{"id":72593,"date":"2026-02-22T07:00:58","date_gmt":"2026-02-22T06:00:58","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=72593"},"modified":"2026-02-20T22:42:52","modified_gmt":"2026-02-20T21:42:52","slug":"wort-zum-sonntag-von-bischofsvikar-dr-peter-tarlinski-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wort-zum-sonntag-von-bischofsvikar-dr-peter-tarlinski-4\/","title":{"rendered":"Wort zum Sonntag von Bischofsvikar Dr. Peter Tarlinski"},"content":{"rendered":"<p><strong>1. Sonntag der Fastenzeit<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lesung: Gen 2,7\u20139; 3,1\u20137<\/strong><br \/>\n<strong>Lesung: R\u00f6m 5,12\u201319<\/strong><br \/>\n<strong>Evangelium: Mt 4,1\u201311<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2><strong>Der Fall durch \u00dcberheblichkeit<\/strong><\/h2>\n<p>Durch die Ascheauflegung am Aschermittwoch sind wir in die Fastenzeit eingetreten. Es ist die Zeit der Vorbereitung auf das Osterfest. Die Lesung aus dem Buch Genesis zeigt die Quelle der S\u00fcnde, n\u00e4mlich die Entscheidung, sich ausschlie\u00dflich von menschlicher Weisheit leiten zu lassen. Das Ignorieren und Ablehnen der Weisheit Gottes beraubt den Menschen der richtigen Sicht auf das, was gut und was b\u00f6se ist, auf das, was das Leben des Menschen sichert, und auf das, was es ruiniert. Dies nutzt Satan aus, indem er den Menschen dazu verleitet, die von Gott eingef\u00fchrte Ordnung aufzugeben und seine Befugnisse zu \u00fcberschreiten.<\/p>\n<p>Indem der Mensch seinen eigenen Weg geht, beraubt er sich selbst eines harmonischen und sicheren Lebens im Paradies, wie es die Bibel anschaulich beschreibt. Indem er denkt und lebt, ohne die Naturgesetze zu beachten, die Gott in die geschaffene Welt eingebaut hat, irrt der Mensch, ist verloren und bringt Ungl\u00fcck \u00fcber sich. Bevor der Mensch zur Besinnung kommt und zur Vernunft findet, ist es meist schon zu sp\u00e4t. Er erleidet Niederlagen und Verluste, vor denen er sich nicht sch\u00fctzen kann. Jemand muss ihm helfen. Am besten ist es, wenn dies Gott selbst ist. Deshalb weist das Evangelium auf Christus hin, der den Versuchungen nicht nachgibt und sich nicht auf Irrwege f\u00fchren l\u00e4sst.<\/p>\n<h2><strong>Die menschliche Natur des Sohnes Gottes \u2013 auf die Probe gestellt<\/strong><\/h2>\n<p>Das Evangelium \u00fcber die Versuchung Jesu in der W\u00fcste wird immer zu Beginn der Fastenzeit gelesen, da es den spirituellen Widerstand jedes Christen gegen\u00fcber dem lauernden B\u00f6sen verdeutlicht. Jesus geht nicht zuf\u00e4llig in die W\u00fcste. Der Heilige Geist f\u00fchrt ihn dorthin, damit er vom Teufel versucht wird. Es ist eine Situation, in der die menschliche Natur des Sohnes Gottes, seine Menschlichkeit, auf die Probe gestellt wird: Wird er der Versuchung erliegen oder in seiner Rechtschaffenheit standhaft bleiben? Diese Situation ist kein Zeichen daf\u00fcr, dass Gott ihn verlassen hat, sondern ein Weg der Standhaftigkeit und St\u00e4rkung.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Jesus antwortet: \u201eDu sollst Gott, deinem Herrn, huldigen\u201c, das hei\u00dft: Nur Gott steht im Mittelpunkt, nur Gott ist der Herr, dem Gehorsam geb\u00fchrt, denn er regiert vom Kreuz herab.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die vierzig Tage des Fastens Jesu erinnern an die vierzig Jahre der Wanderung Israels durch die W\u00fcste. Dort versagte Israel, indem es sich von Gottes Denken entfernte. Hier siegt Christus und zeigt, dass Gott die Menschheit besch\u00fctzt. Mit ihm ist auch jeder und jede in der Lage, Versuchungen zu \u00fcberwinden und nicht den Begierden zu erliegen. Das Matth\u00e4usevangelium hebt drei davon hervor: die Begierde des Fleisches \u2013 die Versuchung, Besitz und \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Wohlstand zu haben; die Begierde der Augen \u2013 das Verlangen nach einer auf Sensationen basierenden Religion; und schlie\u00dflich die Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung und die Hochm\u00fctigkeit des Lebens \u2013 die Versuchung der Macht und Geltung.