{"id":74670,"date":"2026-04-06T17:00:53","date_gmt":"2026-04-06T15:00:53","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=74670"},"modified":"2026-04-06T17:32:17","modified_gmt":"2026-04-06T15:32:17","slug":"vergessenes-erbe-das-letzte-zeugnis-einer-breslauer-bildungsinstitution","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/vergessenes-erbe-das-letzte-zeugnis-einer-breslauer-bildungsinstitution\/","title":{"rendered":"Das letzte Zeugnis einer Breslauer Bildungsinstitution"},"content":{"rendered":"<h1><strong>Lichtdurchflutet, mit Ruderraum im Pavillon<\/strong><\/h1>\n<p><strong>Das Magdalenengymnasium in Breslau war bis 1945 eines der beiden traditionsreichen evangelischen Gymnasien der Stadt Breslau. Seit der Gr\u00fcndung als Lateinschule im 13. Jahrhundert wurden f\u00fcr die Schule drei Neubauten errichtet. Das j\u00fcngste dieser Schulgeb\u00e4ude steht noch heute. In der N\u00e4he von Zoo und Jahrhunderthalle findet man das letzte stumme Zeugnis einer fast 700-j\u00e4hrigen Institution.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Unweit der Breslauer Jahrhunderthalle steht an der ul. Parkowa ein dunkelroter Backsteinbau, dessen Bedeutung sich dem nicht ortskundigen Passanten kaum erschlie\u00dft. Wer am Zaun vorbeigeht, k\u00f6nnte vermuten, dass sich hier eine Schule befindet \u2013 im umz\u00e4unten Vorhof ist ein Basketballfeld zu sehen. Aber nichts weist darauf hin, dass der Z-f\u00f6rmige Bau mit seinen langen Reihen wei\u00dfer Fenster einst die Heimat eines traditionsreichen Gymnasiums war.<\/p>\n<p>Eine kleine Tafel am Zaun erkl\u00e4rt, dass hier 1981 eine Szene f\u00fcr den Film \u201eWielki bieg\u201c gedreht wurde. Dass sich in dem Geb\u00e4ude seit 1946 das II Liceum Og\u00f3lnokszta\u0142c\u0105ce im. Piast\u00f3w befindet erf\u00e4hrt man nur, wenn man genauer hinsieht.<\/p>\n<div id=\"attachment_76129\" style=\"width: 1290px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-76129\" class=\"size-full wp-image-76129\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Swietej-Marii-Magdaleny_v.-O.png\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"720\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Swietej-Marii-Magdaleny_v.-O.png 1280w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Swietej-Marii-Magdaleny_v.-O-300x169.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Swietej-Marii-Magdaleny_v.-O-1024x576.png 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Swietej-Marii-Magdaleny_v.-O-768x432.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><p id=\"caption-attachment-76129\" class=\"wp-caption-text\">In der Hinteren Predigergasse (heute \u015awi\u0119tej Marii Magdaleny), s\u00fcdlich der Kirche St. Maria Magdalena, befand sich von 1710 bis 1930 das Magdalenengymnasium. Blick von Osten auf die heutige ul. \u015awi\u0119tej Marii Magdaleny.<br \/>Foto: M. Oliveira<\/p><\/div>\n<p>Hier befand sich der letzte Standort des Maria-Magdalena-Gymnasiums \u2013 \u00fcber Jahrhunderte eine der wichtigsten Bildungsst\u00e4tten Breslaus. Zwar war es nicht das \u00e4lteste Gymnasium der Stadt \u2013 das Elisabeth-Gymnasium trug diesen Titel l\u00e4nger \u2013, doch war das Magdalen\u00e4um \u00fcber Jahrhunderte eine der wichtigsten Bildungsst\u00e4tten Breslaus. Zu seinen Sch\u00fclern geh\u00f6rten bekannte Pers\u00f6nlichkeiten wie der Dichter Christian Morgenstern, der Philosoph Christian Wolff, der Mikrobiologe Ferdinand Julius Cohn sowie Paul Ehrlich, Nobelpreistr\u00e4ger und Entdecker eines der ersten wirksamen Medikamente gegen bakterielle Infektionen.