{"id":72660,"date":"2026-02-23T17:00:26","date_gmt":"2026-02-23T16:00:26","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=72660"},"modified":"2026-02-23T16:17:34","modified_gmt":"2026-02-23T15:17:34","slug":"wymysioeerys-eine-sprache-kehrt-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wymysioeerys-eine-sprache-kehrt-zurueck\/","title":{"rendered":"Wymysi\u00f6ery\u015b: Eine Sprache kehrt zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zwischen Tanzschritten und Theaterproben lebt in einem Ort am Rande der Woiwodschaft Schlesien eine Sprache, die fast verstummt w\u00e4re: Wilmesaurisch. Jahrzehntelang verboten und von Traumata \u00fcberschattet, erlebt sie heute eine unerwartete Wiederbelebung. Ein Besuch bei jenen, die Wilmesaurisch in die Zukunft tragen.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Leiterin der Tanzgruppe erhebt ihre Stimme. Im Saal mit dem dunklen Parkettboden wird es still, nur einzelne Gespr\u00e4che werden noch ged\u00e4mpft fortgef\u00fchrt. Am hinteren Ende des Saales gibt es eine kurze B\u00fchne. Die ist allerdings zu klein f\u00fcr die ganze Gruppe, die deshalb davor Aufstellung nimmt. Die Wand gegen\u00fcber ist vollst\u00e4ndig verspiegelt, wie in einem Ballettsaal.<\/p>\n<div id=\"attachment_72685\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-72685\" class=\"size-large wp-image-72685\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/wilmesau-15-1024x576.png\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"576\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/wilmesau-15-1024x576.png 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/wilmesau-15-300x169.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/wilmesau-15-768x432.png 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/wilmesau-15-1536x864.png 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/wilmesau-15-2048x1152.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-72685\" class=\"wp-caption-text\">Die Tanzgruppe f\u00fchrt traditionelle T\u00e4nze zu wilmesaurischen Liedern auf.<br \/>Foto: M. Oliveira<\/p><\/div>\n<p>Nun bittet die Leiterin die T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzer, Paare zu bilden. Dann setzt die Musik ein: Akkordeon und Trompete. Die Paare wirbeln im Kreis, drehen sich zugleich um die eigene Achse. Die Melodie scheint die kleinen, rhythmischen H\u00fcpfer geradezu einzufordern. Die gr\u00fcnen oder schwarz-wei\u00df gestreiften Sch\u00fcrzen, die einige der T\u00e4nzerinnen \u00fcber der Alltagskleidung tragen, schwingen im Kreis.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich erklingt Gesang \u2013 auf Wilmesaurisch. Die Gespr\u00e4che vor Probenbeginn waren weitgehend auf Polnisch gef\u00fchrt worden. F\u00fcr einen Moment frage ich mich, wer hier singt. Dann wird klar: Es sind die Tanzenden selbst \u2013 und auch jene, die gerade pausieren und auf den St\u00fchlen am Rand sitzen. Die Tanzgruppe ist zugleich ein Chor.<\/p>\n<h2><strong>Eine Kleinstadt mit eigener Sprache<\/strong><\/h2>\n<p>Wilmesau ist ein Ort, an dem seit Jahrhunderten eine eigene Sprache gesprochen wird: Wilmesaurisch. Beinahe w\u00e4re diese Sprache im vergangenen Jahr als zweite Regionalsprache Polens anerkannt worden. Fast, denn nach der Anerkennung durch den Sejm legte Pr\u00e4sident Nawrocki sein Veto ein.<\/p>\n<p>Wie konnte sich eine so kleine Sprache in dem Ort \u00fcber mehrere Jahrhunderte halten? Und wie sieht die Zukunft f\u00fcr die kleinste Sprache Polens aus? Mit diesen Fragen reise ich nach Wilmesau. Ich m\u00f6chte die Sprache dort h\u00f6ren, wo sie gesprochen wird. Als ich bei Kattowitz auf der \u00dcberholspur an schier endlosen Lastwagenkolonnen vorbeifahre, frage ich mich, wie viel ich verstehen werde. Wilmesaurisch ist eine germanische Sprache, unterscheidet sich aber von Deutsch so stark, dass sich in Wilmesau lange die Erz\u00e4hlung einer fl\u00e4mischen oder angels\u00e4chsischen Abstammung hielt.