{"id":73116,"date":"2026-03-01T17:00:39","date_gmt":"2026-03-01T16:00:39","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=73116"},"modified":"2026-03-19T12:25:23","modified_gmt":"2026-03-19T11:25:23","slug":"vergessenes-erbe-brieger-piastenschloss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/vergessenes-erbe-brieger-piastenschloss\/","title":{"rendered":"Vergessenes Erbe: Brieger Piastenschloss"},"content":{"rendered":"<h1><strong>Der schlesische Wawel<\/strong><\/h1>\n<p><strong>Brieg war \u00fcber 300 Jahre Residenzstadt des gleichnamigen Herzogtums. Zeuge dieser Zeit ist das hiesige Piastenschloss, eines der wichtigsten Renaissancebauten Schlesiens. Schwer besch\u00e4digt im 18. Jahrhundert, wurde es in m\u00fchsamer Rekonstruktion nach dem Zweiten Weltkrieg in alter Pracht wiederhergerichtet.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2><strong>Von der Burg zum Schloss<\/strong><\/h2>\n<p>Eine Burg in Brieg wurde 1235 erstmals urkundlich erw\u00e4hnt, wobei das Jahr 1311 ihr erst eine gr\u00f6\u00dfere Bedeutung verlieh. Damals wurde Brieg zur Residenzstadt der Herz\u00f6ge von Brieg, sp\u00e4ter von Liegnitz-Brieg und Liegnitz-Brieg-Wohlau. Bolko I. von Schweidnitz (ca. 1253\u20131301) entschied w\u00e4hrend seiner Herrschaft, die Burg in eine Residenz umzubauen. Dieser Zustand blieb bis in das 16. Jahrhundert erhalten, als die Herz\u00f6ge Friedrich II. und Georg II. sich f\u00fcr einen Umbau im Stil der Renaissance entschieden. Hiermit wurden die italienischen Baumeister Jakob Pahr und dessen Sohn Franz Pahr sowie Bernhard Niuron beauftragt, die den Umbau zwischen 1532 und 1595 umsetzten.<\/p>\n<div id=\"attachment_73131\" style=\"width: 778px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-73131\" class=\"size-large wp-image-73131\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Foto-2-Stammbaum-von-Fuerst-Georg-Martin-Wycisk-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Foto-2-Stammbaum-von-Fuerst-Georg-Martin-Wycisk-768x1024.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Foto-2-Stammbaum-von-Fuerst-Georg-Martin-Wycisk-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Foto-2-Stammbaum-von-Fuerst-Georg-Martin-Wycisk-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Foto-2-Stammbaum-von-Fuerst-Georg-Martin-Wycisk-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Foto-2-Stammbaum-von-Fuerst-Georg-Martin-Wycisk-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><p id=\"caption-attachment-73131\" class=\"wp-caption-text\">Stammbaum von F\u00fcrst Georg.<br \/>Foto: Martin Wycisk<\/p><\/div>\n<h2><strong>Eine Perle der Renaissance<\/strong><\/h2>\n<p>Zu den wichtigsten Elementen des umgebauten Piastenschlosses geh\u00f6rt das reich verzierte Torhaus aus gelbem Sandstein. Das dreigeschossige Portal gilt als eines der sch\u00f6nsten Renaissanceportale Schlesiens. \u00dcber der gro\u00dfen Durchfahrt stehen in Stein gemei\u00dfelt Herzog Georg II. und seine Gemahlin Barbara von Brandenburg, ein Manifest f\u00fcrstlicher Repr\u00e4sentation und dynastischer B\u00fcndnisse. Zwischen fig\u00fcrlichen und floralen Ornamenten und Arabesken prangen die Allianzwappen der Piastenherz\u00f6ge von Liegnitz-Brieg und der brandenburgischen Kurf\u00fcrsten, die den Anspruch der Herrscher auf Rang und Einfluss unterstreichen.