<\/p>\n<div id=\"attachment_76086\" style=\"width: 1290px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-76086\" class=\"size-full wp-image-76086\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Schulen-in-Breslau_Stadtplan-1865_Ausschn.png\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"720\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Schulen-in-Breslau_Stadtplan-1865_Ausschn.png 1280w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Schulen-in-Breslau_Stadtplan-1865_Ausschn-300x169.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Schulen-in-Breslau_Stadtplan-1865_Ausschn-1024x576.png 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Schulen-in-Breslau_Stadtplan-1865_Ausschn-768x432.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><p id=\"caption-attachment-76086\" class=\"wp-caption-text\">Ausschnitt aus dem \u201ePlan von Breslau und den angrenzenden Ortschaften\u201c aus dem Jahre 1865 (erstellt von August Hoffmann, Selbstverlag des Magistrats). Auf dem Plan sind die damaligen Schulgeb\u00e4ude verzeichnet. Im Ausschnitt zu sehen: 1. Gymnas. St. Elisabeth, 2. Gymnas. St. Mar. Magdal., 5. Realgym. z. heil. Geist, 9. H\u00f6here M\u00e4dchenschule und Elem.-Schule 3, 10. M\u00e4dchen-Mittelsch. 1, 13. Ev. 2, 19. 11,17,II, 21. 16, 50, I.<br \/>Quelle: Biblioteka Cyfrowa Uniwersytetu Wroc\u0142awskiego\/The Digital Library of Wroc\u0142aw University.<\/p><\/div>\n<p>Die Urspr\u00fcnge der Schule reichen bis ins Jahr 1267 zur\u00fcck. Die deutschen H\u00e4ndler und Kaufleute, die sich nach der Neugr\u00fcndung der Stadt nach Magdeburger Recht im Gebiet des heutigen Rings (Rynek) angesiedelt hatten, baten einen damals in Breslau weilenden Kardinal um die Erlaubnis, eine Schule zu gr\u00fcnden. In der Gr\u00fcndungsurkunde wird erw\u00e4hnt, dass der Weg zur einzigen bestehenden Schule nahe dem Dom f\u00fcr j\u00fcngere Sch\u00fcler zu gef\u00e4hrlich sei \u2013 die Br\u00fccken zur Dominsel galten als bauf\u00e4llig. Die neue Schule befand sich in einem h\u00f6lzernen Bau n\u00f6rdlich der Kirche zu St. Maria-Magdalena an der Albrechtstra\u00dfe (heute: Wita Stwosza) \u2013 von der Kirche wurde auch der Name auf die Schule \u00fcbertragen.<\/p>\n<h2><strong>Vom kirchlichen Unterricht zum st\u00e4dtischen Gymnasium<\/strong><\/h2>\n<p>Wie viele mittelalterliche Schulen diente auch diese zun\u00e4chst der kirchlichen Ausbildung. Die Sch\u00fcler lernten Latein und Gesang, um bei Gottesdiensten und im Kirchenchor mitzuwirken. Erst mit der Reformation \u00e4nderte sich die Situation grundlegend: Nachdem Breslau im 16. Jahrhundert mehrheitlich lutherisch geworden war, \u00fcbernahm der Stadtrat die Aufsicht \u00fcber Schulen und Kirchen. Man muss sich die Magdalenenschule in dieser Zeit als allgemeine Bildungeinrichtung vorstellen, die jenen, die es wollen und verm\u00f6gen, die grundlegende Kenntnisse in Lesen, Schreiben und den alten Sprachen verschafft. Unter ihnen befanden sich mitunter auch Erwachsene. \u00dcberliefert ist etwa der Fall eines etwa 28-j\u00e4hrigen Schuhmachergesellen aus dem Jahre 1641. In den Aufzeichnungen hei\u00dft es: \u201eEr will deutsch lernen, lesen und schreiben.\u201c Der damalige Moderator Klose nimmt ihn auf.