{"id":70640,"date":"2025-09-16T05:00:31","date_gmt":"2025-09-16T03:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/neun-jahre-engagement-fur-deutsche-minderheiten-in-europa\/"},"modified":"2025-09-16T05:00:31","modified_gmt":"2025-09-16T03:00:31","slug":"neun-jahre-engagement-fur-deutsche-minderheiten-in-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/neun-jahre-engagement-fur-deutsche-minderheiten-in-europa\/","title":{"rendered":"Neun Jahre Engagement f\u00fcr deutsche Minderheiten in Europa"},"content":{"rendered":"<h1><strong>Bernard Gaida zieht Bilanz<\/strong><\/h1>\n<p><strong>Mit Bernard Gaida, dem Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Minderheiten (AGDM) in der FUEN, sprach Andrea Polanski \u00fcber die politische Lage und die Interessenvertretung deutscher Minderheiten in Europa, die Rolle der AGDM in Wahljahren sowie die Erfolge und Herausforderungen der letzten Amtsperioden.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>2025 war ein Wahljahr in vielen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern. Welche Unterschiede sehen Sie aus deutscher Perspektive in Bezug auf die Situation deutscher Minderheiten \u2013 aber auch in L\u00e4ndern wie Polen, Rum\u00e4nien oder Tschechien, wo ebenfalls Wahlen anstehen?<\/strong><\/p>\n<p>Aus der Vogelperspektive betrachtet unterscheiden sich die Situationen nat\u00fcrlich von Land zu Land. Wir merken teilweise, dass die gesellschaftliche Stimmung anti-europ\u00e4ischer oder euroskeptischer geworden ist als fr\u00fcher. Auch die Positionierungen zu Konflikten, wie etwa dem russischen Angriff auf die Ukraine, variieren stark zwischen den L\u00e4ndern. Das beeinflusst sehr stark auch die Einstellung zur Migrationspolitik, die politisch von nationalistisch und eurokritisch orientierten Parteien genutzt wird.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns als Arbeitsgemeinschaft Deutscher Minderheiten (AGDM) ist es wichtig, wie die Stimmung in den jeweiligen L\u00e4ndern ist. In Deutschland gab es 2025 ebenfalls Wahlen, die uns neue Perspektiven er\u00f6ffnet haben. Insgesamt w\u00fcrde ich sagen, dass sich die Lage nach den Wahlen generell nicht verschlechtert hat, obwohl die politische Atmosph\u00e4re in Europa insgesamt derzeit in gef\u00e4hrlicher Bewegung ist.<\/p>\n<p><strong>Haben die Wahlk\u00e4mpfe in Polen, Rum\u00e4nien und Deutschland das Thema der deutschen Minderheit aufgegriffen?<\/strong><\/p>\n<p>In Deutschland ist das Thema deutscher Minderheiten tats\u00e4chlich st\u00e4rker in den Fokus ger\u00fcckt. Vor den Wahlen haben wir viel daf\u00fcr getan, dass es Beachtung findet, insbesondere weil wir in der vorherigen Legislaturperiode durch die Ampelkoalition im Koalitionsvertrag nicht erw\u00e4hnt wurden. Zwar wurden wir weiterhin gef\u00f6rdert, aber die fehlende Nennung in einem so zentralen politischen Dokument hielten wir f\u00fcr problematisch. Nach den letzten Bundestagswahlen hat sich die Situation deutlich ver\u00e4ndert: Die deutschen Minderheiten werden nun nicht nur erw\u00e4hnt, sondern die F\u00f6rderung und Unterst\u00fctzung ist st\u00e4rker begr\u00fcndet \u2013 im Kontext der allgemeinen Politik, der Verantwortung und der Verpflichtung der Bundesrepublik Deutschland. Das war ein wichtiges Ziel f\u00fcr uns, und ich bin in dieser Hinsicht sehr zufrieden.<\/p>\n<p>Aktuell befinden wir uns in der Phase, in der manche im Koalitionsvertrag gemachten Versprechen erst umgesetzt werden. Dazu geh\u00f6rt beispielsweise die B\u00fcndelung aller F\u00f6rderressourcen, die fr\u00fcher auf das Ausw\u00e4rtige Amt, die BKM und das BMI verteilt waren, nun unter dem Dach des Bundesministeriums des Innern. Die genauen Details sind noch nicht vollst\u00e4ndig gekl\u00e4rt, aber deutlich wird: Die F\u00f6rderung und die Zukunft der deutschen Minderheiten werden in der Bundesregierung ernst genommen.