{"id":72022,"date":"2025-04-12T06:00:19","date_gmt":"2025-04-12T04:00:19","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/der-warmbrunner-tallsack-2\/"},"modified":"2025-04-12T06:00:19","modified_gmt":"2025-04-12T04:00:19","slug":"der-warmbrunner-tallsack-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/der-warmbrunner-tallsack-2\/","title":{"rendered":"Der Warmbrunner Tallsack"},"content":{"rendered":"<p><strong>Seit Anfang des 15. Jahrhunderts str\u00f6mte am Palmsonntag die Bev\u00f6lkerung des Riesengebirges in Bad Warmbrunn\/Cieplice zum \u201eTallsackmarkt&#8220; zusammen. Schausteller mit Volksbelustigungen haben nahe den Thermalquellen ihre Buden aufgebaut und St\u00e4nde mit Lebensmitteln sowie Erfrischungen vervollst\u00e4ndigten das Bild.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Man wei\u00df nicht, warum der \u201eMarkt&#8220; eingerichtet wurde und was das Wort \u201eTallsackmarkt&#8220; bedeutet. Als Talls\u00e4cke bezeichnete man das Backwerk in Gestalt von M\u00e4nnchen und Weibchen. Schon einige Tage vor dem Feste begann der Verkauf und dann das fr\u00f6hliche Schenken sowie eifriges Verzehren des lustigen Backwerkes.<\/p>\n<h3><strong>Pfefferkuchenmarkt<\/strong><\/h3>\n<div id=\"attachment_60110\" style=\"width: 314px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-60110\" class=\" wp-image-60110\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Tallsack-3-Austausch_Easy-Resize.com_.jpg\" alt=\"\" width=\"304\" height=\"421\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Tallsack-3-Austausch_Easy-Resize.com_.jpg 924w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Tallsack-3-Austausch_Easy-Resize.com_-217x300.jpg 217w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Tallsack-3-Austausch_Easy-Resize.com_-739x1024.jpg 739w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Tallsack-3-Austausch_Easy-Resize.com_-768x1064.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 304px) 100vw, 304px\" \/><p id=\"caption-attachment-60110\" class=\"wp-caption-text\">Austausch von Talls\u00e4cken<br \/>Quelle: Niederschlesische Digitalbibliothek<\/p><\/div>\n<p>Auf diesem altschlesischen Volksfest wurden besonders Pfefferkuchenwaren angeboten, da es urspr\u00fcnglich ein Pfefferkuchenmarkt war. Die bekannten Pfeffern\u00fcsse oder \u201eBauernbissen\u201d spielten eine Hauptrolle. Damit ist ferner die Sitte verbunden, dass die Junggesellen von ihren M\u00e4dchen geschm\u00fcckt wurden und daf\u00fcr der Geliebten einen \u201eDallsack\u201d schenkten. Mit dem Geschenk eines solchen Pfefferkuchenmannes gestand der junge Mann der Liebsten seine Zuneigung. Die so ausgezeichnete Geliebte schenkte ihrerseits, wenn sie \u201eJa\u201c sagen wollte, einen Rosmarinzweig, den sie an der Brust ihres Verehrers befestigt hat.<\/p>\n<h3><strong>Der \u201eDallsack\u201d\u00a0<\/strong><\/h3>\n<p>Der \u201eDallsack\u201d war eine Figur aus Pfefferkuchen oder Mehl, die einen Reiter, Mann und Frau darstellte. Die plump aussehende Figur ist auch sprichw\u00f6rtlich geworden, denn man sagte in der Gegend von einem Menschen, der das Aussehen eines Einfaltspinsels hat: \u201eEr sieht aus wie ein Warmbrunner Dallsack.\u201d<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Vom 11. bis 13. April ist in Bald Waldbrunn die Wiederbelebung des historischen Charakters des ehemaligen Warmbrunner Tallsackmarkts geplant.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>\u201eTallsack\u201d hei\u00dft also ein stammelnder, alberner Kerl. Sein Gebilde aus Semmel- oder Pfefferkuchenteig stellt eine ungef\u00fcge Gestalt mit rundem plumpem Kopf, ebensolchen Armen und Beinen dar.<\/p>\n<div id=\"attachment_60114\" style=\"width: 222px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-60114\" class=\" wp-image-60114\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Tallsack-1_Easy-Resize.com_.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"203\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Tallsack-1_Easy-Resize.com_.jpg 1280w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Tallsack-1_Easy-Resize.com_-300x287.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Tallsack-1_Easy-Resize.com_-1024x978.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Tallsack-1_Easy-Resize.com_-768x734.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><p id=\"caption-attachment-60114\" class=\"wp-caption-text\">Historische Talls\u00e4cke<br \/>Quelle: Niederschlesische Digitalbibliothek<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_60116\" style=\"width: 268px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-60116\" class=\" wp-image-60116\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Tallsack-2_Easy-Resize.com_.jpg\" alt=\"\" width=\"258\" height=\"192\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Tallsack-2_Easy-Resize.com_.jpg 1280w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Tallsack-2_Easy-Resize.com_-300x222.