{"id":74386,"date":"2026-03-16T12:00:24","date_gmt":"2026-03-16T11:00:24","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=74386"},"modified":"2026-03-16T11:53:47","modified_gmt":"2026-03-16T10:53:47","slug":"kuenstliche-intelligenz-und-die-zukunft-der-sprache-deutschsprachige-laender-wollen-bei-ki-verstaerkt-zusammenarbeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/kuenstliche-intelligenz-und-die-zukunft-der-sprache-deutschsprachige-laender-wollen-bei-ki-verstaerkt-zusammenarbeiten\/","title":{"rendered":"K\u00fcnstliche Intelligenz: Deutschsprachige L\u00e4nder wollen bei KI verst\u00e4rkt zusammenarbeiten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Kulturministerinnen und Kulturminister der deutschsprachigen L\u00e4nder wollen die Zusammenarbeit im Bereich K\u00fcnstliche Intelligenz intensivieren. Ihr Ziel: sicherzustellen, dass die deutsche Sprache und Kultur auch in KI-Systemen sichtbar bleiben. Damit setzen sie ein Zeichen gegen die Dominanz englischsprachiger Daten und f\u00fcr die Vielfalt kleinerer Sprachen.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>K\u00fcnstliche Intelligenz ist l\u00e4ngst mehr als ein praktischer Helfer im Alltag. aDenn gem\u00e4\u00df dem <a href=\"https:\/\/www.imf.org\/en\/blogs\/articles\/2024\/01\/14\/ai-will-transform-the-global-economy-lets-make-sure-it-benefits-humanity\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">IWF<\/a> wird KI weltweit 40 % der Arbeitspl\u00e4tze beeinflussen.<\/p>\n<p>Doch \u201eK\u00fcnstliche Intelligenz\u201c ist ein weit gefasster Begriff. Er umfasst Systeme, die industrielle Prozesse optimieren, medizinische Diagnosen unterst\u00fctzen oder logistische Abl\u00e4ufe effizienter gestalten. Gleichzeitig kann KI auch in existenziellen Zusammenh\u00e4ngen zum Einsatz kommen \u2013 etwa in milit\u00e4rischen Anwendungen, bei denen KI-gest\u00fctzte Waffensysteme \u00fcber Leben und Tod entscheiden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Im Alltag denken viele Menschen bei KI vor allem an chatbasierte Programme, die scheinbar jede Frage beantworten k\u00f6nnen und damit auch klassische Suchmaschinen wie Google herausfordern. Hinter diesen Anwendungen steht eine spezielle Form der KI: sogenannte Large Language Models (LLM).<\/p>\n<p>Genau hier setzt eine neue politische Initiative im deutschsprachigen Raum an.<\/p>\n<h2><strong>Treffen der Kulturminister: Sprache im Zeitalter der KI<\/strong><\/h2>\n<p>Bei einem informellen Treffen am Dienstag, dem 10. M\u00e4rz, haben sich die Kulturministerinnen und Kulturminister der deutschsprachigen L\u00e4nder mit der Rolle der Sprache in der KI-Entwicklung besch\u00e4ftigt. Teilnehmer waren Vertreterinnen und Vertreter aus Deutschland, \u00d6sterreich, der Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg sowie S\u00fcdtirol.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>K\u00fcnstliche Intelligenz darf nicht zu einer globalen Monokultur f\u00fchren.<\/strong><\/span><br \/>\n<em><span style=\"color: #ffcc00;\">Kulturstaatsminister Wolfram Weimer <\/span><\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Laut einer Mitteilung der deutschen Beauftragten des Bundesregierung f\u00fcr Kultur und Medien (BKM) Wolfram Weimer stand die \u201eF\u00f6rderung und Weiterentwicklung der deutschen Sprache als zentralem Bestandteil europ\u00e4ischer Kultur und Identit\u00e4t\u201c im Mittelpunkt des Treffens.<\/p>\n<p>Die Kulturministerinnen und Kulturminister Deutschlands, \u00d6sterreichs, der Schweiz, Liechtensteins, Luxemburgs und S\u00fcdtirols einigten sich darauf, im Bereich der K\u00fcnstlichen Intelligenz enger zusammenzuarbeiten. Ziel der Zusammenarbeit ist es, zu gew\u00e4hrleisten, dass die Vielfalt der deutschen Sprache und Kultur auch im Bereich der KI abgebildet wird und so auch f\u00fcr die Zukunft erhalten bleibt. Kulturstaatsminister Weimer sagte dazu: \u201eK\u00fcnstliche Intelligenz darf nicht zu einer globalen Monokultur f\u00fchren. Unser Treffen hat gezeigt, wie gro\u00df die Bereitschaft ist, die kulturelle und technologische Zusammenarbeit der deutschsprachigen L\u00e4nder weiter zu vertiefen.\u201c<\/p>\n<h2><strong>Die Gefahr der sprachlichen Schieflage<\/strong><\/h2>\n<p>Die Sorge der Kulturminister richtet sich besonders auf kleinere Sprachen und Dialekte. Sie k\u00f6nnten durch die rasante Verbreitung von KI-Systemen zus\u00e4tzlich unter Druck geraten.<\/p>\n<p>Denn viele der derzeit verf\u00fcgbaren Sprachmodelle liefern deutlich bessere Ergebnisse auf Englisch als auf anderen Sprachen. Diese Ungleichheit wird in der Forschung als sprachliche Verzerrung (linguistic bias) bezeichnet. