{"id":71556,"date":"2025-07-10T05:00:01","date_gmt":"2025-07-10T03:00:01","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/die-geschichte-wird-uns-nicht-vergeben-2\/"},"modified":"2025-07-10T05:00:01","modified_gmt":"2025-07-10T03:00:01","slug":"die-geschichte-wird-uns-nicht-vergeben-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/die-geschichte-wird-uns-nicht-vergeben-2\/","title":{"rendered":"\u201eDie Geschichte wird uns nicht vergeben\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mit Knut Abraham, dem Koordinator f\u00fcr die deutsch-polnische zivilgesellschaftliche und grenznahe Zusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland, sprach Andrea Polanski \u00fcber seine neuen Aufgaben, die Priorit\u00e4ten der Bundesregierung im Verh\u00e4ltnis zu Polen, aktuelle Herausforderungen in den bilateralen Beziehungen und die Rolle der deutschen Minderheit in Polen.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong>Herr Abraham, seit unserem letzten Gespr\u00e4ch im September 2024 hat sich einiges getan: Sie sind nun der neue Koordinator der Bundesregierung f\u00fcr die zivilgesellschaftliche und grenznahe Zusammenarbeit mit Polen. Wie blicken Sie auf diese neue Aufgabe \u2013 was sind Ihre zentralen Priorit\u00e4ten?<\/strong><\/p>\n<p>Es ist mir eine gro\u00dfe Ehre, das Amt des Koordinators \u00fcbernehmen zu d\u00fcrfen. Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass in diesen Zeiten, in denen es auf Deutschland und Polen ankommt, die Zivilgesellschaft und die grenz\u00fcberschreitende Zusammenarbeit einen wichtigen Beitrag zu unseren bilateralen Beziehungen leisten k\u00f6nnen. Bereits kurz nach meinem Amtsantritt konnte ich beim Deutsch-Polnischen Forum sprechen. So verstehe ich auch meine Aufgabe \u2013 als eine Art \u201epermanentes Deutsch-Polnisches Forum\u201c: im kontinuierlichen Austausch mit den Akteuren und als wichtiger F\u00fcrsprecher f\u00fcr ihre Anliegen im politischen Berlin.<br \/>\nWas die Priorit\u00e4ten angeht, so haben wir hier im Koalitionsvertrag, an dem ich mitgearbeitet habe, bereits erste Pfl\u00f6cke eingeschlagen: z\u00fcgiger Ausbau der Verkehrsinfrastruktur nach Polen, rasche Errichtung des Gedenkorts Polen und des Deutsch-Polnischen Hauses sowie die St\u00e4rkung wesentlicher bilateraler Institutionen wie z.\u202fB. der Stiftung f\u00fcr deutsch-polnische Zusammenarbeit und des Deutsch-Polnischen Jugendwerks. \u00dcbrigens haben wir uns auch zur Fortf\u00fchrung der F\u00f6rderung der deutschen Minderheit in Mittel- und Osteuropa verpflichtet. F\u00fcr all das werde ich mich als Koordinator nachhaltig einsetzen.<\/p>\n<div id=\"attachment_63482\" style=\"width: 435px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-63482\" class=\" wp-image-63482\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Knut-Abraham_Easy-Resize.com_-e1751977330721-1.jpg\" alt=\"\" width=\"425\" height=\"638\" \/><p id=\"caption-attachment-63482\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Andrea Polanski<\/p><\/div>\n<p><strong>Sie verfolgen die Entwicklungen zwischen Polen und Deutschland bereits seit der Zeit der \u201eSolidarno\u015b\u0107\u201c-Bewegung. Wie w\u00fcrden Sie den Zustand der bilateralen Beziehungen damals beschreiben \u2013 und was hat sich seitdem grundlegend ver\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n<p>Das geteilte Deutschland und das Polen der 80er Jahre waren andere L\u00e4nder als heute. Ich erinnere mich noch gut an unsere Bewunderung f\u00fcr die Solidarno\u015b\u0107-Bewegung. Ich habe damals selbst Hilfsg\u00fcter nach Polen gebracht und bin bis heute sehr dankbar daf\u00fcr, welche gro\u00dfe Rolle diese Bewegung beim Fall des Eisernen Vorhangs und als Inspiration f\u00fcr die B\u00fcrgerrechtsbewegung in der DDR gespielt hat. Heute sind wir nicht nur als Nachbarn wirtschaftlich, menschlich und kulturell aufs Engste miteinander verbunden, sondern auch Partner und Verb\u00fcndete in der EU und NATO. N\u00e4chstes Jahr werden wir bereits den 35. Jahrestag unseres Nachbarschaftsvertrags von 1991 begehen. Das ist eine Erfolgsgeschichte, die ich in den 80er Jahren auf dem Weg nach Polen nicht in meinen k\u00fchnsten Tr\u00e4umen f\u00fcr m\u00f6glich gehalten h\u00e4tte.<\/p>\n<p><strong>In beiden L\u00e4ndern war in den letzten Monaten einiges los. In Deutschland ist Friedrich Merz neuer Bundeskanzler, in Polen wurde ein Pr\u00e4sident gew\u00e4hlt, der \u2013 wie auch seine unterst\u00fctzende Partei \u2013 stark antideutsche T\u00f6ne anschl\u00e4gt. Welche Auswirkungen hat dieser Wandel auf die bilateralen Beziehungen?