{"id":71765,"date":"2025-06-04T05:00:08","date_gmt":"2025-06-04T03:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/deutsch-im-lyzeum-eine-ungenutzte-chance-2\/"},"modified":"2025-06-04T05:00:08","modified_gmt":"2025-06-04T03:00:08","slug":"deutsch-im-lyzeum-eine-ungenutzte-chance-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/deutsch-im-lyzeum-eine-ungenutzte-chance-2\/","title":{"rendered":"Deutsch im Lyzeum \u2013 eine ungenutzte Chance"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Deutsch als Minderheitensprache an weiterf\u00fchrenden Schulen: Recht ohne Praxis?<\/strong><\/h2>\n<p><strong>Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler k\u00f6nnen den Unterricht in Deutsch als Minderheitensprache auch an weiterf\u00fchrenden Schulen wie Lyzeen fortsetzen. Dies wird durch die Verordnung von 2017 erm\u00f6glicht, die auch den Unterricht der Minderheitensprache an Grundschulen regelt. In der Praxis nutzen jedoch nur wenige diese M\u00f6glichkeit, und viele wissen nicht einmal, dass sie existiert. Wie kann man das \u00e4ndern? Wir haben Lehrkr\u00e4fte, Eltern und Lehrkr\u00e4fte, die selbst Eltern sind, dazu befragt.<\/strong><!--more--><\/p>\n<h4><strong>Aneta Knura-Zawada<\/strong>, <strong>Deutschlehrerin am I. Lyzeum in Cosel, Vorstandsmitglied der SKGD in Oppeln:<\/strong><\/h4>\n<p>\u201eLeider wird an unserer Schule kein Unterricht in Deutsch als Minderheitensprache angeboten. Wir haben versucht, ihn kurz nach Inkrafttreten der Verordnung im Jahr 2017 einzuf\u00fchren, aber es gab zu wenig Interessierte. Nat\u00fcrlich informieren wir bei der Aufnahme in unsere Schule immer dar\u00fcber, aber es kommt keine Reaktion. Warum? Ich denke, vor allem in weiterf\u00fchrenden Schulen verdr\u00e4ngt Englisch das Deutsche, und das ist kein Ph\u00e4nomen nur unserer Region \u2013 das gilt f\u00fcr das ganze Land. Au\u00dferdem k\u00f6nnen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, die zus\u00e4tzlich Deutsch lernen m\u00f6chten, sich bei uns auf die DSD-Pr\u00fcfungen Stufe 1 und 2 vorbereiten, denn unsere Schule ist Pr\u00fcfungszentrum \u2013 ich selbst bin Pr\u00fcferin.<br \/>\nWas k\u00f6nnte man tun, um die Jugendlichen zum Lernen von Deutsch als Minderheitensprache zu motivieren? Ich denke, vor allem ist eine bessere Kommunikation zwischen Lehrkr\u00e4ften, Eltern und Sch\u00fclern notwendig. Die Lehrkr\u00e4fte sollten die Eltern schon in der Grundschule \u2013 etwa bei Elternabenden \u2013 \u00fcber diese M\u00f6glichkeit informieren, und auch bei der Rekrutierung an weiterf\u00fchrenden Schulen sollte darauf hingewiesen werden. Vielleicht w\u00e4re auch eine gezielte Informationskampagne f\u00fcr Grundschulabsolventen hilfreich. Mein Sohn ist derzeit in der sechsten Klasse und ich werde ihn auf jeden Fall dazu ermutigen, diesen Weg zu gehen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_62142\" style=\"width: 794px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-62142\" class=\"wp-image-62142\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/deutsch-Foto-Deutsch-AG_Easy-Resize.com_.jpg\" alt=\"\" width=\"784\" height=\"392\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/deutsch-Foto-Deutsch-AG_Easy-Resize.com_.jpg 1280w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/deutsch-Foto-Deutsch-AG_Easy-Resize.com_-300x150.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/deutsch-Foto-Deutsch-AG_Easy-Resize.com_-1024x512.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/deutsch-Foto-Deutsch-AG_Easy-Resize.com_-768x384.