{"id":71816,"date":"2025-05-29T15:30:26","date_gmt":"2025-05-29T13:30:26","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/dilemmata-der-wahler-aus-minderheiten\/"},"modified":"2025-05-29T15:30:26","modified_gmt":"2025-05-29T13:30:26","slug":"dilemmata-der-wahler-aus-minderheiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/dilemmata-der-wahler-aus-minderheiten\/","title":{"rendered":"Dilemmata der W\u00e4hler aus Minderheiten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Am 1. Juni werden Mitglieder der deutschen Minderheit \u2013 wie alle B\u00fcrger der Republik Polen \u2013 an der zweiten, entscheidenden Runde der Pr\u00e4sidentschaftswahlen teilnehmen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um ihnen eine bewusste Wahlentscheidung zu erleichtern, hat die F\u00fchrung des VdG beiden Kandidaten \u2013 Karol Nawrocki und Rafa\u0142 Trzaskowski \u2013 Fragen gestellt zu ihrem Verh\u00e4ltnis zur Multikulturalit\u00e4t, zur Akzeptanz nationaler Minderheiten, zur Vision der zuk\u00fcnftigen deutsch-polnischen Beziehungen, zur Bereitschaft, das Minderheitengesetz zu \u00e4ndern, sowie zum Prinzip der Gegenseitigkeit in internationalen Beziehungen im Hinblick auf nationale Minderheiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Fragen blieben bislang unbeantwortet. Den Minderheitenw\u00e4hlern bleibt daher nur, in den bisherigen Erkl\u00e4rungen und Entscheidungen beider Kandidaten nach Antworten zu suchen.<\/p>\n<div id=\"attachment_61974\" style=\"width: 1610px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-61974\" class=\"size-full wp-image-61974\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/rafal-trzaskowski-Foto-FB-rafal-trzaskowski.jpg\" alt=\"\" width=\"1600\" height=\"1066\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/rafal-trzaskowski-Foto-FB-rafal-trzaskowski.jpg 1600w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/rafal-trzaskowski-Foto-FB-rafal-trzaskowski-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/rafal-trzaskowski-Foto-FB-rafal-trzaskowski-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/rafal-trzaskowski-Foto-FB-rafal-trzaskowski-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/rafal-trzaskowski-Foto-FB-rafal-trzaskowski-1536x1023.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1600px) 100vw, 1600px\" \/><p id=\"caption-attachment-61974\" class=\"wp-caption-text\">Rafa\u0142 Trzaskowski: \u201ePolen ist der EU beigetreten, weil wir wussten, dass wir als Teil westlicher B\u00fcndnisse selbst st\u00e4rker sind.\u201c<br \/>Quelle: Facebook\/Rafa\u0142 Trzaskowski<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im auf der Website von Karol Nawrocki ver\u00f6ffentlichten Programm finden sich nicht nur keine Hinweise auf nationale Minderheiten \u2013 einschlie\u00dflich der deutschen \u2013, sondern auch kaum Aussagen zur Europ\u00e4ischen Union oder zur Haltung des von der PiS unterst\u00fctzten \u201eB\u00fcrgerkandidaten\u201c gegen\u00fcber der westlichen Welt. Stattdessen \u00e4u\u00dfert sich das Programm klar zur nationalen Sicherheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Karol Nawrocki m\u00f6chte, dass Polen eine Festung an der Ostflanke der NATO ist, eine Armee mit 300.000 Soldaten besitzt (f\u00fcr die er 5 Prozent des BIP &#8211; Amtsblatt f\u00fcr \u00f6ffentliche Informationen &#8211; ausgeben m\u00f6chte). Gleichzeitig erkl\u00e4rt er, dass unter seiner Pr\u00e4sidentschaft keine polnischen Soldaten in die Ukraine entsandt w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine Meinung zur EU l\u00e4sst sich aus seinen Aussagen w\u00e4hrend des laufenden Wahlkampfes ableiten. Darin wiederholt er vor allem die Ank\u00fcndigungen, den Green Deal aufzuk\u00fcndigen sowie den \u201eMigrationspakt einseitig zu k\u00fcndigen, um die polnischen Grenzen zu sch\u00fctzen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur EU \u00e4u\u00dfert er sich oft mit Distanz und sogar Furcht