{"id":70997,"date":"2025-08-22T11:00:30","date_gmt":"2025-08-22T09:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/warum-neisse-auf-minderheitensprache-setzt-2\/"},"modified":"2025-08-22T11:00:30","modified_gmt":"2025-08-22T09:00:30","slug":"warum-neisse-auf-minderheitensprache-setzt-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/warum-neisse-auf-minderheitensprache-setzt-2\/","title":{"rendered":"Warum Neisse auf Minderheitensprache setzt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Staatliche Akademie der angewandten Wissenschaften in Neisse war eine der ersten Hochschulen in der Woiwodschaft Oppeln, die Kurse f\u00fcr Deutsch als Minderheitensprache f\u00fcr Lehrer angeboten hat. Florian Lippold sprach mit Prof. Dr. Monika Witt, der Dekanin der Neuen Philologischen Fakult\u00e4t an der Hochschule, \u00fcber die Kurse und Gr\u00fcnde f\u00fcr das abnehmende Interesse.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong>Die Staatliche Hochschule in Neisse bietet schon seit Langem Kurse f\u00fcr Deutsch als Minderheitensprache an. Wie sind Sie dazu gekommen, \u00fcberhaupt erst ein solches Studium anzubieten?<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_64781\" style=\"width: 387px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-64781\" class=\" wp-image-64781\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/PB298268kk_Easy-Resize.com_.jpg\" alt=\"\" width=\"377\" height=\"485\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/PB298268kk_Easy-Resize.com_.jpg 996w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/PB298268kk_Easy-Resize.com_-233x300.jpg 233w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/PB298268kk_Easy-Resize.com_-797x1024.jpg 797w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/PB298268kk_Easy-Resize.com_-768x987.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 377px) 100vw, 377px\" \/><p id=\"caption-attachment-64781\" class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Monika Witt<br \/>Foto: privat<\/p><\/div>\n<p>Die allgemeine Germanistik in Neisse ist <strong>2001 entstanden<\/strong> und war damit einer der ersten f\u00fcnf Studieng\u00e4nge, die ganz am Anfang der Hochschule existierten. Auch damals haben wir schon Lehrkr\u00e4fte f\u00fcr Deutsch als Fremdsprache ausgebildet. Dabei haben wir festgestellt, dass die Lehrkr\u00e4fte, die dann auch in unserer Region arbeiten, sehr oft Deutsch als Minderheitensprache unterrichten. Da haben wir uns gedacht: Nat\u00fcrlich, die Lehrer haben die Qualifikationen, sie k\u00f6nnen Deutsch unterrichten, aber irgendetwas fehlt. Deutsch als Minderheitensprache ist schlie\u00dflich nicht dasselbe wie Deutsch als Fremdsprache! 2012 haben wir also an einem speziellen Studiengang extra f\u00fcr Deutsch als Minderheitensprache angefangen zu arbeiten. Entstanden ist daraus ein Modul des normalen Germanistikstudiums mit eigenen Vorlesungen, Seminaren und auch Praktika. Dabei geht es nicht nur um das reine Sprachniveau, sondern auch um identit\u00e4tsstiftende Eigenheiten innerhalb der deutschen Minderheit. Und dabei meinen wir nicht nur die \u201ehohe Kultur\u201c oder alles umfassende Traditionen, <strong>sondern auch die normale Alltagskultur<\/strong>! Und das haben wir dann in unseren Studiengang integriert, auf Grundlage des polnischen Gesetzes \u00fcber die nationalen und ethnischen Minderheiten.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>\u201eWir haben festgestellt, dass viele unserer Studenten \u00fcberhaupt gar nicht wussten, dass es in Polen so etwas wie sprachliche Minderheiten gibt. Nachdem sie sich aber damit besch\u00e4ftigt haben, fanden unsere Studenten das sehr faszinierend.\u201c \u2013 Prof. Dr. Monika Witt<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<h2><strong>Wie wurde der Studiengang damals aufgenommen?