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 784px) 100vw, 784px\" \/><p id=\"caption-attachment-62142\" class=\"wp-caption-text\">Die Deutsch AG bringt den Sch\u00fclern Grundlagen bei<br \/>Foto: Deutsch AG<\/p><\/div>\n<h4><strong>Ewelina Kowa\u015b<\/strong>, <strong>Direktorin des Schulverbandes Nr. 1 der schlesischen Aufst\u00e4ndischen in Kandrzin-Cosel, Germanistin:<\/strong><\/h4>\n<p>\u201eIch kenne die rechtliche Lage und wei\u00df, dass es die M\u00f6glichkeit gibt, Unterricht in Deutsch als Minderheitensprache auch in der weiterf\u00fchrenden Schule zu organisieren. Im Fall unseres Technikums w\u00e4re das allerdings schwierig, weil die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler bereits einen sehr \u00fcberladenen Stundenplan mit vielen technischen F\u00e4chern haben. Diese Unterrichtsstunden m\u00fcssten also nach dem regul\u00e4ren Unterricht stattfinden. Wir informieren nat\u00fcrlich bei der Aufnahme dar\u00fcber, aber bisher gab es kein Interesse.\u201c<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"color: #ffcc00;\">El\u017cbieta Wydra: \u201eAm wichtigsten ist, wie man Deutsch unterrichtet. Das ist Zusatzunterricht \u2013 die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sollen nicht die deutsche Nationalhymne auswendig lernen. Wenn wir das verlangen, schneiden wir uns als Lehrkr\u00e4fte selbst die Fl\u00fcgel ab. Denn was bringt es, wenn jemand das Verb <em>sein<\/em> konjugieren kann? Wir sollen mit ihnen spielen, sie sollen Spa\u00df haben \u2013 so gewinnen sie das Deutsche f\u00fcr sich.\u201c<\/span><\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<h4><strong>Aneta Buczek<\/strong>, <strong>Mutter einer Lyzealistin, Vorsitzende des DFK Ellguth Turawa:<\/strong><\/h4>\n<p>\u201eIch finde, Sprachen sind Fenster zur Welt, und in unserer Region ist die Kenntnis der deutschen Sprache besonders wichtig. Nat\u00fcrlich l\u00e4sst der Einfluss der Eltern auf die Kinder mit zunehmendem Alter nach \u2013 man muss sie also mit Argumenten \u00fcberzeugen. Meine Tochter Ma\u0142gosia hat sich auf meine Anregung hin f\u00fcr zus\u00e4tzlichen Deutschunterricht entschieden, im Rahmen dessen sie sich auf die DSD-Pr\u00fcfung vorbereitet. Ich wei\u00df, dass es an ihrer Schule, dem Lyzeum Nr. 2 in Oppeln, noch weitere Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler wie sie gibt.<br \/>\nWas den Unterricht in Deutsch als Minderheitensprache an weiterf\u00fchrenden Schulen betrifft: Zuerst m\u00fcsste man alle Deutschlehrkr\u00e4fte \u00fcber diese M\u00f6glichkeit informieren, vielleicht sogar Treffen auf Gemeindeebene organisieren, um das Thema bekannt zu machen. Auch im regul\u00e4ren Schulunterricht sollte man diese Informationen verbreiten. Und man sollte direkt die Jugendlichen erreichen \u2013 schlie\u00dflich haben sie in vielen Fragen bereits ihre eigene Meinung. Man muss auch sie \u00fcberzeugen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_62143\" style=\"width: 783px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-62143\" class=\"wp-image-62143\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/deutsch1_Easy-Resize.com_.jpg\" alt=\"\" width=\"773\" height=\"579\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/deutsch1_Easy-Resize.com_.jpg 1280w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/deutsch1_Easy-Resize.com_-300x225.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/deutsch1_Easy-Resize.com_-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/deutsch1_Easy-Resize.com_-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 773px) 100vw, 773px\" \/><p id=\"caption-attachment-62143\" class=\"wp-caption-text\">Die Deutsch AG vermittelt Wissen spielerisch<br \/>Foto: Alicja Jajak<\/p><\/div>\n<h4><strong>Sebastian Gerstenberg<\/strong>, <strong>Vater einer Lyzealistin, Germanist:<br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<p>\u201eF\u00fcr unsere Tochter Maja haben