{"id":71802,"date":"2025-05-31T15:39:13","date_gmt":"2025-05-31T13:39:13","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/schuld-eingestehen-wie-schwer-das-ist-teil-2\/"},"modified":"2025-05-31T15:39:13","modified_gmt":"2025-05-31T13:39:13","slug":"schuld-eingestehen-wie-schwer-das-ist-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/schuld-eingestehen-wie-schwer-das-ist-teil-2\/","title":{"rendered":"Schuld eingestehen &#8211; wie schwer das ist. Teil 2"},"content":{"rendered":"<p><strong>W\u00e4hrend der 56. Verbandsratssitzung des VdG haben die Delegierten heute (31.05.2025) zwei Resolutionen verabschiedet:<\/strong><\/p>\n<p><strong>die erste \u2013 \u201eVergessene Opfer der Nachkriegsverfolgungen\u201c, verabschiedet anl\u00e4sslich des 80. Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkriegs,<\/strong><br \/>\n<strong>und die zweite \u2013 anl\u00e4sslich des 35. Jahrestags der Unterzeichnung des Deutsch-Polnischen Vertrags \u00fcber gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit, betreffend die Wiederaufnahme der Arbeit des Deutsch-Polnischen Runden Tisches.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nWarum ist die Annahme dieser Resolutionen f\u00fcr das Umfeld der deutschen Minderheit in Polen so wichtig? Wir haben die F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten dieser Gemeinschaft befragt.<\/p>\n<h2>Zumindest \u201eEntschuldigung\u201c<\/h2>\n<p>Marin Lippa (Vizevorsitzender des VdG-Vorstands, Woiwodschaft Schlesien):<\/p>\n<p>\u201eDie erste Resolution ist f\u00fcr uns besonders wichtig. Sie betrifft n\u00e4mlich die in Polen und anderen Teilen Europas lebenden Deutschen, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs schreckliches Unrecht erfahren haben. In L\u00e4ndern wie Rum\u00e4nien oder Ungarn wurde dies bereits in gewissem Ma\u00dfe geregelt, aber in Polen warten wir bis heute vergeblich auf ein l\u00e4ngst erwartetes Wort \u201aEntschuldigung\u2018&#8230;<\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich habe das, was nach dem Krieg geschehen ist, sehr mitgenommen, weil das Unrecht, von dem die Rede ist, auch meine Familie direkt betroffen hat und ich ohne meine beiden Gro\u00dfv\u00e4ter aufgewachsen bin. Beide nahmen nicht am Zweiten Weltkrieg teil, wurden aber unmittelbar nach Kriegsende interniert. Einer konnte wegen schlechter Gesundheit entlassen werden, der andere gelang die Flucht. Leider sind beide ein Jahr sp\u00e4ter an den Folgen der Internierung gestorben.<br \/>\nMein Vater wurde mit 15 Jahren wegen einer Bagatelle verhaftet und kam ins Lager in Ko\u017ale, sp\u00e4ter ins sogenannte Jugendlager in Jaworzno. Er hat dort ein so schreckliches Trauma erlebt, dass er sein Leben lang nicht dar\u00fcber sprechen konnte.<\/p>\n<div id=\"attachment_62079\" style=\"width: 564px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-62079\" class=\" wp-image-62079\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Martin-Lippa-2_Easy-Resize.com_-682x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"554\" height=\"832\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Martin-Lippa-2_Easy-Resize.com_-682x1024.jpg 682w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Martin-Lippa-2_Easy-Resize.com_-200x300.jpg 200w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Martin-Lippa-2_Easy-Resize.com_-768x1152.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Martin-Lippa-2_Easy-Resize.com_.jpg 853w\" sizes=\"auto, (max-width: 554px) 100vw, 554px\" \/><p id=\"caption-attachment-62079\" class=\"wp-caption-text\">Martin Lippa<br \/>Foto: Stefani Koprek<\/p><\/div>\n<p>Zusammenfassend: Wir verdienen \u2013 und erwarten \u2013 vom polnischen Staat wenigstens ein Wort der Entschuldigung. Ein Wort, auf das wir bisher vergeblich warten.