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"color: #9b2335;\">Der Neubau von 1930 war das erste Schulgeb\u00e4ude in Breslau, bei dem die Prinzipien des \u201eNeuen Bauens\u201c konsequent umgesetzt wurden \u2013 funktional, hell und auf die Bed\u00fcrfnisse der Sch\u00fcler zugeschnitten.<\/span><\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>1643 wurde die Magdalenen-Schule schlie\u00dflich zum Gymnasium erhoben und damit dem Elisabeth-Gymnasium gleichgestellt. Dieses war bereits 81 Jahre fr\u00fcher zum Gymnasium geworden. Der Unterricht blieb stark von den klassischen Sprachen gepr\u00e4gt und bereitete vor allem auf ein Theologiestudium vor. Doch schon fr\u00fch verlangten B\u00fcrger auch praktischere Inhalte \u2013 schlie\u00dflich sollte ein gebildeter junger Mann sich \u201ebei allen Nationibus im Kaufen und Verkaufen\u201c verst\u00e4ndigen k\u00f6nnen, wie es in einer Beschwerde des 18. Jahrhunderts hei\u00dft.<\/p>\n<div id=\"attachment_74671\" style=\"width: 1290px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-74671\" class=\"size-full wp-image-74671\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Magdalenengymnasium-1867_Festschrift-zum-250jaehrigen-Jubilaeum.png\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"720\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Magdalenengymnasium-1867_Festschrift-zum-250jaehrigen-Jubilaeum.png 1280w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Magdalenengymnasium-1867_Festschrift-zum-250jaehrigen-Jubilaeum-300x169.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Magdalenengymnasium-1867_Festschrift-zum-250jaehrigen-Jubilaeum-1024x576.png 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Magdalenengymnasium-1867_Festschrift-zum-250jaehrigen-Jubilaeum-768x432.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><p id=\"caption-attachment-74671\" class=\"wp-caption-text\">Der Barockbau aus dem Jahre 1710 an der Hinteren Predigergasse. Quelle: Lehrerkollegium der Anstalt (Hg.): Festschrift zur 250j\u00e4hrigen Jubelfeier des Gymnasiums zu St. Maria Magdalena zu Breslau am 30. April 1893, Breslau 1893.<\/p><\/div>\n<p>Mit der Erhebung zum Gymnasium setzte ein starker Andrang ein. Bald gen\u00fcgte das alte Schulgeb\u00e4ude mit seinen zwei R\u00e4umen den Anspr\u00fcchen nicht mehr. Deshalb wurde 1710 s\u00fcdlich der Magdalenen-Kirche an der Hinteren Predigergasse (heute: \u015awi\u0119tej Marii Magdaleny) ein Neubau errichtet. Aus Anlass des Neubaus wurde eine silberne Gedenkm\u00fcnze gepr\u00e4gt.<\/p>\n<h2><strong>18. Jahrhundert: Vergr\u00f6\u00dferung der Schule und die erste Schule f\u00fcr M\u00e4dchen<\/strong><\/h2>\n<p>Im Verlauf des 18. Jahrhunderts gewannen die Naturwissenschaften, die sogenannten Realien, zunehmend an Bedeutung. 1765 er\u00f6ffnete in Breslau die erste Realschule nach dem Vorbild \u00e4hnlicher Schulen in Berlin. Ein Jahr sp\u00e4ter wurde auch dem Magdalenen-Gymnasium eine Realschule angegliedert. Ab diesem Zeitpunkt wurden zudem die modernen Sprachen Franz\u00f6sisch, Polnisch, Englisch und Italienisch gelehrt. Es wurden au\u00dferdem sehr praxisorientierte F\u00e4cher wie Landwirtschaft, Buchhalten oder Glasschleifen eingef\u00fchrt. Schlie\u00dflich f\u00fchrte das Gymnasium ab 1767 die Bezeichnung \u201eRealgymnasium\u201c.<\/p>\n<p>Gleichzeitig wurde zum ersten Mal der Bildung von M\u00e4dchen gedacht \u2013 500 Jahre nach der Gr\u00fcndung der Schule. Eine h\u00f6here T\u00f6chterschule mit zwei Klassen wurde dem Gymnasium angegliedert. Auch ein Pensionat wurde im alten Schulgeb\u00e4ude an der Albrechtstra\u00dfe untergebracht.