{"id":72221,"date":"2026-02-16T05:00:39","date_gmt":"2026-02-16T04:00:39","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=72221"},"modified":"2026-02-16T09:26:04","modified_gmt":"2026-02-16T08:26:04","slug":"schicht-im-schacht-wie-in-ehemaligen-bergwerken-neue-arbeitsplaetze-entstehen-sollen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/schicht-im-schacht-wie-in-ehemaligen-bergwerken-neue-arbeitsplaetze-entstehen-sollen\/","title":{"rendered":"Schicht im Schacht \u2013 Wie in ehemaligen Bergwerken neue Arbeitspl\u00e4tze entstehen sollen"},"content":{"rendered":"<p><strong>W\u00e4hrend in Deutschland das letzte Steinkohlebergwerk im Dezember 2018 schloss, n\u00e4hert sich der Kohleausstieg in Polen nur langsam. Hierbei spielt die Gesellschaft f\u00fcr Bergwerksrestrukturierung SRK eine wichtige Rolle. Das Beuthener Unternehmen ist f\u00fcr den komplizierten Prozess des Bergwerksr\u00fcckbaus verantwortlich.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2><strong>Der Steinkohlenbergbau in Polen<\/strong><\/h2>\n<p>Die Zahlen sind eindeutig. Die Bedeutung der Kohle f\u00fcr die polnische Stromproduktion nimmt kontinuierlich ab. Stammte im Jahr 2000 noch 93 % des Stroms aus Kohle, so waren es 2024 nur noch 57,1 % (davon 35,5 % Steinkohle). Das wirkt sich auch auf den Bergbausektor aus. Nach Zahlen der Denkfabrik Instrat sank die polnische Steinkohlef\u00f6rderung zwischen 2017 und 2024 um knapp 30 % von 61,7 Millionen Tonnen auf 43,4 Millionen Tonnen. Hintergrund ist der Verlust der Konkurrenzf\u00e4higkeit, der u.\u202fa. mit den hohen Kosten der Untertagef\u00f6rderung verbunden ist. Mit dem R\u00fcckgang der Produktion geht auch eine Verringerung der Besch\u00e4ftigten von knapp 120.000 im Jahr 2007 auf knapp 72.000 Ende 2025 einher.<\/p>\n<div id=\"attachment_72223\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-72223\" class=\"size-large wp-image-72223\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/1-Sitz-der-SRK-Martin-Wycisk-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/1-Sitz-der-SRK-Martin-Wycisk-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/1-Sitz-der-SRK-Martin-Wycisk-300x225.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/1-Sitz-der-SRK-Martin-Wycisk-768x576.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/1-Sitz-der-SRK-Martin-Wycisk-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/1-Sitz-der-SRK-Martin-Wycisk-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-72223\" class=\"wp-caption-text\">Sitz der SRK.<br \/>Foto: Martin Wycisk<\/p><\/div>\n<p>Der aktuelle Gesellschaftsvertrag, den die Regierung im Mai 2021 mit den m\u00e4chtigen Bergbaugewerkschaften unterzeichnete, sieht die Schlie\u00dfung der letzten Kohlegrube f\u00fcr 2049 vor. Die Schlie\u00dfung von Bergwerken soll demnach schrittweise erfolgen, was besonders die traditionelle Bergbauregion Oberschlesien treffen wird.<\/p>\n<h2><strong>Herausforderungen Unter- und \u00dcbertage<\/strong><\/h2>\n<p>F\u00fcr den Prozess des Bergwerkr\u00fcckbaus ist in Polen die staatliche Gesellschaft f\u00fcr Grubenrestrukturierung SRK (Sp\u00f3\u0142ka Restrukturyzacji Kopal\u0144) zust\u00e4ndig. Nach der feierlichen Einstellung der Kohlef\u00f6rderung \u00fcbernimmt die SRK das Bergwerk samt Belegschaft und Verm\u00f6gen. W\u00e4hrend ein Teil der Bergm\u00e4nner mit Abfindung entlassen oder fr\u00fchpensioniert wird, arbeitet ein Teil im Prozess der Demontage weiter. Denn es bleibt viel zu tun. Dazu geh\u00f6ren u.\u202fa. der Abbau und die Entsorgung zahlreicher Maschinen unter Tage, aber auch die Sicherung der unterirdischen Tunnel und Kammern. Besonders letzteres ist von strategischer Bedeutung, um Bergbausch\u00e4den an der Oberfl\u00e4che zu verhindern. Hierf\u00fcr werden die Stollen mit Versatz gef\u00fcllt, um Einst\u00fcrze zu vermeiden. Aus dem gleichen Grund ist Wassermanagement wichtig. Je nach Lage k\u00f6nnen Teile des Tunnelsystems kontrolliert geflutet werden, und die Pumpenleistungen m\u00fcssen angepasst werden. Dies bleibt eine langfristige Aufgabe der SRK, die daf\u00fcr 17 Pumpstationen betreibt und j\u00e4hrlich \u00fcber 100 Millionen m\u00b3 Wasser aus ehemaligen Gruben pumpt. Zu den wichtigsten Aufgaben der SRK \u00fcber Tage geh\u00f6rt die Dekontaminierung des Grundst\u00fcckes.<\/p>\n<div id=\"attachment_72227\" style=\"width: 778px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-72227\" class=\"size-large wp-image-72227\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/3-Schlesisches-Museum-in-Kattowitz-Martin-Wycisk-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/3-Schlesisches-Museum-in-Kattowitz-Martin-Wycisk-768x1024.