<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Heute beherbergt das Schloss das Museum der Schlesischen Piasten. In den Fl\u00fcgeln der Anlage erz\u00e4hlen Ausstellungen von der Geschichte der Dynastie, von der Christianisierung und Urbanisierung Schlesiens, vom h\u00f6fischen Leben und von den politischen Umbr\u00fcchen der Neuzeit.<\/strong><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Hinter dem Tor \u00f6ffnet sich der trapezf\u00f6rmige Arkadenhof, der das Herz der Anlage bildet. Dreigeschossige, weit gespannte Arkaden umlaufen den Hof und geben ihm eine fast italienische Anmutung. Im Erdgeschoss ruhen die B\u00f6gen auf kr\u00e4ftigen ionischen S\u00e4ulen, die sich als kannelierte Pilaster in die oberen Geschosse fortsetzen. Dar\u00fcber folgen korinthische S\u00e4ulen, deren B\u00f6gen mit Portr\u00e4tmedaillons geschm\u00fcckt sind, bevor im dritten Obergeschoss eine leichte Kolonnade den Hof nach oben abschlie\u00dft. Der Arkadenhof \u00e4hnelt dem des Krakauer K\u00f6nigsschlosses in Krakau, von dem er inspiriert sein k\u00f6nnte. Es wundert jedenfalls nicht, dass das Piastenschloss auch als \u201eschlesischer Wawel\u201c bezeichnet wird.<\/p>\n<h2><strong>Zerst\u00f6rung und Verfall<\/strong><\/h2>\n<p>1675 verstarb hier mit Georg Wilhelm der letzte Vertreter der schlesischen Piasten. Mit dem Erl\u00f6schen der Dynastie \u00fcbernahmen die Habsburger das Herzogtum. F\u00fcr das Schloss bedeutete dies einen eklatanten Bedeutungsverlust. In der Folgezeit wechselten die Funktionen, unter anderem hatte hier die kaiserliche Verwaltung f\u00fcr die piastischen Liegenschaften ihren Sitz. Zum weiteren Niedergang des Schlosses trug der Siebenj\u00e4hrige Krieg bei. Ein durch preu\u00dfischen Artilleriebeschuss ausgel\u00f6ster Brand zerst\u00f6rte 1741 zwei Drittel der Residenz. Die restlichen Geb\u00e4ude wurden saniert und bis 1922 als Milit\u00e4rlager genutzt. Nach einem weiteren Brand 1801 wurden die wertvollsten Gegenst\u00e4nde des Schlosses nach Berlin verlegt. 1922 \u00fcbernahm die Stadt das Schloss und gr\u00fcndete hier ein Museum. Ein Wiederaufbau des Schlosses fand jedoch nicht statt, obwohl sich im 20. Jahrhundert ein Bewusstsein f\u00fcr seinen historischen Wert entwickelte.<\/p>\n<div id=\"attachment_73129\" style=\"width: 778px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-73129\" class=\"size-large wp-image-73129\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Foto-1-Schlossportal-mit-Fuerst-Georg-und-Gemahlin-Martin-Wycisk-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Foto-1-Schlossportal-mit-Fuerst-Georg-und-Gemahlin-Martin-Wycisk-768x1024.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Foto-1-Schlossportal-mit-Fuerst-Georg-und-Gemahlin-Martin-Wycisk-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Foto-1-Schlossportal-mit-Fuerst-Georg-und-Gemahlin-Martin-Wycisk-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Foto-1-Schlossportal-mit-Fuerst-Georg-und-Gemahlin-Martin-Wycisk-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Foto-1-Schlossportal-mit-Fuerst-Georg-und-Gemahlin-Martin-Wycisk-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><p id=\"caption-attachment-73129\" class=\"wp-caption-text\">Schloss in Brieg: Schlossportal mit F\u00fcrst Georg und Gemahlin.