{"id":71462,"date":"2025-07-25T14:33:59","date_gmt":"2025-07-25T12:33:59","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/die-allgemeine-theorie-der-apostelbombe-oder-wie-war-das-eigentlich-mit-dem-lebkuchen-2\/"},"modified":"2025-07-25T14:33:59","modified_gmt":"2025-07-25T12:33:59","slug":"die-allgemeine-theorie-der-apostelbombe-oder-wie-war-das-eigentlich-mit-dem-lebkuchen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/die-allgemeine-theorie-der-apostelbombe-oder-wie-war-das-eigentlich-mit-dem-lebkuchen-2\/","title":{"rendered":"Die Allgemeine Theorie der Apostelbombe oder: Wie war das eigentlich mit dem Lebkuchen?"},"content":{"rendered":"<h1>Ein Dorf mit Geschichte<\/h1>\n<p><strong>Sch\u00f6mberg im Riesengebirge \u2013 heute Che\u0142msko \u015al\u0105skie \u2013 war einst eine bedeutende Grenzstadt. In den 1950er Jahren wurde ihr jedoch der Stadttitel aberkannt. \u00dcbrig geblieben ist ein wundersch\u00f6nes Wappen. Dank des g\u00fcnstigen Klimas wurde der Ort fr\u00fch von Zisterziensern besiedelt \u2013 Experten f\u00fcr Landwirtschaft und wirtschaftliche Entwicklung. Sie belebten diese idyllische Ecke Niederschlesiens, wo bald der Leinenhandel florierte. Um 1900 bl\u00fchte die Region auf: Fabriken entstanden, Hotels empfingen G\u00e4ste, Caf\u00e9s luden zum Verweilen ein.<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-64073\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/AAD_0679-scaled-1.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/AAD_0679-scaled-1.jpg 2560w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/AAD_0679-scaled-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/AAD_0679-scaled-1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/AAD_0679-scaled-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/AAD_0679-scaled-1-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/AAD_0679-scaled-1-2048x1366.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/p>\n<h2>Die Familie Schubert und die s\u00fc\u00dfe Legende<\/h2>\n<p>Besonders hervorzuheben ist das Hotel \u201eZum goldenen L\u00f6wen\u201c, das 1927 vom Breslauer Konditor Fritz Schubert \u00fcbernommen wurde \u2013 dem Sch\u00f6pfer der \u201eSch\u00f6mberger Bombe\u201c. Das elegante Caf\u00e9 im Hotel servierte seine Kreation: einen kunstvoll geschichteten Lebkuchen mit Gew\u00fcrzen, N\u00fcssen, Schokolade, Sahne und Frucht.<\/p>\n<p>Fritz\u2019 Sohn Franz Schubert entwickelte die Rezeptur weiter. Das Dessert hie\u00df nun \u201eZw\u00f6lf-Apostel-Bombe\u201c: Es bestand aus einem dunklen Lebkuchenboden, Pflaumenmus, einem nussigen Biskuit, einer luftigen Sahneschicht und einem Dach aus Lebkuchenteilen in Form der ber\u00fchmten Giebel der alten Leinenweberh\u00e4user aus dem 18. Jahrhundert \u2013 der sogenannten Zw\u00f6lf Apostel. Gekr\u00f6nt wurde alles von einer Mousse au Chocolat.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"color: #ff9900;\">Die Erinnerung an den Geschmack ist best\u00e4ndiger als manche Landkarte \u2013 sie f\u00fchrt uns an Orte, die es nicht mehr gibt, die aber im Herzen weiterleben.