{"id":72396,"date":"2026-02-17T12:56:43","date_gmt":"2026-02-17T11:56:43","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=72396"},"modified":"2026-02-17T13:26:59","modified_gmt":"2026-02-17T12:26:59","slug":"die-aussergewoehnliche-geschichte-des-1-fc-kattowitz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/die-aussergewoehnliche-geschichte-des-1-fc-kattowitz\/","title":{"rendered":"Die au\u00dfergew\u00f6hnliche Geschichte des 1. FC Kattowitz"},"content":{"rendered":"<h1><strong>Erster Fu\u00dfball-Verein der deutschen Minderheit in Polen<\/strong><\/h1>\n<p><strong>Seit einigen Wochen berichten wir \u00fcber Vereinsfu\u00dfballgeschichten aus Oberschlesien. Wir begannen mit GKS Szombierki Beuthen \u2013 dem sensationellen polnischen Meister von 1980. Darauf folgte die Geschichte des SV 03 Ratibor, des \u00e4ltesten Fu\u00dfballvereins in Oberschlesien, der von Deutschen gegr\u00fcndet wurde. Anschlie\u00dfend stellten wir den st\u00e4rksten Verein aus Gleiwitz vor dem Zweiten Weltkrieg vor \u2013 Vorw\u00e4rts-Rasensport Gleiwitz, ebenfalls von Deutschen gegr\u00fcndet.<\/strong><br \/>\n<strong>Heute entf\u00fchren wir unsere Leser nach Kattowitz, um eine faszinierende Geschichte zu erz\u00e4hlen.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Preu\u00dfen 05 Kattowitz, sp\u00e4ter bekannt als 1. FC Kattowitz, war von 1922 bis 1939 die Mannschaft der deutschen Minderheit in Polen. Der 1. FC Kattowitz wurde 1945 aufgel\u00f6st, konnte aber erfreulicherweise 2007 wiedergegr\u00fcndet werden. Um die Geschichte des 1. FC Kattowitz zu erz\u00e4hlen, m\u00fcssen wir zum 5. Februar 1905 zur\u00fcckgehen, als die fu\u00dfballbegeisterten Br\u00fcder Emil und Rudolf Fonfara beschlossen, den FC Preu\u00dfen 05 Kattowitz zu gr\u00fcnden, der fortan schnell an Bedeutung gewann.<\/p>\n<h2><strong>Meister von Oberschlesien<\/strong><\/h2>\n<p>Dies wird dadurch belegt, dass der Verein nur ein Jahr nach seiner Gr\u00fcndung Gr\u00fcndungsmitglied des Kattowitzer Ballspiel-Verbandes wurde. Im selben Jahr trat er dem S\u00fcdostdeutschen Fu\u00dfball-Verband und in der Folge auch dem Deutschen Fu\u00dfball-Bund bei. Die professionelle F\u00fchrung des FC Preu\u00dfen 05 Kattowitz zeigte sich darin, dass er zwischen 1907 und 1922 f\u00fcnfmal die Meisterschaft der starken Region Oberschlesien gewann, und zwar in den Jahren 1907, 1908, 1909, 1913 und 1922.<\/p>\n<p>Nach dem Plebiszit in Oberschlesien im Jahr 1922 beendete der FC Preu\u00dfen 05 Kattowitz seine Teilnahme an deutschen Wettbewerben und spielte \u00fcber anderthalb Jahrzehnte in polnischen Ligen. Diese Situation w\u00e4hrte bis 1939, als Kattowitz Teil des Dritten Reiches wurde. Damals benannte sich der Verein in 1. FC Kattowitz um und wurde schnell zum Liebling der Stadtbev\u00f6lkerung. Infolgedessen wurde er von Kleinunternehmern unterst\u00fctzt, die sich der deutschen Minderheit zugeh\u00f6rig f\u00fchlten, und die Mannschaft des 1. FC Kattowitz bestand ausschlie\u00dflich aus Schlesiern.<\/p>\n<h2><strong>Die turbulenten 1920er Jahre<\/strong><\/h2>\n<p>Um die Entwicklung und wachsende St\u00e4rke des 1. FC Kattowitz angemessen zu veranschaulichen, m\u00fcssen wir in die 1920er Jahre zur\u00fcckblicken, denn in dieser Zeit wuchs der Verein am schnellsten. Hervorzuheben ist auch, dass im damaligen Ligasystem die Mannschaften zun\u00e4chst um die Meisterschaft ihres Bezirks \u2013 im Falle des 1. FC Kattowitz um den Titel des besten Vereins in Oberschlesien \u2013 und anschlie\u00dfend um die Meisterschaft von S\u00fcdostdeutschland k\u00e4mpften. Der beste Verein qualifizierte sich f\u00fcr den K.