{"id":74361,"date":"2026-03-15T12:29:35","date_gmt":"2026-03-15T11:29:35","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=74361"},"modified":"2026-03-15T12:40:42","modified_gmt":"2026-03-15T11:40:42","slug":"wort-zum-sonntag-von-bischofsvikar-dr-peter-tarlinski-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wort-zum-sonntag-von-bischofsvikar-dr-peter-tarlinski-6\/","title":{"rendered":"Wort zum Sonntag von Bischofsvikar Dr. Peter Tarlinski"},"content":{"rendered":"<p><strong>4. Sonntag der Fastenzeit<\/strong><\/p>\n<p><strong>1. Lesung: 1 Sam 16, 1b.6\u20137.10\u201313b<\/strong><\/p>\n<p><strong>2. Lesung: Eph 5, 8\u201314<\/strong><\/p>\n<p><strong>Evangelium: Joh 9, 1\u201341<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der vierte Fastensonntag, der in der kirchlichen Tradition als Laetare-Sonntag bezeichnet wird, stellt einen besonderen Moment auf dem liturgischen Weg der Vorbereitung auf Ostern dar. Der Begriff Laetare stammt aus dem Lateinischen und bedeutet \u201efreue dich\u201c. Es ist das erste Wort der Eingangsantiphon der Heiligen Messe: Laetare, Ierusalem \u2013 \u201eFreue dich, Jerusalem\u201c, entnommen aus dem Buch Jesaja (Jes 66,10). Die Liturgie dieses Sonntags bringt einen Ton der Freude mitten in eine Zeit, die von Natur aus reum\u00fctig und besinnlich ist. Die Farbe der liturgischen Gew\u00e4nder (des vom Priester getragenen Messgewandes) kann rosa sein. Die Lesungen dieses Sonntags betonen die optimistische pers\u00f6nlichenWandlung im Rahmen der Vorbereitung auf das Fest der Auferstehung Christi. Wir erleben Freude, wenn wir aus der Dunkelheit ins Licht treten, wenn wir unser Augenlicht wiedererlangen und wenn wir mit dem Herzen sehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>Aus der Finsternis heraustreten<\/h2>\n<p>Der Text des heiligen Paulus, der an die Gl\u00e4ubigen in Ephesus gerichtet ist, ermahnt dazu, die Finsternis hinter sich zu lassen und die Werke der Finsternis aufzugeben. Obwohl sie in dem Abschnitt, der am 4. Fastensonntag gelesen wird, nicht aufgez\u00e4hlt werden, erw\u00e4hnt der V\u00f6lkerapostel sie bereits zuvor (5,3-5), wenn er vor Unzucht und Unreinheit, vor Habgier und Sch\u00e4ndlichem, vor albernem Gerede und unanst\u00e4ndigen Spr\u00fcchen warnt. \u00c4hnlich wendet sich der heilige Paulus an die R\u00f6mer (13,12-13): \u201eLasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts! 13 Lasst uns ehrenhaft leben wie am Tag, ohne ma\u00dfloses Essen und Trinken, ohne Unzucht und Ausschweifung, ohne Streit und Eifersucht!\u201c Es gibt also viel zu bedenken. Vielleicht haben sich diese und \u00e4hnliche Verhaltensweisen auch in unser Leben eingeschlichen. Deshalb lautet die Ermahnung an die Epheser und an uns: \u201eEinst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn. Lebt als Kinder des Lichts! Denn das Licht bringt lauter G\u00fcte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor. Pr\u00fcft, was dem Herrn gef\u00e4llt, und habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis, die keine Frucht bringen, deckt sie vielmehr auf!\u201c Wenn der Mensch aus der Finsternis heraustritt und das B\u00f6se hinter sich l\u00e4sst, welches in der Finsternis entsteht und sich dort abspielt, muss er wissen, wo das Licht ist, wo er es sehen und wo er ihm begegnen kann. Der Brief an die Epheser stellt ohne zu z\u00f6gern fest: \u201eWach auf, du Schl\u00e4fer, und steh auf von den Toten und Christus wird dein Licht sein.\u201c<\/p>\n<h2>Das Augenlicht wiedererlangen<\/h2>\n<p>Man kann gesunde Augen haben, dank denen man sich sicher fortbewegen, Menschen und Gegenst\u00e4nde erkennen, weite Landschaften \u00fcberblicken und kleine Details wahrnehmen kann. Das ist ein gro\u00dfes Geschenk. Ein Abschnitt aus dem Johannesevangelium beschreibt die Heilung eines Mannes, der von Geburt an blind war. Die J\u00fcnger fragten Jesus, wer daran Schuld habe: der Blinde oder seine Eltern. Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern. Und er heilte ihn. Die Erz\u00e4hlung und Parabel von der Heilung des Blinden ist vielschichtig und reich an Inhalt.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"color: #ffcc00;\">Aus der spirituellen Tiefe, aus dem Inneren heraus, sieht man mehr, auch das, was vor den Sinnen verborgen ist. Mit dem Herzen erkennt man das Herz.<\/span><\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Wenden wir heute unsere Aufmerksamkeit der Verwandlung zu, die sich im Leben des Blinden zugetragen hat. Er lebte in der Dunkelheit und war durch seine Behinderung vom Licht abgeschnitten. Er konnte niemanden und nichts erkennen. Als Jesus ihm begegnete, formte er Schlamm, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte: \u201eGeh, wasche dich im Teich Siloah.\u201c Der Blinde befolgte den Befehl Jesu und erlangte sein Augenlicht. Bis zum Schluss verstand er jedoch nicht ganz, was geschehen war. Er erkannte denjenigen nicht, der ihn geheilt hatte. F\u00fcr den Blinden war es ein Mann namens Jesus, der seine J\u00fcnger lehrte. Er war ein Prophet, denn er vollbrachte ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Wunder. Jesus fragte den Geheilten: \u201eGlaubst du an den Menschensohn?\u201c Dieser antwortete: \u201eIch glaube, Herr!\u201c Erst jetzt wurde der Blinde vollst\u00e4ndig sehend und gewann sein Augenlicht vollkommen zur\u00fcck. Der Evangelist f\u00fchrt uns zu der Wahrheit, dass das Licht des Tages uns das Leben enorm erleichtert, aber erst das Licht, das Jesus ist, l\u00e4sst uns den gesamten Sinn des Lebens erkennen.<\/p>\n<h2>Sehen und erkennen mit dem Herzen<\/h2>\n<p>Von der F\u00e4higkeit, tief zu blicken und zur Wahrheit zu gelangen, handelt auch ein Text aus dem Buch Samuel, dessen Abschnitt die Salbung Davids zum K\u00f6nig beschreibt. Er wurde unter den acht S\u00f6hnen Isais aus Bethlehem ausgew\u00e4hlt. Warum wurde David durch den Propheten Samuel gesalbt und nicht seine Br\u00fcder, die besser geeignet aussahen als er? Denn \u201eder Mensch sieht nicht so, wie Gott sieht, denn der Mensch schaut auf das, was f\u00fcr die Augen sichtbar ist, der Herr aber schaut auf das Herz.\u201c Aus der spirituellen Tiefe, aus dem Inneren heraus, sieht man mehr, auch das, was vor den Sinnen verborgen ist. Mit dem Herzen erkennt man das Herz. In der Schule haben wir einen Auszug aus der Ballade \u201eRomantyczno\u015b\u0107\u201c (\u201eRomantik\u201c; 1822) von Adam Mickiewicz auswendig gelernt. Ihr Schlussabschnitt handelt von zwei Arten, die Wirklichkeit zu erkennen: einerseits durch den Verstand und anderseits durch das Herz, durch Gef\u00fchle, durch die geistige Intuition und den Glauben. Im Hinblick auf den heutigen Sonntag, der das Heraustreten aus der Dunkelheit und den \u00dcbergang ind Tiefe der Lebenswahrnehmung dank Christus betont, halte ich es f\u00fcr sinnvoll, Mickiewicz Worte zu zitieren (freie KI-\u00dcbersetzung):<\/p>\n<p>Ein alter, weiser Mann Der alles im Gedanken wog und ma\u00df, Er suchte rings die Welt zu rechtfertigen Und fragte: Ist es Wahrheit \u2013 oder Traum?<\/p>\n<p>Und ich sage euch, meine Lieben: Habt ein Herz und schaut ins Herz! Denn manchmal sieht das Herz viel weiter Als Augen, die nur alles messen.<\/p>\n<p>Was n\u00fctzt euch der Verstand, Wenn ihm das F\u00fchlen fehlt? Die wahre Wahrheit ruht im Herzen, Nicht in kalter Rechnung, nicht in Worten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4. Sonntag der Fastenzeit 1. Lesung: 1 Sam 16, 1b.6\u20137.10\u201313b 2. 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