{"id":71482,"date":"2025-07-22T17:00:13","date_gmt":"2025-07-22T15:00:13","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/aus-der-mottenkiste-der-geschichte-2\/"},"modified":"2025-07-22T17:00:13","modified_gmt":"2025-07-22T15:00:13","slug":"aus-der-mottenkiste-der-geschichte-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/aus-der-mottenkiste-der-geschichte-2\/","title":{"rendered":"Aus der Mottenkiste der Geschichte"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Der Preis der neuen Ordnung<\/strong><\/h2>\n<p><strong>Ermutigt durch zahlreiche Stimmen habe ich beschlossen, eine Textreihe \u00fcber Ereignisse und Pers\u00f6nlichkeiten der polnischen und deutschen Geschichte zu schreiben. Mein Ziel ist es, verworrene Themen verst\u00e4ndlich darzustellen, vergessene M\u00e4ander zu erkunden und bewusst Mainstream-Ansichten zu vermeiden. Ich m\u00f6chte zum Nachdenken anregen und daran erinnern, dass \u201edie Geschichte die Lehrmeisterin des Lebens ist\u201c, wie Cicero bereits vor mir bemerkte.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Am 02.08.1945, vor 80 Jahren, wurde das Potsdamer Abkommen unterzeichnet, das die neue Weltordnung pr\u00e4gte. Frei nach Premierminister Winston S. Churchill k\u00f6nnte man sagen: Nie zuvor in der Weltgeschichte haben so wenige \u00fcber das Schicksal so vieler entschieden. In der letzten, entscheidenden Phase wurden die Entscheidungen von Pr\u00e4sident Harry Truman und von Josef Stalin getroffen. Europa hat hunderte von Kriegen erlebt und es wurden Dutzende von Friedensvertr\u00e4gen unterzeichnet, doch keiner davon hat die ethnische und politische Struktur, die zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert auf unserem Kontinent Gestalt annahm, so tiefgreifend ver\u00e4ndert. Die in Potsdam besiegelte Jalta-Weltordnung legte Einflusssph\u00e4ren zwischen dem Westen und den Sowjets fest und pr\u00e4gte damit die politische Struktur der mittel- und osteurop\u00e4ischen Staaten. Das Potsdamer Abkommen sanktionierte die bereits vollzogenen und anhaltenden brutalen Vertreibungen, Umsiedlungen und Deportationen der deutschen Bev\u00f6lkerung, besiegelte aber auch das Schicksal der Polen und Ukrainer \u00f6stlich der Curzon-Linie.<\/p>\n<div id=\"attachment_63936\" style=\"width: 565px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-63936\" class=\" wp-image-63936\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/L_to_R_British_Prime_Minister_Winston_Churchill_President_Harry_S._Truman_and_Soviet_leader_Josef_Stalin_in_the._-_NARA_-_198958.jpg\" alt=\"\" width=\"555\" height=\"452\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/L_to_R_British_Prime_Minister_Winston_Churchill_President_Harry_S._Truman_and_Soviet_leader_Josef_Stalin_in_the._-_NARA_-_198958.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/L_to_R_British_Prime_Minister_Winston_Churchill_President_Harry_S._Truman_and_Soviet_leader_Josef_Stalin_in_the._-_NARA_-_198958-300x244.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/L_to_R_British_Prime_Minister_Winston_Churchill_President_Harry_S._Truman_and_Soviet_leader_Josef_Stalin_in_the._-_NARA_-_198958-768x626.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 555px) 100vw, 555px\" \/><p id=\"caption-attachment-63936\" class=\"wp-caption-text\">Am 02.08.1945, vor 80 Jahren, wurde das Potsdamer Abkommen unterzeichnet, das die neue Weltordnung pr\u00e4gte. Von links: Winston Churchill, Harry Truman und Josef Stalin.