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Tallsack-2_Easy-Resize.com_-1024x759.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Tallsack-2_Easy-Resize.com_-768x569.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 258px) 100vw, 258px\" \/><p id=\"caption-attachment-60116\" class=\"wp-caption-text\">Historische Talls\u00e4cke<br \/>Quelle: Niederschlesische Digitalbibliothek<\/p><\/div>\n<p>Wahrscheinlich ist ein unternehmender B\u00e4cker oder Pfefferk\u00fcchler auf den Gedanken gekommen, die Mannesfigur in Teig festzuhalten, die dann auch ein ebenso beliebtes, wie begehrtes Geb\u00e4ck wurde. Niemand verlie\u00df den Markt, ohne einen \u201eTallsack\u201c erstanden zu haben. Die lustige, erg\u00f6tzliche Marktfigur ist im Laufe der Zeiten verschwunden, aber sein gebackenes Abbild hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten.<\/p>\n<div id=\"attachment_60113\" style=\"width: 351px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-60113\" class=\" wp-image-60113\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/meine-tallsacke_Easy-Resize.com_.jpg\" alt=\"\" width=\"341\" height=\"341\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/meine-tallsacke_Easy-Resize.com_.jpg 1280w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/meine-tallsacke_Easy-Resize.com_-300x300.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/meine-tallsacke_Easy-Resize.com_-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/meine-tallsacke_Easy-Resize.com_-150x150.jpg 150w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/meine-tallsacke_Easy-Resize.com_-768x768.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 341px) 100vw, 341px\" \/><p id=\"caption-attachment-60113\" class=\"wp-caption-text\">Moderner Talls\u00e4cke, die von der Autorin gebacken wurden.<br \/>Foto: M. Janik<\/p><\/div>\n<h3><strong>Geist der alten Warmbrunner Jahrm\u00e4rkte<\/strong><\/h3>\n<p>Im Besitz der Hubrich\u2019schen Pfefferk\u00fcchlerei befanden sich noch pr\u00e4chtige alte Formen f\u00fcr die Talls\u00e4cke, die einst von dem Pfefferk\u00fcchler Conrad selbst gestochen worden sind. Nach Ausspruch des verstorbenen Direktors der Holzschnitzschule in Warmbrunn, Professor Walde, sollte diesen Formen ein gewisser Kunstwert innewohnen.<\/p>\n<p>Heute, wenn wir den Geschmack dieser au\u00dfergew\u00f6hnlichen Figur wieder aufleben lassen, rufen wir auch den Geist der alten Warmbrunner Jahrm\u00e4rkte ins Ged\u00e4chtnis \u2013 voller D\u00fcfte, Lachen und Herzlichkeit. Ist es da nicht eine sch\u00f6ne Idee, seinen eigenen Tallsack zu backen, um den Fr\u00fchling zu begr\u00fc\u00dfen?<\/p>\n<h3><strong>Pfefferkuchen-Tallsack <\/strong><\/h3>\n<p><strong>Zutaten:<\/strong><br \/>\n500 g Honig\/ 200 g Zucker\/ 150 g Butter\/ 2 Eier\/ 1 EL Kakaopulver \/ \u00bd TL Zimt \/ \u00bc TL gemahlene Nelken \/ \u00bc TL Kardamom \/ \u00bc TL wei\u00dfer Pfeffer (oder Ingwer) \/ 1 TL Natron \/ ca. 700\u2013800 g Roggenmehl (Type 500 oder 550)<\/p>\n<p><strong>Zubereitung:<\/strong><br \/>\nHonig, Zucker und Butter in einem Topf langsam erhitzen, bis sich alles aufgel\u00f6st hat und die Masse leicht sch\u00e4umt. Vom Herd nehmen und auf Zimmertemperatur abk\u00fchlen lassen.<br \/>\nEier und alle Gew\u00fcrze hinzuf\u00fcgen und gut verr\u00fchren.<br \/>\nDas Natron einr\u00fchren und das Mehl nach und nach zugeben \u2013 der Teig sollte glatt, weich, aber nicht klebrig sein.<br \/>\nDen Teig in Frischhaltefolie wickeln und f\u00fcr 24\u201348 Stunden im K\u00fchlschrank ruhen lassen \u2013 so entwickelt er Elastizit\u00e4t und ein intensives Aroma.<br \/>\nDen Teig auf bemehlter Fl\u00e4che ca. 6\u20138 mm dick ausrollen. Wenn Holzmodel vorhanden sind, mit St\u00e4rke oder Kartoffelmehl best\u00e4uben und kr\u00e4ftig in den Teig pressen. Alternativ k\u00f6nnen die Figuren per Hand oder mit Ausstechern geformt werden.<br \/>\nDie fertigen Figuren auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen und 12\u201324 Stunden trocknen lassen \u2013 so bleibt das Muster beim Backen erhalten.<br \/>\nBei 160\u2013170 \u00b0C (untere Schiene, Ober-\/Unterhitze) ca. 12\u201315 Minuten backen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>Ma\u0142gorzata Janik<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Anfang des 15. Jahrhunderts str\u00f6mte am Palmsonntag die Bev\u00f6lkerung des Riesengebirges in Bad Warmbrunn\/Cieplice zum \u201eTallsackmarkt&#8220; zusammen. 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