{"id":75633,"date":"2026-04-04T17:00:03","date_gmt":"2026-04-04T15:00:03","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=75633"},"modified":"2026-04-02T16:04:13","modified_gmt":"2026-04-02T14:04:13","slug":"deutsch-polnische-beziehungen-in-tinte-polen-auf-der-leipziger-buchmesse-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/deutsch-polnische-beziehungen-in-tinte-polen-auf-der-leipziger-buchmesse-2026\/","title":{"rendered":"Polen auf der Leipziger Buchmesse 2026"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Literatur in Papierform hat der digitalen Welt noch einmal gezeigt, was sie draufhat: Zusammen mit dem Lesefestival \u201eLeipzig liest\u201c zog die Leipziger Buchmesse im Jahr 2026 rund 313.000 Besucher an. Ein neuer Rekord und ein gutes Zeichen f\u00fcr den Buchmarkt, seine Verleger, Autoren und Liebhaber. \u00dcber den Andrang konnten sich aber nicht nur die deutschen Literaturprofis freuen. In Halle 4 pr\u00e4sentierte sich auch der internationale Buchmarkt. Mit dabei waren wieder Vertreter und F\u00f6rderer der polnischen Literatur.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Der deutsche Buchmarkt als \u201eTor zur Welt\u201c<\/h2>\n<p>Verantwortlich daf\u00fcr war \u2013 wie der Name bereits verr\u00e4t \u2013 das Polnische Buchinstitut. Gemeinsam mit dem Polnischen Institut Leipzig habe man ein Messeprogramm erarbeitet, sagt Agnieszka Urbanowska, Leiterin der Abteilung f\u00fcr Auslandsprogramme. Dabei gehe es vor allem darum, wichtige polnische Autoren mit dem deutschen Publikum zusammenzubringen. \u201eUnd auf Lesungen neue polnische B\u00fccher zu pr\u00e4sentieren. Das ist wahrscheinlich die wichtigste Sache f\u00fcr uns hier in Leipzig.\u201c<\/p>\n<p>Was die Leipziger Buchmesse f\u00fcr den Erfolg auf dem deutschen Buchmarkt ist, ist der deutsche Buchmarkt f\u00fcr den internationalen Erfolg. Urbanowska zufolge seien deutsche Verleger etwas mutiger als beispielsweise ihre franz\u00f6sischen Kollegen. \u201eAlso ein neuer Autor hat eine gr\u00f6\u00dfere Chance, zuerst in Deutschland ver\u00f6ffentlicht zu werden. Und dann werden vielleicht die franz\u00f6sischen Verlage mutiger und entscheiden sich, das Buch zu \u00fcbersetzen\u201c, sagt Urbanowska. Damit ist eine gute Pr\u00e4sentation auf der Leipziger Buchmesse auch wichtig f\u00fcr den Erfolg \u00fcber die deutschen Grenzen hinaus.<\/p>\n<h2>Deutsche \u00dcbersetzungen polnischer B\u00fccher konstant unterrepr\u00e4sentiert<\/h2>\n<p>Seit zwei Jahren organisiert das Polnische Buchinstitut auch einen eigenen Buchverkauf. Verantwortlich daf\u00fcr ist Marcin Piekoszewski. Der geb\u00fcrtige Pole betreibt einen deutsch-polnischen Buchladen in Berlin. Aus Gespr\u00e4chen mit seinen Kunden wisse er, dass zumindest auf der Buchmesse mehr polnische Literatur pr\u00e4sentiert wird als noch vor 20 Jahren. \u201eUnd was sie damit meinen: Man sieht tats\u00e4chlich jetzt sehr viele neue Titel \u2013 kleinere, gr\u00f6\u00dfere, bekanntere, unbekanntere Verlage. Definitiv, das hat sich ge\u00e4ndert, ja.\u201c Trotz dieser Entwicklung ver\u00e4ndert sich die Zahl der \u00dcbersetzungen aus dem Polnischen kaum merklich. Genau wie 2020 machte der Anteil polnischer B\u00fccher auch 2025 nur ein halbes Prozent aller \u201eLiteraturimporte\u201c nach Deutschland aus \u2013 das sind etwa 40 bis 50 Buchtitel.