wir eine Initiative gestartet und einen Antrag auf Unterricht in Deutsch als nationaler Minderheitensprache im Lyzeum gestellt. Und der Unterricht wurde auch eingef\u00fchrt. Leider wurden die Unterrichtsstunden ein Jahr sp\u00e4ter gek\u00fcrzt. F\u00fcr die Schule lohnte sich der Unterricht mit nur einer Stunde pro Woche nicht mehr. Zudem blockierte das die M\u00f6glichkeit, Deutsch als Fremdsprache im Abitur zu w\u00e4hlen \u2013 deshalb haben wir nach einem Jahr den Antrag zur\u00fcckgezogen. Meine j\u00fcngere Tochter Zosia hat noch keine weiterf\u00fchrende Schule gew\u00e4hlt, aber ich werde mich daf\u00fcr einsetzen, dass auch sie die M\u00f6glichkeit bekommt, Deutsch als Minderheitensprache zu lernen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_62144\" style=\"width: 738px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-62144\" class=\"wp-image-62144\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/deutsch2_Easy-Resize.com_.jpg\" alt=\"\" width=\"728\" height=\"546\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/deutsch2_Easy-Resize.com_.jpg 1280w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/deutsch2_Easy-Resize.com_-300x225.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/deutsch2_Easy-Resize.com_-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/deutsch2_Easy-Resize.com_-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 728px) 100vw, 728px\" \/><p id=\"caption-attachment-62144\" class=\"wp-caption-text\">Auch Karten und Brettspiele d\u00fcrfen nicht fehlen<br \/>Foto: Alicja Jajak<\/p><\/div>\n<h4><strong>El\u017cbieta Wydra, Deutschlehrerin am Allgemeinbildenden Schulzentrum STO in Kreuzburg:<br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<p>\u201eAn unserem Lyzeum wird Deutsch als Minderheitensprache schon seit einigen Jahren unterrichtet. Die erste Gruppe entstand wohl 2021. Und seitdem l\u00e4uft das durchg\u00e4ngig, auch wenn es meist nur einige Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sind. Ich informiere \u00fcber diese M\u00f6glichkeit bei einem Treffen mit Eltern und Sch\u00fclern Ende August, noch vor Schuljahresbeginn \u2013 zumindest bisher, da sich in diesem Jahr die Termine \u00e4ndern. Ich habe immer vorbereitete Antr\u00e4ge dabei, damit alles z\u00fcgig geht.<br \/>\nMan muss in der Lage sein, die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sowie die Eltern zu erreichen. Ich erkl\u00e4re ihnen, dass sie bei uns durch den zus\u00e4tzlichen Unterricht als Minderheitensprache sogar drei Sprachen lernen k\u00f6nnen! Und am wichtigsten ist, <strong>wie<\/strong> man Deutsch unterrichtet. Das ist Zusatzunterricht \u2013 die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sollen nicht die deutsche Nationalhymne auswendig lernen. Wenn wir das verlangen, schneiden wir uns als Lehrkr\u00e4fte selbst die Fl\u00fcgel ab. Denn was bringt es, wenn jemand das Verb <em>sein<\/em> konjugieren kann? Wir sollen mit ihnen spielen, sie sollen Spa\u00df haben \u2013 so gewinnen sie das Deutsche f\u00fcr sich. Bildung ist ein Gespr\u00e4ch mit dem Sch\u00fcler.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong><em>Zusammengestellt von: Anna Durecka<\/em><\/strong><br \/>\n<strong><em>Mitarbeit: Manuela Leibig<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutsch als Minderheitensprache an weiterf\u00fchrenden Schulen: Recht ohne Praxis? Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler k\u00f6nnen den Unterricht in Deutsch als Minderheitensprache auch an weiterf\u00fchrenden Schulen wie Lyzeen fortsetzen. Dies wird durch die Verordnung von 2017 erm\u00f6glicht, die auch den Unterricht der Minderheitensprache an Grundschulen regelt. 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