{"id":75159,"date":"2026-03-29T17:00:21","date_gmt":"2026-03-29T15:00:21","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=75159"},"modified":"2026-03-27T17:09:23","modified_gmt":"2026-03-27T16:09:23","slug":"eine-unverwechselbare-kirche-in-einem-unverwechselbaren-viertel-vergessenes-erbe-die-geschichte-der-st-anna-pfarrei-in-nikischschacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/eine-unverwechselbare-kirche-in-einem-unverwechselbaren-viertel-vergessenes-erbe-die-geschichte-der-st-anna-pfarrei-in-nikischschacht\/","title":{"rendered":"Vergessenes Erbe: Die Geschichte der St.-Anna-Pfarrei in Nikischschacht"},"content":{"rendered":"<h1>Eine unverwechselbare Kirche in einem unverwechselbaren Viertel<\/h1>\n<p><strong>Nikischschacht ist ein Stadtteil von Kattowitz, der keiner Vorstellung bedarf. Bei einem Spaziergang durch diese ehemalige Arbeitersiedlung kann man die charakteristischen Mietsh\u00e4user mit ihren roten Fensterl\u00e4den bewundern. Doch nicht nur die Mietsh\u00e4user sind faszinierend, auch die St.-Anna-Kirche pr\u00e4gt das Bild im Herzen des Viertels.<\/strong><\/p>\n<p>Die Geschichte der St.-Anna-Pfarrei in Kattowitz-Janow reicht bis ins fr\u00fche 20. Jahrhundert zur\u00fcck, als die Bewohner dieses Viertels gezwungen waren, in Myslowitz, 4 bis 5 Kilometer entfernt, den Gottesdienst zu besuchen. 1902 entstand in Janow die Gesellschaft Katholischer B\u00fcrger, die eine eigene Pfarrgemeinde gr\u00fcnden und ein Gotteshaus bauen wollte.<\/p>\n<h2>Erste Schritte<\/h2>\n<p>Der erste wichtige Schritt war der Umbau des Heizraums im Schacht \u201eAdalbert\u201c des Bergwerks \u201eGiesche\u201c zu einer provisorischen Kirche im Jahr 1910. Die Weihezeremonie wurde von Pfarrer Bresler aus Myslowitz durchgef\u00fchrt, und der Priester Pawe\u0142 Dudek wurde zum ersten Seelsorger. Die provisorische Kirche diente den Gl\u00e4ubigen 17 Jahre lang. Damals z\u00e4hlte die der Heiligen Anna geweihte Kirchengemeinde 9.548 Katholiken. Zwei Jahre sp\u00e4ter, am 1. August 1912, gr\u00fcndete Kardinal Georg (Jerzy) Kopp aus Breslau die Pfarrei, und Pawe\u0142 Dudek wurde ihr erster Pfarrer.<\/p>\n<h2>Bau der neuen Kirche<\/h2>\n<p>Der offizielle Bau der neuen, monumentalen Kirche im neobarocken Stil begann am 6. Mai 1914. Entworfen von den Berliner Architekten Emil und Georg Zillmann, beeindruckte die Kirche mit ihren imposanten Dimensionen: 69,5 Meter lang, 40 Meter breit am Querschiff, 17 Meter hoch, 25 Meter an der Kuppel und mit einem 55 Meter hohen Turm. Das Geb\u00e4ude umfasste 2.500 Quadratmeter und bot im Inneren Platz f\u00fcr etwa 700 Gl\u00e4ubige. Antoni Krafczyk aus Myslowitz wurde mit den Maurer- und Zimmererarbeiten betraut. Der Grundstein wurde am 5. Juli 1914 gelegt, und die Weihe vollzog Dechant Viktor Schmidt aus Kattowitz.<\/p>\n<p>Der Bau wurde jedoch durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs unterbrochen. Nach dessen Ende im Jahr 1918 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen. Die Mauern und T\u00fcrme wurden 1921 fertiggestellt, das Gew\u00f6lbe 1925. Die Eisenteile f\u00fcr Kuppel und Dach wurden von den H\u00fcttenwerken \u201eK\u00f6nig\u201c und \u201eLaura\u201c geliefert. Das Pfarrhaus wurde 1927 dank der Firma \u201eKutz\u201c aus Kattowitz errichtet.<\/p>\n<div id=\"attachment_75162\" style=\"width: 2570px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-75162\" class=\"size-full wp-image-75162\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSC08650-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSC08650-scaled.jpg 2560w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSC08650-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSC08650-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSC08650-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSC08650-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSC08650-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><p id=\"caption-attachment-75162\" class=\"wp-caption-text\">Foto: A. Polanski<\/p><\/div>\n<h2>Weihe und Ausstattung<\/h2>\n<p>Am 23. Oktober 1927 wurde die neue St.