<\/span><\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>M\u00f6glicherweise war im Originalrezept auch Marzipan enthalten \u2013 eine Spezialit\u00e4t von Franz Schubert, der 1952 in Hannover-Ahlem die Pralinen- und Marzipanfabrik Franz Schubert GmbH &amp; Co. KG gr\u00fcndete. Dort wurde die \u201eZw\u00f6lf-Apostel-Bombe\u201c zu einem europaweit vertriebenen Aush\u00e4ngeschild. 1981 \u00fcbernahm der ber\u00fchmte K\u00f6lner \u201eSchokoladenk\u00f6nig\u201c Hans Imhoff die Firma.<\/p>\n<div id=\"attachment_64072\" style=\"width: 833px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-64072\" class=\"size-full wp-image-64072\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/DBC-75-Jaehriges-Geschaeftsjubilaeum-der-Schlesische-Textilwerke-Methner-Frahne-1927-12Apostel.png\" alt=\"\" width=\"823\" height=\"596\" \/><p id=\"caption-attachment-64072\" class=\"wp-caption-text\">Die Weberh\u00e4user im Jahr 1927. Foto: SDB<\/p><\/div>\n<h2>Poesie f\u00fcr Sch\u00f6mberg<\/h2>\n<p><strong>Der evangelische Pastor und ehemalige B\u00fcrgermeister Georg Schramm schrieb \u00fcber seine Heimat:<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eWie liegst du still und friedlich da,<\/em><br \/>\n<em>du Oase der Geborgenheit \u2013<\/em><br \/>\n<em>Sch\u00f6mberg im Sonnenlicht.<\/em><br \/>\n<em>Hier, in deinen gr\u00fcnen Winkeln<\/em><br \/>\n<em>schl\u00e4ft jede Sehnsucht ein;<\/em><br \/>\n<em>hier m\u00f6chte ich Wurzeln schlagen<\/em><br \/>\n<em>und mich daheim f\u00fchlen.\u201c<\/em><br \/>\n<em>(aus: \u201eDie Riesengebirgskreise\u201c, 1928)<\/em><\/p>\n<h3><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-64069\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_20250719_124140-scaled-1.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1763\" \/><br \/>\nRezept: Zw\u00f6lf-Apostel-Bombe<\/h3>\n<p><strong>Dunkler Lebkuchenboden<\/strong><\/p>\n<p>4 Eier<br \/>\n4 EL Zucker<br \/>\n3 EL Weizenmehl<br \/>\n2 EL gemahlene Mandeln<br \/>\n1 EL Kakaopulver<br \/>\n1 EL Lebkuchengew\u00fcrz<br \/>\n\u00bd TL Backpulver<br \/>\n1 TL abgeriebene Orangenschale<br \/>\n4 EL Wasser<\/p>\n<p><strong>Heller Lebkuchenboden<\/strong><\/p>\n<p>2 Eier<br \/>\n2 EL Weizenmehl<br \/>\n2 EL gemahlene Haseln\u00fcsse<br \/>\n1 EL Lebkuchengew\u00fcrz<br \/>\n1 TL Zitronenschale (abgerieben)<br \/>\n2 EL Wasser (Zimmertemperatur)<br \/>\n\u00bc TL Backpulver<br \/>\nHausgemachtes Lebkuchengew\u00fcrz<\/p>\n<p>Je \u00bc TL: Zimt, Nelken, Kardamom, Anis, Piment, Muskatnuss und wei\u00dfer Pfeffer \u2013 frisch gem\u00f6rsert oder fein gemahlen.<\/p>\n<p><strong>Sahnef\u00fcllung<\/strong><\/p>\n<p>500 ml kalte Schlagsahne (36%)<br \/>\n3 EL Puderzucker<br \/>\n2 TL Gelatine<br \/>\nca. 70 ml hei\u00dfes Wasser<br \/>\nSchokoladenmousse<\/p>\n<p>150 g Zartbitterschokolade<br \/>\n30 g Kakaopulver<br \/>\n75 ml Sahne<br \/>\n30 g Butter<br \/>\nZus\u00e4tzlich<\/p>\n<h4>200 g Pflaumenmus (am besten dick und w\u00fcrzig)<\/h4>\n<p>Zubereitung<\/p>\n<p><strong>1. B\u00f6den backen<\/strong><\/p>\n<p>Eier trennen. Eiwei\u00df mit Zucker steif schlagen. Eigelbe mit Wasser unterheben. Mehl mit Gew\u00fcrzen, Backpulver, Mandeln bzw. N\u00fcssen und Schalen vermengen und vorsichtig unterheben. Auf ein mit Backpapier belegtes Backblech streichen.