{"id":72617,"date":"2026-02-22T17:00:43","date_gmt":"2026-02-22T16:00:43","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=72617"},"modified":"2026-04-10T10:27:05","modified_gmt":"2026-04-10T08:27:05","slug":"vergessenes-erbe-alois-alzheimer-in-breslau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/vergessenes-erbe-alois-alzheimer-in-breslau\/","title":{"rendered":"Vergessenes Erbe: Alois Alzheimer in Breslau"},"content":{"rendered":"<h1><strong>Spuren des Gelehrten in Niederschlesien<\/strong><\/h1>\n<p><strong>Als Alois Alzheimer 1912 nach Breslau kam, war er bereits ein weltweit anerkannter Professor f\u00fcr Psychiatrie und Neurologie. Alzheimer verbrachte die letzten Jahre seines Lebens in der niederschlesischen Hauptstadt. In Breslau gibt es noch heute zahlreiche Spuren seiner Anwesenheit. Die Ende letzten Jahres enth\u00fcllte B\u00fcste Alzheimers im Alten Rathaus begr\u00fc\u00dft den herausragenden Arzt symbolisch im Herzen der Stadt.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2><strong>Wie Alzheimer an die Oder kam<\/strong><\/h2>\n<p>Alzheimer verlie\u00df M\u00fcnchen, um die Leitung des Lehrstuhls f\u00fcr Psychiatrie an der Universit\u00e4t Breslau sowie die Direktion der K\u00f6niglichen Klinik f\u00fcr Psychiatrie und Nervenkrankheiten zu \u00fcbernehmen. Die moderne Einrichtung befand sich in der Auenstra\u00dfe \u2013 dem heutigen Bujwida. Es war ein nach den neuesten Standards konzipierter Komplex: ohne Gitter vor den Fenstern, mit versteckten sanit\u00e4ren Installationen und separaten Fl\u00fcgeln f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen. Neben den optimalen Bedingungen f\u00fcr die klinische Arbeit erhielt Alzheimer volle Freiheit f\u00fcr seine Forschung und exzellente personelle Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<div id=\"attachment_72622\" style=\"width: 836px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-72622\" class=\"size-large wp-image-72622\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Alois_Alzheimer_002-826x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"826\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Alois_Alzheimer_002-826x1024.jpg 826w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Alois_Alzheimer_002-242x300.jpg 242w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Alois_Alzheimer_002-768x952.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Alois_Alzheimer_002.jpg 1105w\" sizes=\"auto, (max-width: 826px) 100vw, 826px\" \/><p id=\"caption-attachment-72622\" class=\"wp-caption-text\">Alois Alzheimer.<br \/>Foto: Wikipedia<\/p><\/div>\n<p>In Breslau behandelte Alzheimer nicht nur Patienten, sondern arbeitete auch intensiv wissenschaftlich und lehrend. Er unterrichtete Studenten in Psychiatrie, Anatomie und Histologie des Nervensystems. Er f\u00fchrte Gehirnuntersuchungen durch und analysierte krankhafte Ver\u00e4nderungen in der Gro\u00dfhirnrinde \u2013 und setzte damit die Forschungen fort, die er zuvor in Frankfurt und M\u00fcnchen begonnen hatte.<\/p>\n<p>Bereits Jahre zuvor hatte er den Fall von Auguste Deter beschrieben \u2013 einer Patientin mit Ged\u00e4chtnis- und Orientierungsst\u00f6rungen, bei der nach ihrem Tod charakteristische Ver\u00e4nderungen im Gehirn festgestellt wurden. Darauf basierend zeigte Alzheimer, dass die Demenz nicht nur eine \u201eAlterskrankheit\u201c ist, sondern konkrete, greifbare biologische Ursachen hat. Diese Entdeckung f\u00fchrte sp\u00e4ter dazu, dass die Krankheit seinen Namen erhielt.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Breslau sollte f\u00fcr Alzheimer ein Ort weiterer Forschung und Ausbildung von Sch\u00fclern sein. Das Schicksal entschied anders. Er starb drei Jahre nach seiner Ankunft in Niederschlesien.