{"id":71068,"date":"2025-08-08T13:00:45","date_gmt":"2025-08-08T11:00:45","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/unter-palmen-zwischen-geschichte-und-sommergeschmack-2\/"},"modified":"2025-08-08T13:00:45","modified_gmt":"2025-08-08T11:00:45","slug":"unter-palmen-zwischen-geschichte-und-sommergeschmack-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/unter-palmen-zwischen-geschichte-und-sommergeschmack-2\/","title":{"rendered":"Unter Palmen, zwischen Geschichte und Sommergeschmack"},"content":{"rendered":"<p><strong>Unsere kulinarische Zeitreise geht Richtung Palmenhaus in Waldenburg. Es ist ein unvergesslicher Ort, errichtet von Hans Heinrich XV. von Hochberg, F\u00fcrst von Pless, als romantisches Geschenk f\u00fcr F\u00fcrstin Daisy. Entstanden ist ein Bauwerk von beeindruckender Gr\u00f6\u00dfe, das \u2013 wie einst F\u00fcrstin Daisy \u2013 auch heute noch begeistert. Auf dem Gel\u00e4nde finden wir heute ein Caf\u00e9, und es w\u00e4re fast unh\u00f6flich, auf eine aromatische Tasse Kaffee und ein Dessert inmitten exotischer Pflanzen zu verzichten.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>So tranken wir also schwarzen Kaffee, lie\u00dfen uns Zeit und unterhielten uns \u00fcber die Geschichte dieses Ortes \u2013 und nat\u00fcrlich auch \u00fcber Kulinarik.<\/p>\n<div id=\"attachment_64497\" style=\"width: 550px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-64497\" class=\" wp-image-64497\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/IMG_20250719_160126-Palmenaus-Waldenburg_Easy-Resize.com_.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"540\" \/><p id=\"caption-attachment-64497\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Ma\u0142gorzata Janik<\/p><\/div>\n<p>In den Gew\u00e4chsh\u00e4usern wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts neben dem japanischen Garten und zahlreichen Zierpflanzen auch Obst und Gem\u00fcse f\u00fcr das Schloss angebaut. In der hochmodernen K\u00fcche auf <strong>Schloss F\u00fcrstenstein<\/strong> arbeitete im obersten Stockwerk der Meisterkoch Louis Hardouin, unterst\u00fctzt von 40 K\u00fcchenangestellten \u2013 kein Zufall, denn die prachtvollen D\u00eeners f\u00fcr geladene G\u00e4ste erforderten viele helfende H\u00e4nde.<\/p>\n<h2><strong>Daisy und Tomaten<\/strong><\/h2>\n<p>F\u00fcr die Mahlzeiten im Maximiliansaal gab es eine spezielle Speisenfolge. Sie ber\u00fccksichtigte die kulinarischen Vorlieben der G\u00e4ste, und die G\u00e4nge wurden so aufeinander abgestimmt, dass sich ihre Farbnuancen abwechselten. Die Speisekarten des Schlosses wurden gesammelt und eingebunden. Diese B\u00fccher enthielten neben den aufgelisteten Gerichten und Getr\u00e4nken auch die genaue Zahl der G\u00e4ste. Welch ein Erlebnis w\u00e4re es, einmal in ein solches Buch hineinschauen zu d\u00fcrfen!<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>So schrieb die F\u00fcrstin \u00fcber die Suppe: \u201eDazu gab es braunes Brot mit viel Butter. Den Salat hatte ich selbst zubereitet, mit den aus der K\u00fcche gelieferten und von mir eigenh\u00e4ndig geschnittenen Fr\u00fchlingszwiebeln. Wir a\u00dfen alles mit gro\u00dfem Appetit\u201c, schrieb Daisy in ihrem Tagebuch.