<br \/>\nCa. 40 Minuten bei 170 \u00b0C backen, ausk\u00fchlen lassen.<br \/>\nDen dunklen Teig in zwei Schichten teilen \u2013 eine davon sollte sehr d\u00fcnn sein. Hellen Boden ebenso backen und gut ausk\u00fchlen lassen (am besten am Vortag).<\/p>\n<p><strong>2. Sahnef\u00fcllung<\/strong><\/p>\n<p>Gelatine im hei\u00dfen Wasser aufl\u00f6sen, abk\u00fchlen lassen. Sahne mit Puderzucker steif schlagen, dann langsam die Gelatine einflie\u00dfen lassen und weiterschlagen, bis eine stabile Creme entsteht.<\/p>\n<p><strong>3. Schokoladenmousse<\/strong><\/p>\n<p>Sahne erw\u00e4rmen (nicht kochen), Schokolade einr\u00fchren, schmelzen lassen. Kakao und Butter unterr\u00fchren, zu einer glatten Masse verarbeiten. Auf Zimmertemperatur abk\u00fchlen lassen.<\/p>\n<p><strong>4. Zusammensetzen<\/strong><\/p>\n<p>Dunklen Boden auf eine Platte legen, mit Pflaumenmus bestreichen.<br \/>\nEtwas Sahnecreme darauf verteilen.<br \/>\nHellen Biskuit auflegen, restliche Sahnekuppel darauf verteilen und in vier \u201eD\u00e4cher\u201c modellieren.<br \/>\nDie d\u00fcnne dunkle Lebkuchenschicht in vier Dreiecke schneiden und auflegen.<br \/>\nMit dem Schokoladenmousse \u00fcberziehen.<br \/>\nMehrere Stunden kalt stellen (am besten \u00fcber Nacht).<\/p>\n<div id=\"attachment_64067\" style=\"width: 277px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-64067\" class=\"size-full wp-image-64067\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/SBC-Wir-Schlesier-1926_1927-Nr.-16-1.png\" alt=\"\" width=\"267\" height=\"391\" \/><p id=\"caption-attachment-64067\" class=\"wp-caption-text\">Hier konnte man manch auch die Sch\u00f6mberger Bombe genie\u00dfen. Quelle: SDB<\/p><\/div>\n<p><strong>Tipp der Autorin<\/strong><\/p>\n<p>Die Sahnef\u00fcllung kann auch durch Naturjoghurt oder Frischk\u00e4se ersetzt werden \u2013 das macht die Torte zwar nicht \u201eleicht\u201c, aber ein bisschen bek\u00f6mmlicher!<\/p>\n<p><strong>Ein s\u00fc\u00dfes Ziel in Niederschlesien<\/strong><\/p>\n<p>Ein Besuch im s\u00fcdlichen Niederschlesien lohnt sich. In Che\u0142msko \u015al\u0105skie kann man durch das alte Weberviertel spazieren, die restaurierten Holzh\u00e4user bewundern \u2013 und in der \u201eLniana Chata\u201c bei Adam Antas einen Kaffee genie\u00dfen \u2013 zusammen mit dem legend\u00e4ren Dessert: der Zw\u00f6lf-Apostel-Bombe. 2021 wurde sie zum Regionalprodukt des Jahres gek\u00fcrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201e<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Dorf mit Geschichte Sch\u00f6mberg im Riesengebirge \u2013 heute Che\u0142msko \u015al\u0105skie \u2013 war einst eine bedeutende Grenzstadt. In den 1950er Jahren wurde ihr jedoch der Stadttitel aberkannt. \u00dcbrig geblieben ist ein wundersch\u00f6nes Wappen. Dank des g\u00fcnstigen Klimas wurde der Ort fr\u00fch von Zisterziensern besiedelt \u2013 Experten f\u00fcr Landwirtschaft und wirtschaftliche Entwicklung. 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