschlossener und auch kein eindeutig bewerteter Prozess ist. Die tiefe gesellschaftliche Polarisierung in Polen \u2013 sichtbar in den Wahlen und institutionellen Konflikten des letzten Jahrzehnts \u2013 erschwert es, die Transformation als uneingeschr\u00e4nkten Erfolg darzustellen, ohne zugleich zu kl\u00e4ren, was dieser Erfolg bedeutet und f\u00fcr wen. Die Strategie erkennt dieses Dilemma nicht.<\/p>\n<p>\u00d6ffentliche Diplomatie ist nur dann wirksam, wenn die nach au\u00dfen vermittelte Meistererz\u00e4hlung mit dem \u00fcbereinstimmt, was von au\u00dfen wahrgenommen wird. Umso \u00fcberraschender ist das Fehlen von Verweisen auf konkrete erfolgreiche Kooperationsprojekte wie das gemeinsame deutsch-polnische Geschichtsschulbuch \u201eEuropa. Unsere Geschichte\u201c, das ein reales Instrument moderner Geschichtspolitik und der internationalen Darstellung Polens darstellt \u2013 und dar\u00fcber hinaus auch in einem weiteren internationalen Kontext Bedeutung gewinnen kann.<\/p>\n<p>Es handelt sich um das erste Projekt dieser Art, das systematisch identische Inhalte in gleichlautenden polnischen und deutschen Fassungen pr\u00e4sentiert. Zudem wird derzeit eine Auswahl von Kapiteln aus den vier B\u00e4nden in englischer Sprache vorbereitet, die in einem neuen Band ver\u00f6ffentlicht werden soll.<\/p>\n<p>Dieses Vorhaben, das unterschiedliche historiographische Traditionen verbindet und die Geschichte Polens und Deutschlands in einen breiteren europ\u00e4ischen Kontext einordnet, k\u00f6nnte zu einem der \u00fcberzeugendsten Beispiele zeitgen\u00f6ssischer intellektueller Zusammenarbeit in Europa werden. Seine Abwesenheit in der Strategie zeigt, wie unzureichend vorhandene Ressourcen genutzt werden.<\/p>\n<h2>\u00dcbersehene Akteure<\/h2>\n<p>Ebenso \u00fcberraschend ist die deutliche Asymmetrie bei der Definition der au\u00dfenpolitischen Akteure. Die Strategie widmet der Polonia und den im Ausland lebenden Polen viel Aufmerksamkeit, ohne jedoch klar zu definieren, welche Funktion ihnen zugeschrieben wird \u2013 ob es sich um ein wirtschaftliches Netzwerk, ein Instrument politischen Einflusses oder ein Element der \u00f6ffentlichen Diplomatie handelt.<\/p>\n<p>Gleichzeitig werden nationale und ethnische Minderheiten in Polen vollst\u00e4ndig ausgeblendet \u2013 weder die deutsche Minderheit noch die wachsende ukrainische Gemeinschaft noch die j\u00fcdische Minderheit finden im Text Erw\u00e4hnung, obwohl es sich um Gruppen handelt, die sowohl f\u00fcr bilaterale Beziehungen als auch f\u00fcr das internationale Bild des Staates von unmittelbarer Bedeutung sind. Ihre Existenz und ihre Behandlung sind ein wesentlicher Ma\u00dfstab f\u00fcr die Bewertung Polens im Hinblick auf demokratische Standards und den Schutz von Minderheitenrechten.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Weder die deutsche Minderheit noch die wachsende ukrainische Gemeinschaft noch die j\u00fcdische Minderheit finden im Text Erw\u00e4hnung, obwohl es sich um Gruppen handelt, die sowohl f\u00fcr bilaterale Beziehungen als auch f\u00fcr das internationale Bild des Staates von unmittelbarer Bedeutung sind.