-o.-Wettbewerb um die deutsche Meisterschaft, an dem 16 Mannschaften teilnahmen.<\/p>\n<div id=\"attachment_72401\" style=\"width: 970px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-72401\" class=\"size-full wp-image-72401\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Katowice_-_ul._Zabrska_11_dawniej_Lessingstrasse_11.png\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"720\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Katowice_-_ul._Zabrska_11_dawniej_Lessingstrasse_11.png 960w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Katowice_-_ul._Zabrska_11_dawniej_Lessingstrasse_11-300x225.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Katowice_-_ul._Zabrska_11_dawniej_Lessingstrasse_11-768x576.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><p id=\"caption-attachment-72401\" class=\"wp-caption-text\">Am 5. Februar 1905 wurde in diesem Geb\u00e4ude der Fu\u00dfballverein FC Preu\u00dfen 05 Kattowitz gegr\u00fcndet, sp\u00e4ter besser bekannt als 1. FC Kattowitz.<br \/>Foto: Schlesinger\/Wikipedia<\/p><\/div>\n<p>Dort schlugen sich die Oberschlesier zun\u00e4chst recht gut, denn in der Saison 1922 belegte der 1. FC Kattowitz den dritten Platz in der s\u00fcdostdeutschen Liga. Noch im selben Jahr wurde der Verein jedoch auf Druck der polnischen Beh\u00f6rden in I. Klub Pi\u0142karski (I. Fu\u00dfballverein) umbenannt und sp\u00e4ter, nach einem gewonnenen Gerichtsverfahren, in Erster Fu\u00dfball-Club Kattowitz, also 1. FC Kattowitz.<\/p>\n<p>Die weiteren Geschicke des Vereins blieben turbulent. So geh\u00f6rte der 1. FC Kattowitz bereits in der Saison 1927 zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern der polnischen Liga und besiegte in seinem Ligadeb\u00fct Ruch Bismarckh\u00fctte\/Hajduki Wielkie (heute Ruch K\u00f6nigsh\u00fctte\/Chorz\u00f3w) mit 7:0. Am Ende wurde der 1. FC Kattowitz in der ersten Saison der polnischen Liga Vizemeister.<\/p>\n<h2><strong>Die V\u00e4ter des Erfolgs<\/strong><\/h2>\n<p>Der Vizemeistertitel wurde als gro\u00dfer Erfolg gewertet. Er wurde der gesamten Mannschaft, dem Trainerstab und der Vereinsf\u00fchrung zugeschrieben, doch den gr\u00f6\u00dften Beitrag leistete zweifellos Torwart Emil G\u00f6rlitz, der sp\u00e4ter als erster Oberschlesier in die polnische Nationalmannschaft berufen wurde. Auch Otto Heidenreich, der herausragende Verteidiger des 1. FC Kattowitz, der von Fu\u00dfballexperten seiner Zeit als einer der besten Verteidiger Europas angesehen wurde, trug ma\u00dfgeblich zum Gewinn der Silbermedaille bei.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Der 1. FC Kattowitz war von 1922 bis 1939 die Mannschaft der deutschen Minderheit in Polen.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Zu den V\u00e4tern des Erfolgs des 1. FC Kattowitz im Jahr 1927 z\u00e4hlten zudem die erstklassigen St\u00fcrmer Jerzy G\u00f6rlitz, der in der Saison des Vizemeistertitels 21 Tore erzielte, und Tadeusz Geissler, der nur zwei Treffer weniger verbuchte. Erw\u00e4hnenswert ist auch, dass Verteidiger Otto Heidenreich f\u00fcr die polnische Nationalmannschaft nominiert wurde, das Angebot jedoch ablehnte. Er begr\u00fcndete seine Entscheidung damit, dass er sich nicht im Entferntesten als Pole f\u00fchle. Anzumerken ist zudem, dass der Kattowitzer Verein in der Saison 1928 einen respektablen f\u00fcnften Platz in der polnischen Ekstraklasa erreichte.