<\/p>\n<div id=\"attachment_72683\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-72683\" class=\"size-large wp-image-72683\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/wilmesau-5-1024x576.png\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"576\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/wilmesau-5-1024x576.png 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/wilmesau-5-300x169.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/wilmesau-5-768x432.png 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/wilmesau-5-1536x864.png 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/wilmesau-5-2048x1152.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-72683\" class=\"wp-caption-text\">Das Museum der Wilmesaurischen Kultur (wi.: M\u00fczeum fu Wymysi\u00f6ejer Kult\u00fcr) zeigt in einer umfassenden Dauerausstellung die Geschichte der Kultur und der Sprache: von den Anf\u00e4ngen im Mittelalter \u00fcber die dunklen Abschnitte des 20. Jahrhunderts bis hin zur Revitalisierung im 21. Jahrhundert.<br \/>Foto: M. Oliveira<\/p><\/div>\n<p>Verabredet bin ich mit Tymoteusz Kr\u00f3l (wi.: Ti\u00f6ma fum D\u00f6kter) und Pawe\u0142 Szutow (wi.: \u015a\u00fctow-Pi\u00f6el fum \u0106i\u00f6e). Kr\u00f3l stammt aus Wilmesau, er ist Ethnologe und Soziolinguist am Institut f\u00fcr Slawistik der Polnischen Akademie der Wissenschaften und an der Universit\u00e4t Ostrava, au\u00dferdem arbeitet er auch im \u00f6rtlichen Museum (<span style=\"color: #0000ff;\"><a style=\"color: #0000ff;\" href=\"https:\/\/muzeum.wilamowice.pl\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fczeum fu Wymysi\u00f6ejer Kult\u00fcr<\/a><\/span>), welches die Geschichte der Kultur und der Sprache in einer umfassenden Dauerausstellung zeigt. Szutow ist Linguist und schreibt bei Kr\u00f3l eine Magisterarbeit \u00fcber den bekanntesten Wilmesauer Schriftsteller Florian Biesik (wi.: Fli\u00f6era-Fli\u00f6era) \u2013 und er verfasst diese Abschlussarbeit in Wilmesaurischer Sprache.<\/p>\n<h2><strong>Zwischen Repression und Wiederbelebung<\/strong><\/h2>\n<p>Als ich schlie\u00dflich am Museum in Wilmesau ankomme, wartet Kr\u00f3l bereits. Er schl\u00e4gt vor, zun\u00e4chst essen zu gehen. Die Sonne scheint, es ist milder als in den Tagen zuvor. In den G\u00e4rten liegen letzte, grau verf\u00e4rbte Schneereste. Das Restaurant am Marktplatz verf\u00fcgt \u00fcber drei S\u00e4le, die H\u00f6lle, Fegefeuer und Himmel genannt werden, wie Kr\u00f3l erkl\u00e4rt. Wir nehmen im \u201eHimmel\u201c Platz. Kurz darauf kommt Szutow hinzu; die beiden begr\u00fc\u00dfen sich auf Wilmesaurisch.<\/p>\n<p>Beim Hinausgehen spricht Kr\u00f3l einen \u00e4lteren Mann an, der in der \u201eH\u00f6lle\u201c ein Bier trinkt. Er beginnt auf Wilmesaurisch, der Mann antwortet auf Polnisch \u2013 wechselt dann aber doch noch f\u00fcr einen kurzen Satz ins Wilmesaurische. Kr\u00f3l freut sich sichtlich.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>\u201eUns geht es nicht darum, dass alle hier jeden Tag nur Wilmesaurisch sprechen, sondern darum, dass es f\u00fcr diejenigen, die mitmachen wollen, diese M\u00f6glichkeit gibt.\u201c<br \/>\n<\/strong><\/span><em><span style=\"color: #ffcc00;\">Tymoteusz Kr\u00f3l<\/span><\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die mittlere Generation, erkl\u00e4rt er sp\u00e4ter, sei traumatisiert. W\u00e4hrend der deutschen Besatzung mussten sich die Wilmesauer in die Volksliste eintragen. Nach 1945 galten sie vielen Polen als Deutsche und waren Repressionen ausgesetzt \u2013 und Wilmesaurisch zu sprechen wurde von der sozialistischen Regierung verboten. Viele der damals Aufgewachsenen verstehen die Sprache noch, sprechen sie aber nicht mehr. \u201eSie haben zwar keine Angst mehr\u201c, sagt Kr\u00f3l, \u201eaber das Trauma bleibt.