{"id":75813,"date":"2026-02-01T19:30:59","date_gmt":"2026-02-01T18:30:59","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=75813"},"modified":"2026-04-01T12:14:36","modified_gmt":"2026-04-01T10:14:36","slug":"ryczywol-wo-bruellt-der-ochse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/ryczywol-wo-bruellt-der-ochse\/","title":{"rendered":"Ryczyw\u00f3\u0142: Wo br\u00fcllt der Ochse?"},"content":{"rendered":"<h1>Geschichte und Geheimnisse eines kleinen Ortes in Gro\u00dfpolen<\/h1>\n<p><strong>Die Kreativit\u00e4t unserer Vorfahren bei der Benennung von St\u00e4dten und D\u00f6rfern kannte keine Grenzen. Daran dachte ich neulich, als ich ein Paket \u00fcber Vinted an eine Frau in dem wunderbar klingenden Ort Ryczyw\u00f3\u0142 (wortw\u00f6rtlich: Br\u00fcllender Ochse) schickte. Das Dorf liegt in der Woiwodschaft Gro\u00dfpolen, Kreis Obornik \u2013 man erkennt sofort, dass es auch eine deutsche Vergangenheit hatte. Bei der Suche nach dem \u201ebr\u00fcllenden Ochsen\u201c in der deutschen Ortsbezeichnung stie\u00df ich jedoch nur auf das elegante Ritschenwalde. Schade, aber die Lekt\u00fcre der Ortsgeschichte war trotzdem lohnenswert.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_69606\" style=\"width: 426px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-69606\" class=\" wp-image-69606\" src=\"https:\/\/wochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/wappen-der-gemeinde-ryczywol-272x300.png\" alt=\"\" width=\"416\" height=\"459\" \/><p id=\"caption-attachment-69606\" class=\"wp-caption-text\">Das Wappen der Gemeinde Ryczyw\u00f3\u0142.<br \/>Foto: Wikipedia<\/p><\/div>\n<h2>Anf\u00e4nge<\/h2>\n<p>Ryczyw\u00f3\u0142 entstand Anfang des 15. Jahrhunderts als private Stadt auf dem Gel\u00e4nde des fr\u00fcheren Dorfes Kr\u0119\u017co\u0142y und trug zun\u00e4chst den Namen Nowy Ostr\u00f3w. Das genaue Datum der urspr\u00fcnglichen Gr\u00fcndung ist unbekannt, doch am 9. August 1426 erneuerte K\u00f6nig W\u0142adys\u0142aw II. Jagie\u0142\u0142o das Stadtrecht f\u00fcr Nowy Ostr\u00f3w. Drei Jahre sp\u00e4ter, 1429, erscheint der Ort in historischen Quellen erstmals unter dem Namen Ryczyw\u00f3\u0142, der allm\u00e4hlich den urspr\u00fcnglichen Namen vollst\u00e4ndig verdr\u00e4ngte. Der Name und das Stadtwappen \u2013 ein schwarzer Stierkopf \u2013 leiten sich vermutlich von den damals hier stattfindenden Viehm\u00e4rkten und den zahlreichen Herden auf den gr\u00fcnen Ebenen ab.<\/p>\n<div id=\"attachment_69605\" style=\"width: 634px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-69605\" class=\" wp-image-69605\" src=\"https:\/\/wochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Ryczywol_Square-300x190.jpg\" alt=\"\" width=\"624\" height=\"395\" \/><p id=\"caption-attachment-69605\" class=\"wp-caption-text\">Ryczyw\u00f3\u0142 verlor 1934 das Stadtrecht und ist heute ein ruhiges Dorf.