{"id":71457,"date":"2025-07-26T05:00:36","date_gmt":"2025-07-26T03:00:36","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/doppelte-wurzeln-doppelte-starke-kulturvermittlung-im-dialog\/"},"modified":"2025-07-26T05:00:36","modified_gmt":"2025-07-26T03:00:36","slug":"doppelte-wurzeln-doppelte-starke-kulturvermittlung-im-dialog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/doppelte-wurzeln-doppelte-starke-kulturvermittlung-im-dialog\/","title":{"rendered":"Doppelte Wurzeln, doppelte St\u00e4rke: Kulturvermittlung im Dialog"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Entsendeprogramm des Instituts f\u00fcr Auslandsbeziehungen (ifa) unterst\u00fctzt Organisationen der deutschen Minderheiten in Osteuropa und Zentralasien durch den Einsatz von Kulturmanager:innen sowie Redakteur:innen. Mit ihrem Fachwissen helfen sie nicht nur bei Projekten, sondern auch dabei, ein modernes Deutschland- und Europabild zu vermitteln und die kulturelle Vermittlerrolle der Organisationen zu st\u00e4rken. Wir sprechen mit den Entsandten \u00fcber ihre Aufgaben, Ziele und Beweggr\u00fcnde f\u00fcr diese interkulturelle T\u00e4tigkeit. Mit Barbara Stoklossa-Braems, Regionalkoordinatorin f\u00fcr Polen, Tschechien und die Slowakei, sprach Victoria Matuschek.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><!--more--><strong>Du bist mittlerweile im vierten Jahr als Regionalkoordinatorin beim ifa t\u00e4tig. Wie bist du damals auf die Stelle aufmerksam geworden \u2013 und was hat dich motiviert, dich in dieser Funktion zu engagieren?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ifa kenne ich bereits seit 2012. Bis ich mich jedoch konkret beworben habe, habe ich in verschiedenen Kulturinstituten weltweit, zum Beispiel beim Goethe-Institut in Indonesien, gearbeitet. Letztlich war es eine gl\u00fcckliche F\u00fcgung: Einerseits hatte ich bereits die n\u00f6tige Berufserfahrung, andererseits sprach mich die Kombination aus einem renommierten, international t\u00e4tigen Arbeitgeber und der konkreten Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr eine bestimmte Region an. Besonders reizvoll war f\u00fcr mich die Station in Polen \u2013 auch aus einem pers\u00f6nlichen Wunsch heraus, wieder in dieses Land zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<div id=\"attachment_63910\" style=\"width: 1930px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-63910\" class=\"size-full wp-image-63910\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/ifa-Interview-Barbara-01_11zon-scaled-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1920\" height=\"2560\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/ifa-Interview-Barbara-01_11zon-scaled-1.jpg 1920w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/ifa-Interview-Barbara-01_11zon-scaled-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/ifa-Interview-Barbara-01_11zon-scaled-1-768x1024.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/ifa-Interview-Barbara-01_11zon-scaled-1-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/ifa-Interview-Barbara-01_11zon-scaled-1-1536x2048.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><p id=\"caption-attachment-63910\" class=\"wp-caption-text\">Barbara Stoklossa-Braems vor ihrem Mural-Projekt \u2013 ein Sinnbild f\u00fcr Offenheit und die gelebte Freundschaft zwischen Deutschland und Polen.<br \/>Foto: Frank Gaudlitz<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Du warst beruflich in vielen L\u00e4ndern unterwegs. Wie sieht deine aktuelle T\u00e4tigkeit konkret aus \u2013 oder besser gesagt: Welche Aufgaben pr\u00e4gen deine Arbeit als Regionalkoordinatorin am meisten?