\u201c<\/p>\n<p>Die \u201e\u00e4ltere Generation\u201c dagegen, wie Kr\u00f3l sie nennt, war die Generation, die vor dem Krieg sozialisiert wurde. Viele von ihnen verwendeten Wilmesaurisch bis ins hohe Alter. Als die Mitglieder dieser Vorkriegsgeneration immer weniger wurden, drohte die Sprache zu verstummen. Dass es anders kam, ist auch Kr\u00f3l zu verdanken. Als Jugendlicher begann er, Gespr\u00e4che mit \u00e4lteren Sprecherinnen und Sprechern aufzuzeichnen. \u00dcber 2000 Stunden Tonmaterial mit rund 100 Personen sind so entstanden. \u201eDamals dachte ich, dass wir die Sprache nur noch dokumentieren k\u00f6nnten und dann w\u00fcrde sie leider sterben\u201c, sagt er. \u201eAber Gott sei Dank hat es sich anders entwickelt.\u201c<\/p>\n<h2><strong>Junge Stimmen f\u00fcr eine alte Sprache<\/strong><\/h2>\n<p>Wilmesaurisch wird inzwischen unterrichtet: im Museum in Wilmesau und an der Universit\u00e4t Warschau, wo Szutow Kurse gibt. Er spricht neben Polnisch und Wilmesaurisch auch Russisch, Deutsch sowie Tschechisch und besch\u00e4ftigt sich wissenschaftlich mit dem Schlesischen und polnischen Dialekten. 2018 kam er erstmals nach Wilmesau \u2013 aus einem Besuch wurde ein langfristiges Engagement. \u201eEs ist f\u00fcr mich sehr wichtig, dass eine Sprache, die ich lerne, sch\u00f6n klingt\u201c, erkl\u00e4rt er. \u201eWilmesaurisch ist f\u00fcr mich eine der sch\u00f6nsten Sprachen der Welt.\u201c<\/p>\n<p>Inzwischen hat Szutow ein W\u00f6rterbuch verfasst, das im Unterricht verwendet wird. Auch die wilmesaurische Fassung des Theaterst\u00fccks, das gerade im Mehrzwecksaal des Museums geprobt wird, stammt von ihm. In der Theatergruppe sind die meisten Mitwirkenden unter 30. Ein Vater spielt nimmt mit seinen beiden Kindern teil. Im Gegensatz zu den anderen Schauspielern verwenden die M\u00e4dchen keinen Spickzettel \u2013 sie k\u00f6nnen ihren Text bereits auswendig.<\/p>\n<div id=\"attachment_72690\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-72690\" class=\"size-large wp-image-72690\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/wilmesau-21-1024x576.png\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"576\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/wilmesau-21-1024x576.png 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/wilmesau-21-300x169.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/wilmesau-21-768x432.png 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/wilmesau-21-1536x864.png 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/wilmesau-21-2048x1152.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-72690\" class=\"wp-caption-text\">Die Theatergruppe bringt einmal pro Jahr ein St\u00fcck in wilmesaurischer Sprache auf die B\u00fchne. Teilweise schreiben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die St\u00fccke selbst, teilweise \u00fcbersetzen sie bekannte Werke.<br \/>Foto: M. Oliveira<\/p><\/div>\n<p>In dem Raum wurden gerade noch Holzrahmen zusammengeschraubt, es liegen Sp\u00e4ne auf den Tischen. Das B\u00fchnenbild steht noch nicht, als Requisiten verwenden die Schauspielerinnen und Schauspieler, was gerade zur Hand ist.<\/p>\n<p>Auf der einen Seite der B\u00fchne stehen zwei Stuhlreihen sich gegen\u00fcber, auf der anderen ebenso. In der Mitte ist ein Pult \u2013 rot verkleidet \u2013 platziert. Hinter dieser stilisierten Bar steht Piotr, einer der Sprachsch\u00fcler Kr\u00f3ls, mit einer wei\u00dfen Sch\u00fcrze. Einem der Reisenden wurde die Diskussionen im Abteil offenbar zu viel, er m\u00f6chte sich im Restaurantwagen eine Erfrischung genhmigen. Piotr wendet sich mit schnarrender Stimme an den eintretenden Fahrgast \u2013 offensichtlich geht es darum, was und wie viel davon dieser haben m\u00f6chte. Nachdem Piotr unterschiedlich gro\u00dfe Gl\u00e4ser pr\u00e4sentiert hat, schl\u00fcpft der Gast aus seiner Rolle und stellt sich selbst hinter die Bar. Er erkl\u00e4rt Piotr, dass er das riesige Bierglas erst nach einer Kunstpause hervorholen solle. Die Szene wird noch einmal begonnen \u2013 dieses Mal mit Kunstpause. Die Gl\u00e4ser helfen mir in dieser Szene zu erschlie\u00dfen, was gesprochen wird. Von den reinen Dialogen verstehe ich weniger, als mir lieb ist.