{"id":72293,"date":"2026-02-06T17:00:50","date_gmt":"2026-02-06T16:00:50","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=72293"},"modified":"2026-02-20T13:59:30","modified_gmt":"2026-02-20T12:59:30","slug":"echte-schlesische-happen-weisses-gold-aus-schlesien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/echte-schlesische-happen-weisses-gold-aus-schlesien\/","title":{"rendered":"Echte Schlesische Happen: Wei\u00dfes Gold aus Schlesien"},"content":{"rendered":"<h1><em>Geschmack im Porzellan \u2013 \u201eIllustrierte Gurke\u201c trifft Tiefenfurt<\/em><\/h1>\n<p><strong>Ein Berliner auf einem antiken Teller wird zum Ausgangspunkt einer Reise durch die Porzellangeschichte Niederschlesiens. Von Tiefenfurt und seinen Manufakturen \u00fcber ihre Menschen bis hin zur Frage, wie schlesisches Porzellan bis heute Alltag, Erinnerung und Genuss miteinander verbindet.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Vor Kurzem sa\u00df ich in einem Caf\u00e9 und wartete auf ein Treffen. Das Lokal war ausgesprochen angenehm und stimmungsvoll. Um mir die Zeit ein wenig zu vers\u00fc\u00dfen, bestellte ich einen Kaffee und einen Berliner dazu. Daran w\u00e4re nichts Besonderes gewesen, h\u00e4tte mich nicht der Teller angel\u00e4chelt, auf dem dieses Geb\u00e4ck serviert wurde. Ich drehte ihn um \u2013 und da wartete eine \u00dcberraschung: originales Porzellan aus Tiefenfurt!<\/p>\n<div id=\"attachment_72299\" style=\"width: 426px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-72299\" class=\"size-full wp-image-72299\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/SDB-Die-Schaulade-Europa-Journal-fuer-Porzellan-Keramik-Glas-Hausrat-1937-H12.png\" alt=\"\" width=\"416\" height=\"536\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/SDB-Die-Schaulade-Europa-Journal-fuer-Porzellan-Keramik-Glas-Hausrat-1937-H12.png 416w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/SDB-Die-Schaulade-Europa-Journal-fuer-Porzellan-Keramik-Glas-Hausrat-1937-H12-233x300.png 233w\" sizes=\"auto, (max-width: 416px) 100vw, 416px\" \/><p id=\"caption-attachment-72299\" class=\"wp-caption-text\">Die Schaulade, Europa &#8211; Journal f\u00fcr Porzellan, Keramik, Glas, Hausrat 1937 H12.<br \/>Quelle: Schlesische Digitale Bibliothek<\/p><\/div>\n<p>Doch ich sollte wohl noch etwas beichten. Ich habe eine gro\u00dfe Schw\u00e4che f\u00fcr K\u00fcchenausstattung: Ich liebe Sch\u00fcsseln, Teller, Glaswaren, Backformen und T\u00f6pfe. Von sch\u00f6nen Gef\u00e4\u00dfen kann man einfach nie genug haben. Deshalb fahren wir auch jedes Jahr nach Bunzlau (Boles\u0142awiec), um unser Service zu erg\u00e4nzen. Ebenso eilig ziehe ich \u00fcber schlesische Flohm\u00e4rkte, stets auf der Suche nach besonderen St\u00fccken, ausgew\u00e4hlt nach meinem ganz pers\u00f6nlichen \u201eSchl\u00fcssel\u201c.<\/p>\n<p>Die dort entdeckten Sch\u00e4tze erz\u00e4hlen ihre eigenen Geschichten \u2013 von jenen, denen sie einst geh\u00f6rten, und davon, wie sie im Strudel der Zeit erneut auf den Markt gelangten, um ihre neue, zeitgen\u00f6ssische Geschichte anzufangen.<\/p>\n<h2>Niederschlesien \u2013 ein Zentrum der Porzellankunst<\/h2>\n<p>W\u00e4re es nicht faszinierend, in der Zeit zur\u00fcckzureisen und einen Blick in all die Porzellan- und Steinzeugfabriken zu werfen, die einst in Niederschlesien t\u00e4tig waren und deren Produkte weltweit Abnehmer fanden? Anfang, Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts bestimmten sie die Entwicklung ganzer Orte, von denen sich manche auf wahre Meisterwerke der Porzellankunst spezialisierten.