gegen\u00fcber Br\u00fcssel und Berlin. So etwa: \u201eWir wollen den Binnenmarkt, wir wollen Entwicklung, wir wollen eine starke Stimme in der EU sein, aber wir wollen nicht, dass die Br\u00fcsseler Eliten \u00fcber unsere Freiheit in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens entscheiden. Wir wollen nicht, dass Ideologien aus dem Westen in unsere Schulen und Bildungseinrichtungen gelangen, denn wir haben unsere eigene Identit\u00e4t. Wir sind Polen und wollen die Zukunft unseres Landes auf dem aufbauen, was f\u00fcr uns und unsere Vorfahren wichtig war \u2013 und was auch k\u00fcnftig wichtig bleiben sollte.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie viele Politiker der PiS betont er stark, dass Polen einer anderen EU beigetreten sei, als der, in der es sich heute befinde \u2013 verbunden mit einer wiederkehrenden Angst vor Europa: \u201eDie EU ver\u00e4ndert sich vor unseren Augen, und wir wollen nicht, dass sie entscheidet, wie wir uns kleiden, was wir essen oder ob es in Polen illegale Migranten geben wird oder nicht \u2013 denn das sind grundlegende Fragen des polnischen Staates. Wir sind der EU beigetreten, nicht einem europ\u00e4ischen Superstaat mit zwei Hauptst\u00e4dten: Br\u00fcssel und Berlin. Wir wollen im Binnenmarkt leben, nicht in einem gemeinsamen Superstaat\u201c, sagte er in einem Interview.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie er sich im Falle seiner Wahl zum Pr\u00e4sidenten zur m\u00f6glichen \u00c4nderung des Minderheitengesetzes stellen w\u00fcrde \u2013 insbesondere zur Anerkennung der schlesischen Sprache als Regionalsprache \u2013 l\u00e4sst sich schwer vorhersagen. Doch nach den Erfahrungen mit dem derzeitigen Pr\u00e4sidenten f\u00e4llt es schwer, hier optimistisch zu sein.<\/p>\n<div id=\"attachment_61975\" style=\"width: 1610px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-61975\" class=\"size-full wp-image-61975\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/karo.jpg\" alt=\"\" width=\"1600\" height=\"1066\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/karo.jpg 1600w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/karo-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/karo-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/karo-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/karo-1536x1023.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1600px) 100vw, 1600px\" \/><p id=\"caption-attachment-61975\" class=\"wp-caption-text\">Karol Nawrocki: \u201eWir wollen eine starke Stimme in der EU sein, aber nicht, dass Br\u00fcssel \u00fcber unsere Freiheit entscheidet.\u201c<br \/>Quelle: Facebook\/Karol Nawrocki<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Punkt nimmt Rafa\u0142 Trzaskowski eine diametral entgegengesetzte Position ein. Wie sein politisches Lager erkl\u00e4rt er \u2013 als zuk\u00fcnftiger Pr\u00e4sident der Republik Polen \u2013 seine Bereitschaft, die schlesische Sprache anzuerkennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWir sind stark als Nation, gro\u00dfartig in unserer Vielfalt\u201c, sagte der Kandidat der B\u00fcrgerkoalition in Sandomierz. Er versprach unmissverst\u00e4ndlich, dass er \u2013 sollte er Pr\u00e4sident werden \u2013 das Gesetz zur Anerkennung der schlesischen Sprache unterschreiben werde. Er betonte, dass die von Andrzej Duda abgelehnte \u00c4nderung des Gesetzes \u00fcber nationale und ethnische Minderheiten, die die schlesische Godka als Regionalsprache anerkennt, von ihm gebilligt werde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend seines Aufenthalts in der Woiwodschaft Schlesien, in Rybnik \u2013 wo seine Frau Ma\u0142gorzata geboren wurde \u2013 und wo er selbst als \u201eGorol\u201c Akzeptanz suchte, sagte Trzaskowski: \u201eIch habe von euch gelernt, was harte Arbeit, Respekt und Solidarit\u00e4t bedeuten \u2013 und was in Schlesien am wichtigsten ist: dass ein Schlesier niemals jemanden allein l\u00e4sst. Das ist die gr\u00f6\u00dfte Lektion, die ich in Schlesien bekommen habe.