{"id":70980,"date":"2025-08-24T17:00:08","date_gmt":"2025-08-24T15:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/eine-einzigartige-perle-der-schlesischen-renaissance-2\/"},"modified":"2025-08-24T17:00:08","modified_gmt":"2025-08-24T15:00:08","slug":"eine-einzigartige-perle-der-schlesischen-renaissance-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/eine-einzigartige-perle-der-schlesischen-renaissance-2\/","title":{"rendered":"\u00a0Eine einzigartige Perle der schlesischen Renaissance"},"content":{"rendered":"<p><strong>Neben Kirchen pr\u00e4gten Rath\u00e4user die mittelalterlichen Marktpl\u00e4tze. Auch in Brieg war das nicht anders. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Rath\u00e4usern in Schlesien hat Brieg Gl\u00fcck gehabt: Die zahlreichen Kriege der letzten Jahrhunderte \u00fcberdauerte das Rathaus fast unbesch\u00e4digt und zeugt bis heute vom Reichtum der einstigen Residenzstadt Brieg. Es begeistert mit seiner Mischung aus Renaissance- und Rokokoarchitektur.<\/strong><!--more--><\/p>\n<h2><strong>Mittelalter<\/strong><\/h2>\n<p>Die Urspr\u00fcnge von Brieg vor der Verleihung der Stadtrechte sind zwar nicht \u00fcberliefert, aber weshalb genau hier an der Oder gesiedelt wurde, kann als gesichert angesehen werden. Die strategisch g\u00fcnstige Lage an wichtigen Handelswegen (u.a. der sogenannten Via Regia) erleichterte im Mittelalter den Handel und zog Handwerker an. Dies erkannte auch der Herzog von Schlesien-Breslau aus der Piastendynastie, Heinrich III., der Brieg im Rahmen der Ostkolonisation die Stadtrechte verlieh. Damit direkt verbunden ist der Bau eines Rathauses, das der Stadtverwaltung diente, aber auch als Gericht und wichtiger Handelsort fungierte. Urkundlich wurde das Rathaus in Brieg erstmals 1358 erw\u00e4hnt. Dies war jedoch ein gotischer Vorg\u00e4ngerbau, der bei einem verheerenden Stadtbrand 1569 zerst\u00f6rt wurde.<\/p>\n<div id=\"attachment_64791\" style=\"width: 536px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-64791\" class=\" wp-image-64791\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/1-Rathaus-Brieg-Martin-Wycisk_Easy-Resize.com_.jpg\" alt=\"\" width=\"526\" height=\"394\" \/><p id=\"caption-attachment-64791\" class=\"wp-caption-text\">Das Rathaus in Brieg<br \/>Foto: Martin Wycisk<\/p><\/div>\n<h2><strong>Italienische Renaissance\u2026<\/strong><\/h2>\n<p>Brieg war zur Zeit des Stadtbrandes eine prosperierende und wohlhabende Stadt. Dies lag unter anderem daran, dass sie seit 1311 als Residenz f\u00fcr die Herz\u00f6ge von Brieg, Liegnitz-Brieg und Liegnitz-Brieg-Wohlau diente. Entsprechend gab es schon vor dem Stadtbrand \u00dcberlegungen f\u00fcr einen Neubau des Rathauses. In Brieg lebte zu dieser Zeit eine gro\u00dfe K\u00fcnstlerkolonie aus Italien, welche die Renaissance nach Schlesien brachte. Deshalb \u00fcberrascht es nicht, dass Herzog Georg II. den Auftrag f\u00fcr den Neubau des Rathauses an zwei einheimische Italiener vergab: Jacobo de Parrio (auch Jakob Pahr genannt) und Bernardo Niuron. Diese sind insbesondere f\u00fcr das \u00e4u\u00dfere Erscheinungsbild des Brieger Rathauses verantwortlich, wie wir es heute kennen \u2013 dessen Hauptfassade sich auf der Westseite befindet und von zwei quadratischen Treppenrisaliten in Form von T\u00fcrmen flankiert wird. Zwischen ihnen liegen zweigeschossige Loggien mit Rundbogenarkaden im Erdgeschoss. Das Erdgeschoss ist zudem mit toskanischen S\u00e4ulen und Holzst\u00fctzen versehen. Das Satteldach des Geb\u00e4udes besitzt reich verzierte Giebel an der Nord- und S\u00fcdseite sowie drei Zwerchgiebel an der Hauptfassade. Die Eing\u00e4nge zum Rathaus sind mit reich verzierten Renaissanceportalen gestaltet.