<\/p>\n<h2><strong>Zeit der Stagnation<\/strong><\/h2>\n<p>Gerade als es schien, als w\u00fcrde der 1. FC Kattowitz eine noch bedeutendere Rolle im Fu\u00dfball spielen, setzte um die Wende der 1920er und 1930er Jahre eine Phase der Stagnation ein. Der Verein wurde deutlich schw\u00e4cher, was 1929 zum Abstieg in die Schlesische Bezirksliga f\u00fchrte. 1932 gelang es den Kattowitzern allerdings, den ersten Platz in der Bezirksliga zu erringen, wodurch sie Meister des polnischen Teils von Oberschlesien wurden und sich f\u00fcr die Aufstiegsspiele zur Ekstraklasa qualifizierten.<\/p>\n<p>Der 1. FC Kattowitz bestritt dabei zwei Spiele gegen den Meister der Kielcer Regionalliga, Warta Zawiercie, und gewann beide \u2013 das Hinspiel mit 5:2 und das R\u00fcckspiel mit 6:2. In der n\u00e4chsten Phase lieferten sich die Kattowitzer ein Hin- und R\u00fcckspiel gegen den Gewinner der Krakauer Regionalliga, Podg\u00f3rze Krakau, verloren jedoch beide Partien mit 1:2 und 1:3.<\/p>\n<p>Von da an ging es mit dem 1. FC Kattowitz bergab. 1934 wurde der Verein wegen angeblich provokanter, antipolnischer \u00c4u\u00dferungen mit einer hohen Geldstrafe belegt und verkaufte sein ber\u00fchmtes Eigengew\u00e4chs Ernst Wilimowski an Ruch Bismarckh\u00fctte. Apropos gro\u00dfe Namen, die mit dem 1. FC Kattowitz verbunden sind: Richard Herrmann, sp\u00e4ter deutscher Nationalspieler, spielte von 1934 bis 1945 f\u00fcr den Verein und gewann 1954 in der Schweiz die Weltmeisterschaft.<\/p>\n<h2><strong>Suspendiert, reaktiviert, aufgel\u00f6st<\/strong><\/h2>\n<p>Zur\u00fcck zur Geschichte des 1. FC Kattowitz: Er wurde 1939, drei Monate vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, von den polnischen Beh\u00f6rden suspendiert. W\u00e4hrend des Krieges wurde er von den deutschen Beh\u00f6rden reaktiviert, und der Verein verpflichtete ehemalige Nationalspieler aus Kattowitz, allen voran Ernst Wilimowski, Erwin Nyc und Ewald Dytko.<\/p>\n<p>Trotz dieser namhaften Transfers konnte der 1. FC Kattowitz die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erf\u00fcllen. In der schlesischen Liga, der \u201eGauliga Schlesien\u201c, belegten die Kattowitzer 1941 den vierten, ein Jahr sp\u00e4ter den siebten, 1943 den achten und 1944 erneut den siebten Platz. Anschlie\u00dfend verlie\u00dfen viele Spieler die Mannschaft. Die gr\u00f6\u00dften Stars Erwin Nyc und Ewald Dytko wurden zur Wehrmacht eingezogen, w\u00e4hrend Ernst Wilimowski ins Innere Deutschlands ging. Es sei jedoch hinzugef\u00fcgt, dass der 1. FC Kattowitz in der letzten, unvollendeten Saison 1945 auf dem ersten Tabellenplatz lag.<\/p>\n<p>Letztlich l\u00f6ste sich der Verein 1945 auf, und es schien, als sei seine Geschichte f\u00fcr immer beendet. Doch dem war nicht so.<\/p>\n<h2><strong>Der Verein wird wiedergeboren<\/strong><\/h2>\n<p>Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs flohen deutschst\u00e4mmige Kattowitzer nach Deutschland oder wurden dorthin vertrieben. Viele von ihnen kamen nach Salzgitter in Niedersachsen, wo der ehemalige Vereinspr\u00e4sident Georg Joschke 1965 die \u201eTraditionsgemeinschaft 1. FC Kattowitz\u201c gr\u00fcndete. Ehemalige Spieler des 1. FC Kattowitz wie Ernst Joschke, Emil G\u00f6rlitz und Otto Heidenreich besuchten ebenfalls diese Treffen.