<\/p>\n<h2><strong>Ein Kulturleben f\u00fcr die Zukunft<\/strong><\/h2>\n<p>Szutow hat mir erkl\u00e4rt, dass Revitalisierung immer auch Weiterentwicklung bedeutet. Die meisten der letzten Muttersprachler wuchsen in einer anderen Welt auf; neue Begriffe m\u00fcssen gefunden werden. Ich frage mich, ob sich das Vokabular der Wilmesauer Zugreisenden von einst von dem unterscheidet, das die Theatergruppe verwendet.<\/p>\n<p>Als die Probe des Theaterst\u00fccks beendet ist, eilen viele der Beteiligten weiter zur Tanzgruppe nebenan. Der Darsteller, der in der Bistro-Szene den Gast spielte, wirkt zufrieden, obwohl die Premiere des St\u00fccks in einer guten Woche stattfindet. Die Gruppe habe Erfahrung damit, in kurzer Zeit b\u00fchnenreif zu werden, sagt er.<\/p>\n<div id=\"attachment_72677\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-72677\" class=\"size-large wp-image-72677\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/wilmesau-30-1024x576.png\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"576\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/wilmesau-30-1024x576.png 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/wilmesau-30-300x169.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/wilmesau-30-768x432.png 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/wilmesau-30-1536x864.png 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/wilmesau-30-2048x1152.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-72677\" class=\"wp-caption-text\">Pawe\u0142 Szutow hat 2018 angefangen Wilmesaurisch zu lernen. Mittlerweile unterrichtet er die Sprache in Warschau und ist Autor eines didaktischen W\u00f6rterbuchs.<br \/>Foto: M. Oliveira<\/p><\/div>\n<p>Wilmesaurisch erscheint hier nicht als museales Relikt, sondern als gelebte Kultur. Auch wenn das Interesse eines Tages nachlassen sollte, w\u00e4re die Sprache dank des umfangreichen Tonkorpus abgesichert, meint Szutow: \u201eSogar wenn Leute, wie Tymoteusz Kr\u00f3l oder ich einmal nicht mehr da sein sollten, werden die, die nach uns kommen, mit Hilfe der Materialien sprechen lernen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Doch weder f\u00fcr ihn noch f\u00fcr Kr\u00f3l ist das ein Grund, sich zur\u00fcckzulehnen. Szutow plant ein umfassendes wissenschaftliches W\u00f6rterbuch. Und Kr\u00f3l verfolgt die Vision einer lebendigen lokalen \u201eSubkultur\u201c. \u201eUns geht es nicht darum, dass alle hier jeden Tag nur Wilmesaurisch sprechen\u201c, erl\u00e4utert er das Ziel der Sprachvitalisierung, \u201esondern darum, dass es f\u00fcr diejenigen, die mitmachen wollen, diese M\u00f6glichkeit gibt.\u201c<\/p>\n<p>Eine offizielle Anerkennung als Regionalsprache w\u00fcrde zus\u00e4tzliche Handlungsm\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen \u2013 etwa durch Unterricht an Schulen oder zweisprachige Ortsschilder. Doch im Tanzsaal mit der Spiegelwand wirkt es, als tr\u00fcge sich diese Kultur bereits selbst. Pawe\u0142 Szutow stimmt als Solist die wilmesaurische Fassung von \u201eDer Kuckuck und der Esel\u201c an, Tymoteusz Kr\u00f3l sorgt auf dem Akkordeon f\u00fcr die Musik.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Mauro Oliveira<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p>Mehr Informationen zu Sprachkursen, dem aktuellen Kulturprogramm in Wilamowice und den Ausstellungen des Museums ist auf der Internetseite des Musesums der Wilmesauer Kultur <em><span style=\"color: #0000ff;\"><a style=\"color: #0000ff;\" href=\"https:\/\/muzeum.wilamowice.pl\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">muzeum.wilamowice.pl<\/a><\/span><\/em> zu finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen Tanzschritten und Theaterproben lebt in einem Ort am Rande der Woiwodschaft Schlesien eine Sprache, die fast verstummt w\u00e4re: Wilmesaurisch. Jahrzehntelang verboten und von Traumata \u00fcberschattet, erlebt sie heute eine unerwartete Wiederbelebung. 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