{"id":70995,"date":"2025-08-22T13:43:08","date_gmt":"2025-08-22T11:43:08","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/liegnitz-das-historische-zentrum-der-schlesischen-gurke-2\/"},"modified":"2025-08-22T13:43:08","modified_gmt":"2025-08-22T11:43:08","slug":"liegnitz-das-historische-zentrum-der-schlesischen-gurke-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/liegnitz-das-historische-zentrum-der-schlesischen-gurke-2\/","title":{"rendered":"Liegnitz: Das historische Zentrum der schlesischen Gurke"},"content":{"rendered":"<h1>Der Gurkenk\u00f6nig und seine Stadt \u2013 eine kulinarische Geschichte aus Liegnitz<\/h1>\n<p><strong>Liegnitz und seine Umgebung waren einst f\u00fcr den Gem\u00fcseanbau und die Verarbeitung von Feldfr\u00fcchten ber\u00fchmt. Der G\u00fcterbahnhof arbeitete auf Hochtouren \u2013 kein Wunder, denn hier kreuzten sich die Verkehrswege zwischen Breslau, Oberschlesien und Waldenburg. In der ganzen Region existierten zahlreiche Betriebe, die sich auf Sauerkonserven spezialisierten, insbesondere auf Gurken. Die sogenannte \u201eSchlesische Gurke\u201c stammte n\u00e4mlich aus Liegnitz. Die Gurkenindustrie bot vielen Menschen Arbeit, war aber stark von Wetterbedingungen abh\u00e4ngig, die Ernteertr\u00e4ge und Liefermengen bestimmten.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Ernteherausforderungen und Preisregulierung in Schlesien<\/h2>\n<p>Die\u00a0Schlesische Volkszeitung\u00a0(1931) berichtet, dass infolge langer Trockenheit und kalter N\u00e4chte die Gurken in den Liegnitzer Anbaufl\u00e4chen von Krankheiten befallen wurden und die Ernte sp\u00e4rlich ausfiel. Auf der anderen Seite verzeichnete der Breslauer Gem\u00fcsemarkt ein hohes Interesse am Gro\u00dfhandel mit Einlegegurken; auch die Angebote f\u00fcr Senfgurken wurden als zufriedenstellend bewertet. Nat\u00fcrlich regulierte man auch die Preise f\u00fcr frische Gurken im Einzelhandel, um Spekulationen zu vermeiden. So erlie\u00df am 20. August 1917 der amtierende Landespr\u00e4sident in Schlesien, Adalbert Freiherr von Widmann, eine entsprechende Verordnung \u00fcber H\u00f6chstpreise \u2013 abh\u00e4ngig von Gr\u00f6\u00dfe, Qualit\u00e4t und der verkauften Menge frischer Gurken (unter 10 kg).<\/p>\n<div id=\"attachment_64808\" style=\"width: 787px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-64808\" class=\" wp-image-64808\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Gurken-Dill-Foto-Malgorzata-Janik-1024x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"777\" height=\"777\" \/><p id=\"caption-attachment-64808\" class=\"wp-caption-text\">Gurken<br \/>Foto: Ma\u0142gorzata Janik<\/p><\/div>\n<h2>Die Kunst des Einlegens: Traditionelle schlesische Methoden<\/h2>\n<p>Das Einlegen von Gurken war immer eine Art Mission. Je nach Vorlieben wurden in den Familien beachtliche Mengen nach bew\u00e4hrten Rezepten verarbeitet. Viele praktische Hinweise finden sich in alten Ratgebern und in der saisonalen Presse. Laut\u00a0Heerwegener Stadtblatt\u00a0(1938) sollte man zur l\u00e4ngeren Haltbarkeit der Sauergurken die F\u00e4sser ins Wasser stellen und f\u00fcr die W\u00fcrze nicht auf Weinlaub oder Kirschbl\u00e4tter zur\u00fcckgreifen, sondern allein auf Dill und Estragon. Die klassischen Gef\u00e4\u00dfe oder riesigen Steint\u00f6pfe mit Eichenbeschwerung sind heute kaum noch in Gebrauch, stattdessen landen die Gurken im Glas \u2013 nicht zuletzt aus praktischen Gr\u00fcnden. Die gew\u00fcnschte Knackigkeit und der w\u00fcrzige Geschmack lassen sich mit Dilldolden und Estragonzweigen erreichen, der in diesem Sommer \u00fcppig bl\u00fcht \u2013 und aus eigener Erfahrung kann ich diese Methode bestens empfehlen.<\/p>\n<div id=\"attachment_64807\" style=\"width: 753px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-64807\" class=\" wp-image-64807\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Eingelegte-Gurken-Foto-Malgorzata-Janik-1024x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"743\" height=\"743\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Eingelegte-Gurken-Foto-Malgorzata-Janik-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Eingelegte-Gurken-Foto-Malgorzata-Janik-300x300.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Eingelegte-Gurken-Foto-Malgorzata-Janik-150x150.jpg 150w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Eingelegte-Gurken-Foto-Malgorzata-Janik-768x768.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Eingelegte-Gurken-Foto-Malgorzata-Janik.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 743px) 100vw, 743px\" \/><p id=\"caption-attachment-64807\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Ma\u0142gorzata Janik<\/p><\/div>\n<h2>Mehr als nur ein Gem\u00fcse: Die Gurke in der schlesischen Kultur<\/h2>\n<p>In der Zeitschrift\u00a0Schlesien\u00a0von 1925 erschien ein Sonderheft \u201eDie schlesische Gurke\u201c. Wie man sich denken kann, drehte sich darin alles um das gr\u00fcne Gem\u00fcse: Geschichten aus dem schlesischen Gurkenland, ein Preislied der Gurke, eine Abhandlung \u00fcber ihre Bedeutung f\u00fcr die Weltwirtschaft, ihre heilkundlichen Eigenschaften \u2013 und sogar ein in Dialekt verfasster \u201eGurkenbrief\u201c. Eine faszinierende Publikation und eine herrliche Erinnerung daran, wie ein einfaches Gem\u00fcse ganze Traditionen pr\u00e4gen konnte.