{"id":76661,"date":"2026-04-12T05:00:39","date_gmt":"2026-04-12T03:00:39","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=76661"},"modified":"2026-04-10T14:51:57","modified_gmt":"2026-04-10T12:51:57","slug":"wort-zum-sonntag-von-bischofsvikar-dr-peter-tarlinski-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wort-zum-sonntag-von-bischofsvikar-dr-peter-tarlinski-9\/","title":{"rendered":"Wort zum Sonntag von Bischofsvikar Dr. Peter Tarlinski"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zweiter Sonntag der Osterzeit:<\/strong><br \/>\n<strong>Wei\u00dfer Sonntag<\/strong><br \/>\n<strong>Sonntag der G\u00f6ttlichen Barmherzigkeit<\/strong><\/p>\n<p><strong>1. Lesung: Apg 2, 42\u201347<\/strong><br \/>\n<strong>2. Lesung: 1 Petr 1, 3\u20139<\/strong><br \/>\n<strong>Evangelium: Joh 20, 19\u201331<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Wei\u00dfer Sonntag \u2014 Beginn des Weges<\/h2>\n<p>Im liturgischen Kalender der katholischen Kirche gibt es Momente, die nicht so sehr einen Abschnitt abschlie\u00dfen, als vielmehr einen Raum er\u00f6ffnen, ihn tiefer zu durchleben. Einer davon ist der Wei\u00dfe Sonntag \u2014 der auf den Sonntag nach dem Hochfest der Auferstehung des Herrn f\u00e4llt.<\/p>\n<p>Die Bezeichnung \u201eWei\u00dfer Sonntag\u201c stammt aus der Tradition der ersten Jahrhunderte des Christentums. Die Neugetauften \u2014 die Katechumenen, die in der Osternacht die Taufe empfingen \u2014 trugen die ganze Woche hindurch wei\u00dfe Gew\u00e4nder als Zeichen des neuen Lebens, der Reinheit und der Wiedergeburt in Christus. Am achten Tag, an eben diesem Sonntag, legten sie diese feierlich ab und beendeten damit symbolisch die Zeit der Einf\u00fchrung in die Geheimnisse des Glaubens.<\/p>\n<p>Das Wei\u00df verschwand jedoch nicht aus ihrem Leben \u2014 es sollte fortan zu einer geistlichen Wirklichkeit werden. Das \u00e4u\u00dfere Zeichen wurde zum Beginn eines Weges mit Christus, dem Lehrer und Meister, dem Licht und der Wahrheit, dem Sieger und Befreier aus der Finsternis der S\u00fcnde, aus der Herrschaft des Todes und den Verf\u00fchrungen Satans. Die Taufe ist f\u00fcr jeden, der sie empfangen hat, ein solcher Anfang, der zur Quelle geistlichen Wachstums werden soll.<\/p>\n<h2>Sonntag der G\u00f6ttlichen Barmherzigkeit<\/h2>\n<p>Heute ist der Wei\u00dfe Sonntag auch als Sonntag der G\u00f6ttlichen Barmherzigkeit bekannt.<\/p>\n<p>Der Kult der G\u00f6ttlichen Barmherzigkeit, das hei\u00dft die in geordneter Weise vollzogene Verehrung Gottes unter besonderer Hervorhebung seiner barmherzigen Liebe, entwickelte sich vor allem in der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts. Seine dynamische Ausbreitung steht in Verbindung mit der heiligen Faustyna Kowalska (1905\u20131938), einer Ordensschwester der Kongregation der Muttergottes der Barmherzigkeit.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Der Glaube entsteht aus dem Mut, durch Zweifel hindurchzugehen, bis sie sich in eine Begegnung mit Christus verwandeln.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>In den Jahren 1934\u20131938, also in der letzten Phase ihres Lebens, hielt sie ihre mystischen Erfahrungen in Heften fest, die unter dem Titel \u201eTagebuch\u201c bekannt sind. Die Aufzeichnungen entstanden an verschiedenen Orten ihres Lebens (unter anderem in Vilnius und Krakau) und haben den Charakter eines pers\u00f6nlichen Zeugnisses geistlicher Erfahrungen, Visionen und Gespr\u00e4che mit Jesus, dem Barmherzigen.