{"id":71642,"date":"2025-06-26T11:00:14","date_gmt":"2025-06-26T09:00:14","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/ein-park-des-gedenkens-statt-der-scham-2\/"},"modified":"2025-06-26T11:00:14","modified_gmt":"2025-06-26T09:00:14","slug":"ein-park-des-gedenkens-statt-der-scham-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/ein-park-des-gedenkens-statt-der-scham-2\/","title":{"rendered":"Ein Park des Gedenkens statt der Scham?"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Der evangelische Friedhof in Patschkau wartet auf Erinnerung und Taten<\/strong><\/h2>\n<p><strong>Nur wenige Gehminuten vom Zentrum Patschkaus entfernt befindet sich ein Ort, der in dramatischer Weise mit der sich versch\u00f6nernden Stadt kontrastiert. Der alte evangelische Friedhof mit den Ruinen der Kirche St. Johannis des Evangelisten verf\u00e4llt seit Jahren in Vergessenheit und Zerst\u00f6rung. Doch es gibt ein Licht am Ende des Tunnels.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Hohes Gras, verstreute Fragmente deutscher Grabsteine, M\u00fcll, zerbrochenes Glas, Bierdosen \u2013 dieser Anblick empf\u00e4ngt heute jeden, der sich auf diesen historischen H\u00fcgel begibt. An einem Teil der Mauer steht das Wort <em>Mordor<\/em>. Und wohl kaum ein Kommentar k\u00f6nnte passender sein.<\/p>\n<div id=\"attachment_62965\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-62965\" class=\" wp-image-62965\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/IMG_5929_Easy-Resize.com_.jpg\" alt=\"\" width=\"502\" height=\"669\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/IMG_5929_Easy-Resize.com_.jpg 960w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/IMG_5929_Easy-Resize.com_-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/IMG_5929_Easy-Resize.com_-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 502px) 100vw, 502px\" \/><p id=\"caption-attachment-62965\" class=\"wp-caption-text\">An einem Teil der Mauer steht das Wort Mordor. Und wohl kaum ein Kommentar k\u00f6nnte passender sein.<br \/>Foto: Anna Durecka<\/p><\/div>\n<p>Der ehemalige Friedhof und die Kirche sind in keiner Weise gesichert \u2013 die Mauern der Kirche sind mit Schmierereien bedeckt. Der Zugang zum Gel\u00e4nde ist v\u00f6llig offen. Besonders bedr\u00fcckend ist der Anblick eines provisorischen Sitzkreises aus Grabplatten \u2013 das ist nicht nur ein Mangel an Respekt gegen\u00fcber den Verstorbenen, sondern auch ein tief symbolischer Akt der Entw\u00fcrdigung dieses Ortes.<\/p>\n<h2><strong>Mittelalterliche Wurzeln<\/strong><\/h2>\n<p>Die Geschichte dieses Ortes reicht bis ins 13. Jahrhundert zur\u00fcck. Urspr\u00fcnglich befand sich an der Stelle der heutigen Ruinen eine h\u00f6lzerne Kirche mit dem Patrozinium Corpus Christi und St. Johannes Evangelist. Sie geh\u00f6rte zum nahegelegenen Dorf Charlottenthal und lag au\u00dferhalb der Stadtmauern von Patschkau. Nach ihrem Abriss Ende des 16. Jahrhunderts wurde in den Jahren 1604\u20131606 ein neues Gotteshaus aus Stein im Renaissancestil errichtet. Es \u00fcberdauerte bis M\u00e4rz 1945, als es infolge von Kriegshandlungen zerst\u00f6rt wurde. Heute sind nur noch der Turm und Teile der Au\u00dfenmauern erhalten.<\/p>\n<div id=\"attachment_62964\" style=\"width: 708px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-62964\" class=\" wp-image-62964\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/IMG_5928_Easy-Resize.com_.jpg\" alt=\"\" width=\"698\" height=\"523\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/IMG_5928_Easy-Resize.com_.jpg 1280w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/IMG_5928_Easy-Resize.com_-300x225.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/IMG_5928_Easy-Resize.com_-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/IMG_5928_Easy-Resize.com_-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 698px) 100vw, 698px\" \/><p id=\"caption-attachment-62964\" class=\"wp-caption-text\">Hohes Gras, verstreute Fragmente deutscher Grabsteine, M\u00fcll, zerbrochenes Glas, Bierdosen \u2013 dieser Anblick empf\u00e4ngt heute jeden, der sich auf diesen historischen H\u00fcgel begibt.<br \/>Foto: Anna Durecka<\/p><\/div>\n<p>Im Jahr 1974 wurde nach jahrelangen Diskussionen beschlossen, die Kirche als dauerhafte Ruine zu belassen und sie unter Denkmalschutz zu stellen. An der Ostfassade sind noch Spuren des ehemaligen Dachstuhls sichtbar, und die Gliederung des Turms sowie architektonische Details erinnern an die fr\u00fchere Sch\u00f6nheit dieses Bauwerks.