-Anna-Kirche von Bischof Arkadiusz Lisiecki geweiht. Die Zeremonie war ein feierlicher Anlass: Die Reliquien der M\u00e4rtyrer Placidus und Clementia wurden von der provisorischen Kirche in das neue Gotteshaus \u00fcberf\u00fchrt, und vom Kirchturm erklangen religi\u00f6se Ges\u00e4nge. Der Bau wurde vom Bergwerk \u201eGiesche\u201c und von der Pfarrei Janow finanziert. Bis zu 160 S\u00e4nger wirkten am Gottesdienst unter der Leitung von Maksymilian Labi\u0144ski mit. Die Predigten hielten Monsignore Pucher auf Polnisch und Monsignore Ma\u015bli\u0144ski auf Deutsch.<\/p>\n<p>Auch das Kircheninnere war beeindruckend: Hauptaltar, Kanzel, Taufbecken und Orgelgeh\u00e4use stammen von dem K\u00fcnstler Jerzy Schreiner aus M\u00fcnchen, die Glasfenster von Jerzy Schneider aus Regensburg. Die f\u00fcnf Glocken, darunter die gr\u00f6\u00dfte \u201ePaul\u201c mit einem Gewicht von 2.666 Kilogramm, wurden von der Firma Schilling in Apolda bei Weimar gefertigt. Die pneumatische Orgel mit 75 Registern und 5.350 Pfeifen wurde von der Firma Rieger in J\u00e4gerndorf gebaut, der barocke Kronleuchter stammt aus Berlin-Charlottenburg.<\/p>\n<p>Die St.-Anna-Kirche wurde im Stil mittelalterlicher Kirchen in Kreuzform errichtet, mit einer basilikaartigen Kuppel am Schnittpunkt von Querschiff und Langhaus. Der Haupteingang ist ein dreifaches Portal, verziert mit Heiligenfiguren, und die Decke ist mit Tonnen- und Kreuzgew\u00f6lben geschm\u00fcckt. Der Altar birgt Reliquien der Heiligen Placidus und Clementia.<\/p>\n<h2>Die Entwicklung der Pfarrei und die Zukunft der Kirche<\/h2>\n<p>Von ihrer Weihe an entwickelte die St.-Anna-Pfarrei aktiv ihre pastoralen und kulturellen Aktivit\u00e4ten. 1923 wurde der St.-C\u00e4cilia-Chor gegr\u00fcndet, und in den folgenden Jahren wurde die Kirche um einen Seitenaltar der Jungfrau Maria, einen Kreuzweg und neue Glocken erweitert. W\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs nahmen die Besatzungstruppen vier der f\u00fcnf Glocken mit, sodass nur die St.-Anna-Glocke erhalten blieb. Nach dem Krieg setzte die Pfarrei den Wiederaufbau und die Modernisierung der Kirche fort. Es wurden Renovierungsarbeiten durchgef\u00fchrt, die Buntglasfenster restauriert, die Orgel gereinigt, eine Radioanlage installiert, die W\u00e4rmed\u00e4mmung modernisiert sowie D\u00e4cher und Turm renoviert.<\/p>\n<p>Die St.-Anna-Pfarrei in Nikischschacht entwickelte ihr religi\u00f6ses und gemeinschaftliches Leben stetig weiter. Zahlreiche pastorale Gruppen entstanden, darunter der Katholische Intellektuellenclub, der Rosenkranzkreis f\u00fcr Kinder, die Legion Mariens, die Gebetsgruppe des Hl. Pater Pio und die Bruderschaft der Hl. Anna. Im Jahr 2017 wurde das 90-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um der Kirchenweihe gefeiert, und 2022\/23 erfolgte eine umfassende Sanierung des Turms, des Kreuzes auf der Kuppel und des Kirchendachs.<\/p>\n<p>Die St.-Anna-Kirche ist bis heute das spirituelle Zentrum des Viertels, ein Zeuge der Kattowitzer Geschichte und ein Symbol f\u00fcr die Verbundenheit der Einwohner mit der katholischen Tradition. Ihre monumentale Architektur, die prachtvolle Ausstattung und die laufenden Restaurierungsarbeiten machen sie zu einem der bedeutendsten historischen Denkm\u00e4ler in Nikischschacht und zu einem Ort zahlreicher religi\u00f6ser und gesellschaftlicher Veranstaltungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine unverwechselbare Kirche in einem unverwechselbaren Viertel Nikischschacht ist ein Stadtteil von Kattowitz, der keiner Vorstellung bedarf. Bei einem Spaziergang durch diese ehemalige Arbeitersiedlung kann man die charakteristischen Mietsh\u00e4user mit ihren roten Fensterl\u00e4den bewundern. Doch nicht nur die Mietsh\u00e4user sind faszinierend, auch die St.-Anna-Kirche pr\u00e4gt das Bild im Herzen des Viertels. 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