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Historischen Quellen zufolge war jedoch Carl Hans Tuppack der Pionier: Bereits 1808 begann er seine T\u00e4tigkeit in Tiefenfurt und erlangte 1865 Ber\u00fchmtheit durch seine Dekore \u201eChina-blau\u201c und \u201eChina-rot\u201c.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Genauso war es mit dem kleinen Dorf Tiefenfurt (heute: Parowa), unweit von Bunzlau gelegen. Hier befanden sich Manufakturen, deren Marken einst weit \u00fcber die Grenzen Schlesiens hinaus bekannt waren.<\/p>\n<p>Eine von ihnen geh\u00f6rte dem aus Th\u00fcringen stammenden Kuno Hugo Steinmann und exportierte ihre Erzeugnisse nach Amerika, Australien sowie Ostindien. Das Familienunternehmen, sp\u00e4ter von seinem Sohn weitergef\u00fchrt, entwickelte sich \u00e4u\u00dferst dynamisch. Das Porzellan mit dem Markenzeichen \u201eSilesia\u201c umfasste Fr\u00fchst\u00fccks-, Tee- und Kaffeeservices, Waschsets, Brot- und Kuchenk\u00f6rbe, Pflanzgef\u00e4\u00dfe, aber auch Rasierbecher, Kr\u00fcge, Kannen, Eierbecher und Kerzenhalter.<\/p>\n<div id=\"attachment_72297\" style=\"width: 342px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-72297\" class=\"size-full wp-image-72297\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/SDB-Die-Schaulade-Europa-Journal-fuer-Porzellan-Keramik-Glas-Hausrat-1937-2.png\" alt=\"\" width=\"332\" height=\"334\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/SDB-Die-Schaulade-Europa-Journal-fuer-Porzellan-Keramik-Glas-Hausrat-1937-2.png 332w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/SDB-Die-Schaulade-Europa-Journal-fuer-Porzellan-Keramik-Glas-Hausrat-1937-2-298x300.png 298w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/SDB-Die-Schaulade-Europa-Journal-fuer-Porzellan-Keramik-Glas-Hausrat-1937-2-150x150.png 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 332px) 100vw, 332px\" \/><p id=\"caption-attachment-72297\" class=\"wp-caption-text\">Die Schaulade, Europa &#8211; Journal f\u00fcr Porzellan, Keramik, Glas, Hausrat 1937 2.<br \/>Quelle: Schlesische Dig<\/p><\/div>\n<p>Interessanterweise heiratete Steinmanns Sohn Walter Maria Donath, die Tochter des Konkurrenten Paul Donath. Angeblich hatte diese Verbindung jedoch keinen Einfluss auf die Produktion der handbemalten Porzellane beider Betriebe.<\/p>\n<p>Die erw\u00e4hnte Porzellanmanufaktur von Paul Donath wurde im Jahr 1883 unter dem Namen <em>Schlesische Porzellanfabrik P. Donath<\/em> gegr\u00fcndet. Sie stellte sowohl luxuri\u00f6se als auch allt\u00e4gliche Gebrauchskeramik her und exportierte ihre Waren nach England, Amerika, Russland, Frankreich, Schweden und in die T\u00fcrkei.<\/p>\n<h2>Innovation in Form und Struktur<\/h2>\n<p>Diese Porzellanbetriebe geh\u00f6rten zu den ersten in der Region, die als Aktiengesellschaften gef\u00fchrt wurden. Neben der Tatsache, dass ihre handgefertigten Dekore internationale M\u00e4rkte eroberten, waren sie somit auch rechtlich und wirtschaftlich sehr innovativ.<\/p>\n<p>Historischen Quellen zufolge war jedoch Carl Hans Tuppack der Pionier: Bereits 1808 begann er seine T\u00e4tigkeit in Tiefenfurt und erlangte 1865 Ber\u00fchmtheit durch seine Dekore \u201eChina-blau\u201c und \u201eChina-rot\u201c. Angeblich stellte Tuppack w\u00e4hrend der Kriegsjahre auch Porzellan f\u00fcr Krakauer Restaurants her.