{"id":70724,"date":"2025-09-05T19:12:26","date_gmt":"2025-09-05T17:12:26","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/politik-das-thema-kriegsreparationen-deutschlands-an-polen\/"},"modified":"2025-09-05T19:12:26","modified_gmt":"2025-09-05T17:12:26","slug":"politik-das-thema-kriegsreparationen-deutschlands-an-polen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/politik-das-thema-kriegsreparationen-deutschlands-an-polen\/","title":{"rendered":"Politik: Das Thema Kriegsreparationen Deutschlands an Polen"},"content":{"rendered":"<h1>Auf der Suche nach einem Feind<\/h1>\n<p><strong>Der polnische Staatspr\u00e4sident Karol Nawrocki sch\u00fcrte w\u00e4hrend seiner Rede in Westerplatte zum Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs 1939 nationalistische Stimmungen in Polen und forderte Reparationen. Diese Tatsache wurde in der deutschen Presse ausf\u00fchrlich kommentiert, unter anderem mit dem Hinweis auf \u201eAusnutzung der Geschichte\u201d.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Deutsche Journalisten nahmen auch die sehr treffende Rede des polnischen Premierministers Donald Tusk zur Kenntnis, der sagte: \u201eWir m\u00fcssen genau verstehen, woher heute die gro\u00dfe Gefahr kommt. Mit wem sollten wir uns wirklich zusammenschlie\u00dfen, um Polen, die gesamte westliche Welt, unsere Zivilisation, die Zivilisation der Freiheit zu verteidigen?\u201d<\/p>\n<p>Deutsche Kommentatoren betonen gleichzeitig, dass Premierminister Donald Tusk damit deutlich gemacht habe, dass er keine Reparationsforderungen aufrechterhalten wolle. Diese wurden \u2013 zur Erinnerung \u2013 von der vorherigen polnischen Regierung unter F\u00fchrung der PiS gestellt und belaufen sich auf 1,3 Billionen Euro.<\/p>\n<h2><strong>Antideutsche Rhetorik<\/strong><\/h2>\n<p>Nat\u00fcrlich ist es schwer zu glauben, dass die Regierung von Donald Tusk und er selbst auf dieses Geld verzichten w\u00fcrden, wenn Deutschland seinerseits eine weitere Geste der Anerkennung anbieten w\u00fcrde. Das Hauptziel der aktuellen polnischen Regierung ist jedoch eine enge wirtschaftliche und milit\u00e4rische Zusammenarbeit mit Deutschland zum Wohle Polens, was seit dem Wahlkampf von Karol Nawrocki erschwert ist.<\/p>\n<div id=\"attachment_65150\" style=\"width: 562px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-65150\" class=\" wp-image-65150\" src=\"https:\/\/wochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/02025_0400_Nawrocki_in_Sanok.jpg\" alt=\"\" width=\"552\" height=\"368\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/02025_0400_Nawrocki_in_Sanok.jpg 800w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/02025_0400_Nawrocki_in_Sanok-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/02025_0400_Nawrocki_in_Sanok-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 552px) 100vw, 552px\" \/><p id=\"caption-attachment-65150\" class=\"wp-caption-text\">Der Pr\u00e4sident der Republik Polen Karol Nawrocki<br \/>Foto: Marsilar \/ Wiki<\/p><\/div>\n<p>Der Grund daf\u00fcr ist, dass seit diesem Zeitpunkt, nach dem Sturz der PiS-Regierung, in der \u00d6ffentlichkeit erneut antideutsche Rhetorik aufgetaucht ist, die zudem an H\u00e4ufigkeit und Intensit\u00e4t zunimmt. Auf diese Weise wird auch die derzeitige Regierung angegriffen. Denn damit wird der Bev\u00f6lkerung suggeriert, dass die Regierung zu gute Beziehungen zu Berlin unterh\u00e4lt, und das Hauptopfer dieser Rhetorik ist Premierminister Donald Tusk.