<\/p>\n<h2><strong>1. Die Begierde des Fleisches \u2013 die Versuchung des Besitzens und des \u00dcberflusses<\/strong><\/h2>\n<p>\u201eSag, dass diese Steine zu Brot werden\u201c, sagte der Teufel zu Jesus. Das ist die Versuchung, nur f\u00fcr das Materielle zu leben. Der Mensch beginnt zu denken: Das Wichtigste ist, was ich esse, was ich habe, wie ich bequem leben kann. Gott sieht die Erf\u00fcllung des menschlichen Lebens ganz anders. Er schm\u00e4lert nicht die Bedeutung des Wohlstands, aber er warnt: \u201eDer Mensch lebt nicht vom Brot allein.\u201c Brot ist gut, aber nicht das Wichtigste.<\/p>\n<p>Die Fastenzeit zeigt uns, wie wir die Versuchung des Besitzens und des \u00dcberflusses von uns fernhalten k\u00f6nnen. Dies ist durch das Fasten m\u00f6glich. Es ist keine Di\u00e4t. Fasten, das Unterlassen und das Aufgeben des \u00dcberfl\u00fcssigen und Sch\u00e4dlichen, ist eine deutliche Erinnerung daran, dass nicht alles, was ich haben kann, auch notwendig f\u00fcr mich ist. Nicht nur f\u00fcr das Vergn\u00fcgen lebe ich, sondern auch daf\u00fcr, dass mein Herz frei und geistreich sein soll, also erf\u00fcllt von \u201ejedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt\u201c.<\/p>\n<h2><strong>2. Die Begierde der Augen \u2013 das Verlangen nach einer auf Sensationen beruhenden Religion<\/strong><\/h2>\n<p>Die zweite Versuchung betrifft die Religiosit\u00e4t. Der Teufel sagt zu Jesus: St\u00fcrze dich hinunter, die Engel werden dich retten. Tu etwas Au\u00dfergew\u00f6hnliches, und alle werden an dich glauben. Es ist die Versuchung eines auf Emotionen und Zeichen beruhenden Glaubens. Viele Menschen sagen: \u201eWenn ich ein Wunder sehen w\u00fcrde, w\u00fcrde ich glauben\u201c, \u201eWenn Gott mir helfen w\u00fcrde, w\u00fcrde ich ihn mein ganzes Leben lang preisen und verehren.\u201c Dabei vollzieht sich das gr\u00f6\u00dfte Wunder und die gr\u00f6\u00dfte Unterst\u00fctzung jeden Tag durch die Eucharistie, und oft nehmen wir das nicht wahr.<\/p>\n<p>Jesus antwortet darauf: \u201eDu sollst Gott, deinen Herrn, nicht auf die Probe stellen.\u201c Wahrer Glaube bedeutet nicht, dass Gott unsere Erwartungen erf\u00fcllt. Wahrer Glaube bedeutet Vertrauen und Ausdauer, auch wenn nichts Au\u00dfergew\u00f6hnliches geschieht. Die Antwort auf diese Versuchung in der Fastenzeit ist das Gebet. Nicht ein Gebet der blo\u00dfen Emotionen, sondern ein treues Gebet: t\u00e4glich, ruhig, ausdauernd. Manchmal trocken, manchmal schwierig, aber echt. Das Gebet festigt unsere Verbundenheit mit Gott. Daher die Worte Jesu: \u201eAlles, worum ihr betet und bittet, glaubt nur, dass ihr es schon erhalten habt, dann wird es euch zuteil\u201c (Mk 11,24).<\/p>\n<h2><strong>3. Hochmut und Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung \u2013 die Versuchung durch Macht und Bedeutung<\/strong><\/h2>\n<p>Die dritte Versuchung ist ebenfalls sehr heimt\u00fcckisch. Der Teufel zeigt Jesus alle Reiche der Welt. Es ist die Versuchung des Erfolgs und der Herrschaft ohne Kreuz, ohne Dienst und Liebe. Es ist die Versuchung, die sagt: Sei wichtig, erlange Macht, stelle dich \u00fcber andere, beginne zu herrschen und zu regieren, strebe danach, dass die Menschen dir unterstehen und dich bewundern. Es ist eine sehr weltliche Versuchung. Diktatoren, die V\u00f6lker unterdr\u00fccken und Kriege anzetteln, erliegen ihr. Der Versuchung der Macht und Bedeutung folgen auch die Erschaffer verh\u00e4ngnisvoller Ideologien, die den Menschen ein Leben ohne ethische und moralische Grunds\u00e4tze aufzwingen.<\/p>\n<p>Jesus antwortet: \u201eDu sollst Gott, deinem Herrn, huldigen\u201c, das hei\u00dft: Nur Gott steht im Mittelpunkt, nur Gott ist der Herr, dem Gehorsam geb\u00fchrt, denn er regiert vom Kreuz herab. In seinem Reich nehmen die Liebe und der Dienst den h\u00f6chsten Platz ein. Gott ist Liebe, und nur die Liebe gibt dem Leben einen Sinn. Die Antwort auf diese Versuchung der Macht, der Herrschaft und der Bedeutung sind Almosen und Hingabe. Wenn ich helfe, unterst\u00fctze, zuh\u00f6re und vergebe, ohne Aufsehen, ohne Dankbarkeit zu erwarten, aus Liebe, dann werde ich als Mensch verwirklicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Bischofsvikar Pfarrer Peter Tarlinski<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. 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