<br \/>Foto: Wikipedia<\/p><\/div>\n<p>Von Anfang an war Ryczyw\u00f3\u0142 eine kleine Stadt. W\u00e4hrend des Dreizehnj\u00e4hrigen Krieges stellte die Stadt 1458 zwei Fu\u00dfsoldaten, die zur Unterst\u00fctzung der belagerten polnischen Besatzung der Burg Marienburg geschickt werden sollten. Im Mittelalter wurde die Gr\u00f6\u00dfe einer Stadt oft an der Zahl ihrer Soldaten gemessen: Zum Vergleich, Rogo\u017ano stellte damals 15, andere St\u00e4dte der Region 6\u201310 Soldaten \u2013 Ryczyw\u00f3\u0142 geh\u00f6rte damit zu den kleinen St\u00e4dten Gro\u00dfpolens.<\/p>\n<h2>Schwankende Schicksale und deutsche Geschichte<\/h2>\n<p>Die ersten Besitzer der Stadt waren die Familien Objezierski und Kiszewski. Sp\u00e4ter \u00fcbernahmen Adelsfamilien wie die Czarnkowski und Grudzi\u0144ski die Stadt, verliehen Marktrechte und f\u00fchrten ein eigenes B\u00fcrgermeisterbuch. Nach den Schwedischen Kriegen, die Ryczyw\u00f3\u0142 Mitte des 17. Jahrhunderts zerst\u00f6rten, brachte Piotr Che\u0142kowski neue Siedler, haupts\u00e4chlich deutsche Fl\u00fcchtlinge, die das sogenannte Neue Stadtviertel gr\u00fcndeten. Ab diesem Zeitpunkt beginnt die deutsche Geschichte Ryczyw\u00f3ls \u2013 im 18. und 19. Jahrhundert siedelten sich hier zahlreiche deutsche Kolonisten an, und in preu\u00dfischen Dokumenten erscheint der Ort als Lopischewo zu Ritschenwalde.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Heute ist Ryczyw\u00f3\u0142 ein ruhiges Dorf, das trotz des Statusverlustes weiterhin durch seinen Namen, seine Legenden und Spuren fr\u00fcherer Glanzzeiten fasziniert.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Ab 1793 geh\u00f6rte Ryczyw\u00f3\u0142 zum preu\u00dfischen Teilungsgebiet, ab 1807 zum Herzogtum Warschau, und ab 1815 erneut zu Preu\u00dfen. Nach dem Ersten Weltkrieg kehrt Ryczyw\u00f3\u0142 am 6. Januar 1919 wieder zu Polen zur\u00fcck.<\/p>\n<h2>Niedergang der Stadt und Gegenwart<\/h2>\n<p>Im 19. Jahrhundert blieb Ryczyw\u00f3\u0142 ein kleiner Ort, dessen Bev\u00f6lkerung langsam wuchs: 600 Einwohner 1808, 1100 1860, 1250 1912. Das Kleingewerbe versorgte vor allem den Ort und die umliegenden D\u00f6rfer. Erst nach 1896, mit dem Eisenbahnanschluss nach Rogo\u017ano und Krzy\u017c, kam es zu einer kurzen wirtschaftlichen Belebung \u2013 die aber nicht von Dauer war. Die zunehmende Rezession f\u00fchrte schlie\u00dflich 1934 zum Verlust der Stadtrechte.<\/p>\n<div id=\"attachment_69604\" style=\"width: 679px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-69604\" class=\" wp-image-69604\" src=\"https:\/\/wochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Ryczywol_railway_station_1-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"669\" height=\"502\" \/><p id=\"caption-attachment-69604\" class=\"wp-caption-text\">Das alte Bahnhofgeb\u00e4ude.<br \/>Foto: Wikipedia<\/p><\/div>\n<p>Heute ist Ryczyw\u00f3\u0142 ein ruhiges Dorf, das trotz des Statusverlustes weiterhin durch seinen Namen, seine Legenden und Spuren fr\u00fcherer Glanzzeiten fasziniert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschichte und Geheimnisse eines kleinen Ortes in Gro\u00dfpolen Die Kreativit\u00e4t unserer Vorfahren bei der Benennung von St\u00e4dten und D\u00f6rfern kannte keine Grenzen. 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