<\/p>\n<p>An dieser Stelle stellt sich die Frage: Warum fordern Pr\u00e4sident Karol Nawrocki und vor allem die PiS keine Kriegsreparationen von Russland, das zudem weder der EU noch der NATO angeh\u00f6rt?<\/p>\n<h2><strong>Thema abgeschlossen<\/strong><\/h2>\n<p>\u201eIch werde in Bezug auf Reparationen nicht originell sein und mich in dieser Frage auf die \u00c4u\u00dferungen des deutschen Bundeskanzlers und des polnischen Au\u00dfenministers Rados\u0142aw Sikorski st\u00fctzen, dass das Thema Reparationen formal abgeschlossen ist. Mit meiner Einsch\u00e4tzung stehe ich nicht allein da. So denkt unter anderem auch der ehemalige polnische Premierminister und Au\u00dfenminister W\u0142odzimierz Cimoszewicz, der in seinem Beitrag klar festgestellt hat, dass das Thema Reparationen rechtlich vom Tisch ist.\u201c<\/p>\n<p>\u201eW\u0142odzimierz Cimoszewicz erinnerte auch daran, dass nach dem Zweiten Weltkrieg vier Gro\u00dfm\u00e4chte \u2013 die USA, Gro\u00dfbritannien, Frankreich und die UdSSR (das heutige Russland) \u2013 Reparationszahlungen forderten und diese Fragen untereinander gekl\u00e4rt wurden. Es sei hinzugef\u00fcgt, dass die UdSSR erkl\u00e4rt hatte, Polen 15 % des Wertes der deutschen Reparationen zu \u00fcberweisen, was jedoch nicht geschah. Dar\u00fcber hinaus verzichteten die damaligen Beh\u00f6rden Polens (der Volksrepublik Polen) auf diese Reparationen. Somit ist davon auszugehen, dass dieses Thema 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs abgeschlossen ist\u201d, sagte Ryszard Galla, Beauftragter des Sejm-Marschalls f\u00fcr nationale und ethnische Minderheiten.<\/p>\n<h2><strong>Der moralische Aspekt<\/strong><\/h2>\n<p>Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass, sollte der polnische Pr\u00e4sident Karol Nawrocki, die polnische Rechte und auch die derzeitige polnische Regierung beschlie\u00dfen, dieses Thema erneut anzusprechen, und die deutsche Seite f\u00fcr \u00fcberzeugen, dann m\u00fcsste man sich \u2013 mit politischem Savoir-vivre \u2013 an einen Tisch setzen und beispielsweise \u00fcber eine Entsch\u00e4digung sprechen, wobei gleichzeitig der Blick in die Zukunft Polens, Deutschlands und unseres gemeinsamen Europas gerichtet sein muss.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Ryszard Galla: \u201eIch werde in Bezug auf Reparationen nicht originell sein und mich in dieser Frage auf die \u00c4u\u00dferungen des deutschen Bundeskanzlers und des polnischen Au\u00dfenministers Rados\u0142aw Sikorski st\u00fctzen, dass das Thema Reparationen formal abgeschlossen ist\u201d.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Man muss miteinander reden und darf nicht bei jeder Gelegenheit und Feier Forderungen stellen, nur an die dunkle Geschichte des westlichen Nachbarn erinnern und den Hass gegen ihn sch\u00fcren. Wir d\u00fcrfen nicht vergessen, dass unsere Zukunft heute mit einer Reihe von Hindernissen gepflastert ist \u2013 wie beispielsweise dem Krieg in der Ukraine, der sowohl bei der \u00e4ltesten Generation, die sich noch an die Schrecken des Krieges erinnert, als auch bei der j\u00fcngsten Generation, die um ihre Zukunft f\u00fcrchtet, gro\u00dfe Besorgnis hervorruft.<\/p>\n<p>Der Krieg in der Ukraine k\u00f6nnte sich n\u00e4mlich \u201eergie\u00dfen\u201d und die Form eines Weltkriegs annehmen. Daher sind Gespr\u00e4che zwischen Warschau und Berlin \u00e4u\u00dferst angebracht und nicht \u2013 um jeden Preis \u2013 die Suche nach einem Feind auf deutscher Seite.