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was die Beziehungen zur EU und zum Westen betrifft, so vertritt Trzaskowski eine andere Philosophie als sein Gegner \u2013 frei von Angst und Vorurteilen. Seiner Meinung nach m\u00fcsse man, um andere EU-Staaten zu mobilisieren, keine Feinde suchen, sondern Partner finden und L\u00f6sungen f\u00f6rdern, die f\u00fcr Polen vorteilhaft sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201ePolen ist der EU beigetreten, weil wir wussten, dass wir als Teil westlicher B\u00fcndnisse selbst st\u00e4rker sind\u201c, schrieb er auf Facebook anl\u00e4sslich des EU-Beitritts Polens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDas waren Jahre einer unglaublichen Entwicklung unseres Landes. Ja, vor allem dank der harten Arbeit der Polinnen und Polen. Aber auch dank der europ\u00e4ischen F\u00f6rdermittel. Dank des Beitritts zum gemeinsamen Markt. Ist die EU perfekt? Nein. Muss sie reformiert werden? Ja. Aber der 1. Mai ist der Jahrestag eines der wichtigsten Ereignisse in der j\u00fcngeren politischen Geschichte unseres Landes \u2013 eine Art zweiter Fall des Eisernen Vorhangs. Die feste Verwurzelung im demokratischen Westen \u2013 wie fundamental das ist, sieht man heute besonders deutlich angesichts der russischen Aggression gegen die benachbarte Ukraine.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Haltung zur Europ\u00e4ischen Union ist nicht das einzige deutlich unterscheidbare Feld zwischen beiden Kandidaten. F\u00fcr viele W\u00e4hler sind auch ihre weltanschaulichen Erkl\u00e4rungen von gro\u00dfer Bedeutung. Karol Nawrocki ist in seinem Programm eindeutig:<br \/>\n\u201eChristliche Werte sind eines der drei Fundamente der europ\u00e4ischen Gemeinschaft, gegen die die EU-Ideologie k\u00e4mpft (\u2026)\u201c, schreibt er. \u201eAls zuk\u00fcnftiger Pr\u00e4sident der Republik Polen werde ich f\u00fcr die Religionsfreiheit eintreten. Aber ich werde nicht zulassen, dass in Polen und Europa vergessen wird, dass christliche Werte eines der Fundamente unseres Lebens sind.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rafa\u0142 Trzaskowski erkl\u00e4rte schon im vorherigen Pr\u00e4sidentschaftswahlkampf in einem Interview mit Onet: \u201eIch bin kein Antiklerikaler. Es ist PiS, die versucht, mich in diese Rolle zu dr\u00e4ngen. Ich habe gro\u00dfen Respekt vor der Tradition und vor der Kirche. Aber wenn ich sehe, wie sich die Bischofskonferenz die Thesen der PiS-Propaganda zu eigen macht, dann trifft mich das als Katholiken schmerzhaft. (\u2026) Ich habe den Hierarchen gesagt, dass ich keine weltanschauliche oder sexuelle Revolution einzuf\u00fchren gedenke.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der Wahlkampfseite von Rafa\u0142 Trzaskowski hei\u00dft es in der Rubrik \u201eMein Plan f\u00fcr Polen\u201c: \u201eGesunder Menschenverstand sollte jeden Bereich des gesellschaftlichen Lebens leiten. Wir wollen Pragmatismus mit F\u00fcrsorge f\u00fcr die B\u00fcrger verbinden, um soziale, wirtschaftliche und kulturelle Sicherheit zu gew\u00e4hrleisten und gleichzeitig f\u00fcr die Zukunft Polens zu sorgen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Pr\u00e4sidentschaftskandidat k\u00fcndigt au\u00dferdem die Liberalisierung des Abtreibungsrechts und die Unterst\u00fctzung des In-vitro-Programms an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Sonntag werden die W\u00e4hler die Erkl\u00e4rungen der Kandidaten mit ihren politischen Entscheidungen und Lebensstilen abgleichen m\u00fcssen \u2013 und dann Verstand und Gewissen einsetzen, um ihre Stimme abzugeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>Krzysztof Ogiolda<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Der Autor ist Journalist und Kolumnist der Wochenzeitung \u201eO!Polska\u201c.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 1. 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