<\/p>\n<p>Die Sch\u00fclerzahl des Gymnasiums schwankte in den folgenden Jahren stark. 1779 erreichte das Gymnasium mit 385 Sch\u00fclern seinen H\u00f6chststand \u2013 nur elf Jahre sp\u00e4ter waren es weniger als 90. Es wurden gewisse Reformen vorgenommen, wieder hin zu einer st\u00e4rkeren Gewichtung der theoretischen Bildung. Im Zuge dieser Bem\u00fchungen wurde 1810 aus dem Realgymnasium wieder schlicht ein \u201eGymnasium\u201c.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wuchs Breslau rasant, und auch der Andrang auf die st\u00e4dtischen Gymnasien stieg. 1867 wurde das Schulgeb\u00e4ude abgerissen und am gleichen Ort bis 1869 ein Neubau im klassizistischen Stil errichtet.<\/p>\n<div id=\"attachment_74685\" style=\"width: 1587px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-74685\" class=\"size-full wp-image-74685\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Gimnazjum-St-Magdalena_1898_Eduard-van-Delden_Wikimedia-Commons.jpg\" alt=\"\" width=\"1577\" height=\"1137\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Gimnazjum-St-Magdalena_1898_Eduard-van-Delden_Wikimedia-Commons.jpg 1577w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Gimnazjum-St-Magdalena_1898_Eduard-van-Delden_Wikimedia-Commons-300x216.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Gimnazjum-St-Magdalena_1898_Eduard-van-Delden_Wikimedia-Commons-1024x738.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Gimnazjum-St-Magdalena_1898_Eduard-van-Delden_Wikimedia-Commons-768x554.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Gimnazjum-St-Magdalena_1898_Eduard-van-Delden_Wikimedia-Commons-1536x1107.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1577px) 100vw, 1577px\" \/><p id=\"caption-attachment-74685\" class=\"wp-caption-text\">Der Neorenaissance-Bau des Magdalenengymnasiums von 1869 (Fotografie aus dem Jahre 1898). Das Geb\u00e4ude wurde im Zweiten Weltkrieg zerst\u00f6rt. Foto: Eduard van Delden\/Wikimedia Commons<\/p><\/div>\n<p>Bereits in der Festschrift zum 250-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um von 1893 \u2013 also keine 30 Jahre sp\u00e4ter \u2013 wurde zwar die gro\u00dfe Aula gelobt, aber auch gewisse Merkmale des Baus von 1869 bem\u00e4ngelt: \u201eDer Raum in demselben war vortrefflich benutzt, eine prachtvolle Aula f\u00fcr Schulandachten und Schulfeste geschaffen, leider sind nur die Lichtverh\u00e4ltnisse in einigen Klassenzimmern, besonders im Erdgeschoss, so ung\u00fcnstig, dass dieselben den Anforderungen, welche die Gesundheitspflege heutzutage mit Recht stellt, nicht mehr entsprechen.\u201c Mit der Vergr\u00f6\u00dferung der Fenster wurde versucht, diesen Mangel zu beheben.<\/p>\n<p>Anfang des 20. Jahrhunderts entschied man sich f\u00fcr einen radikalen Schritt: Das Gymnasium sollte aus der dicht bebauten Altstadt in eine gr\u00fcnere Umgebung verlegt werden. Der neue Standort entstand jenseits der Oder, in der N\u00e4he des Scheitniger Parks. 1927 begann die Planung, drei Jahre sp\u00e4ter war der Neubau fertig.