<\/p>\n<p>Diese Zeugnisse wurden von der Kirche als authentische Privatoffenbarungen anerkannt. Sie gaben einen bedeutenden Impuls f\u00fcr die Entwicklung des Kultes der G\u00f6ttlichen Barmherzigkeit, dessen Hauptf\u00f6rderer und theologischer Interpret Johannes Paul II. war. Dieser Papst hat Schwester Faustyna nicht nur selig- (1993) und heiliggesprochen (2000), sondern im Jahr 2000 auch das Fest der G\u00f6ttlichen Barmherzigkeit f\u00fcr die ganze Kirche eingef\u00fchrt. Damit wurde diese Form der Spiritualit\u00e4t fest im offiziellen liturgischen Leben der Katholiken verankert.<\/p>\n<h2>Was sagt die Bibel \u00fcber die G\u00f6ttliche Barmherzigkeit?<\/h2>\n<p>Die theologischen Grundlagen des Kultes der G\u00f6ttlichen Barmherzigkeit sind tief in der Heiligen Schrift verwurzelt. Das Alte Testament offenbart Gott als \u201ebarmherzig und gn\u00e4dig, langm\u00fctig, reich an Huld und Treue\u201c (vgl. Ex 34,6).<\/p>\n<p>Von besonderer Bedeutung sind dabei die hebr\u00e4ischen Begriffe <em>hesed<\/em> und <em>rahamim<\/em>. Wie wir etwa auf dem Portal<span style=\"color: #0000ff;\"> <a style=\"color: #0000ff;\" href=\"https:\/\/www.faustyna.pl\/zmbm\/milosierdzie\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.faustyna.pl\/zmbm\/milosierdzie\/<\/a><\/span> lesen k\u00f6nnen, bezeichnet <em>hesed<\/em> eine treue Liebe, die stets G\u00fcte und Gnade erweist, gepr\u00e4gt von Treue zu sich selbst (zum Bund mit dem Menschen) sowie von Verantwortung f\u00fcr die, die man liebt.<\/p>\n<p>Das Wort <em>rahamim<\/em> (abgeleitet von <em>rehem<\/em> \u2013 dem Mutterscho\u00df) hebt dagegen Z\u00fcge hervor, die der Liebe einer Frau und Mutter eigen sind. Es \u00e4u\u00dfert sich in den z\u00e4rtlichsten Regungen sowie in einer v\u00f6lligen Hingabe im Helfen f\u00fcr andere, selbst unter Tr\u00e4nen des Mitgef\u00fchls. Es bedeutet eine unentgeltlich geschenkte, unverdiente Liebe, die aus dem Herzen entspringt und gekennzeichnet ist durch G\u00fcte, Z\u00e4rtlichkeit, Geduld, Verst\u00e4ndnis und die Bereitschaft zur Vergebung.<\/p>\n<p>Im Neuen Testament erreicht die Offenbarung der Barmherzigkeit ihre F\u00fclle in der Person Jesu Christi, der nicht nur \u00fcber die Barmherzigkeit lehrt (etwa in den Gleichnissen vom verlorenen Sohn und vom barmherzigen Vater oder vom barmherzigen Samariter), sondern selbst ihre Verk\u00f6rperung ist.<\/p>\n<p>Bezeichnend ist die Antwort Christi an die J\u00fcnger Johannes\u2019 des T\u00e4ufers, die fragen: \u201eBist du der, der kommen soll, oder m\u00fcssen wir auf einen anderen warten?\u201c (Lk 7,19). Jesus sprach zu ihnen: \u201eGeht und berichtet Johannes, was ihr gesehen und geh\u00f6rt habt: Blinde sehen wieder, Lahme gehen, Auss\u00e4tzige werden rein und Taube h\u00f6ren; Tote stehen auf, und den Armen wird die Frohe Botschaft verk\u00fcndet\u201c (vgl. Lk 7,22f.). Mit anderen Worten: Die Barmherzigkeit Gottes ist in der Welt gegenw\u00e4rtig.<\/p>\n<p>Am vollkommensten jedoch wurde die barmherzige Liebe Gottes durch den Sohn Gottes in den Stunden seines Leidens, seines Todes und seiner Auferstehung offenbart. Besonders eindr\u00fccklich bleibt der Bericht vom Tod Jesu, den der Evangelist Johannes \u00fcberliefert:<\/p>\n<p>Als \u201esie zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, (\u2026) stie\u00df einer der Soldaten mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus\u201c (Joh 19,34).