<\/strong><\/h2>\n<p>Wir haben zuerst festgestellt, dass viele unserer Studenten \u00fcberhaupt gar nicht wussten, dass es in Polen so etwas wie sprachliche und kulturelle Minderheiten gibt! Nachdem sie sich aber damit besch\u00e4ftigt haben, fanden unsere Studenten das sehr faszinierend und wollten mehr lernen. Daraufhin haben wir unseren Studiengang noch mehr modifiziert und auch allt\u00e4gliches Wissen \u00fcber die Minderheiten mit eingebaut. Damit wollen wir zeigen: Polen ist kein Monolith, Polen ist bunt. Es gibt hier viel mehr Sprachen. Und nat\u00fcrlich k\u00f6nnen wir jetzt weder Sprachen wie Lemkisch noch Kar\u00e4isch oder Schlesisch unterrichten, aber wir k\u00f6nnen darauf aufmerksam machen, dass es diese Sprachen gibt und alle Sprachen zusammen die kulturelle Landschaft Polens bilden. Daher finden wir es auch sehr wichtig, unseren Studenten diese Multikulturalit\u00e4t n\u00e4herzubringen.<\/p>\n<div id=\"attachment_64780\" style=\"width: 560px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-64780\" class=\" wp-image-64780\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/20250607_182435_Easy-Resize.com_.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"412\" \/><p id=\"caption-attachment-64780\" class=\"wp-caption-text\">Studenten des Germanistikkurses in Neisse<br \/>Foto: Staatliche Akademie f\u00fcr angewandte Wissenschaften Neisse<\/p><\/div>\n<h2><strong>Wie kann man sich den Ablauf dieses Studiengangs vorstellen?<\/strong><\/h2>\n<p>Zuerst einmal ist der Studiengang ein Wochenendstudium, das hei\u00dft, Seminare finden am Wochenende in Pr\u00e4senz statt, und Vorlesungen oder andere Kurse finden unter der Woche online statt. Das ist unsere Antwort darauf, dass viele unserer Studenten, die den Kurs belegt haben, nebenbei schon als Lehrer berufst\u00e4tig sind und au\u00dfer an den Wochenenden nur wenig Zeit haben, nebenher noch zu studieren. Trotzdem ist es eben <strong>kein Fernstudium oder reines Online-Studium<\/strong>, unsere Studenten nehmen noch immer an Pr\u00e4senzveranstaltungen teil. Eines der \u00fcbergeordneten Ziele ist dabei nat\u00fcrlich der sprachpraktische Unterricht. Die Teilnehmer m\u00fcssen zum Ende des dreij\u00e4hrigen Studiums das Sprachniveau C1 erreicht haben, da halten wir uns strikt an die gesetzlichen Vorgaben. Das zweite Grundthema umfasst sprachkulturelle und literaturwissenschaftliche Thematiken sowie ganz viele Dinge f\u00fcr die eigentliche Lehrerausbildung. Nebenher m\u00fcssen die Studierenden auch Praktika absolvieren und haben die M\u00f6glichkeit, an Veranstaltungen mit unseren Partnerhochschulen in Deutschland und Tschechien teilzunehmen. Der didaktische Teil ist dabei nat\u00fcrlich sehr umfangreich, wir halten uns da an die Standards des Bildungsministeriums. Am Ende unseres Studiums sind die Studenten dann also vollst\u00e4ndige Lehrkr\u00e4fte, mit besonderen Kenntnissen, die sie auch zum Unterricht von Deutsch als Minderheitensprache bef\u00e4higen.<\/p>\n<div id=\"attachment_64779\" style=\"width: 452px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-64779\" class=\" wp-image-64779\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/20250606_154312_Easy-Resize.com_.jpg\" alt=\"\" width=\"442\" height=\"589\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/20250606_154312_Easy-Resize.com_.jpg 960w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/20250606_154312_Easy-Resize.com_-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/20250606_154312_Easy-Resize.com_-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 442px) 100vw, 442px\" \/><p id=\"caption-attachment-64779\" class=\"wp-caption-text\">Die Studenten w\u00e4hrend einer Veranstaltung an der Partnerhochschule in Bamberg<br \/>Foto: Staatliche Akademie f\u00fcr angewandte Wissenschaften in Neisse<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><strong>Wer kann an dem Studiengang alles teilnehmen?