<\/p>\n<div id=\"attachment_64790\" style=\"width: 420px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-64790\" class=\" wp-image-64790\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/2-Rokoko-Ratssaal-Martin-Wycisk_Easy-Resize.com_.jpg\" alt=\"\" width=\"410\" height=\"547\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/2-Rokoko-Ratssaal-Martin-Wycisk_Easy-Resize.com_.jpg 960w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/2-Rokoko-Ratssaal-Martin-Wycisk_Easy-Resize.com_-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/2-Rokoko-Ratssaal-Martin-Wycisk_Easy-Resize.com_-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 410px) 100vw, 410px\" \/><p id=\"caption-attachment-64790\" class=\"wp-caption-text\">Rokoko-Ratssaal<br \/>Foto: Martin Wycisk<\/p><\/div>\n<p>Das Rathaus wurde \u2013 wie auch andere Geb\u00e4ude \u2013 im Laufe der Zeit nach dem jeweils aktuellen Geschmack renoviert. Aus dieser Zeit ist im gro\u00dfen Sitzungssaal im Obergeschoss sogar eine L\u00e4rchenholzdecke aus dem Jahr 1648 erhalten. F\u00fcr die Instandhaltung und Modernisierungen standen ab 1675 jedoch weniger Mittel zur Verf\u00fcgung. Mit dem Aussterben der schlesischen Piasten fiel die Stadt an das Habsburgerreich und verlor ihren Status als Residenzstadt.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>\u201eHeute ist das Brieger Rathaus das einzige Renaissancerathaus in Schlesien, das unbesch\u00e4digt die Jahrhunderte \u00fcberdauert hat.\u201c<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<h2><strong>\u2026 und preu\u00dfischer Rokoko<\/strong><\/h2>\n<p>Gr\u00f6\u00dfere architektonische Eingriffe in das Rathaus waren mit der neuen politischen Lage der Region verbunden. Im Rahmen des Ersten Schlesischen Krieges (1740\u201342) eroberte das K\u00f6nigreich Preu\u00dfen Brieg und den gr\u00f6\u00dften Teil Schlesiens. Die bisher relativ autonome Stadtverwaltung wurde durch zentralistisch gepr\u00e4gte preu\u00dfische Beh\u00f6rden ersetzt. Damit wuchs auch der \u00f6rtliche Beamtenapparat, der die innere Saalaufteilung des Brieger Rathauses an seine Bed\u00fcrfnisse anpasste. Damit verbunden war der Umbau des Ratssaales in den Jahren 1742\u201346 im Stile des fr\u00fchen Rokoko. Der Saal erhielt nicht nur repr\u00e4sentative Decken- und Wandverzierungen, sondern auch reichlich dekorierte Aktenschr\u00e4nke. Letztere wurden vom Brieger Tischler Hans Gewerike hergestellt, w\u00e4hrend f\u00fcr die malerischen Dekorationen Johann Sebastian Neuberth und Karl Friedrich Eylich verantwortlich waren. Diese Dekorationen waren nicht nur dekorativ: Die allegorischen Darstellungen sollten den neuen Untertanen klar kommunizieren, dass nun Preu\u00dfen Schlesien regiert. Es ist ein historischer Gl\u00fccksfall, dass wir den Saal heute in fast originalem Zustand bewundern k\u00f6nnen, denn nur die Portr\u00e4ts der Hohenzollern-K\u00f6nige gelten seit 1945 als verschollen. Erhalten geblieben ist hingegen der preu\u00dfische Adler.<\/p>\n<div id=\"attachment_64789\" style=\"width: 429px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-64789\" class=\" wp-image-64789\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/3-Grosser-Sitzungssaal_Easy-Resize.com_.jpg\" alt=\"\" width=\"419\" height=\"559\" \/><p id=\"caption-attachment-64789\" class=\"wp-caption-text\">Gro\u00dfer Sitzungssaal<br \/>Foto: Martin Wycisk<\/p><\/div>\n<h2><strong>Ein schlesisches Unikat<\/strong><\/h2>\n<p>Wie in den vorherigen Epochen wurde auch im 18. und 19. Jahrhundert das Rathaus zeitgen\u00f6ssisch renoviert. So verlor es zwar seine Sgraffitodekorationen an den Au\u00dfenw\u00e4nden, erhielt aber ein Denkmal Friedrichs des Gro\u00dfen sowie ein mechanisches Uhrwerk f\u00fcr den Rathausturm. Davon ist nur letzteres erhalten. In der Zwischenkriegszeit war den Bauherren die historische Bedeutung des Rathauses bewusst, was sie jedoch nicht von weiteren Modernisierungen im Inneren abhielt \u2013 unter anderem eine moderne Heizung im Jahr 1934. Es ist jedoch zu erw\u00e4hnen, dass nicht alle Pl\u00e4ne umgesetzt wurden.