{"id":72212,"date":"2026-02-14T17:00:57","date_gmt":"2026-02-14T16:00:57","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/?p=72212"},"modified":"2026-02-13T15:54:33","modified_gmt":"2026-02-13T14:54:33","slug":"der-fluss-meiner-kindheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/der-fluss-meiner-kindheit\/","title":{"rendered":"Der Fluss meiner Kindheit"},"content":{"rendered":"<p>Als Kind ging ich ganz selbstverst\u00e4ndlich davon aus, dass jeder in der N\u00e4he eines Flusses lebt. Der Fluss meiner Kindheit war Malapane. Er schl\u00e4ngelte sich gem\u00e4chlich nicht nur durch mein Heimatdorf, sondern in gewisser Weise durch meine ganze Kindheit. Daran musste ich k\u00fcrzlich denken, als ich Videos von Menschen sah, die in Danzig \u00fcber das zugefrorene Eis der Mottlau Schlittschuh liefen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Malapane war die stille Zeugin unserer d\u00fcmmsten Spiele, der ersten heimlichen Treffen, Ziel der Nachmittagsspazierg\u00e4nge der Erwachsenen, meteorologischer Orientierungspunkt, Heldin schauriger Geschichten \u00fcber Wassergeister und Ertrunkene \u2013 und unsere allertreueste Nachbarin.<\/p>\n<p>Heute h\u00f6ren meine Kinder meine Erinnerungen mit Neid: wie wir auf der zugefrorenen Malapane Schlittschuh liefen. Das Eis zog sich \u00fcber Kilometer, und erst der pl\u00f6tzlich hereinbrechende Abend beendete das Spiel. Ich erinnere mich, wie wir unsere eiskalten Gesichter an das durchsichtige Eis dr\u00fcckten und in die geheimnisvolle Tiefe unseres Flusses blickten. Manchmal konnte man sogar einen Fisch entdecken! Oder war es ein Wassermann?<\/p>\n<div id=\"attachment_72213\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-72213\" class=\"size-large wp-image-72213\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/malapanew1-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"576\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/malapanew1-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/malapanew1-300x169.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/malapanew1-768x432.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/malapanew1-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/malapanew1.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-72213\" class=\"wp-caption-text\">Die Malapane schl\u00e4ngelt sich als selbstverst\u00e4ndliche Begleiterin durch die Kindheitserinnerungen unserer Autorin.<br \/>Foto: A. Durecka<\/p><\/div>\n<p>Im Sommer badeten wir an der einzigen sandigen Stelle im seichten, sanften Strom \u2013 damals noch frei von M\u00fcll. Vor Jahrzehnten kontrollierten Eltern nicht jeden Schritt ihrer Kinder. Es gab keine Handys und kein GPS. Am Ende blieb ihnen nichts anderes \u00fcbrig, als auf Gott und auf uns zu vertrauen.<\/p>\n<p>Und irgendwie haben wir alle \u00fcberlebt. Jemand dort oben muss seine Finger im Spiel gehabt haben, daran gibt es keinen Zweifel. Denn ein Fluss ist eine Naturgewalt, und auch wir haben das zu sp\u00fcren bekommen. Davon wissen unsere Eltern bis heute nichts. So soll es auch bleiben. Und welche Fl\u00fcsse begleiteten eure Kindheit?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Anna Durecka<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Kind ging ich ganz selbstverst\u00e4ndlich davon aus, dass jeder in der N\u00e4he eines Flusses lebt. Der Fluss meiner Kindheit war Malapane. 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