<\/p>\n<div id=\"attachment_65479\" style=\"width: 415px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-65479\" class=\" wp-image-65479\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Bernard-Gaida_KW38-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"405\" height=\"405\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Bernard-Gaida_KW38-300x300.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Bernard-Gaida_KW38-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Bernard-Gaida_KW38-150x150.jpg 150w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Bernard-Gaida_KW38-768x768.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Bernard-Gaida_KW38.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 405px) 100vw, 405px\" \/><p id=\"caption-attachment-65479\" class=\"wp-caption-text\">Bernard Gaida<br \/>Foto: AGDM<\/p><\/div>\n<p><strong>Welche Rolle spielt die AGDM bei der politischen Interessensvertretung der deutschen Minderheit, insbesondere im Kontext von Wahljahren? Wie gestaltet sich die Arbeit der AGDM auf lokaler Ebene, zum Beispiel in Polen, Rum\u00e4nien und Tschechien?<\/strong><\/p>\n<p>Die AGDM f\u00fchrt selbst selten politische Aktivit\u00e4ten in den L\u00e4ndern durch, in denen unsere Mitgliedsorganisationen t\u00e4tig sind. Unser Beitrag besteht vielmehr darin, die deutschen Minderheiten vor Ort zu unterst\u00fctzen. In Rum\u00e4nien beispielsweise haben wir w\u00e4hrend der Pr\u00e4sidentschaftswahlen gesehen, wie wichtig es war, dass euroskeptische und russophile Tendenzen keine Mehrheit gewinnen \u2013 was gl\u00fccklicherweise erfolgreich war. Rum\u00e4nien konnte sich auf dieser Ebene verteidigen.<\/p>\n<p>In Polen hingegen ist die Lage schwieriger. Es ist noch zu fr\u00fch, die konkreten Folgen f\u00fcr die deutsche Minderheit einzusch\u00e4tzen. Eine Sorge ist der anhaltende Streit zwischen dem neu gew\u00e4hlten Pr\u00e4sidenten und der Regierung. Beide Regierungen \u2013 sowohl die polnische als auch die deutsche \u2013 haben zwar erkl\u00e4rt, den deutsch-polnischen Runden Tisch wieder aktivieren zu wollen, aber die steigenden anti-deutschen Tendenzen in der Politik k\u00f6nnten den Dialog mit der deutschen Regierung erschweren. Das w\u00fcrde die Umsetzung wichtiger Interessen der deutschen Minderheit behindern.<\/p>\n<p>In Deutschland hingegen ist die AGDM sehr aktiv. Wir haben zahlreiche Gespr\u00e4che im Bundestag gef\u00fchrt, arbeiten eng mit der Union der Vertriebenen (UdVA) der CDU\/CSU-Fraktion sowie SPD zusammen und setzen uns f\u00fcr konkrete \u00c4nderungen ein.<\/p>\n<p><strong>Wie hat sich der Austausch zwischen der AGDM und dem politischen Berlin seit dem Regierungswechsel ver\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde nicht von einer grunds\u00e4tzlichen Ver\u00e4nderung sprechen. Auch unter der Ampelkoalition hatten wir gute Kontakte, insbesondere zu SPD-Politikern, auch wenn wir im Koalitionsvertrag nicht erw\u00e4hnt waren. Mit der neuen Bundesregierung f\u00fchren wir diese Linie fort. Wir stehen in regelm\u00e4\u00dfigem Austausch mit konkreten Abgeordneten, etwa Klaus-Peter Willsch, dem Vorsitzenden der Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten in der CDU\/CSU-Fraktion.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem pflegen wir einen direkten Draht zu Bernd Fabritius, dem Beauftragten der Bundesregierung f\u00fcr Nationale Minderheiten und Aussiedlerfragen, und sind eng in laufende Projekte eingebunden. Kurz gesagt: Wir halten unsere aktive Pr\u00e4senz im Bundestag und in der Regierung kontinuierlich aufrecht, um die Interessen der deutschen Minderheiten wirksam zu vertreten.