<\/p>\n<div id=\"attachment_64788\" style=\"width: 415px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-64788\" class=\" wp-image-64788\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/4-Details-der-Aktenschrankmalereien_Easy-Resize.com_.jpg\" alt=\"\" width=\"405\" height=\"540\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/4-Details-der-Aktenschrankmalereien_Easy-Resize.com_.jpg 960w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/4-Details-der-Aktenschrankmalereien_Easy-Resize.com_-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/4-Details-der-Aktenschrankmalereien_Easy-Resize.com_-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 405px) 100vw, 405px\" \/><p id=\"caption-attachment-64788\" class=\"wp-caption-text\">Details der Aktenschrankmalereien<br \/>Foto: Marcin Wycisk<\/p><\/div>\n<p>Den Zweiten Weltkrieg \u00fcberstand das Brieger Rathaus de facto unbesch\u00e4digt und wurde schnell wieder genutzt, wobei die kleinen Sch\u00e4den behoben wurden. Der Zustand verschlechterte sich jedoch in den 1950er Jahren wieder. Mit der Anerkennung als Baudenkmal begann ein langj\u00e4hriger Restaurierungsprozess, der bis 1989 andauerte. Zwischen 2012 und 2020 wurde das Brieger Rathaus umfassend saniert. Dabei wurden zwei Zeitkapseln aus den Jahren 1798 und 1822 gefunden, deren Inhalte heute im Rathaus ausgestellt sind. Ebenfalls wurde das Sgraffito wiederhergestellt.<\/p>\n<div id=\"attachment_64787\" style=\"width: 556px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-64787\" class=\" wp-image-64787\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/5-Rokoko-Ratssaal_Easy-Resize.com_.jpg\" alt=\"\" width=\"546\" height=\"409\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/5-Rokoko-Ratssaal_Easy-Resize.com_.jpg 1280w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/5-Rokoko-Ratssaal_Easy-Resize.com_-300x225.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/5-Rokoko-Ratssaal_Easy-Resize.com_-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/5-Rokoko-Ratssaal_Easy-Resize.com_-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 546px) 100vw, 546px\" \/><p id=\"caption-attachment-64787\" class=\"wp-caption-text\">Rokoko-Ratssaal<br \/>Foto: Marcin Wycisk<\/p><\/div>\n<p>Heute ist das Brieger Rathaus das einzige Renaissancerathaus in Schlesien, das unbesch\u00e4digt die Jahrhunderte \u00fcberdauert hat. Die Stadt Brieg ist sich der historischen Bedeutung bewusst. Umso lobenswerter ist es, dass das Rathaus im Rahmen einer F\u00fchrung kostenfrei besichtigt werden kann. Eine telefonische Voranmeldung wird empfohlen. Freunden der Architektur und der schlesischen Geschichte kann ein Besuch im Brieger Rathaus nur empfohlen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neben Kirchen pr\u00e4gten Rath\u00e4user die mittelalterlichen Marktpl\u00e4tze. Auch in Brieg war das nicht anders. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Rath\u00e4usern in Schlesien hat Brieg Gl\u00fcck gehabt: Die zahlreichen Kriege der letzten Jahrhunderte \u00fcberdauerte das Rathaus fast unbesch\u00e4digt und zeugt bis heute vom Reichtum der einstigen Residenzstadt Brieg. 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