{"id":75134,"date":"2026-03-25T13:00:34","date_gmt":"2026-03-25T12:00:34","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=75134"},"modified":"2026-03-25T12:53:16","modified_gmt":"2026-03-25T11:53:16","slug":"selbstbewusstsein-im-koffer-wie-erasmus-die-schueler-der-staszic-schule-in-oppeln-veraendert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/selbstbewusstsein-im-koffer-wie-erasmus-die-schueler-der-staszic-schule-in-oppeln-veraendert\/","title":{"rendered":"Selbstbewusstsein im Koffer: Wie Erasmus+ die Sch\u00fcler der Staszic-Schule in Oppeln ver\u00e4ndert"},"content":{"rendered":"<p><strong>Am Tag der offenen T\u00fcr am Staszic-Berufsschulzentrum (Zesp\u00f3\u0142 Szk\u00f3\u0142 Zawodowych im. Staszica) in Oppeln herrscht reges Treiben. Zwischen Infost\u00e4nden und neugierigen Achtkl\u00e4sslern sticht ein Thema besonders hervor: die weite Welt. Hier geht es nicht nur um Theorie im Klassenzimmer, sondern um echte Lebenserfahrung in Schweden, Italien oder Lettland. Das Erasmus-Plus-Programm ist an dieser technischen Schule l\u00e4ngst mehr als nur ein F\u00f6rderprojekt \u2013 es ist eine \u201eReifepr\u00fcfung\u201c der besonderen Art.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\u201eMan kann sich das gar nicht vorstellen, wenn man es nicht pers\u00f6nlich miterlebt hat\u201c, sagt Sylwia Sawulska, Deutschlehrerin an der Staszic-Schule, die gemeinsam mit der Englischlehrerin die Projektantr\u00e4ge f\u00fcr Erasmus+ erarbeitet. Sie beobachtet seit Jahren, wie ihre Sch\u00fcler durch die Auslandspraktika \u00fcber sich hinauswachsen. \u201eViele von ihnen reifen innerhalb von nur zwei Wochen enorm. Sie kommen mit einer v\u00f6llig anderen Einstellung zur\u00fcck.\u201c<\/p>\n<h2>Der \u201eOhne-Mama-Effekt\u201c<\/h2>\n<p>Es sind oft die banalen Dinge des Alltags, die den gr\u00f6\u00dften Lerneffekt erzielen. F\u00fcr viele Sch\u00fcler der dritten oder vierten Klasse ist das Erasmus-Praktikum die erste lange Reise ohne Eltern. \u201eInteressant ist es zu beobachten, wie sie das erste Mal ohne Mama verreisen\u201c, erkl\u00e4rt Sawulska. \u201ePl\u00f6tzlich muss man sich Gedanken machen: Wo wasche ich meine W\u00e4sche? Wie verpflege ich mich selbst? Das sind keine Kleinkinder mehr, aber hier lernen sie wirklich, auf eigenen Beinen zu stehen. Und das klappt meistens hervorragend.\u201c<\/p>\n<h2>Fachwissen im europ\u00e4ischen Vergleich<\/h2>\n<p>Die Sch\u00fcler der Staszic-Schule \u2013 angehende Friseure, Grafiker, Logistiker oder Agrarwissenschaftler \u2013 gehen nicht unvorbereitet ins Ausland. Sie bringen bereits fundiertes Fachwissen aus ihrem f\u00fcnfj\u00e4hrigen Technikum mit. Im Ausland werden sie direkt an die an Erasmus+ teilnehmenden Firmen vermittelt.<\/p>\n<div id=\"attachment_75141\" style=\"width: 864px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-75141\" class=\"size-full wp-image-75141\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Erasmus-_privat-3.png\" alt=\"\" width=\"854\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Erasmus-_privat-3.png 854w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Erasmus-_privat-3-300x169.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Erasmus-_privat-3-768x432.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 854px) 100vw, 854px\" \/><p id=\"caption-attachment-75141\" class=\"wp-caption-text\">Projektkoordinatorin der Staszic-Schule begeistern k\u00fcnftige Absolventen f\u00fcr Erasmus+. Auslandspraktika in Schweden und Italien zum Greifen nah!<br \/>Foto: privat<\/p><\/div>\n<p>Dabei machen sie Entdeckungen, die ihr berufliches Selbstbild nachhaltig pr\u00e4gen. Sylwia Sawulska berichtet von einer Gruppe angehender Friseure in Schweden: \u201eFr\u00fcher dachten unsere Sch\u00fcler oft, unsere polnischen Regelungen seien zu streng. Aber nach dem Praktikum sagten sie: \u201aWissen Sie was? Mit der Sauberkeit in unseren Salons in Polen k\u00f6nnen sich manche dort gar nicht messen.\u2018 Es ist gut, dass sie fahren, vergleichen und f\u00fcr sich diese Schl\u00fcsse ziehen. Es st\u00e4rkt ihren Stolz auf das, was sie hier lernen.