<br \/>Foto: Martin Wycisk<\/p><\/div>\n<h2><strong>Wiederaufbau und Gegenwart<\/strong><\/h2>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Brieg polnisch. Die Lage des Schlosses als Ruine \u00e4nderte sich jedoch erst, als 1952 hier das Museum der schlesischen Piasten gegr\u00fcndet wurde. In den 1960er-Jahren fiel schlie\u00dflich die Entscheidung, die Anlage nach historischen Pl\u00e4nen wiederaufzubauen. Zwischen 1966 und 1987 entstanden die Arkaden, Fassaden und Innenr\u00e4ume in m\u00fchevoller Rekonstruktionsarbeit neu. Ziel war es, nicht nur ein Denkmal zu erhalten, sondern auch einen Identifikationsort f\u00fcr die neue Bev\u00f6lkerung zu schaffen. Die als polnische Dynastie verstandenen schlesischen Piasten boten sich hierf\u00fcr gut an.<\/p>\n<div id=\"attachment_73133\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-73133\" class=\"size-large wp-image-73133\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Foto-3-Ausstellung-zur-Vertreibung-aus-dem-ehm.-Ostpolen-Martin-Wycisk-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Foto-3-Ausstellung-zur-Vertreibung-aus-dem-ehm.-Ostpolen-Martin-Wycisk-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Foto-3-Ausstellung-zur-Vertreibung-aus-dem-ehm.-Ostpolen-Martin-Wycisk-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Foto-3-Ausstellung-zur-Vertreibung-aus-dem-ehm.-Ostpolen-Martin-Wycisk-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Foto-3-Ausstellung-zur-Vertreibung-aus-dem-ehm.-Ostpolen-Martin-Wycisk-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Foto-3-Ausstellung-zur-Vertreibung-aus-dem-ehm.-Ostpolen-Martin-Wycisk-2048x1366.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-73133\" class=\"wp-caption-text\">Ausstellung zur Vertreibung aus dem ehemaligen Ostpolen.<br \/>Foto: Martin Wycisk<\/p><\/div>\n<p>Heute beherbergt das Schloss das Museum der Schlesischen Piasten. In den Fl\u00fcgeln der Anlage erz\u00e4hlen Ausstellungen von der Geschichte der Dynastie, von der Christianisierung und Urbanisierung Schlesiens, vom h\u00f6fischen Leben und von den politischen Umbr\u00fcchen der Neuzeit. Zu den Sch\u00e4tzen z\u00e4hlen gotische Kunstwerke, M\u00fcnzsammlungen sowie prunkvolle Sarkophage der Piastenf\u00fcrsten, die die Geschichte der einstigen Herrscherfamilie in eindrucksvoller Weise vergegenw\u00e4rtigen. In einer separaten Ausstellung wird auch das Thema der Vertreibung aus den ehemaligen Ostgebieten Polens (heute unter anderem Westukraine) nach Schlesien behandelt. Dar\u00fcber hinaus dient die Renaissanceresidenz auch als Drehort. 2025 wurden hier zum Beispiel Szenen f\u00fcr die historische Kom\u00f6dienserie <em>1670<\/em> gedreht.<\/p>\n<p>Das Piastenschloss ist heute eine Sehensw\u00fcrdigkeit von \u00fcberregionaler Bedeutung und Zeuge der tiefen Verwurzelung Schlesiens in der europ\u00e4ischen Kultur. Gleichzeitig l\u00e4dt es zur Reflexion \u00fcber die regionale Identit\u00e4t der hier lebenden Polen ein und dar\u00fcber, wie sie mit der Zeit das kulturelle Erbe der Region sch\u00e4tzen lernten.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Martin Wycisk<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der schlesische Wawel Brieg war \u00fcber 300 Jahre Residenzstadt des gleichnamigen Herzogtums. Zeuge dieser Zeit ist das hiesige Piastenschloss, eines der wichtigsten Renaissancebauten Schlesiens. Schwer besch\u00e4digt im 18. 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