<\/p>\n<div id=\"attachment_75647\" style=\"width: 1610px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-75647\" class=\"size-full wp-image-75647\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PHOTO-2026-03-30-13-50-19_5-e1774961197348.jpg\" alt=\"\" width=\"1600\" height=\"896\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PHOTO-2026-03-30-13-50-19_5-e1774961197348.jpg 1600w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PHOTO-2026-03-30-13-50-19_5-e1774961197348-300x168.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PHOTO-2026-03-30-13-50-19_5-e1774961197348-1024x573.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PHOTO-2026-03-30-13-50-19_5-e1774961197348-768x430.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PHOTO-2026-03-30-13-50-19_5-e1774961197348-1536x860.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1600px) 100vw, 1600px\" \/><p id=\"caption-attachment-75647\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Justus Niebling<\/p><\/div>\n<h2>Wen oder was lesen die Deutschen?<\/h2>\n<p>Fragt man Urbanowska vom Polnischen Buchinstitut nach angesagten Themen, kann sie sich schwer festlegen. Allgemein seien die Deutschen an vielen B\u00fcchern interessiert, deren Handlung in bestimmten polnischen St\u00e4dten spielt, oder an B\u00fcchern \u00fcber diese St\u00e4dte. Aber auch B\u00fccher zu schwierigen gemeinsamen Themen wie Migration seien beliebt, ebenso wie spannende Unterhaltung und leichte Kost. Genauso interessierten viele Leser polnische Autoren, die nach Deutschland gezogen sind. Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung daf\u00fcr liefert die Tatsache, dass man in Deutschland von ungef\u00e4hr zwei Millionen Menschen mit polnischem Migrationshintergrund ausgeht. Buchh\u00e4ndler Marcin Piekoszewski sagt, viele seiner Kunden seien nat\u00fcrlich Polen oder h\u00e4tten polnische Familie \u2013 eine klare Parallele zu den eingewanderten Schriftstellern.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"color: #ffcc00;\">Seit zwei Jahren organisiert das Polnische Buchinstitut auch einen eigenen Buchverkauf. Verantwortlich daf\u00fcr ist Marcin Piekoszewski. Der geb\u00fcrtige Pole betreibt einen deutsch-polnischen Buchladen in Berlin.<\/span><\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Geht es um in Deutschland beliebte Autoren allgemein, nennen Urbanowska und Buchladenbesitzer Piekoszewski eher etablierte Namen wie die Literaturnobelpreistr\u00e4gerin Olga Tokarczuk. Das neue Buch der Tr\u00e4gerin des Literaturpreises der Europ\u00e4ischen Union 2018, Marta Dzido, erw\u00e4hnen beide ebenfalls. \u201eSchweinebaumeln\u201c behandelt unter anderem das Thema Menstruation.<\/p>\n<h2>Wo sich Deutschland und Polen im Buchmarkt unterscheiden<\/h2>\n<p>Die deutsch-polnische \u00dcbersetzerin Zofia Sucharska sieht bei solchen Themen dennoch die polnische Gesellschaft hinterherhinken. \u201eEs gibt mentale H\u00fcrden. Man kann das auch nicht so pauschal sagen, aber insgesamt gibt es schon Unterschiede in den Hemmungen zwischen den beiden Gesellschaften, was die k\u00f6rperliche Selbstbestimmung angeht.\u201c Ein weiteres Thema, das in den letzten Jahren in der westlichen Welt immer mehr enttabuisiert wurde, ist die sexuelle Identit\u00e4t. Laut Agnieszka Urbanowska vom Polnischen Buchinstitut gibt es auch dazu weniger Literatur in Polen als in Deutschland. Erotikb\u00fccher gebe es jedoch schon immer viele.