\u201c<\/p>\n<h2>Eliza in Schweden: \u201eSie haben Zeit\u201c<\/h2>\n<p>Eine, die diesen Vergleich direkt gezogen hat, ist Eliza Kaluza. Die Sch\u00fclerin der dritten Klasse verbrachte zwei Wochen im schwedischen Lund. Ihr Weg dorthin war bereits ein Abenteuer: acht Stunden mit dem Bus nach \u015awinouj\u015bcie, dann neun Stunden mit der F\u00e4hre \u00fcber die Ostsee.<\/p>\n<p>In Schweden arbeitete sie in einem Friseursalon. \u201eIn Polen m\u00f6chte man immer alles schnell und sofort machen\u201c, erinnert sich Eliza. \u201eIn Schweden ist das anders. Die Leute dort haben Zeit, sie machen alles langsam und in Ruhe. Und sie sind unglaublich nett.\u201c Neben dem klassischen \u201eReinschnuppern\u201c \u2013 Kaffeekochen f\u00fcr Kunden und Sauberhalten des Salons \u2013 blieb auch Raum f\u00fcr die eigene Kreativit\u00e4t: \u201eIch war mit einer Freundin dort. Wir konnten uns auch gegenseitig die Haare schneiden oder stylen.\u201c Elizas Fazit ist eindeutig: \u201eWenn ich k\u00f6nnte, w\u00fcrde ich sofort wieder an einem Erasmus-Projekt teilnehmen. Es war toll!\u201c<\/p>\n<h2>Sprache als Br\u00fccke, nicht als Barriere<\/h2>\n<p>Ein zentraler Punkt des Programms ist die Kommunikation. Ob in Italien oder Schweden \u2013 die Arbeitssprache ist meist Englisch. Sylwia Sawulska sieht darin eine riesige Chance: \u201eDie Sch\u00fcler werden dort hart vor die Wand gestellt. Egal, ob man einen Grammatikfehler macht \u2013 man muss das, was man will, ausdr\u00fccken k\u00f6nnen, notfalls mit einer \u00dcbersetzungs-App. Sie merken erst in diesen Situationen, was sie eigentlich schon alles k\u00f6nnen. Das macht sie nicht nur selbstst\u00e4ndiger, sondern auch viel selbstbewusster.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_75137\" style=\"width: 864px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-75137\" class=\"size-full wp-image-75137\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Erasmus-_privat.png\" alt=\"\" width=\"854\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Erasmus-_privat.png 854w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Erasmus-_privat-300x169.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Erasmus-_privat-768x432.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 854px) 100vw, 854px\" \/><p id=\"caption-attachment-75137\" class=\"wp-caption-text\">Koordinatorinnen des Projekts erz\u00e4hlen Achtkl\u00e4sslern von den M\u00f6glichkeiten der Praktika im Ausland. Das Erasmus+-Programm am Staszic \u00f6ffnet den Sch\u00fclern die Welt.<br \/>Foto: privat<\/p><\/div>\n<h2>Mission: Toleranz<\/h2>\n<p>F\u00fcr Sawulska geht es bei Erasmus+ jedoch um das \u201egro\u00dfe Ganze\u201c. Neben dem bis Jahresende an der Oberschule laufenden internationalen Bildungsprojekt <strong>\u201eHow is the weather tomorrow?\u201c<\/strong>, das sich mit dem Klimawandel befasst, steht der Abbau von Vorurteilen im Mittelpunkt.<br \/>\n\u201eWir sind umgeben von Vorurteilen. Je mehr die Welt zusammenr\u00fcckt, desto st\u00e4rker scheinen sie bei manchen zu werden\u201c, gibt die Lehrerin zu bedenken. \u201eDeshalb sollen die Sch\u00fcler reisen und sehen, dass man nichts generalisieren kann. Andersartigkeit ist nicht zwangsweise schlechter. Das ist der Hauptgedanke: Toleranz lernen durch Erleben.\u201c<\/p>\n<h2>Die Welt zu Gast in Oppeln<\/h2>\n<p>Die Reise geht weiter. W\u00e4hrend aktuell eine Gruppe aus Italien zur\u00fcckkehrt, bereitet sich Sylwia Sawulska darauf vor, im April eine Gruppe nach Lettland zu begleiten. Doch die Schule ist nicht nur Gast, sondern auch Gastgeber. Im September werden Sch\u00fcler aus Lettland, Ungarn und der T\u00fcrkei in Oppeln erwartet. Dann liegt es an den Sch\u00fclern, ihren G\u00e4sten die eigene Kultur und Arbeitswelt zu zeigen \u2013 und sie zu Hause zu beherbergen.<\/p>\n<p>Das Motto der Schule \u201eUnterrichten und Reisen\u201c wird hier jeden Tag gelebt. Denn wie Sylwia Sawulska treffend sagt: \u201eMan soll fahren, arbeiten und sich beruflich entwickeln \u2013 aber vor allem etwas Neues kulturell kennenlernen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Manuela Leibig<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Tag der offenen T\u00fcr am Staszic-Berufsschulzentrum (Zesp\u00f3\u0142 Szk\u00f3\u0142 Zawodowych im. Staszica) in Oppeln herrscht reges Treiben. 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