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>\u201eWir vertreten Deutsche in vielen L\u00e4ndern, k\u00f6nnen die deutsche Politik nicht direkt \u00e4ndern, aber unsere Pr\u00e4senz auf dieser Ebene erm\u00f6glicht es uns, die Interessen der deutschen Minderheiten in 25 L\u00e4ndern Europas und Zentralasiens wirksam zu bewahren \u2013 gerade in einem st\u00e4ndig ver\u00e4ndernden politischen Umfeld.\u201d<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Wie l\u00e4uft die Arbeit der AGDM aktuell?<\/strong><\/p>\n<p>Gut. Wir haben konkrete Ansprechpartner, die sehr offen gegen\u00fcber uns sind. Ein Beispiel daf\u00fcr: Zum ersten Mal durfte ich beim 75. Jubil\u00e4um der Charta der Vertriebenen neben dem Bundeskanzler Friedrich Merz vor Publikum sprechen. Obwohl die Veranstaltung der Charta der Vertriebenen gewidmet war, wollte man auch die Stimme der deutschen Minderheiten h\u00f6ren \u2013 nicht der Heimatvertriebenen, sondern der Heimatverbliebenen. Das ist ein Beleg daf\u00fcr, dass die Arbeit der AGDM in den letzten Jahren erfolgreich war.<\/p>\n<p><strong>Was steht bis zum Jahresende noch an?<\/strong><\/p>\n<p>Vor uns stehen zwei wichtige Veranstaltungen: der Kongress der FUEN mit Neuwahlen und die Jahrestagung der AGDM, ebenfalls mit Wahlen des Sprechers. Meine dritte Amtsperiode als AGDM-Sprecher endet in diesem Jahr. Laut Satzung kann ich nicht erneut antreten.<\/p>\n<p><strong>Wie blicken Sie auf Ihre drei Amtsperioden zur\u00fcck?<\/strong><\/p>\n<p>Neun Jahre zusammenzufassen, ist schwierig. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, kann ich sagen: Es ist mir gelungen, gemeinsam mit dem Koordinationsb\u00fcro der AGDM, die AGDM auf h\u00f6chster politischer Ebene in Deutschland sichtbar zu machen. Wir werden von den wichtigen Gremien wahrgenommen und haben direkte Ansprechpartner. Wir vertreten Deutsche in vielen L\u00e4ndern, k\u00f6nnen die deutsche Politik nicht direkt \u00e4ndern, aber unsere Pr\u00e4senz auf dieser Ebene erm\u00f6glicht es uns, die Interessen der deutschen Minderheiten in 25 L\u00e4ndern Europas und Zentralasiens wirksam zu bewahren \u2013 gerade in einem st\u00e4ndig ver\u00e4ndernden politischen Umfeld.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bernard Gaida zieht Bilanz Mit Bernard Gaida, dem Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Minderheiten (AGDM) in der FUEN, sprach Andrea Polanski \u00fcber die politische Lage und die Interessenvertretung deutscher Minderheiten in Europa, die Rolle der AGDM in Wahljahren sowie die Erfolge und Herausforderungen der letzten Amtsperioden.<\/p>\n","protected":false},"author":295,"featured_media":65480,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4232],"tags":[2016,2017,2023,3943,5507,3797,4395],"redaktor":[],"class_list":["post-70640","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-politik-de","tag-agdm","tag-bernard-gaida","tag-deutsche-minderheit","tag-deutsche-minderheit-in-polen","tag-deutsche-minderheit-in-rumaenien","tag-fuen","tag-rumaenien"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70640","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/295"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70640"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70640\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/65480"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70640"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70640"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70640"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=70640"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}