<\/strong><\/p>\n<p>Kanzler Merz hat bereits im Wahlkampf klargemacht, wie wichtig ihm die deutsch-polnischen Beziehungen sind. Nicht umsonst ging seine Antrittsreise direkt nach der Vereidigung nach Paris und Warschau, zu unseren wichtigsten europ\u00e4ischen Partnern. Wir werden auf unserer Seite alles tun, um weiterhin im engen Dialog mit der polnischen Regierung zu bleiben und mit ihr vertrauensvoll zusammenzuarbeiten.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Knut Abraham \u00fcber die deutsche Minderheit in Polen: \u201eEine Rolle, die nicht immer einfach, aber unverzichtbar ist.\u201c<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Deutschland und Polen sind innenpolitisch tief gespalten. Gibt es im deutsch-polnischen Dialog Themen, die \u00fcber diese Spaltungen hinwegtragen? Was sollte Ihrer Meinung nach unbedingt gepflegt und gesch\u00fctzt werden?<\/strong><\/p>\n<p>Deutschland und Polen sind zentrale Eckpfeiler der Europ\u00e4ischen Union. Diese zu sch\u00fctzen und fortzuentwickeln ist eine ganz gro\u00dfe gemeinsame Aufgabe. Zudem: die Unterst\u00fctzung der Ukraine und der Kampf gegen den russischen Imperialismus und f\u00fcr unsere eigene Sicherheit in Europa! Die Geschichte wird uns nicht vergeben, wenn wir uns hier von engen, innenpolitischen Erw\u00e4gungen dominieren lassen.<\/p>\n<p><strong>Was sind aus Sicht der Bundesregierung nun ganz konkrete Vorhaben, um im Verh\u00e4ltnis zu Polen den n\u00e4chsten Schritt zu gehen \u2013 jenseits der Symbolik?<\/strong><\/p>\n<p>Ich wei\u00df, dass wir quer \u00fcber alle Ministerien hinweg im engen Austausch mit unseren polnischen Partnern \u00fcber konkrete gemeinsame Projekte sind \u2013 davon zeugt auch der Aktionsplan, den unsere beiden Regierungen 2024 erarbeitet haben. Aus meiner Sicht ist jetzt eines der wichtigsten konkreten Vorhaben der oben bereits erw\u00e4hnte Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. Diese ist entscheidend f\u00fcr einen reibungslosen Personen-, Waren- und Dienstleistungsverkehr in unserem Verflechtungsraum, f\u00fcr die logistische Unterst\u00fctzung des Wiederaufbaus der Ukraine sowie f\u00fcr die Sicherstellung unserer Verteidigungsf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p><strong>Sie haben vorher das Denkmal f\u00fcr die polnischen Opfer des Zweiten Weltkriegs erw\u00e4hnt. Derzeit steht lediglich ein provisorischer Gedenkstein in Berlin. Kritiker \u2013 vor allem aus dem rechten politischen Lager in Polen \u2013 sprechen von einem \u201eblo\u00dfen Stein\u201c. Wie ist hier der Stand der Dinge? Gibt es bereits einen klaren Fahrplan f\u00fcr das eigentliche Denkmal und das geplante Deutsch-Polnische Haus? Wie lange bleibt der \u201eStein\u201c ein Provisorium?<\/strong><\/p>\n<p>Au\u00dfenminister Wadephul hat beim Deutsch-Polnischen Forum klar ausgesprochen, worum es geht: Die Vers\u00f6hnung ist ein \u201eGeschenk\u201c, das wir Deutsche nicht erwarten konnten. Wir haben uns deswegen im Koalitionsvertrag auch klar zum Gedenkort Polen und zum Deutsch-Polnischen Haus bekannt. Das sind f\u00fcr mich die wichtigsten erinnerungspolitischen Vorhaben in dieser Legislaturperiode! Der provisorische Gedenkort, der vor Kurzem im Beisein der polnischen Kulturministerin und des deutschen Kulturstaatsministers eingeweiht wurde, ist ein wichtiger Schritt. Der Standort im Herzen Berlins, neben dem Kanzleramt und direkt gegen\u00fcber dem Bundestag, am Platz der ehemaligen Krolloper, verdeutlicht die Bedeutung, die wir dem Gedenken an die polnischen Opfer des Nationalsozialismus und der deutschen Besatzung in Polen beimessen. Die Initiative, konkret der Realisierungsvorschlag f\u00fcr das Deutsch-Polnische Haus, liegt nun wieder in den H\u00e4nden des Bundestags. Ich bin hoffnungsvoll, dass wir zeitnah zu einer Entscheidung kommen werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_62836\" style=\"width: 529px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-62836\" class=\" wp-image-62836\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Gedenkort-in-Berlin-1.jpg\" alt=\"\" width=\"519\" height=\"692\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Gedenkort-in-Berlin-1.jpg 960w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Gedenkort-in-Berlin-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Gedenkort-in-Berlin-1-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 519px) 100vw, 519px\" \/><p id=\"caption-attachment-62836\" class=\"wp-caption-text\">Der Gedenkort f\u00fcr Polen 1939\u20131945 befindet sich direkt neben dem Kanzleramt und gegen\u00fcber dem Bundestag.