{"id":70572,"date":"2025-09-25T15:00:47","date_gmt":"2025-09-25T13:00:47","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/humor-ist-wenn-man-trotzdem-lacht-2\/"},"modified":"2025-09-25T15:00:47","modified_gmt":"2025-09-25T13:00:47","slug":"humor-ist-wenn-man-trotzdem-lacht-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/humor-ist-wenn-man-trotzdem-lacht-2\/","title":{"rendered":"Humor ist, wenn man trotzdem lacht!"},"content":{"rendered":"<h1><strong>\u00dcber den Komiker Ludwig Manfred Lommel<\/strong><\/h1>\n<p><strong>Humor ist, wenn man trotzdem lacht \u2013 und Humor hatte der 1891 in Jauer geborene Ludwig Manfred Lommel zum Gl\u00fcck reichlich. Dieser sowie sein schauspielerisches Talent waren sein Kapital, das er durch zwei Weltkriege hindurch \u201eretten\u201c konnte \u2013 und das umgekehrt vermutlich auch ihn gerettet hat.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>W\u00e4re er den Pl\u00e4nen des Vaters gefolgt, w\u00e4re Ludwig Manfred Lommels Leben wohl anders verlaufen \u2013 und ziemlich sicher h\u00e4tte er weniger zu lachen gehabt. Lommel Senior besa\u00df in Neukirch an der Katzbach eine Tuchfabrik, und f\u00fcr ihn war es selbstverst\u00e4ndlich, dass Sohn Ludwig den Betrieb einmal \u00fcbernehmen w\u00fcrde. Aus diesem Grund schickte er ihn nach Bremen, wo er bei einem befreundeten Kaufmann das Gesch\u00e4ft erlernen sollte.<\/p>\n<h2><strong>Theater statt Tuchfabrik<\/strong><\/h2>\n<p>Und seine Zeit in Bremen war \u2013 wie Lommel einmal selbst gegen\u00fcber Journalisten bekannte \u2013 durchaus eine f\u00fcr seine Berufslaufbahn pr\u00e4gende, jedoch nicht im Sinne des Vaters. F\u00fcr Wolle und Tuche interessierte sich der Fabrikantensohn n\u00e4mlich eher weniger, umso mehr f\u00fcr das Theater. Er war \u2013 laut eigener Auskunft \u2013 seinerzeit \u201ezuerst vor, dann hinter den Kulissen zu Gast\u201c und stand schlie\u00dflich \u201eals Eleve, Fach ,Jugendlicher Komiker\u2018, auf den Brettern, die die Welt bedeuten\u201c. Von diesen Brettern holte der Vater ihn erst einmal wieder herunter und schickte ihn nach London. Doch die Liebe zum Tuchhandel entwickelte er auch dort nicht \u2013 die zur Schauspielerei aber festigte sich.<\/p>\n<p>1910 ging Lommel zum Milit\u00e4r, danach war er als Vertreter unterwegs, bevor er 1914 schlie\u00dflich als Offizier eingezogen und an der Ostfront eingesetzt wurde. Mit seiner Begabung als Vortragsk\u00fcnstler unterhielt er seine Kameraden und brachte sie mit seinen humorvollen Darbietungen durch manch schwere Stunde.<\/p>\n<p>Nach Kriegsende stand der inzwischen zweifache Familienvater noch immer ohne Ausbildung da. Nachdem der v\u00e4terliche Betrieb die turbulenten Zeiten nicht \u00fcberstanden hatte und auch das Vertretergesch\u00e4ft schlecht lief, beschloss Lommel schlie\u00dflich, mit dem Geld zu verdienen, was er am besten konnte: Leute unterhalten. Er zog von Dorf zu Dorf, um die Menschen mit seiner Ein-Mann-Show zu erfreuen. \u00dcber den Beginn seiner B\u00fchnenkarriere schrieb er: \u201eIch war mein eigener Plakatankleber, mein eigener Billettverk\u00e4ufer und Kontrolleur, mein eigener Vorhangzieher und nat\u00fcrlich auch mein eigener Vortragsk\u00fcnstler.\u201c<\/p>\n<h2><strong>Durchbruch mit der \u201eBreslauer Funkstunde\u201c<\/strong><\/h2>\n<p>Bald folgten den Auftritten auf den D\u00f6rfern an Bober und Katzbach weitere Engagements in den Badeorten der Grafschaft Glatz und in Breslau. Entscheidend f\u00fcr seine weitere Karriere war die Entdeckung durch den Breslauer Rundfunkintendanten Friedrich Bischoff, der ihn zur Schlesischen Funkstunde holte.