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Zur\u00fcck in die Gegenwart: Im Palmenhaus dachte ich laut dar\u00fcber nach, dass in unserem Garten gerade die Tomaten reifen \u2013 und dass daraus bestimmt eine herrliche Suppe wird, aromatisch und erf\u00fcllt vom Duft der schlesischen Sonne und Erde. Wir fragten uns, in welcher Form wohl fr\u00fcher Tomatengerichte serviert wurden. Oder ob die hei\u00dfe Suppe, die der Kammerdiener einst f\u00fcr die Kinder und F\u00fcrstin Daisy von Pless zu einem Familienpicknick auf den Schlosswiesen brachte, vielleicht eine Tomatensuppe war. \u201eDazu gab es braunes Brot mit viel Butter. Den Salat hatte ich selbst zubereitet, mit den aus der K\u00fcche gelieferten und von mir eigenh\u00e4ndig geschnittenen Fr\u00fchlingszwiebeln. Wir a\u00dfen alles mit gro\u00dfem Appetit\u201c, schrieb Daisy in ihrem Tagebuch.<\/p>\n<div id=\"attachment_64501\" style=\"width: 419px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-64501\" class=\" wp-image-64501\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/AAD_0693a_Easy-Resize.com_.jpg\" alt=\"\" width=\"409\" height=\"614\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/AAD_0693a_Easy-Resize.com_.jpg 853w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/AAD_0693a_Easy-Resize.com_-200x300.jpg 200w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/AAD_0693a_Easy-Resize.com_-682x1024.jpg 682w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/AAD_0693a_Easy-Resize.com_-768x1152.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 409px) 100vw, 409px\" \/><p id=\"caption-attachment-64501\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Ma\u0142gorzata Janik<\/p><\/div>\n<h2><strong>Tomatensuppe in der Presse<\/strong><\/h2>\n<p>In der historischen Presse finden sich zahlreiche Tomatensuppen-Rezepte. So empfiehlt die Tageszeitung <strong>Silesia<\/strong> (1914) \u2013 getreu dem Prinzip, dass nichts verloren gehen darf \u2013 Tomaten, gef\u00fcllt mit Garnelen und Mayonnaise. Aus dem zuvor ausgeh\u00f6hlten Tomatenfleisch, mit Br\u00fche aufgegossen, wird am n\u00e4chsten Tag eine Suppe zubereitet. Mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt, dazu ger\u00f6stete Brotw\u00fcrfelchen und gehackte Petersilie \u2013 eine Bereicherung f\u00fcr jeden Speiseplan.<\/p>\n<div id=\"attachment_64499\" style=\"width: 552px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-64499\" class=\" wp-image-64499\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Quelle-SDB-Silesia-1913-Nr.-226-299_Easy-Resize.com_.jpg\" alt=\"\" width=\"542\" height=\"406\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Quelle-SDB-Silesia-1913-Nr.-226-299_Easy-Resize.com_.jpg 1280w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Quelle-SDB-Silesia-1913-Nr.-226-299_Easy-Resize.com_-300x225.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Quelle-SDB-Silesia-1913-Nr.-226-299_Easy-Resize.com_-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Quelle-SDB-Silesia-1913-Nr.-226-299_Easy-Resize.com_-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 542px) 100vw, 542px\" \/><p id=\"caption-attachment-64499\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Schlesische Digitalbibliothek<\/p><\/div>\n<p>Die <strong>Kattowitzer Zeitung<\/strong> (1935) beschreibt in ihrer Beilage Die Welt der Frau eine \u201ewei\u00dfe Tomatensuppe\u201c auf Fleischbr\u00fchebasis: Ein paar Essl\u00f6ffel Br\u00fche werden in einem separaten Topf mit 1 EL Butter erhitzt, darin 4 gro\u00dfe Tomaten (f\u00fcr vier