<br \/>Foto: Andrea Polanski\/Archiv<\/p><\/div>\n<p><strong>In der polnischen \u00d6ffentlichkeit wird vielfach kritisiert, dass Deutschland zu wenig Reue zeige. Die von Bundeskanzler Olaf Scholz angek\u00fcndigte \u201ehumanit\u00e4re Geste\u201c gegen\u00fcber noch lebenden polnischen NS-Opfern steht bislang aus. Wie reagieren Sie auf den Vorwurf, der provisorische Gedenkstein sei ein Versuch, berechtigte polnische Forderungen nach Erinnerung und Wiedergutmachung abzuschw\u00e4chen?<\/strong><\/p>\n<p>Dazu hat Bundeskanzler Merz bereits bei seinem Antrittsbesuch in Warschau klare Worte gefunden: Wir Deutsche haben im Zweiten Weltkrieg und durch die Besatzungsherrschaft unermessliches Leid \u00fcber unsere polnischen Nachbarn gebracht. Die gro\u00dfe Verantwortung, die aus dieser Schuld erw\u00e4chst, bleibt bestehen; wir nehmen sie ernst und nehmen sie an.<\/p>\n<p><strong>Unabh\u00e4ngig von politischen Spannungen \u2013 wie wichtig ist Ihrer Meinung nach die allt\u00e4gliche grenz\u00fcberschreitende Zusammenarbeit und das Engagement der Menschen in den Regionen, etwa auch der deutschen Minderheit in Polen, f\u00fcr stabile deutsch-polnische Beziehungen?<\/strong><\/p>\n<p>Lassen Sie mich sagen, wie wohl ich mich f\u00fchle, wenn ich bei Gruppen der Minderheit zu Gast bin. Diesen sch\u00f6nen direkten pers\u00f6nlichen Kontakt habe ich seit September 1989, als ich in Oberschlesien in vielen Orten zu Gast bei den sich bildenden Deutschen Freundschaftskreisen war. Wertvolle Freundschaften sind entstanden. Das Wort \u201ewichtig\u201c allein wird der Bedeutung des Engagements der Minderheit nicht gerecht. Der deutsch-polnische Verflechtungsraum und die Menschen in den Regionen, die sich f\u00fcr unsere Beziehungen einsetzen, sind das R\u00fcckgrat unserer Beziehungen \u2013 ohne sie geht es nicht. Die deutsche Minderheit ist f\u00fcr mich eine unersetzbare Br\u00fcckenbauerin zwischen unseren beiden L\u00e4ndern. Eine Rolle, die nicht immer einfach, aber unverzichtbar ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sie sind viel im Land unterwegs, um mit zivilgesellschaftlichen Akteuren ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Gibt es auch \u00dcberlegungen oder bereits Pl\u00e4ne, die deutsche Minderheit in Polen zu besuchen und sich vor Ort ein Bild von ihrer Arbeit und den aktuellen Herausforderungen zu machen?<\/strong><\/p>\n<p>Bereits in meiner ersten Woche als Koordinator habe ich mich mit Vertretern der deutschen Minderheit getroffen, n\u00e4mlich mit Herrn Bartek, Herrn Gaida und Frau Hassa. Dieser Austausch ist mir sehr wichtig. Nicht umsonst bin ich auch Mitglied im Parlamentskreis \u201eMinderheiten\u201c. Und nat\u00fcrlich werde ich auch zeitnah bei Ihnen vor Ort sein. Darauf freue ich mich schon jetzt ganz besonders!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Knut Abraham, dem Koordinator f\u00fcr die deutsch-polnische zivilgesellschaftliche und grenznahe Zusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland, sprach Andrea Polanski \u00fcber seine neuen Aufgaben, die Priorit\u00e4ten der Bundesregierung im Verh\u00e4ltnis zu Polen, aktuelle Herausforderungen in den bilateralen Beziehungen und die Rolle der deutschen Minderheit in Polen.<\/p>\n","protected":false},"author":261,"featured_media":63482,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4232],"tags":[6748,2141,2142,2143,2144,2145],"redaktor":[],"class_list":["post-71556","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-politik-de","tag-bundesrepublik-deutschland-de","tag-deutsch-polnisches-forum-2025","tag-deutsch-polnisches-haus","tag-dom-polsko-niemieckiego","tag-forum-polsko-niemieckiego","tag-knut-abraham"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71556","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/261"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71556"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71556\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/63482"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71556"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71556"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71556"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=71556"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}