{"id":72234,"date":"2026-02-15T06:30:45","date_gmt":"2026-02-15T05:30:45","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=72234"},"modified":"2026-02-13T17:09:44","modified_gmt":"2026-02-13T16:09:44","slug":"wort-zum-sonntag-von-bischofsvikar-dr-peter-tarlinski-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wort-zum-sonntag-von-bischofsvikar-dr-peter-tarlinski-3\/","title":{"rendered":"Wort zum Sonntag von Bischofsvikar Dr. Peter Tarlinski"},"content":{"rendered":"<p><strong>6. Sonntag im Jahreskreis \u2013 A<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lesung: Sir 15,15\u201320 (16\u201321)<\/strong><br \/>\n<strong>Lesung: 1 Kor 2,6\u201310<\/strong><br \/>\n<strong>Evangelium: Mt 5,17\u201337<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In den Evangelien zum Lesejahr A in der katholischen Kirche begegnen uns die Worte Jesu aus seiner sogenannten Bergpredigt. Der Apostel Matth\u00e4us h\u00e4lt in seinem Evangelium diese Rede Jesu fest. Sie ist umfangreich. In unserer Betrachtung widmen wir uns heute vier S\u00e4tzen aus der Bergpredigt.<\/p>\n<h2><strong>1. Mt 5,13 \u2013 \u201eIhr seid das Salz der Erde\u201c<\/strong><\/h2>\n<p>Mit dem Bild vom Salz beschreibt Christus die Sendung seiner J\u00fcnger in der Welt: Sie sollen bewahren, reinigen und Geschmack geben. Salz wirkt unscheinbar, aber ohne es verdirbt die Speise \u2013 so w\u00fcrde nach dem Verst\u00e4ndnis der Kirchenv\u00e4ter die Welt ohne das Zeugnis der Christen in moralische F\u00e4ulnis geraten. So ruft das Wort Jesu zur Treue zur eigenen Sendung auf: durch ein Leben in Heiligkeit, durch klares Bekenntnis und durch die Liebe, die die Welt verwandelt.<\/p>\n<p>Der heilige Hilarius von Poitiers (315\u2013367) deutet das Salz als die Weisheit der g\u00f6ttlichen Lehre, die die Herzen vor der Verderbnis der S\u00fcnde sch\u00fctzt. Wer das Evangelium empfangen hat, darf es nicht f\u00fcr sich behalten, sondern soll es weitergeben, damit die Welt gew\u00fcrzt wird.<\/p>\n<p>Papst Gregor der Gro\u00dfe (540\u2013604) sieht in den Lehrern der Kirche und in allen Gl\u00e4ubigen, die nach dem Evangelium leben, dieses Salz: Durch ihr Wort und ihr Beispiel bewahren sie andere vor dem Abfall. Wenn aber das Salz \u201eseinen Geschmack verliert\u201c, also der Christ seine Berufung vernachl\u00e4ssigt, verliert sein Zeugnis seine Kraft.<\/p>\n<h2><strong>2. Mt 5,21\u201322 \u2013 \u201eDu sollst nicht t\u00f6ten\u201c<\/strong><\/h2>\n<p>Jesus vertieft das f\u00fcnfte Gebot und zeigt, dass die Wurzel der Gewalt im Herzen liegt. Zorn, Hass und Verachtung zerst\u00f6ren die Gemeinschaft und widersprechen der Liebe, zu der der Christ berufen ist. Nach christlichem Verst\u00e4ndnis geh\u00f6rt daher auch die Pflege der inneren Haltung zur Bewahrung des Lebens. Vers\u00f6hnung ist nicht optional, sondern Voraussetzung f\u00fcr die wahre Gottesverehrung. Wer zum Altar tritt, soll \u2013 soweit es an ihm liegt \u2013 in Frieden mit dem Bruder sein. Jesus f\u00fchrt das f\u00fcnfte Gebot zur Wurzel zur\u00fcck: Nicht nur die Tat, sondern schon der Zorn im Herzen widerspricht dem Gebot der Liebe.<\/p>\n<p>Der heilige Augustinus (354\u2013430) betont, dass der Zorn den Menschen innerlich t\u00f6tet, bevor er \u00e4u\u00dferlich Gewalt hervorbringt. F\u00fcr ihn ist die Verachtung des Bruders eine Verletzung der Einheit des Leibes Christi.