<\/p>\n<h2><strong>Ein Schulbau der Moderne<\/strong><\/h2>\n<p>Die Sportpl\u00e4tze, die heute sofort ins Auge springen, sind kein Zufall. Auf die k\u00f6rperliche Ert\u00fcchtigung wurde gro\u00dfes Gewicht gelegt: Auf der Vorderseite des Hauptbaus gibt es eine offene Wandelhalle, im zur alten Oder hin f\u00fchrenden Seitenfl\u00fcgel befindet sich eine Turnhalle und \u2013 im daran anschlie\u00dfenden Pavillon \u2013 sogar ein Ruderraum. Die Klassenzimmer lagen im Hauptbau, w\u00e4hrend naturwissenschaftliche Fachr\u00e4ume, Musikr\u00e4ume und andere Spezialr\u00e4ume in den Seitenfl\u00fcgeln untergebracht waren. Gro\u00dfe Fenster lie\u00dfen viel Licht in die Klassenr\u00e4ume, deren W\u00e4nde farbig gestaltet waren. Es war der erste Schulbau Breslaus, in dem die Prinzipien des \u201eNeuen Bauens\u201c konsequent umgesetzt wurden \u2013 funktional, hell und auf die Bed\u00fcrfnisse der Sch\u00fcler zugeschnitten.<\/p>\n<div id=\"attachment_74680\" style=\"width: 1290px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-74680\" class=\"size-full wp-image-74680\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Das-neue-Magdalenen-Gymnasium-in-Breslau-Scheitnig_Schlesische-Illustrierte-Z.-1929.png\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"720\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Das-neue-Magdalenen-Gymnasium-in-Breslau-Scheitnig_Schlesische-Illustrierte-Z.-1929.png 1280w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Das-neue-Magdalenen-Gymnasium-in-Breslau-Scheitnig_Schlesische-Illustrierte-Z.-1929-300x169.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Das-neue-Magdalenen-Gymnasium-in-Breslau-Scheitnig_Schlesische-Illustrierte-Z.-1929-1024x576.png 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Das-neue-Magdalenen-Gymnasium-in-Breslau-Scheitnig_Schlesische-Illustrierte-Z.-1929-768x432.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><p id=\"caption-attachment-74680\" class=\"wp-caption-text\">Fotodokumentation zum Neubau des Jahres 1930. Der Stil der Dokumententation entspricht den Prinzipien \u201eneuen Fotografie\u201c. Quelle: Schlesische Illustrierte Zeitung 1929, Nr. 41, S. 8.<\/p><\/div>\n<p>Der Geist der Moderne pr\u00e4gte bald auch das Schulleben. Es gab eine Sch\u00fclerselbstverwaltung, die 1931\/32 unter anderem eine Sch\u00fclerzeitung ver\u00f6ffentlichte. In ihrem ersten Heft vom November 1931 schrieb Direktor Konrad Linder, die Sch\u00fclerzeitung solle mithelfen, von den eingef\u00fchrten Neuerungen Zeugnis abzulegen: \u201eDas Leben, das durch unsere Einrichtung ausgel\u00f6st worden ist (Landheim, Photo-Arbeitsgemeinschaft, Turnverein, Ruderverein, Sch\u00fclerselbstverwaltung, die Umstellung unseres ganzen Unterrichts auf Gegenwartsn\u00e4he), soll in diesen Bl\u00e4ttern seinen Wiederhall finden und den Unsern erz\u00e4hlen, da\u00df wir nicht faul geworden, sondern im Grunde genommen dieselben geblieben sind, wenn sich auch die Zeiten ge\u00e4ndert haben.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_76093\" style=\"width: 1290px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-76093\" class=\"size-full wp-image-76093\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/ehem-Magdalenengymnasium-ul-Parkowa.png\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"720\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/ehem-Magdalenengymnasium-ul-Parkowa.png 1280w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/ehem-Magdalenengymnasium-ul-Parkowa-300x169.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/ehem-Magdalenengymnasium-ul-Parkowa-1024x576.png 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/ehem-Magdalenengymnasium-ul-Parkowa-768x432.