<\/p>\n<div id=\"attachment_65767\" style=\"width: 653px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-65767\" class=\" wp-image-65767\" src=\"https:\/\/wochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/2_Lommel-300x232.jpg\" alt=\"\" width=\"643\" height=\"497\" \/><p id=\"caption-attachment-65767\" class=\"wp-caption-text\">Lommel war ein Verwandlungsk\u00fcnstler und sprach alle Charaktere aus Runxendorf selbst.<br \/>Fotoalbum, Sammlung HAUS SCHLESIEN<\/p><\/div>\n<p>Im Jahr 1924 trat Lommel erstmals vor ein Mikrofon, ein Jahr sp\u00e4ter bot ihm Bischoff ein eigenes Format an: Die \u201eRunxendorfer Welle 0,5&#8243; ging auf Sendung. In dem fiktiven Ort Runxendorf waren Paul und Pauline Neugebauer zu Hause, denen Lommel in seinen zahlreichen Sketchen ebenso eine Stimme gab wie bis zu zehn weiteren Charakteren \u2013 nebst allen notwendigen Ger\u00e4uschen. Paul und Pauline wurden von Sendung zu Sendung popul\u00e4rer.<\/p>\n<p>Mit der Macht\u00fcbernahme der Nationalsozialisten 1933 brach jedoch das Ende der Schlesischen Funkstunde an \u2013 und damit auch das vorl\u00e4ufige Ende vom \u201eSender Runxendorf\u201c. Der Karriere von Lommel tat dies zun\u00e4chst keinen Abbruch: Die Geschichten aus Runxendorf waren inzwischen auch auf Schallplatte zu h\u00f6ren. Zudem schrieb Lommel mehrere Romane und brachte <em>Das lustige Lommel-Buch<\/em> und <em>Lache mit Lommel<\/em> heraus. Auch als Schauspieler war er t\u00e4tig, spielte in mehreren Kurzfilmen und drei Spielfilmen, darunter <em>Hahn im Korb<\/em>, mit.<\/p>\n<p>Der inzwischen in Berlin lebende Lommel wurde w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges zur Truppenbetreuung herangezogen; zum Milit\u00e4rdienst wurde er nicht mehr einberufen. Das letzte Kriegsjahr lebte er \u00f6stlich von Frankfurt an der Oder und begab sich \u2013 wie Millionen seiner Landsleute \u2013 1945 auf die Flucht.<\/p>\n<h2><strong>Identifikationsfigur der vertriebenen Schlesier<\/strong><\/h2>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg trat Lommel zun\u00e4chst wieder auf kleinen B\u00fchnen auf, konnte aber auch schon bald wieder mit seinem \u201eSender Runxendorf\u201c auf Sendung gehen. Von den Einnahmen, die er mit seinen Auftritten verdiente, floss ein gro\u00dfer Teil in das von ihm gegr\u00fcndete Lommel-Hilfswerk, das half, die Not der Vertriebenen zu lindern. F\u00fcr sein Engagement f\u00fcr die Kriegsversehrten und Vertriebenen wurde ihm 1956 das Bundesverdienstkreuz verliehen.<\/p>\n<p>Er leistete nicht nur finanzielle Hilfe, sondern wollte mit seinen humorigen Auftritten auch Trost spenden: F\u00fcr viele der heimatlos gewordenen Schlesier war er nach der Vertreibung eine Identifikationsfigur. Seine B\u00fccher wurden in der Nachkriegszeit wieder neu aufgelegt und fehlten in kaum einem schlesischen B\u00fccherschrank, die Sketche wurden in verschiedenen Sendern gespielt und auf Schallplatte verkauft.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Mit seinem Humor wollte Lommel auch Br\u00fccken schlagen zwischen Einheimischen und Vertriebenen. Das gelang ihm nur bedingt. Es waren \u00fcberwiegend seine Landsleute, die ihn sehen und h\u00f6ren wollten. Von der alteingesessenen bundesdeutschen Gesellschaft wurde er eher als Teil des Vertriebenenproblems wahrgenommen, als dass man seine komischen Talente erkannte.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Mit seinem Humor wollte Lommel auch Br\u00fccken schlagen zwischen Einheimischen und Vertriebenen. Das gelang ihm nur bedingt. Es waren \u00fcberwiegend seine Landsleute, die ihn sehen und h\u00f6ren wollten. Von der alteingesessenen bundesdeutschen Gesellschaft wurde er eher als Teil des Vertriebenenproblems wahrgenommen, als dass man seine komischen Talente erkannte.