<\/p>\n<div id=\"attachment_64809\" style=\"width: 495px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-64809\" class=\" wp-image-64809\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Gurken-geschnitten-Foto-Malgorzata-Janik-1024x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"485\" height=\"485\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Gurken-geschnitten-Foto-Malgorzata-Janik-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Gurken-geschnitten-Foto-Malgorzata-Janik-300x300.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Gurken-geschnitten-Foto-Malgorzata-Janik-150x150.jpg 150w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Gurken-geschnitten-Foto-Malgorzata-Janik-768x768.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Gurken-geschnitten-Foto-Malgorzata-Janik.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 485px) 100vw, 485px\" \/><p id=\"caption-attachment-64809\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Ma\u0142gorzata Janik<\/p><\/div>\n<h3>Rezept: Schlesische Salzgurken traditionell einlegen<\/h3>\n<p>Und so kochen wir Gurken ein:<\/p>\n<p>3 kg kleine, feste Gurken<br \/>\n2 lange St\u00e4ngel Dill mit Dolden<br \/>\nFrischer Estragon<br \/>\nMeerrettich (Wurzel und Bl\u00e4tter)<br \/>\nKnoblauch<br \/>\nSenfkorn<br \/>\n1 \u00bd L sprudelndes Wasser<br \/>\n3 EL Salz<br \/>\nEinmachgl\u00e4ser (beliebige Gr\u00f6\u00dfe, min. 0,4 L)<\/p>\n<div id=\"attachment_64810\" style=\"width: 872px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-64810\" class=\" wp-image-64810\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SDB-Liegnitz-Goldberg-das-schoene-Katzbachtal-1925-1024x663.png\" alt=\"\" width=\"862\" height=\"558\" \/><p id=\"caption-attachment-64810\" class=\"wp-caption-text\">SDB Liegnitz, Goldberg, das sch\u00f6ne Katzbachtal 1925<\/p><\/div>\n<p>Die Gurken waschen, absp\u00fclen und abtrocknen, mit Salz einreiben und \u00fcber Nacht stehenlassen. Den Boden im Glas mit gr\u00fcnen Meerrettichbl\u00e4ttern belegen. Die Gurken abwechselnd mit dem Dill, Estragon, geschnittener Meerrettichwurzel, Knoblauch und Senfkorn fest hineinschichten. Mit Salzl\u00f6sung (2 EL Salz auf 1 Liter sprudelndes Wasser) \u00fcbergie\u00dfen. Die Gurken m\u00fcssen von der Lake vollst\u00e4ndig bedeckt sein. Zum Schluss die Gl\u00e4ser sorgf\u00e4ltig verschlie\u00dfen.<\/p>\n<div id=\"attachment_64812\" style=\"width: 869px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-64812\" class=\" wp-image-64812\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SDB-Schlesische-Gurke-1925-Anzeige-1024x709.png\" alt=\"\" width=\"859\" height=\"595\" \/><p id=\"caption-attachment-64812\" class=\"wp-caption-text\">SDB Schlesische Gurke 1925 Anzeige<\/p><\/div>\n<p>Die Gl\u00e4ser mit eingelegten Gurken etwa drei bis vier Tage in der K\u00fcche stehenlassen. Dann m\u00fcssen sie an einen k\u00fchleren Ort. Nach ca. zwei Wochen sind die Sauergurken zwar fertig, aber erst nach ein bis zwei Monaten sind sie perfekt durchgezogen. Einfach ausprobieren. Sie schmecken prima.<\/p>\n<div id=\"attachment_64811\" style=\"width: 564px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-64811\" class=\"size-full wp-image-64811\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SDB-Liegnitzer-Stadt-Blatt1844-No.33.png\" alt=\"\" width=\"554\" height=\"283\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SDB-Liegnitzer-Stadt-Blatt1844-No.33.png 554w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SDB-Liegnitzer-Stadt-Blatt1844-No.33-300x153.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 554px) 100vw, 554px\" \/><p id=\"caption-attachment-64811\" class=\"wp-caption-text\">SDB Liegnitzer Stadt-Blatt1844 No.33<\/p><\/div>\n<h3>Wissenswertes: Gurkenfest und Gurkenk\u00f6nig in Liegnitz<\/h3>\n<p>Im Jahr 1930 wurde in Liegnitz eine Warenb\u00f6rse er\u00f6ffnet \u2013 die erste in dieser Region, nach niederl\u00e4ndischem Vorbild organisiert.<\/p>\n<p>Jedes Jahr w\u00e4hlte man einen \u201eGurkenk\u00f6nig\u201c, und beim \u201eGurkenfest\u201c, einer Art Erntedankfeier, wurden die G\u00e4ste mit Getr\u00e4nken, W\u00fcrstchen und gutem Kuchen bewirtet. An Gurken auf der Speisekarte fehlte es selbstverst\u00e4ndlich nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Gurkenk\u00f6nig und seine Stadt \u2013 eine kulinarische Geschichte aus Liegnitz Liegnitz und seine Umgebung waren einst f\u00fcr den Gem\u00fcseanbau und die Verarbeitung von Feldfr\u00fcchten ber\u00fchmt. Der G\u00fcterbahnhof arbeitete auf Hochtouren \u2013 kein Wunder, denn hier kreuzten sich die Verkehrswege zwischen Breslau, Oberschlesien und Waldenburg. 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