{"id":74874,"date":"2026-03-22T07:00:33","date_gmt":"2026-03-22T06:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=74874"},"modified":"2026-03-20T15:41:02","modified_gmt":"2026-03-20T14:41:02","slug":"wort-zum-sonntag-von-bischofsvikar-dr-peter-tarlinski-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wort-zum-sonntag-von-bischofsvikar-dr-peter-tarlinski-7\/","title":{"rendered":"Wort zum Sonntag von Bischofsvikar Dr. Peter Tarlinski"},"content":{"rendered":"<p><strong>5. Sonntag der Fastenzeit \u2013 Passionssonntag<\/strong><\/p>\n<p><strong>1. Lesung: Ez 37,12b\u201314<br \/>\n<\/strong><strong>2. Lesung: R\u00f6m 8,8\u201311<\/strong><br \/>\n<strong>Evangelium: Joh 11,1\u201345<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der f\u00fcnfte Sonntag der Fastenzeit wird auch Passionssonntag genannt. Der Tradition nach werden in vielen Kirchen die Kreuze und Bilder, die das Leiden Christi darstellen, verh\u00fcllt. Dem Sehsinn wird damit die visuelle Darstellung des Sterbens Jesu am Kreuz entzogen. Unser Blick soll in die Tiefe gehen und den Sinn seines Todes in uns verinnerlichen. In den vergangenen Wochen der Fastenzeit befassten wir uns mit Umkehr, Fasten und Verzicht sowie mit der pers\u00f6nlichen Erneuerung im Denken und Handeln \u2013 im Licht der biblischen Texte, durch Meditationen, Exerzitien und Besinnungstage, durch die Feier der Eucharistie und Andachten (z. B. Kreuzwegandachten). Jetzt, zwei Wochen vor Ostern, sind wir eingeladen, die Bedeutung des Todes Jesu f\u00fcr unser Leben \u2013 jetzt und in Zukunft \u2013 zu erkennen. Dazu geh\u00f6rt auch die Perspektive von Leiden und Auferstehung Christi, die uns zur F\u00fclle des Lebens f\u00fchrt.<\/p>\n<h2><strong>Aus dem Tod Leben hervorbringen<\/strong><\/h2>\n<p>In der Vision, die im siebenunddrei\u00dfigsten Kapitel des Buches Ezechiel niedergeschrieben ist, findet sich eines der ergreifendsten und zugleich hoffnungsvollsten Bilder der gesamten Heiligen Schrift. Der Prophet Ezechiel, der in einer Zeit nationaler Katastrophe lebte, als Israel seines Landes, seines Tempels und seiner politischen Unabh\u00e4ngigkeit beraubt war, steht vor einer Erfahrung, die das Volk selbst so beschreibt: \u201eWir sind verloren, unsere Hoffnung ist dahin.\u201c Das ist keine \u00fcbertriebene Sprache, sondern die Diagnose eines geistlichen und historischen Bankrotts. Das Volk befand sich im babylonischen Exil. Und genau in diesem Moment \u2013 nicht fr\u00fcher \u2013 ergeht das von Ezechiel \u00fcbermittelte Wort Gottes. Nicht als Trost im Sinne von \u201ees wird schon besser\u201c, sondern als radikales Versprechen: \u201eSiehe, ich \u00f6ffne eure Gr\u00e4ber und hole euch aus den Gr\u00e4bern heraus, mein Volk.\u201c St\u00e4rkere Worte gibt es kaum. Gott sagt nicht, dass er die Situation verbessern oder die Folgen der Krise mildern wird. Er sagt, dass er etwas tun wird, was aus menschlicher Sicht unm\u00f6glich ist \u2013 er wird Leben aus dem Tod hervorbringen.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Der f\u00fcnfte Fastensonntag, an dem wir traditionell die Kreuze und Bilder des Leidens Jesu verh\u00fcllen, l\u00e4dt uns ein, unser Denken und Handeln zu vertiefen.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>In der Vision des Ezechiel ist Israel nicht krank \u2013 es ist tot. Und gerade deshalb nimmt Gottes Handeln die Form einer neuen Sch\u00f6pfung an. So wie er einst dem ersten Menschen Leben einhauchte, so verk\u00fcndet er nun: \u201eIch werde euch meinen Geist geben, damit ihr wieder lebendig werdet.