<\/p>\n<p>Seinen Landsleuten ein St\u00fcck Heimat zu geben, interessierte ihn jedoch mehr als sein pers\u00f6nlicher Erfolg. Sein Humor, den er durch Krieg und Flucht zum Gl\u00fcck nicht verloren hatte, sicherte Lommel nicht nur seine wirtschaftliche Existenz \u2013 als Ein-Mann-Betrieb konnte er schnell wieder seine Arbeit aufnehmen \u2013 sondern half ihm auch, die Schicksalsschl\u00e4ge des Lebens besser zu ertragen.<\/p>\n<p>Aber nicht nur sich selbst, sondern auch seinen Landsleuten hat er damit geholfen. Damit hat Lommel ganz im Sinne seines Landsmanns Otto Julius Bierbaum (1865\u20131910) gehandelt, der einst \u00e4u\u00dferte: <strong>\u201eHumor ist, wenn man trotzdem lacht.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Ludwig Manfred Lommel starb im September 1962 nach einem Auftritt in Bad Nauheim. Lommels Lebensweg sowie die Biografien drei weiterer schlesischer Kunstschaffender zeichnet die Ausstellung <strong>\u201e\u00dcberLebensK\u00fcnstler. Vier K\u00fcnstler, zwei Generationen, ein Schicksal: Krieg und Heimatverlust 1945\u201c<\/strong> nach, die im <strong>HAUS SCHLESIEN<\/strong> zu sehen ist und die Spuren thematisiert, die Krieg, Flucht und Vertreibung 1945 im Lebenslauf dieser vier K\u00fcnstler hinterlassen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Silke Findeisen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Schlesien heute<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Unterschriften zu den Bildern:<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Lommel bekommt von dem nieders\u00e4chsischen Ministerpr\u00e4sidenten Heinrich Hellwege das Bundesverdienstkreuz \u00fcberreicht.<br \/>\n<em>Foto: Sammlung HAUS SCHLESIEN<\/em><\/li>\n<li>Lommel war ein Verwandlungsk\u00fcnstler und sprach alle Charaktere aus Runxendorf selbst.<br \/>\n<em>Fotoalbum, Sammlung HAUS SCHLESIEN<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>Hvh:<\/p>\n<p>Mit seinem Humor wollte Lommel auch Br\u00fccken schlagen zwischen Einheimischen und Vertriebenen. Das gelang ihm nur bedingt. Es waren \u00fcberwiegend seine Landsleute, die ihn sehen und h\u00f6ren wollten. Von der alteingesessenen bundesdeutschen Gesellschaft wurde er eher als Teil des Vertriebenenproblems wahrgenommen, als dass man seine komischen Talente erkannte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber den Komiker Ludwig Manfred Lommel Humor ist, wenn man trotzdem lacht \u2013 und Humor hatte der 1891 in Jauer geborene Ludwig Manfred Lommel zum Gl\u00fcck reichlich. Dieser sowie sein schauspielerisches Talent waren sein Kapital, das er durch zwei Weltkriege hindurch \u201eretten\u201c konnte \u2013 und das umgekehrt vermutlich auch ihn gerettet hat.<\/p>\n","protected":false},"author":295,"featured_media":65766,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4224,5625],"tags":[5569,5570,5571,5572,5573,3177],"redaktor":[],"class_list":["post-70572","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte-de","category-kultur-de","tag-breslauer-funkstunde","tag-humor","tag-lommel-hilfswerk","tag-ludwig-manfred-lommel","tag-sender-runxendorf","tag-theater"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70572","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/295"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70572"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70572\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/65766"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70572"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70572"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70572"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=70572"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}