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen klassischen Arbeitsalltag gibt es tats\u00e4chlich nicht \u2013 jeder Tag bringt neue Themen. Dennoch folgt das Jahr einem gewissen Rhythmus, was bestimmte Aufgaben zeitlich st\u00e4rker in den Fokus r\u00fcckt. F\u00fcr mich lassen sich meine T\u00e4tigkeiten in drei gro\u00dfe Aufgabenbereiche unterteilen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum einen begleite ich direkt die Kulturmanager:innen und Redakteur:innen in meiner Region. Ich unterst\u00fctze sie bei inhaltlichen Fragen zu ihren Projekten und bin ihre erste Ansprechperson f\u00fcr alle Anliegen rund um das Entsendeprogramm \u2013 und dar\u00fcber hinaus. Aktuell begleite ich neun Entsandte in Polen, Tschechien und der Slowakei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum anderen stehe ich im engen Austausch mit den Kolleg:innen in Stuttgart \u2013 sowohl mit der Programmkoordination als auch mit Bereichen wie Social Media und der Administration. Hinzu kommt die Zusammenarbeit mit der Kollegin aus den Stipendienprogrammen, da auch Stipendiat:innen hier vor Ort sind. Ich fungiere also als Bindeglied und \u00fcbermittle Informationen in beide Richtungen \u2013 sei es zu laufenden Projekten, zur politischen Lage oder zur Situation der deutschen Minderheit in den Regionen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Netzwerken \u2013 sowohl mit den lokalen Gastinstitutionen und Partnern als auch l\u00e4nder\u00fcbergreifend innerhalb der Region. Besonders gerne organisiere ich die Regionaltreffen, bei denen die Entsandten aus Polen, Tschechien und der Slowakei, die Vertreter:innen der Gastinstitutionen sowie die Kolleg:innen aus Stuttgart zusammenkommen, um die Ausrichtung f\u00fcr das kommende Entsendejahr zu planen. Diese Treffen rotieren j\u00e4hrlich und sind f\u00fcr mich eine sch\u00f6ne Gelegenheit, alle Entsandten der Region zusammenzubringen. W\u00e4hrend meiner T\u00e4tigkeit haben wir in Oppeln gestartet, waren danach in Bratislava, Prag und zuletzt in Allenstein. Ein wichtiges Element der Regionaltreffen ist der Austausch mit den lokalen Partnern aus der Zivilgesellschaft sowie der Politik. Seit zwei Jahren sind auch die Entsandte und ihre Institution aus Kasachstan dabei \u2013 was ich pers\u00f6nlich als gro\u00dfe Bereicherung empfinde. Da wir seit dem Beginn des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine die Entsendungen aus Russland und Belarus aussetzen mussten, ist die Entsandte aus Zentralasien bzw. Kasachstan mit der Vertreterin der Gastinstitution bei den Regionaltreffen der Entsendel\u00e4nder Mittelosteuropa dabei. Da es in meiner Region einige Redaktionsstellen gibt, versuchen wir bei der Programmgestaltung auch f\u00fcr diese spezifisch inhaltliche Schwerpunkte zu setzen. Diese Regionaltreffen sind immer wieder ein Impulsgeber f\u00fcr neue Kooperationen \u2013 mit bestehenden Partnern, aber auch mit Organisationen, die \u00e4hnliche Themen bearbeiten. Das ist f\u00fcr mich eine der sch\u00f6nsten Seiten der Arbeit: \u00fcberregionale, internationale Vernetzung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dar\u00fcber hinaus vertrete ich das ifa und das Programm auch gegen\u00fcber den Auslandsvertretungen \u2013 insbesondere bei den j\u00e4hrlich im Herbst stattfindenden Planungsgespr\u00e4chen in den Botschaften. Dabei geht es um die strategische Ausrichtung f\u00fcr das kommende Jahr \u2013 im Austausch mit dem Ausw\u00e4rtigen Amt sowie mit anderen Kulturmittler:innen und Akteur:innen der deutschen Minderheitenarbeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn neben diesen vielf\u00e4ltigen Aufgaben Zeit bleibt, versuche ich, eigene Projekte zu realisieren oder mich an bestehenden zu beteiligen. Ein Beispiel ist das Mural-Projekt hier vor Ort oder auch das Mentoring-Programm f\u00fcr gefl\u00fcchtete Frauen aus der Ukraine, das wir im Sommer 2022 relativ kurzfristig initiiert haben und bei dem ich auch als Mentorin mitgewirkt habe. Das Mentoringprogramm unterst\u00fctzte