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen KI-Systeme auch eine kulturelle Voreingenommenheit (cultural bias) zeigen \u2013 etwa indem sie Perspektiven und Denkweisen bevorzugen, die in den Trainingsdaten dominieren.<\/p>\n<div id=\"attachment_74388\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-74388\" class=\"size-large wp-image-74388\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Wolfram-Weimer-BKMKay-Herschelmann--1024x576.png\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"576\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Wolfram-Weimer-BKMKay-Herschelmann--1024x576.png 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Wolfram-Weimer-BKMKay-Herschelmann--300x169.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Wolfram-Weimer-BKMKay-Herschelmann--768x432.png 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Wolfram-Weimer-BKMKay-Herschelmann-.png 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-74388\" class=\"wp-caption-text\">Staatsminister Wolfram Weimer.<br \/>Foto: BKM\/Kay Herschelmann<\/p><\/div>\n<p>Der Grund daf\u00fcr liegt vor allem in der Art, wie Sprachmodelle trainiert werden. Ein gro\u00dfer Teil der Trainingsdaten stammt aus frei verf\u00fcgbaren Texten im Internet. Dort sind die Sprachen jedoch sehr ungleich verteilt. Laut einer <a href=\"https:\/\/w3techs.com\/technologies\/overview\/content_language\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">aktuellen Statistik<\/a> sind knapp die H\u00e4lfte aller Website-Inhalte auf Englisch verfasst (49,5 %). Auf den Pl\u00e4tzen zwei und drei folgen Spanisch und Deutsch \u2013 mit jeweils rund 6 % der Inhalte jedoch deutlich abgeschlagen.<\/p>\n<p>F\u00fcr kleinere Sprachen existiert oft deutlich weniger Material. Zudem ist das vorhandene Material h\u00e4ufig wenig vielf\u00e4ltig. Forschende der Stanford University schreiben in einer <a href=\"https:\/\/hai.stanford.edu\/policy\/mind-the-language-gap-mapping-the-challenges-of-llm-development-in-low-resource-language-contexts\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Studie aus dem Jahr 2025<\/a>: \u201eDaten in sogenannten Low-Resource-Sprachen sind aufgrund fehlender vielf\u00e4ltiger Quellen h\u00e4ufig von geringer Qualit\u00e4t. Sie beschr\u00e4nken sich meist auf die Bibel und andere religi\u00f6se Texte, juristische Dokumente sowie Wikipedia-Artikel \u2013 von denen viele die Alltagssprache kaum widerspiegeln und\/oder selbst maschinell \u00fcbersetzt wurden.\u201c<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Die wenigen verf\u00fcgbaren Texte spiegeln den tats\u00e4chlichen Sprachgebrauch nur begrenzt wider.<\/p>\n<h2><strong>Internationale Initiativen f\u00fcr mehr sprachliche Vielfalt<\/strong><\/h2>\n<p>Gleichzeitig entstehen weltweit Projekte, die versuchen, diese L\u00fccke zu schlie\u00dfen. In China wurde mit DeepSeek ein leistungsf\u00e4higes Sprachmodell entwickelt, das auf chinesische Anwendungen zugeschnitten ist. Auch Indien arbeitet an einer eigenen L\u00f6sung: Die Regierung entwickelt ein KI-gest\u00fctztes \u00dcbersetzungssystem, das alle 22 offiziellen Sprachen des Landes unterst\u00fctzen soll. Dar\u00fcber hinaus existieren spezialisierte Sprachmodelle f\u00fcr andere Sprachr\u00e4ume. Mit Jais gibt es etwa ein arabischsprachiges LLM. Eine \u00dcbersicht des <a href=\"https:\/\/www.weforum.org\/stories\/2025\/10\/generative-ai-languages-llm\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Weltwirtschaftsforums<\/a> zeigt zudem Initiativen, die kleinere Sprachen in Afrika, Neuseeland oder Brasilien f\u00fcr KI-Anwendungen erschlie\u00dfen.<\/p>\n<h2><strong>Sprache als digitale Zukunftsfrage<\/strong><\/h2>\n<p>Die Initiative der deutschsprachigen Kulturminister reiht sich damit in eine wachsende internationale Bewegung ein. Ihr gemeinsames Ziel: sicherzustellen, dass die digitale Zukunft nicht nur von wenigen dominierenden Sprachen gepr\u00e4gt wird. Denn wenn KI-Systeme k\u00fcnftig immer st\u00e4rker als Wissensquelle, Kommunikationsmittel und wirtschaftliches Werkzeug dienen, entscheidet ihre sprachliche Vielfalt auch dar\u00fcber, wessen Perspektiven und kulturelle Erfahrungen in der digitalen Welt sichtbar bleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Mauro Oliveira<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kulturministerinnen und Kulturminister der deutschsprachigen L\u00e4nder wollen die Zusammenarbeit im Bereich K\u00fcnstliche Intelligenz intensivieren. Ihr Ziel: sicherzustellen, dass die deutsche Sprache und Kultur auch in KI-Systemen sichtbar bleiben. 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