Personen) ca. 30 Minuten weichged\u00fcnstet, dann durch ein Sieb gestrichen, mit etwas Br\u00fche verd\u00fcnnt und zur\u00fcck in die Hauptbr\u00fche gegeben. Zum Schluss 1 Glas saure Sahne oder Milch, mit 1 EL Mehl abgebunden. Gut verr\u00fchren, kurz aufkochen und mit Reis oder in Butter ger\u00f6steten Brotscheiben servieren. In einer zweiten Variante derselben Zeitung kocht man eine klare Tomatensuppe, die statt Sahne mit einem halben Glas Wein verfeinert wird \u2013 auf Basis von Gem\u00fcsebr\u00fche oder einer leichten Knochenbr\u00fche ohne Fleisch.<\/p>\n<div id=\"attachment_64500\" style=\"width: 550px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-64500\" class=\" wp-image-64500\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/IMG_20250806_125204_Easy-Resize.com_.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"540\" \/><p id=\"caption-attachment-64500\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Ma\u0142gorzata Janik<\/p><\/div>\n<p>Das Wochenblatt Haus, Hof, Garten schl\u00e4gt ein dreig\u00e4ngiges Mittagsmen\u00fc vor, bei dem die Tomatensuppe mit Mehlschwitze zubereitet wird: 1 EL Butter und 1 EL Mehl verr\u00fchren, mit Br\u00fche aufgie\u00dfen, \u00bd kg klein gew\u00fcrfelte Tomaten hinzuf\u00fcgen, durch ein feines Sieb streichen und als s\u00e4mige Suppe servieren.<\/p>\n<p>In unserer K\u00fcche laufen viele Dinge parallel: Frisch geerntete Tomaten verschiedenster Sorten wurden f\u00fcr den Winter eingekocht. Nicht alles wandert in die Speisekammer \u2013 wir probieren den Sommergeschmack gleich vor Ort (in dieser Saison leider ein sehr launischer Sommer). Aus Tomatenp\u00fcree habe ich eine kr\u00e4ftige, farbenfrohe Tomatensuppe nach folgendem Rezept gekocht:<\/p>\n<div id=\"attachment_64498\" style=\"width: 470px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-64498\" class=\" wp-image-64498\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/IMG_20250806_150601_Easy-Resize.com_-e1754644885112.jpg\" alt=\"\" width=\"460\" height=\"460\" \/><p id=\"caption-attachment-64498\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Ma\u0142gorzata Janik<\/p><\/div>\n<h2><strong>Tomatensuppe mit K\u00fcrbis und Basilikum<\/strong><\/h2>\n<p>\u2022 400 ml Tomatenp\u00fcree<br \/>\n\u2022 1 l Br\u00fche<br \/>\n\u2022 100 g K\u00fcrbismus (z. B. Hokkaido, zerdr\u00fcckt mit Gabel)<br \/>\n\u2022 frische Basilikumbl\u00e4tter<br \/>\n\u2022 Salz, Pfeffer, rote Paprika, Muskatnuss<br \/>\n\u2022 saure Sahne<br \/>\n\u2022 gutes Oliven\u00f6l<\/p>\n<p>Die Br\u00fche zum Kochen bringen, Tomatenp\u00fcree und K\u00fcrbismus hinzuf\u00fcgen, aufkochen. Mit Salz, Pfeffer, roter Paprika (auch ger\u00e4uchert m\u00f6glich) und einer Prise Muskatnuss abschmecken. Zum Schluss mit halbierten Kirschtomaten, einem Klecks saurer Sahne und Basilikumbl\u00e4ttern garnieren. Mit Oliven\u00f6l betr\u00e4ufeln.<\/p>\n<p><strong>Guten Appetit!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere kulinarische Zeitreise geht Richtung Palmenhaus in Waldenburg. Es ist ein unvergesslicher Ort, errichtet von Hans Heinrich XV. von Hochberg, F\u00fcrst von Pless, als romantisches Geschenk f\u00fcr F\u00fcrstin Daisy. Entstanden ist ein Bauwerk von beeindruckender Gr\u00f6\u00dfe, das \u2013 wie einst F\u00fcrstin Daisy \u2013 auch heute noch begeistert. 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