<\/p>\n<div id=\"attachment_72295\" style=\"width: 426px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-72295\" class=\"size-full wp-image-72295\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/SDB-Die-Schaulade-Europa-Journal-fuer-Porzellan-Keramik-Glas-Hausrat-1937-H9-3.png\" alt=\"\" width=\"416\" height=\"528\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/SDB-Die-Schaulade-Europa-Journal-fuer-Porzellan-Keramik-Glas-Hausrat-1937-H9-3.png 416w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/SDB-Die-Schaulade-Europa-Journal-fuer-Porzellan-Keramik-Glas-Hausrat-1937-H9-3-236x300.png 236w\" sizes=\"auto, (max-width: 416px) 100vw, 416px\" \/><p id=\"caption-attachment-72295\" class=\"wp-caption-text\">Die Schaulade, Europa &#8211; Journal f\u00fcr Porzellan, Keramik, Glas, Hausrat 1937 H9 3.<br \/>Quelle: Schlesische Digitale Bibliothek<\/p><\/div>\n<p>Im Jahr 1946 wurde die Fabrik f\u00fcr Porzellan- und Steinzeugwaren von C. H. Tuppack, die zuvor unter dem Namen <em>Porzellanfabrik Karl Hans Tuppack<\/em> firmierte, verstaatlicht (Verordnung vom 11.10.1946). Ab 1960 befand sich in den Geb\u00e4uden der ehemaligen Tuppack-Porzellanfabrik ein Betrieb f\u00fcr Haushaltskeramik. Einer der Miteigent\u00fcmer war Herr Andrzej Kowalczyk, der bis heute eine Keramikmanufaktur in Parowa f\u00fchrt. Er ist zudem einer der Initiatoren der Bunzlauer Keramikm\u00e4rkte, die seit 1994 veranstaltet werden.<\/p>\n<p>Den kr\u00f6nenden Abschluss dieser schlesischen Erz\u00e4hlung bildet ein Rezept f\u00fcr die \u201eIllustrierte Gurke\u201c \u2013 eine kleine Vorspeise, selbstverst\u00e4ndlich serviert auf edlem Porzellan aus der ehemaligen Manufaktur Echt Tuppack \u201eKAROGOLD\u201c.<\/p>\n<h2>Rezept f\u00fcr <em>\u201eIllustrierte Gurke\u201c<\/em><\/h2>\n<h3><strong>Zutaten:<\/strong><\/h3>\n<p>2 Gew\u00fcrzgurken<br \/>\n200 g marinierte Heringe<br \/>\n2 hartgekochte Eier<br \/>\n50 g Mayonnaise<br \/>\n1 EL Senf<br \/>\n1 EL Wei\u00dfwein<br \/>\nSalz<br \/>\nPfeffer<br \/>\neinige Streifen eingelegte Paprika<br \/>\nPetersilie<br \/>\n4 Scheiben Schnittk\u00e4se<\/p>\n<p>Die Mengenangaben sind nur als Orientierung gedacht \u2013 ich ermutige ausdr\u00fccklich zum Experimentieren. Mehr Hering oder mehr Ei? Ganz nach pers\u00f6nlichem Geschmack. Auch die Menge der Mayonnaise l\u00e4sst sich variieren, je nachdem, wie cremig die F\u00fcllung sein soll.<\/p>\n<h3><strong>Zubereitung:<\/strong><\/h3>\n<p>Die Heringe in W\u00fcrfel schneiden und mit fein gehackten Eiern, Mayonnaise, Senf und Wei\u00dfwein vermengen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und alles gut verr\u00fchren.<br \/>\nDie Masse in die l\u00e4ngs halbierten und ausgeh\u00f6hlten Gew\u00fcrzgurken f\u00fcllen, mit Paprikastreifen und Petersilie garnieren. Einen Holzspie\u00df hineinstecken und daran ein \u201eSegel\u201c aus einer K\u00e4sescheibe befestigen \u2013 fertig ist diese charmante, historische Kleinigkeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschmack im Porzellan \u2013 \u201eIllustrierte Gurke\u201c trifft Tiefenfurt Ein Berliner auf einem antiken Teller wird zum Ausgangspunkt einer Reise durch die Porzellangeschichte Niederschlesiens. 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