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><p id=\"caption-attachment-76093\" class=\"wp-caption-text\">Im Pavillon des hinteren Fl\u00fcgels war unter anderem ein Ruderraum untergebracht.<br \/>Foto: M. Oliveira<\/p><\/div>\n<p>Gem\u00e4\u00df Berichten ehemaliger Sch\u00fcler war Linder w\u00e4hrend des gesamten Zweiten Weltkriegs bem\u00fcht, die Tradition der humanistischen Bildung an seinem Gymnasium fortzuf\u00fchren. Er geh\u00f6rte der Bekennenden Kirche an, die sich den Gleichschaltungsbestrebungen der Kirchen durch die NSDAP widersetzte. 1937 wurde er dennoch Mitglied der Partei.<\/p>\n<p>Nachdem Breslau 1945 zur Festung erkl\u00e4rt worden war, mussten sich die meisten \u00e4lteren Sch\u00fcler und die Lehrer zum Volkssturm melden. Der Schulbetrieb wurde eingestellt und im Geb\u00e4ude ein Lazarett eingerichtet. Das Geb\u00e4ude selbst \u00fcberstand die Belagerung. Das ehemalige Schulhaus hinter in der Hinteren Predigergasse dagegen wurde zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Mauro Oliveira<\/strong><\/p>\n<h3>Verwendete Quellen:<\/h3>\n<ul>\n<li>Meister, Ferdinand: \u201eBeitr\u00e4ge zur Geschichte des Gymnasiums zu St. Maria Magdalena\u201c, in Lehrerkollegium der Anstalt (Hg.): <em>Festschrift zur 250j\u00e4hrigen Jubelfeier des Gymnasiums zu St. Maria Magdalena zu Breslau am 30. April 1893<\/em>, Breslau 1893.<\/li>\n<li>St\u00f6rtkuhl, Beate: \u201eSchulbauten in Breslau 1918-1933\u201c, in: Maria Zwierz (Hg.): Breslauer Schulen. Geschichte und Architektur, Wroc\u0142aw 2005, S. 221-230, DOI: 10.11588\/diglit.38676#0235.<\/li>\n<li>Magdalen\u00e4um Monatszeitschrift f\u00fcr die Sch\u00fcler des Gymnasiums zu St. Maria Magdalena, Breslau, 1931\/1932, Jg. 1, H. 1.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lichtdurchflutet, mit Ruderraum im Pavillon Das Magdalenengymnasium in Breslau war bis 1945 eines der beiden traditionsreichen evangelischen Gymnasien der Stadt Breslau. Seit der Gr\u00fcndung als Lateinschule im 13. Jahrhundert wurden f\u00fcr die Schule drei Neubauten errichtet. Das j\u00fcngste dieser Schulgeb\u00e4ude steht noch heute. In der N\u00e4he von Zoo und Jahrhunderthalle findet man das letzte stumme [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":261,"featured_media":76131,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4224],"tags":[6212,6478,7058,7061,7060,7057,7059,6709],"redaktor":[6098],"class_list":["post-74670","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte-de","tag-breslau-de","tag-geschichte-de","tag-ii-liceum-ogolnoksztalcace-im-piastow","tag-konrad-linder","tag-magdalenaeum-de","tag-magdalenengymnasium-in-breslau","tag-neues-bauen","tag-vergessenes-erbe-de-2","redaktor-mauro-oliveira-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74670","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/261"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=74670"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74670\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":74807,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74670\/revisions\/74807"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/76131"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=74670"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=74670"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=74670"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=74670"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}