gefl\u00fcchtete Frauen aus der Ukraine dabei, sich in einem neuen Land zurechtzufinden. Das Programm brachte sie vor Ort im Rahmen eines Mentorings mit Vertreter:innen der deutschen Minderheiten in ihren Zufluchtsl\u00e4ndern zusammen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Du hast schon einen umfassenden Einblick gegeben, wie du die Kulturmanager:innen und Redakteur:innen in deiner Region begleitest. Besonders spannend fand ich den Aspekt der l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit. Was sind aus deiner Sicht die gr\u00f6\u00dften Herausforderungen, die den Entsandten begegnen \u2013 auch mit Blick auf die unterschiedlichen L\u00e4nder? Gibt es gemeinsame Themen, die \u00fcberall auftauchen, oder unterscheidet sich das stark je nach Einsatzort?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine zentrale Herausforderung, die f\u00fcr alle Entsandten gilt \u2013 unabh\u00e4ngig vom Land \u2013, ist das Spannungsfeld zwischen zwei institutionellen Bezugspunkten: dem ifa als Arbeitgeber in Deutschland und der jeweiligen Gastinstitution im Einsatzland. Diese doppelte Anbindung bringt unterschiedliche Erwartungen und Zielsetzungen mit sich \u2013 einerseits jene des ifa, das einem klaren F\u00f6rderauftrag folgt, und andererseits die der Partnerinstitutionen vor Ort, die sich wiederum an andere Rahmenbedingungen und F\u00f6rdergeber richten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Aufgabe besteht darin, sie dabei zu unterst\u00fctzen und auch gegen\u00fcber den Gastinstitutionen regelm\u00e4\u00dfig zu verdeutlichen, dass die Entsendung einen Mehrwert bringen soll \u2013 durch neue Impulse, Perspektiven und Methoden.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>\u201eOffenheit und Mut sind der Schl\u00fcssel zum nachhaltigen Wandel.\u201c<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich unterscheiden sich die lokalen Kontexte stark: Die Gastinstitutionen variieren in Gr\u00f6\u00dfe, Struktur und thematischer Ausrichtung. W\u00e4hrend manche Entsandte in Gro\u00dfst\u00e4dten wie Bratislava oder Prag t\u00e4tig sind und von einem dichten Netzwerk profitieren, arbeiten andere in eher peripheren Regionen, wo sie Netzwerke und Strukturen erst aufbauen m\u00fcssen. Diese unterschiedlichen Realit\u00e4ten mit zu bedenken und individuell darauf einzugehen \u2013 das ist eine der Kernaufgaben in meiner Rolle als Regionalkoordinatorin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Du hast bereits angesprochen, dass jede Situation individuell ist \u2013 sei es die Koordination oder die pers\u00f6nliche Begleitung der Entsandten. Was hilft dir dabei, diesen Spagat zu meistern, der auch interkulturelle Sensibilit\u00e4t erfordert?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein gro\u00dfer Vorteil ist sicher, dass ich aus der Region komme \u2013 aus der Oppelner Gegend und der deutschen Minderheit. Das schafft nicht nur pers\u00f6nliche Motivation, sondern auch ein tiefes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Strukturen hier vor Ort \u2013 gerade in kleineren Ortschaften. Ich komme aus einem Dorf in der Gegend, in dem ich heute wieder lebe. Bei uns lag sonntags immer das Wochenblatt.pl auf dem Tisch. Ich wei\u00df, wie der DFK funktioniert, kenne die allt\u00e4glichen Realit\u00e4ten und auch die Perspektiven der Menschen, die gr\u00f6\u00dftenteils ehrenamtlich arbeiten und viel Wertsch\u00e4tzung verdienen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Hintergrund hilft mir, zwischen den Erwartungen von au\u00dfen \u2013 etwa vom ifa oder dem Ausw\u00e4rtigen Amt \u2013 und der gelebten Realit\u00e4t in der Region zu vermitteln. Es ist eine Balance zwischen strategischer Koordination und praktischer Alltagserfahrung. Genau in diesem Spannungsfeld arbeite ich gerne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und