<br \/>Foto: Wikipedia<\/p><\/div>\n<p>Stalin selbst entschied bereits 1943 \u00fcber die polnische Ostgrenze, entgegen der Position der polnischen Regierung in London, aber mit Unterst\u00fctzung der britischen Regierung. Die politischen Hintergr\u00fcnde und die Frage der polnischen Grenzen waren so umstritten, dass einige B\u00fccher polnischer Autoren erst viele Jahre sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlicht werden konnten, wie beispielsweise Jan Ciechanowskis \u201ePrzegrani zwyci\u0119zcy\u201c.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Die politischen Hintergr\u00fcnde und die Frage der polnischen Grenzen waren so umstritten, dass einige B\u00fccher polnischer Autoren erst viele Jahre sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlicht werden konnten, wie beispielsweise Jan Ciechanowskis \u201ePrzegrani zwyci\u0119zcy\u201c.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Schloss Cecilienhof bei Potsdam drehten sich die Diskussionen auch um den m\u00f6glichen Verlauf der polnischen Westgrenze entlang der Oder-Nei\u00dfe-Linie. Wie immer steckte dabei der Teufel im Detail. Die Regierung Ihrer Majest\u00e4t und der US-Pr\u00e4sident bestanden auf einer Grenze an Oder und Glatzer Nei\u00dfe, Stalin hingegen auf einer Grenze an Oder und Lausitzer Nei\u00dfe. Premierminister Churchill erinnert sich an diesen Moment der Gespr\u00e4che mit Bierut und der polnischen Delegation am 25.07.1945 wie folgt: \u201eIn meiner Antwort betonte ich, dass wir einer zukunftstr\u00e4chtigen Entwicklung Polens nicht im Wege stehen wollten, die Grenzfrage jedoch mit Reparationen und der Versorgung der Bev\u00f6lkerung Deutschlands verkn\u00fcpft sei. Massen von Fl\u00fcchtlingen kamen in unsere Zonen, w\u00e4hrend die Polen reiche Territorien erhielten, die normalerweise den Rest Deutschlands ern\u00e4hrten.\u201c<\/p>\n<p>Auch die Frage der Kriegsentsch\u00e4digungen war ein wichtiger Punkt. Die UdSSR verpflichtete sich, Polens Entsch\u00e4digungsanspr\u00fcche aus ihrem eigenen Anteil an den Reparationen zu begleichen. Letztlich wurde die Entscheidung \u00fcber Polens Westgrenze zeitlich verschoben: \u201eDie drei Regierungschefs bekr\u00e4ftigen ihre Forderung, die endg\u00fcltige Festlegung der polnischen Westgrenze bis zum Friedensschluss abzuwarten.\u201c Bekanntlich kam es nie zu einem Friedensvertrag mit Deutschland. Die Grenzfrage wurde schlie\u00dflich am 14. November 1990 geregelt, nachdem die Au\u00dfenminister Genscher und Skubiszewski einen Grenzvertrag unterzeichnet hatten. Mit der Einf\u00fchrung der Reisefreiheit im April 1991 wurde die Oder-Nei\u00dfe-Linie zu einer europ\u00e4ischen Grenze. Damals entstanden auf deutscher Seite rechtsextreme Gruppen, die die Grenze gegen polnische Reisende verteidigen wollten. Heute gibt es auf der anderen Seite der Grenze \u00e4hnliche Gruppen, die die Einreise nach Polen verteidigen, aber das ist eine andere Geschichte.<\/p>\n<p>In der n\u00e4chsten Folge wird es darum gehen, warum die Bayern in Schlesien Seite an Seite mit den Franzosen gegen Preu\u00dfen k\u00e4mpften.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Waldemar Gielzok<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Preis der neuen Ordnung Ermutigt durch zahlreiche Stimmen habe ich beschlossen, eine Textreihe \u00fcber Ereignisse und Pers\u00f6nlichkeiten der polnischen und deutschen Geschichte zu schreiben. Mein Ziel ist es, verworrene Themen verst\u00e4ndlich darzustellen, vergessene M\u00e4ander zu erkunden und bewusst Mainstream-Ansichten zu vermeiden. 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