{"id":74190,"date":"2026-03-13T05:00:06","date_gmt":"2026-03-13T04:00:06","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=74190"},"modified":"2026-03-12T16:20:19","modified_gmt":"2026-03-12T15:20:19","slug":"aus-unserer-geschichte-aus-einer-welt-die-nicht-existiert-und-nie-existierte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/aus-unserer-geschichte-aus-einer-welt-die-nicht-existiert-und-nie-existierte\/","title":{"rendered":"Aus unserer Geschichte: Aus einer Welt, die nicht existiert. Und nie existierte \u2026"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die digitalen Best\u00e4nde des FZDM-Archivs bergen ein besonderes Relikt aus den 1950er-Jahren: Scans von Zeitungen, die in Niederschlesien f\u00fcr die dort ans\u00e4ssige deutsche Bev\u00f6lkerung erschienen. Diese Sammlungen stehen online allen Interessierten an diesem wenig bekannten Kapitel der Geschichte der \u201eanerkannten\u201c Deutschen zur Verf\u00fcgung, die sich infolge von Grenz\u00e4nderungen in einer ihnen fremden Welt wiederfanden.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es herrscht die weitverbreitete Annahme, die polnischen Nachkriegsbeh\u00f6rden h\u00e4tten die Existenz einer deutschen Minderheit geleugnet. Aus oberschlesischer Sicht traf dies tats\u00e4chlich zu. Es handelt sich jedoch um eine Wahrheit mit, sagen wir, regionalem Charakter. Denn es gab Orte in der Volksrepublik Polen, an denen Deutsche \u2013 sofern man diesen Begriff in der Realit\u00e4t eines totalit\u00e4ren Staates \u00fcberhaupt verwenden kann \u2013 ihre Sprache und Kultur frei pflegen konnten. In Niederschlesien und Westpommern, wo die Propaganda keine Verbindung zwischen den in der Region verbliebenen Deutschen und ihren slawischen Vorfahren nachweisen konnte, entwickelte sich bereits ab den fr\u00fchen 1950er-Jahren ein kulturelles und soziales Minderheitenleben, das von den Beh\u00f6rden streng kontrolliert wurde.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Im Juni 1951 erschien schlie\u00dflich die erste Ausgabe der Zeitung \u201eArbeiterstimme\u201c, die sich in den Ruch-Kiosken zu einem festen Bestandteil des Zeitungsangebots entwickeln sollte.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Der Anlass, heute auf einen Aspekt dieser Aktivit\u00e4ten einzugehen, ist ein Jahrestag. Vor 75 Jahren, am 1. April 1951, erschien das \u201eBiuletin der Wa\u0142brzycher Abteilung des Bergarbeiterverbandes\u201c. Nach dem obligatorischen Aufruf zur Vereinigung der Proletarier aller L\u00e4nder folgten weitere Artikel, die (nat\u00fcrlich im Namen des Friedenskampfes) eine Steigerung der Kohlef\u00f6rderung forderten. Die Vorarbeiter Richard Langner und Herrmann Kern k\u00fcndigten an, dass ihre deutschen Bergarbeitertrupps im April \u2013 zur Feier des bevorstehenden Tags der Arbeit \u2013 140 % ihrer Norm \u00fcberschreiten w\u00fcrden!<\/p>\n<p>Das zweiseitige Bulletin erwies sich zwar als kurzlebig, doch einen Monat sp\u00e4ter erschien ein neuer Titel: \u201eWir bauen auf\u201c. Diesmal waren die Hauptthemen die Feierlichkeiten zum Tag der Arbeit und der Besuch Boles\u0142aw Bieruts in der DDR. Die einzige lokale Meldung war ein Bericht von Paul Lauterbach aus dem Bergwerk \u201eNowa Ruda\u201c \u2013 ja, auch hier ging es um die \u00dcberschreitung der Kohlef\u00f6rdernormen.<\/p>\n<p>Im Juni 1951 erschien schlie\u00dflich die erste Ausgabe der Zeitung \u201eArbeiterstimme\u201c, die sich in den Ruch-Kiosken zu einem festen Bestandteil des Zeitungsangebots entwickeln sollte. Bis Mitte 1955 erschien diese bereits in Breslau herausgegebene Zeitung zun\u00e4chst w\u00f6chentlich, sp\u00e4ter sogar t\u00e4glich. Als nach dem Oktoberumbruch 1956 die meisten Leser emigrierten, wurde auch das f\u00fcr sie bestimmte Propagandaorgan 1958 eingestellt.<\/p>\n<p>Aus heutiger Sicht sind die Nachrichten aus der Welt der \u201eanerkannten\u201c Deutschen wohl am interessantesten. Ein Reporter, der im Dezember 1953 Kinder einer Schule in Gottesberg-Rothenbach besuchte, berichtete, dass Mathematik das Lieblingsfach der Sch\u00fcler war und fast alle ihre Ausbildung an einer technischen Schule fortsetzen wollten. Auch aus Westpommern erschienen regelm\u00e4\u00dfig Beitr\u00e4ge, beispielsweise ein ausf\u00fchrlicher Bericht \u00fcber die Er\u00f6ffnung des Kulturzentrums \u201eFreundschaft\u201c in Stettin.<\/p>\n<p>Unter der Adresse: <a href=\"https:\/\/zbioryspoleczne.pl\/zbiory\/PL_1042_025\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/zbioryspoleczne.pl\/zbiory\/PL_1042_025<\/a> stellen wir digitale Kopien von \u00fcber 200 Ausgaben der beschriebenen Titel aus den Jahren <strong>1951\u20131955<\/strong> zur Verf\u00fcgung. Wir laden alle Interessierten zu einem virtuellen Besuch in einer Welt ein, die es nicht mehr gibt und eigentlich nie wirklich existiert hat \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Micha\u0142 Matheja<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die digitalen Best\u00e4nde des FZDM-Archivs bergen ein besonderes Relikt aus den 1950er-Jahren: Scans von Zeitungen, die in Niederschlesien f\u00fcr die dort ans\u00e4ssige deutsche Bev\u00f6lkerung erschienen. Diese Sammlungen stehen online allen Interessierten an diesem wenig bekannten Kapitel der Geschichte der \u201eanerkannten\u201c Deutschen zur Verf\u00fcgung, die sich infolge von Grenz\u00e4nderungen in einer ihnen fremden Welt wiederfanden.<\/p>\n","protected":false},"author":295,"featured_media":74191,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4224],"tags":[6691,6688,6689,6690],"redaktor":[6574],"class_list":["post-74190","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte-de","tag-arbeiterstimme","tag-aus-unserer-geschichte","tag-fzdm","tag-fzdm-archiv","redaktor-michal-matheja-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74190","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/295"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=74190"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74190\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":74193,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74190\/revisions\/74193"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/74191"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=74190"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=74190"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=74190"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=74190"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}