<\/p>\n<p>Das durchbohrte Herz Christi zeigt symbolisch die Quelle der Gnade und der Barmherzigkeit f\u00fcr die ganze Welt. Der Mensch \u2013 als s\u00fcndiges Wesen \u2013 kann sich nicht selbst erl\u00f6sen; deshalb bedarf er des gro\u00dfz\u00fcgigen Geschenks der Gnade in Gestalt von Vergebung, Vers\u00f6hnung und einer Neusch\u00f6pfung durch die barmherzige Liebe Gottes.<\/p>\n<h2>Suchend, fragend \u2013 den Sinn findend<\/h2>\n<p>Ein weiterer Gedanke dieses Sonntags findet sich im Evangelium, das die Person des Apostels Thomas in den Mittelpunkt stellt. Es ist keine Erz\u00e4hlung vom Zweifel, sondern vom Weg zum Glauben, der keine Angst vor Fragen hat.<\/p>\n<p>Thomas lehnt die Wahrheit der Auferstehung nicht ab \u2014 er m\u00f6chte sie pers\u00f6nlich erfahren. Seine Haltung des Fragens zeigt vielmehr, dass der Glaube eine Pr\u00fcfung durchlaufen muss: eine innere Vergewisserung, eine L\u00e4uterung, die schlie\u00dflich zur Gewissheit wird.<\/p>\n<p>In den Worten des Apostels Thomas: \u201eWenn ich nicht sehe \u2026 werde ich nicht glauben\u201c liegt keine Geringsch\u00e4tzung oder Ablehnung, sondern eine tiefe Ehrlichkeit. Es ist die Stimme eines Menschen, der sein Leben nicht auf blo\u00dfes H\u00f6rensagen gr\u00fcnden will.<\/p>\n<p>Gerade deshalb wird die Begegnung mit dem Auferstandenen so entscheidend \u2014 Jesus weist seine Zweifel nicht zur\u00fcck, sondern tritt in sie ein. Er best\u00e4tigt somit, dass die Wahrheit sich vor der menschlichen Suche nicht f\u00fcrchtet.<\/p>\n<p>Der auferstandene Jesus l\u00e4sst sich ber\u00fchren und sagt: \u00dcberzeuge dich, ber\u00fchre die Wunden der Kreuzigung \u2014 \u201eund sei nicht ungl\u00e4ubig, sondern gl\u00e4ubig\u201c.<\/p>\n<p>Thomas antwortete ihm: \u201eMein Herr und mein Gott!\u201c Jesus sprach zu ihm: \u201eWeil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.\u201c<\/p>\n<p>So wird Thomas dem heutigen Menschen nahe: nicht vollkommen, aber authentisch in seiner Suche nach der Wahrheit und in seinem tiefen Vertrauen, als er sie erkannt hat.<\/p>\n<p>Der Glaube entsteht aus dem Mut, durch Zweifel hindurchzugehen, damit diese sich in eine Begegnung mit Christus verwandeln k\u00f6nnen, der dem menschlichen Dasein seinen Sinn gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Bischofsvikar Dr. Peter Tarlinski<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zweiter Sonntag der Osterzeit: Wei\u00dfer Sonntag Sonntag der G\u00f6ttlichen Barmherzigkeit 1. Lesung: Apg 2, 42\u201347 2. Lesung: 1 Petr 1, 3\u20139 Evangelium: Joh 20, 19\u201331<\/p>\n","protected":false},"author":295,"featured_media":72237,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4225],"tags":[7268,7267,6199],"redaktor":[6062],"class_list":["post-76661","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kirche-de","tag-osterzeit","tag-weisser-sonntag","tag-wort-zum-sonntag-de","redaktor-bischofsvikar-dr-peter-tarlinski-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76661","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/295"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=76661"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76661\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":76667,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76661\/revisions\/76667"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/72237"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=76661"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=76661"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=76661"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=76661"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}