nicht zuletzt gelingt dieser Spagat auch dank des gro\u00dfartigen Teams: Die Zusammenarbeit mit den Entsandten \u2013 und der kollegiale Austausch untereinander \u2013 ist sehr unterst\u00fctzend, und auch die Kolleg:innen in Stuttgart geben R\u00fcckhalt. Das schafft eine Atmosph\u00e4re, in der man gut arbeiten kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Man sp\u00fcrt, dass dir die Arbeit mit Menschen sehr liegt \u2013 du bist offen, pr\u00e4sent, empathisch \u2013 und das zeigt sich auch darin, wie du deine Rolle ausf\u00fcllst. Du hast einen pers\u00f6nlichen Bezug zur Region und sprichst sowohl flie\u00dfend Deutsch als auch Polnisch. Wie pr\u00e4gt dich diese doppelte Zugeh\u00f6rigkeit in deiner Arbeit \u2013 sei es mit den Entsandten oder im Umgang mit der Mehrheitsgesellschaft und der deutschen Minderheit?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich denke, es ist ein gro\u00dfer Vorteil, beides zu kennen \u2013 die politischen Rahmenbedingungen ebenso wie die konkrete Realit\u00e4t der Minderheit. Dadurch, dass ich selbst aus der deutschen Minderheit komme, ist der Zugang oft einfacher. Als ich mich vorgestellt habe, hie\u00df es: \u201eAh, eine von uns.\u201c Das schafft Vertrauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich kenne die Kultur und Geschichte der deutschen Minderheit nicht nur theoretisch, sondern aus eigener Erfahrung. Das erm\u00f6glicht es mir, sie den Entsandten authentisch zu vermitteln.<\/p>\n<div id=\"attachment_63911\" style=\"width: 1794px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-63911\" class=\"size-full wp-image-63911\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/ifa-Interview-Barbara-02_11zon-scaled-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1784\" height=\"2560\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/ifa-Interview-Barbara-02_11zon-scaled-1.jpg 1784w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/ifa-Interview-Barbara-02_11zon-scaled-1-209x300.jpg 209w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/ifa-Interview-Barbara-02_11zon-scaled-1-714x1024.jpg 714w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/ifa-Interview-Barbara-02_11zon-scaled-1-768x1102.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/ifa-Interview-Barbara-02_11zon-scaled-1-1070x1536.jpg 1070w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/ifa-Interview-Barbara-02_11zon-scaled-1-1427x2048.jpg 1427w\" sizes=\"auto, (max-width: 1784px) 100vw, 1784px\" \/><p id=\"caption-attachment-63911\" class=\"wp-caption-text\">Das Team der ifa-Entsandten f\u00fcr Mittelosteuropa und Kasachstan, gemeinsam mit den Kolleginnen aus Stuttgart: Karoline Gil (rechts vorne) und Margarete Walo (links vorne).<br \/>Foto: Dawid Szczygielski<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Gerade dieser Perspektivwechsel ist wertvoll. Siehst du in deiner Rolle kulturelle Missverst\u00e4ndnisse oder blinde Flecken \u2013 etwa in der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die bilateralen Beziehungen werden stark von der jeweiligen politischen Lage beeinflusst. Je nachdem, welche Regierungen in Polen und in Deutschland gerade im Amt sind, wird die Tonlage lauter oder leiser. Nat\u00fcrlich beeinflusst das auch die zivilgesellschaftliche Ebene.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei hat man \u00fcber viele Jahre hinweg gro\u00dfe Fortschritte gemacht \u2013 sowohl in der historischen Aufarbeitung als auch im Aufbau einer freundschaftlichen Beziehung. Umso trauriger ist es, wenn politische Entwicklungen diesen Dialog wieder erschweren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein konkretes Beispiel aus unserer Arbeit ist der Wandel in der F\u00f6rderpraxis. Fr\u00fcher war es eher ein Top-down-Ansatz \u2013 \u201aWir bringen das Geld, ihr setzt um.