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/3-Schlesisches-Museum-in-Kattowitz-Martin-Wycisk-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/3-Schlesisches-Museum-in-Kattowitz-Martin-Wycisk-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/3-Schlesisches-Museum-in-Kattowitz-Martin-Wycisk-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/3-Schlesisches-Museum-in-Kattowitz-Martin-Wycisk-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><p id=\"caption-attachment-72227\" class=\"wp-caption-text\">Schlesisches Museum in Kattowitz.<br \/>Foto: Martin Wycisk<\/p><\/div>\n<h2><strong>Die Suche nach neuen Investoren<\/strong><\/h2>\n<p>Wenn der R\u00fcckbau des Bergwerks abgeschlossen ist, steht die SRK vor der n\u00e4chsten Herausforderung: der Suche nach einem neuen Verwendungszweck f\u00fcr das Grundst\u00fcck. Viele Investoren pr\u00e4ferieren freie Fl\u00e4chen in unbebauten Industriegebieten, die ihnen mehr Freiheit bei der Gr\u00f6\u00dfe und Funktion ihrer Werksbauten lassen. Denn neben den Gruben sind oft Wohngebiete entstanden, die eine l\u00e4rmintensive Produktion ausschlie\u00dfen. Hinzukommen noch die Altlasten, die zus\u00e4tzliche Kosten verursachen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Erfolgreiche Beispiele, was auf ehemaligen Zechengel\u00e4nden m\u00f6glich ist, sind u.\u202fa. in Kattowitz zu finden. Das Bergwerk Katowice wurde erfolgreich in die Kulturzone mit Sitz eines Symphonieorchesters, des Schlesischen Museums und des Internationalen Kongresszentrums umgebaut.<\/p>\n<div id=\"attachment_72229\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-72229\" class=\"size-large wp-image-72229\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/4-Schlesisches-Museum-in-Kattowitz-Martin-Wycisk-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/4-Schlesisches-Museum-in-Kattowitz-Martin-Wycisk-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/4-Schlesisches-Museum-in-Kattowitz-Martin-Wycisk-300x225.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/4-Schlesisches-Museum-in-Kattowitz-Martin-Wycisk-768x576.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/4-Schlesisches-Museum-in-Kattowitz-Martin-Wycisk-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/4-Schlesisches-Museum-in-Kattowitz-Martin-Wycisk-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-72229\" class=\"wp-caption-text\">Schlesisches Museum in Kattowitz.<br \/>Foto: Martin Wycisk<\/p><\/div>\n<p>Ehemalige Zechengel\u00e4nde k\u00f6nnen auch einen Beitrag zur Energiewende leisten. So investiert die SRK schon jetzt in Solaranlagen, um eigene Pumpstationen mit Strom zu versorgen. In Kattowitz soll dar\u00fcber hinaus abgepumptes Grubenwasser als Quelle von Erdw\u00e4rme f\u00fcr das \u00f6kologische Heizen und K\u00fchlen des Schlesischen Museums genutzt werden. Alte Gruben k\u00f6nnten in Zukunft auch als Stromspeicher dienen. Bei hoher Stromproduktion w\u00fcrden sie Wasser hochpumpen, welches bei hoher Stromnachfrage wieder abgelassen werden kann, um Stromgeneratoren zu betreiben.<\/p>\n<h2><strong>Neue Strategie und EU-Fonds<\/strong><\/h2>\n<p>Die SRK geht seit dem Personalwechsel im Vorstand im M\u00e4rz 2024 neue Wege im Umgang mit den ehemaligen Zechengel\u00e4nden. Die Gesellschaft besitzt Grundst\u00fccke in 71 Gemeinden, vor allem in Schlesien, Kleinpolen und Niederschlesien, von denen sie letztes Jahr insgesamt 110 Hektar im Wert von 60 Millionen PLN kostenfrei an Kommunen \u00fcbergab. Damit \u00fcbernehmen die Kommunen vor Ort die Verantwortung f\u00fcr die Investorensuche. Diese wird in den n\u00e4chsten Jahren Fahrt aufnehmen, denn dank des \u201eJust Transition Funds\u201c stehen Polen f\u00fcr den Strukturwandel in Bergbauregionen 4 Milliarden \u20ac zur Verf\u00fcgung. Die H\u00e4lfte davon ist allein f\u00fcr die Woiwodschaft Schlesien vorgesehen. Von den Grundst\u00fccken profitieren u.\u202fa. Kattowitz und Myslowitz, wo u.\u202fa. ein IT-Hub sowie ein Kultur- und Dienstleistungszentrum geplant sind. Im letzten Jahr gelang es der SRK, auch 120 ha f\u00fcr 90 Millionen PLN an private Investoren zu ver\u00e4u\u00dfern; weitere 400 ha stehen weiterhin zum Verkauf. Nachfrage besteht also, weshalb wir in den n\u00e4chsten Jahren einiges an Baut\u00e4tigkeit erwarten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Martin Wycisk<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend in Deutschland das letzte Steinkohlebergwerk im Dezember 2018 schloss, n\u00e4hert sich der Kohleausstieg in Polen nur langsam. Hierbei spielt die Gesellschaft f\u00fcr Bergwerksrestrukturierung SRK eine wichtige Rolle. 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