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>W\u00e4hrend seines Aufenthalts in Breslau organisierte der Gelehrte auch das wissenschaftliche Leben der Stadt. Trotz seiner gesundheitlichen Verschlechterung bereitete er einen Kongress f\u00fcr Psychiater und Neurologen vor und hielt w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs Vorlesungen \u00fcber Kriegmedizin. In seinem Buch \u201eKrieg und Nerven\u201c beschrieb er die psychischen Folgen von Verletzungen bei Soldaten \u2013 eine der ersten wissenschaftlichen Beschreibungen dessen, was wir heute als posttraumatische Belastungsst\u00f6rung kennen.<\/p>\n<h2><strong>Die letzten Jahre und der Tod<\/strong><\/h2>\n<p>Breslau sollte f\u00fcr Alzheimer ein Ort weiterer Forschung und Ausbildung von Sch\u00fclern sein. Das Schicksal entschied anders. W\u00e4hrend des Umzugs aus M\u00fcnchen zog er sich eine schwere bakterielle Infektion zu, die Herz und Nieren schw\u00e4chte. Trotz Krankheit arbeitete er bis kurz vor seinem Tod, behandelte Patienten in der Klinik und in seiner Privatpraxis.<\/p>\n<p>Er starb am 19. Dezember 1915 in Breslau im Alter von nur 51 Jahren. Er wurde neben seiner Frau auf dem Hauptfriedhof in Frankfurt am Main beigesetzt. Es ist anzunehmen, dass er, w\u00e4re er nicht vorzeitig gestorben, hier \u2013 in der modernen Klinik in der heutigen Bujwida-Stra\u00dfe \u2013 ein starkes Zentrum f\u00fcr Gehirnforschung und neurologische Krankheiten aufgebaut h\u00e4tte.<\/p>\n<div id=\"attachment_72620\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-72620\" class=\"size-large wp-image-72620\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Foto-Tomasz-Holod-1024x647.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"647\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Foto-Tomasz-Holod-1024x647.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Foto-Tomasz-Holod-300x189.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Foto-Tomasz-Holod-768x485.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Foto-Tomasz-Holod.jpg 1520w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-72620\" class=\"wp-caption-text\">Letztes Jahr wurde die B\u00fcste Alzheimers im Breslauer Alten Rathaus enth\u00fcllt.<br \/>Foto: Tomasz Ho\u0142od\/wroclaw.pl<\/p><\/div>\n<h2><strong>Spuren Alzheimers in der heutigen Stadt<\/strong><\/h2>\n<p>Die wichtigste materielle Spur seiner Anwesenheit ist die ehemalige Klinik in der Bujwida-Stra\u00dfe sowie die Direktorenvilla Nr. 42, in der die Familie Alzheimer lebte. Heute befindet sich dort das Kinderhospiz \u201eHaus der Hoffnung\u201c, und an der Fassade des Geb\u00e4udes ist eine Gedenktafel zu Ehren des Professors angebracht.<\/p>\n<p>Zu diesem symbolischen Stadtbild geh\u00f6rt seit kurzem auch die B\u00fcste in der Galerie der Gro\u00dfen von Breslau im Alten Rathaus. So kehrt Alzheimer, der die letzten drei Jahre seines Lebens an der Oder verbrachte, in den \u00f6ffentlichen Raum der Stadt zur\u00fcck \u2013 als einer, der nicht durch Politik oder Kunst, sondern durch Wissenschaft in ihrer Geschichte Spuren hinterlie\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Anna Durecka<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spuren des Gelehrten in Niederschlesien Als Alois Alzheimer 1912 nach Breslau kam, war er bereits ein weltweit anerkannter Professor f\u00fcr Psychiatrie und Neurologie. Alzheimer verbrachte die letzten Jahre seines Lebens in der niederschlesischen Hauptstadt. 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