<\/p>\n<h2><strong>Aufbauen, nicht ruinieren<\/strong><\/h2>\n<p>\u201eDie Suche nach einem Feind in Deutschland ist f\u00fcr mich zumindest \u00fcberraschend. Umso mehr, als die Deutschen immer wieder zeigen und beweisen, dass sie sehr offen und freundlich gegen\u00fcber Polen sind. Deshalb w\u00fcrde ich eher in Richtung einer Verbesserung der Beziehungen zu Deutschland gehen und nicht in Richtung ihrer Zerst\u00f6rung.<\/p>\n<div id=\"attachment_62073\" style=\"width: 744px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-62073\" class=\" wp-image-62073\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Ryszard-Galla_Easy-Resize.com_.jpg\" alt=\"\" width=\"734\" height=\"489\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Ryszard-Galla_Easy-Resize.com_.jpg 1280w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Ryszard-Galla_Easy-Resize.com_-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Ryszard-Galla_Easy-Resize.com_-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Ryszard-Galla_Easy-Resize.com_-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 734px) 100vw, 734px\" \/><p id=\"caption-attachment-62073\" class=\"wp-caption-text\">Ryszard Galla, ehemaliger Abgeordneter der Deutschen Minderheit und derzeit Beauftragter des Sejm-Marschalls f\u00fcr nationale und ethnische Minderheiten.<br \/>Foto: Stefani Koprek<\/p><\/div>\n<p>Umso mehr, als Polen in verschiedenen Bereichen sehr stark mit Deutschland verbunden, ja sogar abh\u00e4ngig ist \u2013 zum Beispiel in der Wirtschaft. Ich lese gerade ein sehr interessantes Buch \u00fcber die wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Polen und Deutschland, in dem der Autor unter anderem behauptet, dass schon die kleinste Bewegung in der deutschen Wirtschaft in Polen ein Erdbeben in diesem Bereich ausl\u00f6st.<\/p>\n<p>Es gibt jedoch viele solcher Bereiche, die f\u00fcr die Zukunft Polens sehr wichtig und bedeutend sind. Deshalb sollten wir aufbauen und nicht zerst\u00f6ren\u201c, appellierte Ryszard Galla.<\/p>\n<h2><strong>Zusammenfassung<\/strong><\/h2>\n<p>Abschlie\u00dfend sei daran erinnert, dass am 3. Oktober 2022 der damalige Au\u00dfenminister der PiS-Regierung, Zbigniew Rau, eine diplomatische Note an die deutsche Seite unterzeichnete, die sich mit Kriegsentsch\u00e4digungen befasste. Polen forderte darin unter anderem eine Entsch\u00e4digung f\u00fcr materielle und immaterielle Verluste in H\u00f6he von 6 Billionen 220 Milliarden und 609 Millionen Zloty sowie einen Ausgleich f\u00fcr Sch\u00e4den.<\/p>\n<p>Dieser Betrag wurde in einem am 1. September 2022 ver\u00f6ffentlichten Bericht eines Teams unter der Leitung des PiS-Abgeordneten Arkadiusz Mularczyk \u00fcber die Verluste Polens infolge der deutschen Aggression und Besatzung w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs genannt.<\/p>\n<p>Am 3. Januar 2023 teilte das Au\u00dfenministerium mit, dass das deutsche Ausw\u00e4rtige Amt auf diese Note geantwortet habe und die Frage der Reparationen und Entsch\u00e4digungen f\u00fcr Kriegssch\u00e4den als abgeschlossen betrachte und die deutsche Regierung nicht beabsichtige, Verhandlungen in dieser Angelegenheit aufzunehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der Suche nach einem Feind Der polnische Staatspr\u00e4sident Karol Nawrocki sch\u00fcrte w\u00e4hrend seiner Rede in Westerplatte zum Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs 1939 nationalistische Stimmungen in Polen und forderte Reparationen. 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