<\/strong><\/h2>\n<p>Wir haben da eigentlich keine Begrenzungen, das Germanistikstudium ist offen f\u00fcr Menschen jeden Alters. Das Modul f\u00fcr Deutsch als Minderheitensprache selbst richtet sich dabei direkt an werdende Lehrkr\u00e4fte und solche, die es bereits sind und sich weiterbilden wollen. Wir haben da auch recht kleine Kurse, daher k\u00f6nnen wir innerhalb der Gruppen sehr gut auf die Bed\u00fcrfnisse und Fragen der einzelnen Studenten eingehen. Die Nachfrage nach den Kursen ist in den letzten sieben bis zehn Jahren aber leider stark zur\u00fcckgegangen, deswegen haben wir derzeit nur einen einzigen Wochenendkurs mit 10 Teilnehmern.<\/p>\n<div id=\"attachment_64783\" style=\"width: 565px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-64783\" class=\" wp-image-64783\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/20240509_122052_Easy-Resize.com_.jpg\" alt=\"\" width=\"555\" height=\"416\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/20240509_122052_Easy-Resize.com_.jpg 1280w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/20240509_122052_Easy-Resize.com_-300x225.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/20240509_122052_Easy-Resize.com_-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/20240509_122052_Easy-Resize.com_-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 555px) 100vw, 555px\" \/><p id=\"caption-attachment-64783\" class=\"wp-caption-text\">Studenten w\u00e4hrend eines Kurses an der Hochschule in Neisse<br \/>Foto: Staatliche Akademie f\u00fcr angewandte Wissenschaften in Neisse<\/p><\/div>\n<h2><strong>Warum ist die Nachfrage nach Deutsch als Minderheitensprache zuletzt so stark gesunken?<\/strong><\/h2>\n<p>Wir sprechen st\u00e4ndig dar\u00fcber, unter den Germanisten, aber auch innerhalb des Kollegiums an der Hochschule. Der erste Grund ist wohl einfach der, dass Deutsch als Sprache keine so gro\u00dfe Rolle in der Welt mehr spielt, da ist Englisch klar viel wichtiger. Aber dadurch wird die <strong>deutsche Sprache<\/strong> sehr vernachl\u00e4ssigt, und auch weil es dort, wo selbst Deutsch unterrichtet wird, keine Auswirkungen f\u00fcr das Abitur hat. Im Grunde genommen kann ich das aber nicht verstehen! Denn die Arbeitsm\u00f6glichkeiten nach dem Germanistikstudium sind riesig. Das zeigt sich auch schon w\u00e4hrend des Studiums: Fast alle unserer Studenten fangen w\u00e4hrenddessen schon an zu arbeiten, und sie machen auch das, was ihnen wirklich Spa\u00df macht. Sie haben auch sehr viele Angebote. Selbst wenn sie sp\u00e4ter nicht als Lehrer arbeiten, k\u00f6nnen sie trotzdem als Dolmetscher oder Berater in gro\u00dfen Unternehmen arbeiten und die Firmen so unterst\u00fctzen. Daher verstehe ich das nicht so richtig \u2013 <strong>das erscheint irgendwie gegen jede Logik<\/strong>. Ich m\u00f6chte also jeden einladen, zu uns an die Akademie nach Neisse zu kommen, der gerne an einer kleinen Hochschule <strong>einen wichtigen Beruf<\/strong> <strong>erlernen<\/strong> m\u00f6chte. Ich w\u00fcrde mich freuen, wenn die Nachfrage irgendwann wieder einmal so gro\u00df ist, wie sie es vor einigen Jahren mal war.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-64782\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/WhatsApp-Image-2025-07-24-at-08.06.16-1.jpeg\" alt=\"\" width=\"481\" height=\"481\" \/><\/p>\n<p><strong>Wer Interesse an einem Germanistikstudium an der Staatlichen Akademie der angewandten Wissenschaften in Neisse hat, findet alle weiteren Informationen auf der Website <span style=\"color: #3366ff;\"><a style=\"color: #3366ff;\" href=\"http:\/\/pans.nysa.pl\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">pans.nysa.pl<\/a><\/span>. Dort stehen auch alle Einzelheiten zum Studienbeginn sowie den Inhalten.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Staatliche Akademie der angewandten Wissenschaften in Neisse war eine der ersten Hochschulen in der Woiwodschaft Oppeln, die Kurse f\u00fcr Deutsch als Minderheitensprache f\u00fcr Lehrer angeboten hat. 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