<\/p>\n<p>Was die zweite Resolution und die Themen des Runden Tisches betrifft \u2013 ich kenne das Thema sehr gut. Ich habe an allen bisherigen Treffen des Runden Tisches teilgenommen, bei denen wichtige Themen sowohl f\u00fcr die deutsche Minderheit in Polen als auch f\u00fcr die Polonia in Deutschland besprochen wurden. Deshalb bedaure ich, dass seit dem letzten Treffen so viel Zeit vergangen ist. Auch wenn wir manchmal mit Zweifeln oder Unzufriedenheit herausgingen, waren diese Treffen aus meiner Sicht immer wichtig!\u201c<\/p>\n<h2>Ein Moment zur Ordnung<\/h2>\n<p>Sylwia Kus (Vizevorsitzende des VdG-Vorstands, Woiwodschaft Oppeln):<br \/>\n\u201eBeide Resolutionen wurden angenommen, was mich nicht \u00fcberrascht \u2013 beide sind f\u00fcr das Umfeld der deutschen Minderheit au\u00dferordentlich bedeutsam.<\/p>\n<p>Die erste Resolution hat eine symbolische Bedeutung. Sie betrifft die Nachkriegsverfolgungen der deutschen Zivilbev\u00f6lkerung auf dem Gebiet des heutigen Polens. Die meisten dieser Menschen sind bereits verstorben und haben nie ein Wort der Entschuldigung geh\u00f6rt. Auch ihre Nachkommen warten darauf. Es wird h\u00f6chste Zeit, dass sich das \u00e4ndert und dieses Wort endlich ausgesprochen wird.<\/p>\n<p>So wollen wir auch der jungen Generation zeigen, wie wichtig lokale Geschichte ist. \u00dcber die Oberschlesische Trag\u00f6die in den Woiwodschaften Schlesien und Oppeln sprechen wir oft, erinnern und diskutieren dar\u00fcber \u2013 aber man darf nicht vergessen, dass eine gewaltige, ja erschreckende Trag\u00f6die auch au\u00dferhalb Schlesiens stattfand, z. B. in Pommern, auf Evakuierungsschiffen, wo die Opferzahl \u00fcber 20.000 betrug!<\/p>\n<div id=\"attachment_62081\" style=\"width: 853px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-62081\" class=\" wp-image-62081\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Sylwia-Kus-3-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"843\" height=\"562\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Sylwia-Kus-3-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Sylwia-Kus-3-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Sylwia-Kus-3-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Sylwia-Kus-3.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 843px) 100vw, 843px\" \/><p id=\"caption-attachment-62081\" class=\"wp-caption-text\">Sylwia Kus<br \/>Foto: Stefani Koprek<\/p><\/div>\n<p>Ich habe keinerlei Zweifel daran, dass die Geschichte der Nachkriegsverfolgungen und vergessenen Opfer sehr wichtig ist und ein gr\u00f6\u00dferes Bewusstsein in der polnischen Bev\u00f6lkerung erreichen sollte.<\/p>\n<p>Die zweite Resolution betrifft den 35. Jahrestag der Unterzeichnung des Deutsch-Polnischen Vertrags \u00fcber gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit. Auch das ist ein guter Moment, um daran zu erinnern, dass es Bereiche gibt, die vergessen wurden und wieder aufgebaut werden m\u00fcssen. Dazu geh\u00f6rt zum Beispiel der Deutschunterricht.<br \/>\nIch denke, jetzt \u2013 in Zeiten politischer Ver\u00e4nderungen sowohl in Polen als auch in Deutschland \u2013 ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um diese Angelegenheiten zu ordnen und zu verbessern.\u201c<\/p>\n<p>Krzysztof \u015awierc<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend der 56. Verbandsratssitzung des VdG haben die Delegierten heute (31.05.2025) zwei Resolutionen verabschiedet: die erste \u2013 \u201eVergessene Opfer der Nachkriegsverfolgungen\u201c, verabschiedet anl\u00e4sslich des 80. Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkriegs, und die zweite \u2013 anl\u00e4sslich des 35. 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