\u201c F\u00fcr das auserw\u00e4hlte Volk bedeutete dies die R\u00fcckkehr aus dem Exil, den Wiederaufbau der Gemeinschaft, die Wiedererlangung der verlorenen Identit\u00e4t, das Wachstum des Volkes sowie die Verhei\u00dfung, dass das Leben st\u00e4rker ist als der Tod.<\/p>\n<h2><strong>Die t\u00f6dliche Vernichtung \u00fcberwinden<\/strong><\/h2>\n<p>Das Evangelium des f\u00fcnften Fastensonntags im Lesejahr A ist umfangreich. Im Mittelpunkt steht Jesus, der Lazarus auferweckt. Diesem au\u00dfergew\u00f6hnlichen Ereignis geht die Begegnung Jesu mit den Schwestern des Lazarus, Marta und Maria, voraus. Beide wenden sich mit denselben Worten an ihn: \u201eHerr, w\u00e4rst du hier gewesen, dann w\u00e4re mein Bruder nicht gestorben.\u201c Beide glauben an die Auferstehung am J\u00fcngsten Tag und sind \u00fcberzeugt, dass Jesus der Messias und der Sohn Gottes ist.<\/p>\n<p>Jesus vertieft diesen Glauben, indem er sagt: \u201eIch bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben.\u201c Damit k\u00fcndigt er den Sieg \u00fcber den Tod an, die \u00dcberwindung der Verg\u00e4nglichkeit und die F\u00fclle des Lebens, die bis in die Ewigkeit reicht. Um daran teilzuhaben, gen\u00fcgt es, Jesus zu vertrauen, an ihn zu glauben und ihm das eigene Leben anzuvertrauen. Das klingt einfach \u2013 doch nicht jeder ist bereit, seine Hemmungen zu \u00fcberwinden und seine Hilfe anzunehmen.<\/p>\n<h2><strong>Wohnung des Heiligen Geistes werden<\/strong><\/h2>\n<p>Der Prophet Ezechiel weist auf die lebensspendende Kraft des Geistes Gottes hin. Erinnern wir uns noch einmal an seine Worte im Zusammenhang: \u201eIch \u00f6ffne eure Gr\u00e4ber und hole euch aus den Gr\u00e4bern heraus, mein Volk. Ich gebe euch meinen Geist, damit ihr wieder lebendig werdet, und ich bringe euch zur\u00fcck in euer Land.\u201c Der Geist belebt nicht nur \u2013 er wird zur tragenden Kraft des menschlichen Lebens.<\/p>\n<p>Der Apostel Paulus, dessen Worte aus dem R\u00f6merbrief ebenfalls an diesem Sonntag gelesen werden, verweist auf denselben Geist Gottes, der Jesus von den Toten auferweckt hat. Dieser Geist wohnt im Menschen und wird auch die sterblichen Leiber zum Leben erwecken. Paulus warnt die Christen in Rom davor, nach den Begierden des Fleisches zu leben. Wer so lebt, \u201ekann Gott nicht gefallen\u201c. Wer den Geist Christi nicht hat, \u201egeh\u00f6rt nicht zu ihm\u201c. Wer nach dem Fleisch lebt, w\u00e4hlt den Tod; wer aber mit Hilfe des Geistes die Werke des Fleisches \u00fcberwindet, wird leben \u2013 bis zur Auferstehung am Ende der Zeiten.<\/p>\n<p>Diese Verwandlung des Lebens verdanken wir Christus \u2013 seinem Tod am Kreuz und seiner Auferstehung.<\/p>\n<p>Der f\u00fcnfte Fastensonntag, an dem wir traditionell die Kreuze und Bilder des Leidens Jesu verh\u00fcllen, l\u00e4dt uns ein, unser Denken und Handeln zu vertiefen. Er fordert uns auf, unser Leben in seiner ganzen \u2013 zeitlichen und ewigen \u2013 Dimension zu betrachten.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Bischofsvikar Dr. Peter Tarlinski<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>5. Sonntag der Fastenzeit \u2013 Passionssonntag 1. Lesung: Ez 37,12b\u201314 2. 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