<\/p>\n<h2><strong>Friedhof \u2013 Geschichte und Vergessen<\/strong><\/h2>\n<p>Der die Kirche umgebende Friedhof war die Begr\u00e4bnisst\u00e4tte der Einwohner von Patschkau (mit Ausnahme der Stadtelite, die an der Pfarrkirche bestattet wurde). Die Nekropole wurde mehrfach erweitert \u2013 zuletzt im Jahr 1835 \u2013 und war mindestens bis 1874 in Betrieb, als der neue Friedhof in der Zawadzkiego-Stra\u00dfe er\u00f6ffnet wurde. Eine Tafel an der Mauer informiert jedoch dar\u00fcber, dass Bestattungen bis 1945 stattfanden. Bis heute sind nur wenige Grabfragmente und Reste von Gr\u00e4bern, die in die Friedhofsmauer integriert sind, erhalten geblieben.<\/p>\n<div id=\"attachment_62963\" style=\"width: 581px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-62963\" class=\" wp-image-62963\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/IMG_5922_Easy-Resize.com_.jpg\" alt=\"\" width=\"571\" height=\"761\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/IMG_5922_Easy-Resize.com_.jpg 960w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/IMG_5922_Easy-Resize.com_-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/IMG_5922_Easy-Resize.com_-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 571px) 100vw, 571px\" \/><p id=\"caption-attachment-62963\" class=\"wp-caption-text\">Das Projekt umfasst den Wiederaufbau der Kirche anhand historischer Quellen und verf\u00fcgbarer Dokumentation.<br \/>Foto: Anna Durecka<\/p><\/div>\n<p>Zum Friedhof f\u00fchrte einst das sogenannte \u201eTor der Toten\u201c \u2013 ein Durchgang in der Stadtmauer, der heute fast v\u00f6llig in Vergessenheit geraten ist.<\/p>\n<h2><strong>Ein Lichtblick<\/strong><\/h2>\n<p>Obwohl \u00fcber Jahre hinweg viel \u00fcber Pl\u00e4ne zur Revitalisierung dieses Ortes gesprochen wurde, fehlten konkrete Ma\u00dfnahmen. Nun jedoch gibt es Hoffnung. Wie Marcin Szaleniec vom Stadtamt Patschkau mitteilt, wurde ein Antrag auf EU-F\u00f6rdermittel im Rahmen der st\u00e4dtischen Revitalisierungsprogramme 2023\u20132027 gestellt. Dieser Antrag hat bereits die formale Pr\u00fcfung bestanden und befindet sich nun in der zweiten Phase \u2013 der inhaltlichen Bewertung.<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>\u201eDer alte Friedhof ist nicht nur ein Teil der deutschen Vergangenheit der Stadt \u2013 er ist auch ein Teil unserer gemeinsamen Geschichte, um den es sich zu k\u00fcmmern lohnt.\u201d<\/strong><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn auch diese Pr\u00fcfung erfolgreich verl\u00e4uft, kann das Marschallamt der Woiwodschaft Oppeln Mittel f\u00fcr die Umsetzung des Projekts bereitstellen, das die Entstehung eines sogenannten \u201eGedenkparks\u201c vorsieht. Das Projekt umfasst unter anderem die Anlegung von Wegen, die Ordnung des Gel\u00e4ndes, die Sicherung verbliebener Grabreste und \u2013 am wichtigsten \u2013 den Wiederaufbau der Kirche anhand historischer Quellen und verf\u00fcgbarer Dokumentation. Das Geb\u00e4ude soll keinen sakralen Charakter mehr haben, sondern soziale und p\u00e4dagogische Funktionen erf\u00fcllen. Das gesamte Konzept wurde von einem Breslauer Planungsb\u00fcro in Abstimmung mit dem Denkmalschutz erarbeitet.<\/p>\n<h2><strong>Wird es diesmal gelingen?<\/strong><\/h2>\n<p>Bereits 2015 wurde ein \u00e4hnliches Konzept entwickelt, das jedoch nicht umgesetzt wurde. Die aktuellen Vorhaben haben jedoch eine konkretere Grundlage und reale Chancen auf Verwirklichung. Hoffentlich nimmt die Geschichte diesmal einen anderen Verlauf.<\/p>\n<p>Patschkau, bekannt als das \u201epolnische Carcassonne\u201c, kann mit einzigartigen Stadtmauern und zahlreichen Baudenkm\u00e4lern aufwarten, die Touristen anziehen. Umso auff\u00e4lliger ist der Kontrast zu einem Ort, der statt von der Vergangenheit zu erz\u00e4hlen, zum Symbol des Vergessens wird. Der alte Friedhof ist nicht nur ein St\u00fcck deutsche Vergangenheit der Stadt \u2013 er ist auch Teil einer gemeinsamen Geschichte, um die es sich zu k\u00fcmmern lohnt.<\/p>\n<p>Wenn alles nach Plan verl\u00e4uft, kann dieser heute vernachl\u00e4ssigte Ort bald zu einem Raum des Gedenkens, der Besinnung und des Respekts werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der evangelische Friedhof in Patschkau wartet auf Erinnerung und Taten Nur wenige Gehminuten vom Zentrum Patschkaus entfernt befindet sich ein Ort, der in dramatischer Weise mit der sich versch\u00f6nernden Stadt kontrastiert. Der alte evangelische Friedhof mit den Ruinen der Kirche St. Johannis des Evangelisten verf\u00e4llt seit Jahren in Vergessenheit und Zerst\u00f6rung. 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