<\/p>\n<p>Das ist nicht der einzige Unterschied zwischen den beiden Buchm\u00e4rkten, den Urbanowska kennt. In Deutschland gibt es die Buchpreisbindung \u2013 in Polen seien die Preise f\u00fcr B\u00fccher sehr unterschiedlich, abh\u00e4ngig davon, was ein Verk\u00e4ufer oder eine Buchhandlung verlangt. \u201eAuch auf der sozialen Seite haben deutsche Autoren mehr Sicherheit. In Polen arbeiten wir noch daran, Regeln, Systeme und Strukturen aufzubauen, um Sicherheit f\u00fcr Autoren zu bieten\u201c, erkl\u00e4rt Urbanowska.<\/p>\n<div id=\"attachment_75651\" style=\"width: 1050px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-75651\" class=\"wp-image-75651 size-full\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/buchmesse-2-e1774961996531.png\" alt=\"\" width=\"1040\" height=\"690\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/buchmesse-2-e1774961996531.png 1040w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/buchmesse-2-e1774961996531-300x199.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/buchmesse-2-e1774961996531-1024x679.png 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/buchmesse-2-e1774961996531-768x510.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1040px) 100vw, 1040px\" \/><p id=\"caption-attachment-75651\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Justus Niebling<\/p><\/div>\n<h2>Sind Deutsche f\u00fcr Polen ein Buch mit sieben Siegeln?<\/h2>\n<p>Doch wie sieht es eigentlich andersherum aus? \u00dcbersetzerin Sucharska sagt, deutsche B\u00fccher h\u00e4tten es auf dem polnischen Markt nicht ganz leicht. \u201eMan behauptet, das seien sehr schwer zug\u00e4ngliche Autoren und Autorinnen. Man hat einfach Hemmungen und Angst davor, zu deutschen B\u00fcchern zu greifen.\u201c Schwer zug\u00e4nglich \u2013 damit meint sie anspruchsvolle oder sogar unverst\u00e4ndliche Themen, Krieg oder einfach einen fehlenden Sinn f\u00fcr Humor. Doch das sei nur ein sehr lebendiges Vorurteil.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich werden deutsche B\u00fccher immer weniger ins Polnische \u00fcbersetzt. In den 1990er Jahren spricht man von einem regelrechten Boom: Mehr als ein Viertel aller Buchauflagen auf dem polnischen Markt stammte aus deutscher Feder. Damit stand Polen an der Spitze der Lizenznehmer deutscher B\u00fccher. 2020 waren es nur noch 19 Prozent, also 490 Buchtitel. Das ist zwar immer noch deutlich mehr, als polnische B\u00fccher ins Deutsche \u00fcbersetzt werden, doch die Tendenz ist r\u00fcckl\u00e4ufig. Das erkl\u00e4rt wahrscheinlich Sucharskas Einsch\u00e4tzung: \u201eWenn jemand einen deutschen Namen hat, ein Autor, dann ist es schon ein Argument dagegen, was ein bisschen traurig ist. Aber wie gesagt, es \u00e4ndert sich. Also es gibt einige Verlage, die Offenheit zeigen.\u201c<\/p>\n<p>Immerhin hat das Goethe-Institut \u2013 Botschafter deutscher Kultur im Ausland \u2013 Polen bereits 2025 und bis 2027 zum Schwerpunkt seines F\u00f6rderprogramms Litrix.de gemacht. Das Programm unterst\u00fctzt finanziell \u00dcbersetzungen deutscher B\u00fccher ins Polnische. Vielleicht lernen die Polen die Deutschen dadurch wieder etwas besser zu lesen \u2013 nicht nur die B\u00fccher \u2013 und andersherum. Treffen k\u00f6nnen sie sich dann auf der Leipziger Buchmesse 2027.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Justus Niebling<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Literatur in Papierform hat der digitalen Welt noch einmal gezeigt, was sie draufhat: Zusammen mit dem Lesefestival \u201eLeipzig liest\u201c zog die Leipziger Buchmesse im Jahr 2026 rund 313.000 Besucher an. 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