\u2018 Heute gibt es Planungsgespr\u00e4che, Zielvereinbarungen und echte Dialogformate. Das ist ein wichtiger Schritt weg von einem kolonialen Verst\u00e4ndnis hin zu echter Zusammenarbeit auf Augenh\u00f6he.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Was macht das ifa-Entsendeprogramm f\u00fcr dich besonders, gerade in diesen Zeiten?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es sind die Menschen, die das Programm besonders machen \u2013 die Entsandten, die sich entscheiden, in L\u00e4nder wie Polen, Tschechien oder die Slowakei zu gehen. Sie bringen oft internationale Erfahrungen mit und einen offenen Blick. Diese Auslandserfahrung ist nicht nur f\u00fcr sie pers\u00f6nlich bereichernd, sondern auch f\u00fcr die Gesellschaft vor Ort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entsandte fungieren als Br\u00fcckenbauer:innen \u2013 sie repr\u00e4sentieren Deutschland hier, und wenn sie zur\u00fcckkehren, nehmen sie neue Perspektiven mit. Sie regen Begegnung an, erm\u00f6glichen anderen Zug\u00e4nge \u2013 oft kommen Besucher:innen, die vorher nie an Polen gedacht h\u00e4tten. Eine Freundin war nun schon dreimal hier und ist jedes Mal begeistert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zudem bringen Entsandte frische Impulse in Institutionen, die sich bisweilen in verfestigten Strukturen bewegen. Sie \u00f6ffnen R\u00e4ume und sto\u00dfen Ver\u00e4nderung an. Weil das Entsendeprogramm bewusst auch in peripheren Regionen aktiv ist \u2013 gerade dort, wo europaweit ein sp\u00fcrbarer Rechtsruck zu beobachten ist \u2013, gewinnen besonders junge Menschen neue Handlungsspielr\u00e4ume: Demokratieprojekte st\u00e4rken ihr Selbstbewusstsein und ihre Teilhabe. Durch die internationale Vernetzung der Entsandten gelangt ein globaler Blick in kleinere Ortschaften und erweitert vor Ort das Verst\u00e4ndnis von Toleranz. Die Einbindung in die Gesellschaft wie auch in Institutionen ist damit rundum gelungen \u2013 und schafft wechselseitige Akzeptanz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Und abschlie\u00dfend: Welche Tipps w\u00fcrdest du zuk\u00fcnftigen Entsandten mitgeben?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer sich f\u00fcr das Programm entscheidet, bringt meist ohnehin schon viel Offenheit und Interesse mit. Wichtig ist, mutig zu sein und gro\u00df zu denken. Die Arbeit der Entsandten wird gesehen und gesch\u00e4tzt. Darum lohnt es sich, Verb\u00fcndete zu suchen, sowohl in der Minderheit als auch in der Zivilgesellschaft. Gemeinsam kann man viel bewegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besonders bereichernd ist es auch, wenn man in den eigenen Projekten jenen eine Stimme gibt, die sonst wenig Geh\u00f6r finden \u2013 seien es Jugendliche oder marginalisierte Gruppen. Dabei hilft es, auch \u00fcber die eigene Wirkung nachzudenken: Was m\u00f6chte ich hinterlassen? Was soll von mir bleiben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich finde, es lohnt sich, pro Jahr ein \u201eSignature-Projekt\u201c zu haben. Etwas, woran man sich erinnert. Etwas, das im besten Fall auch weitergetragen wird, wenn man selbst l\u00e4ngst nicht mehr vor Ort ist. Solche Spuren zeigen, wie viel m\u00f6glich ist \u2013 gemeinsam, auf Augenh\u00f6he und mit echtem Interesse an den Menschen vor Ort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Entsendeprogramm des Instituts f\u00fcr Auslandsbeziehungen (ifa) unterst\u00fctzt Organisationen der deutschen Minderheiten in Osteuropa und Zentralasien durch den Einsatz von Kulturmanager:innen sowie Redakteur:innen. Mit ihrem Fachwissen helfen sie nicht nur bei Projekten, sondern auch dabei, ein modernes Deutschland- und Europabild zu vermitteln und die kulturelle Vermittlerrolle der Organisationen zu st\u00e4rken. 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