<\/p>\n<div id=\"attachment_72405\" style=\"width: 624px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-72405\" class=\"size-full wp-image-72405\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/1._FC_Kattowitz-1.png\" alt=\"\" width=\"614\" height=\"614\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/1._FC_Kattowitz-1.png 614w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/1._FC_Kattowitz-1-300x300.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/1._FC_Kattowitz-1-150x150.png 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 614px) 100vw, 614px\" \/><p id=\"caption-attachment-72405\" class=\"wp-caption-text\">Das Vereinslogo, das bis 1945 verwendet wurde.<br \/>Foto: Schlesinger\/Wikipedia<\/p><\/div>\n<p>Dies veranlasste die Stadt Salzgitter, die \u201eGedenkstube f\u00fcr den 1. FC Kattowitz\u201c zu finanzieren. 1980 veranstaltete die Stadt Salzgitter zudem eine Feier zum 75-j\u00e4hrigen Bestehen des Vereins. Dabei wurden dem Stadtarchiv wertvolle Dokumente \u00fcbergeben, darunter das Vereinsalbum mit Hunderten von Fotos und Dokumenten, die zuvor als verschollen galten. Es stellte sich jedoch heraus, dass das Album nach dem Krieg in Kattowitz versteckt worden war und Emil G\u00f6rlitz es von dort nach Ostdeutschland und sp\u00e4ter nach Salzgitter geschmuggelt hatte.<\/p>\n<p>Die guten Nachrichten rissen nicht ab. Im Dezember 2006, wenige Monate nach der Weltmeisterschaft in Deutschland, fand die erste Gr\u00fcndungsversammlung zur Reaktivierung des Vereins statt. Das Ergebnis: Am 13. April 2007 wurde der 1. FC Katowice gerichtlich registriert und beim Bezirksfu\u00dfballverband angemeldet. Im Mai 2007 nahm der Schlesische Fu\u00dfballverband (\u015aLZPN) den Verein in seine Reihen auf.<\/p>\n<h2><strong>Gleiche Farben, anderes Wappen<\/strong><\/h2>\n<p>Der reaktivierte Verein behielt seine alten Vereinsfarben Schwarz und Wei\u00df, das Vereinswappen wurde jedoch ge\u00e4ndert. In der Saison 2007\/08 durfte die Herrenmannschaft in der B-Klasse antreten. Gegr\u00fcndet wurden auch eine Frauenmannschaft des 1. FC Katowice sowie eine Fu\u00dfballakademie f\u00fcr Kinder. Die Herrenmannschaft belegte in der Saison 2007\/08 den ersten Platz in der B-Klasse und stieg damit in die A-Klasse auf.<\/p>\n<p>Ein Jahr sp\u00e4ter, 2009, wurde beschlossen, die Herren- und Damenabteilung des 1. FC Katowice zu trennen. Dies schadete der Frauenmannschaft offensichtlich nicht, denn sie spielte in den Saisons 2010\/11, 2011\/12 und 2014\/15 in der polnischen Ekstraliga. Mehr noch: Am 4. Dezember 2010 gewann sie sogar die polnische Hallenmeisterschaft.<\/p>\n<p>Zum Abschluss der bewegten Geschichte des 1. FC Kattowitz seien die gr\u00f6\u00dften Erfolge des Vereins erw\u00e4hnt:<\/p>\n<ul>\n<li>1906: Meister des Kattowitzer Fu\u00dfballverbands<\/li>\n<li>1907, 1908, 1909, 1913, 1922: Oberschlesischer Meister<\/li>\n<li>1908, 1909, 1913: Vizemeister S\u00fcdostdeutschlands<\/li>\n<li>1927: Polnischer Vizemeister<\/li>\n<li>1932: Meister des polnischen Teils von Oberschlesien<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Krzysztof \u015awierc<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erster Fu\u00dfball-Verein der deutschen Minderheit in Polen Seit einigen Wochen berichten wir \u00fcber Vereinsfu\u00dfballgeschichten aus Oberschlesien. Wir begannen mit GKS Szombierki Beuthen \u2013 dem sensationellen polnischen Meister von 1980. 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