{"id":72965,"date":"2026-02-27T05:00:42","date_gmt":"2026-02-27T04:00:42","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=72965"},"modified":"2026-02-26T16:14:52","modified_gmt":"2026-02-26T15:14:52","slug":"aus-der-mottenkiste-der-geschichte-ueber-bildung-und-die-welt-vor-30-jahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/aus-der-mottenkiste-der-geschichte-ueber-bildung-und-die-welt-vor-30-jahren\/","title":{"rendered":"Aus der Mottenkiste der Geschichte: \u00dcber Bildung und die Welt vor 30 Jahren"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vor 30 Jahren, am 27. Februar 1996, erlie\u00df das Woiwodschaftsgericht Oppeln einen Beschluss zur Eintragung der Deutschen Bildungsgesellschaft (DBG) in das Vereinsregister. Um die Umst\u00e4nde der DBG-Gr\u00fcndung zu verstehen, muss man einige Jahre zur\u00fcckblicken und sich daran erinnern, dass von Beginn der deutschen Minderheit in Polen an einige Aktivisten die Gr\u00fcndung einer Organisation anstrebten, die sich auf Bildungsfragen konzentrieren w\u00fcrde, da diese ihrer Ansicht nach marginalisiert worden waren und anderen Priorit\u00e4ten weichen mussten.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die nach der Abschaffung des Einparteienmonopols eingef\u00fchrten \u00c4nderungen im Bildungsrecht entpolitisierten die Schulen und erm\u00f6glichten den muttersprachlichen Deutschunterricht an bestehenden Einrichtungen sowie den Aufbau von Minderheitenschulen. In dieser Zeit herrschte akuter Mangel an qualifizierten Germanisten. Verschiedene Initiativen, wie beispielsweise Deutschkurse in DFK-Ortsgruppen, wurden ergriffen. Die Zentralstelle f\u00fcr das Auslandsschulwesen in K\u00f6ln f\u00fchrte ein Programm zur Entsendung von Germanisten aus Deutschland ein. \u00c4hnliche Aktivit\u00e4ten wurden auch von den Landsmannschaften initiiert.<\/p>\n<p>Im Studienjahr 1990\/91 wurde an der P\u00e4dagogischen Hochschule Oppeln das Institut f\u00fcr Germanische Philologie unter der Leitung von Professorin Gra\u017cyna Szewczyk gegr\u00fcndet. Ebenfalls 1990 entstand in Oppeln das Fremdsprachenlehrerkolleg als Ausbildungsst\u00e4tte f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte. Zum gleichen Zweck wurde 1992 das Lehrerbildungsprogramm \u201eNiwki\u201c ins Leben gerufen, das bis heute besteht.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"color: #ffcc00;\">Zu den Initiatoren der Gr\u00fcndung der Deutschen Bildungsgesellschaft geh\u00f6rte Bernard Sojka, dem Gr\u00fcndungskomitee geh\u00f6rten Ryszard Donitza, J\u00f3zef Koty\u015b und Hubert Kurza\u0142 an.<\/span><\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Es lag daher nahe, die Gr\u00fcndung von Vereinsschulen und die berufliche Weiterbildung des Lehrpersonals in Betracht zu ziehen. Aus diesem Grund trafen sich am 3. Oktober 1994 in Oppeln mehrere Personen, die die sich durch die \u00c4nderungen im Bildungsrecht f\u00fcr die deutsche Minderheit er\u00f6ffnenden Chancen erkannt hatten.<\/p>\n<p>Zu den Initiatoren der Gr\u00fcndung der Deutschen Bildungsgesellschaft geh\u00f6rte Bernard Sojka, dem Gr\u00fcndungskomitee geh\u00f6rten Ryszard Donitza, J\u00f3zef Koty\u015b und Hubert Kurza\u0142 an. Die Satzung und die dazugeh\u00f6rigen Programmdokumente wurden relativ schnell erstellt. Am 17. Januar 1995 reichte das Gr\u00fcndungskomitee beim Woiwodschaftsgericht Oppeln einen Antrag auf Registrierung ein. Bei der Antragstellung ahnten die DBG-Gr\u00fcnder wohl kaum den einj\u00e4hrigen Rechtsstreit, der ihnen bevorstand, um einen gew\u00f6hnlichen Bildungsverein registrieren zu lassen. Schlie\u00dflich galt in Polen bereits seit April 1989 ein Gesetz, das den B\u00fcrgern das Recht auf Vereinigungsfreiheit einr\u00e4umte.<\/p>\n<div id=\"attachment_72969\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-72969\" class=\"size-large wp-image-72969\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/1691du-edyta-e1772095684270-1024x577.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"577\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/1691du-edyta-e1772095684270-1024x577.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/1691du-edyta-e1772095684270-300x169.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/1691du-edyta-e1772095684270-768x433.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/1691du-edyta-e1772095684270-1536x866.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/1691du-edyta-e1772095684270.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-72969\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Archiv\/Supereule<\/p><\/div>\n<p>Der Kommunismus war in Polen zwar zu Ende, doch die von Germanophobie und Nationalismus gepr\u00e4gte Denkweise der Volksrepublik Polen blieb bestehen. Der Woiwode gab Anmerkungen zur Satzung ab, die heute \u00fcberraschend erscheinen m\u00f6gen, und das Gericht stimmte ihnen zu und wies den Registrierungsantrag ab. Der Fall ging vor das Berufungsgericht in Breslau, das das Urteil des Oppelner Woiwodschaftsgerichts aufhob und die Forderungen des Oppelner Woiwoden und des Gerichts in Oppeln f\u00fcr rechtswidrig erkl\u00e4rte.<\/p>\n<p>Wer damals glaubte, die Registrierung sei nunmehr eine blo\u00dfe Formalit\u00e4t, irrte sich. Die Beschreibung der Schlupfl\u00f6cher und juristischen Tricks, mit denen die Registrierung des Vereins blockiert wurde, w\u00fcrde ein ganzes Buch f\u00fcllen. Die Gr\u00fcndungsmitglieder gaben nicht auf und k\u00e4mpften weiter f\u00fcr die Vereinigungsfreiheit. Am 12. Januar 1996 wurde der Gr\u00fcndungsausschuss neu konstituiert und stellte am 26. Januar 1996 einen Antrag auf Vereinsregistrierung, der diesmal bewilligt wurde.<\/p>\n<p>Am 25. Juli 1996 wurde der erste Vorstand unter dem Vorsitz von Joachim Czernek in das Vereinsregister eingetragen. Der n\u00e4chste Vorstandschef war der inzwischen verstorbene Professor Piotr Baron, gefolgt vom ebenfalls verstorbenen Bruno Kozak. Es w\u00e4re unm\u00f6glich, auch nur einen Teil der Personen zu erw\u00e4hnen, die die Aktivit\u00e4ten der DBG gepr\u00e4gt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Waldemar Gielzok<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 30 Jahren, am 27. Februar 1996, erlie\u00df das Woiwodschaftsgericht Oppeln einen Beschluss zur Eintragung der Deutschen Bildungsgesellschaft (DBG) in das Vereinsregister. 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