<\/p>\n<p>Der heilige Johannes Chrysostomus (350\u2013407) sieht in der Aufforderung zur Vers\u00f6hnung eine dringende Priorit\u00e4t: Noch bevor der Mensch opfert, soll er den Frieden suchen, denn Gott nimmt kein Opfer an, das aus einem unvers\u00f6hnten Herzen kommt. So wird deutlich, dass die Liebe zum N\u00e4chsten untrennbar mit der Gottesliebe verbunden ist.<\/p>\n<h2><strong>3. Mt 5,27\u201328 \u2013 \u201eDu sollst nicht die Ehe brechen\u201c<\/strong><\/h2>\n<p>Auch hier f\u00fchrt Jesus vom \u00e4u\u00dferen Verhalten zur inneren Gesinnung. Ehebruch beginnt nicht erst mit der Tat, sondern mit dem begehrlichen Blick, der den anderen zum Objekt macht. Die katholische Lehre sieht in der Reinheit des Herzens eine Voraussetzung f\u00fcr die wahre Liebe und f\u00fcr die Treue im Sakrament der Ehe. Keuschheit bedeutet nicht blo\u00df Verzicht, sondern die geordnete F\u00e4higkeit zu lieben \u2013 entsprechend dem eigenen Lebensstand und in Achtung der W\u00fcrde des anderen.<\/p>\n<p>Die Kirchenv\u00e4ter sehen in diesen Worten Jesu einen Ruf zur Reinheit des Herzens. Augustinus erkl\u00e4rt, dass die ungeordnete Begierde den Blick tr\u00fcbt und die wahre Liebe unm\u00f6glich macht, weil sie den anderen nicht um seiner selbst willen sucht. Reinheit bedeutet f\u00fcr ihn die rechte Ordnung der Liebe (\u201eordo amoris\u201c).<\/p>\n<p>Chrysostomus hebt hervor, dass Christus nicht die Ehe verengt, sondern sie sch\u00fctzt: Indem er den begehrlichen Blick verurteilt, bewahrt er die W\u00fcrde der Frau und die Heiligkeit des ehelichen Bundes. Keuschheit ist daher nicht nur eine pers\u00f6nliche Tugend, sondern ein Dienst an der Kirche und an der Gesellschaft.<\/p>\n<h2><strong>4. Mt 5,37: Eure Rede sei: Ja \u2013 ja, nein \u2013 nein<\/strong><\/h2>\n<p>Jesus ruft zur Wahrhaftigkeit und inneren Lauterkeit. Der Christ soll so leben, dass sein Wort verl\u00e4sslich ist und keine zus\u00e4tzlichen Schw\u00fcre braucht. Nach katholischem Verst\u00e4ndnis wurzelt die Wahrhaftigkeit in Gott selbst, der die Wahrheit ist. Jede Form von L\u00fcge, T\u00e4uschung oder doppelter Rede widerspricht dieser Berufung. Das klare \u201eJa\u201c und \u201eNein\u201c ist Ausdruck eines Gewissens, das sich an Christus orientiert und im Alltag glaubw\u00fcrdig Zeugnis gibt.<\/p>\n<p>Die V\u00e4ter sehen in diesem Wort Jesu einen Aufruf zur Wahrhaftigkeit des Herzens. Augustinus lehrt, dass der Mensch so leben soll, dass sein Wort glaubw\u00fcrdig ist, weil es aus der Wahrheit kommt, die Gott selbst ist. Wer st\u00e4ndig schw\u00f6ren muss, zeigt damit, dass seine Worte allein nicht vertrauensw\u00fcrdig erscheinen.<\/p>\n<p>Der heilige Basilius der Gro\u00dfe (330\u2013379) betont, dass die Einfachheit der Rede Ausdruck eines lauteren Gewissens ist. Das klare \u201eJa\u201c und \u201eNein\u201c ist Zeichen eines Lebens in der Wahrheit und sch\u00fctzt vor T\u00e4uschung, Heuchelei und doppeltem Spiel.<\/p>\n<p>So wird die christliche Wahrhaftigkeit zu einem Zeugnis f\u00fcr Christus, der selbst sagt: \u201eIch bin der Weg.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Bischofsvikar Peter Tarlinski<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>6. 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