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Das Ausblenden dieser Dimension ist umso bemerkenswerter, als die europ\u00e4ische Geschichte zeigt, dass Einschr\u00e4nkungen von Minderheitenrechten und ihre Marginalisierung wiederholt zu Spannungen und Konflikten gef\u00fchrt haben. Unter Bedingungen aktueller geopolitischer Instabilit\u00e4t wird die Ber\u00fccksichtigung der gesellschaftlichen Dimension der Au\u00dfenpolitik nicht nur zu einer normativen Frage, sondern zu einem Element rational verstandener Sicherheit.<\/p>\n<h2>Ambition ohne Instrumentarium<\/h2>\n<p>Es l\u00e4sst sich daher feststellen, dass die Strategie f\u00fcr die Jahre 2026\u20132030 die zentralen Herausforderungen zutreffend diagnostiziert, jedoch keine vollst\u00e4ndigen Rahmenbedingungen f\u00fcr deren Umsetzung schafft. Die Strategie von 2017 enthielt \u2013 bei allen ihren Begrenzungen \u2013 zu jedem Priorit\u00e4tsbereich konkrete Ma\u00dfnahmenlisten und stellte somit den Versuch dar, Ziele in einen Katalog konkreter Handlungen zu \u00fcbersetzen (Strategia PPZ 2017\u20132021, passim). Das aktuelle Dokument verzichtet auf eine solche Form der Konkretisierung.<\/p>\n<p>Der Anspruch, aktiv an der Gestaltung einer sich wandelnden Welt teilzunehmen, geht dem Instrumentarium voraus, \u00fcber das Polen verf\u00fcgt oder das es aufzubauen bereit ist. Das Dokument setzt eine funktionierende und koh\u00e4rente staatliche Diplomatie voraus, ohne auf institutionelle Spannungen einzugehen, die in den letzten Jahren ihre Funktionsweise beeinflusst haben, insbesondere auf das Verh\u00e4ltnis zwischen Regierung und Pr\u00e4sident.<\/p>\n<p>Hier haben wir es deutlich mit strukturellen Begrenzungen zu tun, die eine Strategie benennen sollte \u2013 anstatt sie hinter allgemeinen Formulierungen zu verbergen.<\/p>\n    <div class=\"osoba-widget\">\r\n                    <h4 class=\"osoba-naglowek\">\u00dcber den Autor<\/h4>\r\n                <div class=\"osoba-body\">\r\n            <div class=\"osoba-text\"><p>Prof. Dr. Krzysztof Ruchniewicz ist Historiker und Professor an der Universit\u00e4t Breslau. Seit April 2026 ist er zudem als DAAD-Gastprofessor an der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum t\u00e4tig. Bis 2024 leitete er das Willy-Brandt-Zentrum f\u00fcr Deutschland- und Europastudien der Universit\u00e4t Breslau; in den Jahren 2024\/2025 war er Beauftragter des polnischen Au\u00dfenministers f\u00fcr die deutsch-polnische Zusammenarbeit. Er ist Autor zahlreicher Publikationen zur deutschen Geschichte sowie zu den polnisch-deutschen Beziehungen mit einem Schwerpunkt auf dem 20. und fr\u00fchen 21. Jahrhundert.<br \/>\nF\u00fcr unsere Zeitung verfasst er seit Anfang 2026 regelm\u00e4\u00dfig die politische Kolumne \u201eNachbarschaft verpflichtet\u201c, in der er sich mit den deutsch-polnischen Beziehungen auseinandersetzt.<\/p>\n<\/div>\r\n                        <div class=\"osoba-image\">\r\n                <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Krzysztof-Ruchniewicz_af.png\" alt=\"\u00dcber den Autor\">\r\n                            <\/div>\r\n                    <\/div>\r\n    <\/div>\r\n    \n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen Anspruch und Unausgesprochenem Polens neue au\u00dfenpolitische Strategie f\u00fcr 2026\u20132030 diagnostiziert die zentralen geopolitischen Herausforderungen pr\u00e4zise \u2013 bleibt jedoch in entscheidenden Punkten vage. Weder die Balance zwischen NATO und Europa noch zentrale bilaterale Beziehungen werden strategisch durchdrungen. 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