{"id":70557,"date":"2025-09-27T05:00:41","date_gmt":"2025-09-27T03:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/kasachstan-ist-ein-teil-von-mir-auf-spurensuche-im-land-der-eigenen-wurzeln-2\/"},"modified":"2025-09-27T05:00:41","modified_gmt":"2025-09-27T03:00:41","slug":"kasachstan-ist-ein-teil-von-mir-auf-spurensuche-im-land-der-eigenen-wurzeln-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/kasachstan-ist-ein-teil-von-mir-auf-spurensuche-im-land-der-eigenen-wurzeln-2\/","title":{"rendered":"\u201eKasachstan ist ein Teil von mir\u201c: Auf Spurensuche im Land der eigenen Wurzeln"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Entsendeprogramm des Instituts f\u00fcr Auslandsbeziehungen (ifa) unterst\u00fctzt Organisationen der deutschen Minderheit in Osteuropa und Zentralasien durch den Einsatz von Kulturmanager:innen sowie Redakteur:innen. Mit ihrem Fachwissen helfen sie nicht nur bei Projekten, sondern auch dabei, ein modernes Deutschland- und Europabild zu vermitteln und die kulturelle Vermittlerrolle der Organisationen zu st\u00e4rken. Wir sprechen mit den Entsandten \u00fcber ihre Aufgaben, Ziele und Beweggr\u00fcnde f\u00fcr diese interkulturelle T\u00e4tigkeit. Mit Annabel Rosin, ifa-Redakteurin bei der Deutschen Allgemeinen Zeitung (DAZ) f\u00fcr Kasachstan und Zentralasien, sprach Victoria Matuschek.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><!--more--><strong>Wie bist du zum ifa-Entsendeprogramm gekommen und warum war f\u00fcr dich die Deutsche Allgemeine Zeitung (DAZ) in Almaty der richtige Einsatzort?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe Politikwissenschaft und Soziologie im Bachelor an der Universit\u00e4t W\u00fcrzburg studiert. Gegen Ende des Studiums stand ein Pflichtpraktikum an \u2013 mindestens sechs Wochen \u2013 und das habe ich bei der DAZ in Almaty absolviert. Dort habe ich den damaligen ifa-Redakteur kennengelernt und durch ihn zum ersten Mal vom ifa-Entsendeprogramm erfahren. Seine Arbeit fand ich unglaublich spannend, und es hat mich sehr beeindruckt, dass es so ein Programm \u00fcberhaupt gibt. Als die Stelle sp\u00e4ter frei wurde, habe ich mich beworben \u2013 und es hat geklappt.<\/p>\n<div id=\"attachment_64240\" style=\"width: 1930px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-64240\" class=\"size-full wp-image-64240\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_8238_11zon-scaled-1.jpeg\" alt=\"\" width=\"1920\" height=\"2560\" \/><p id=\"caption-attachment-64240\" class=\"wp-caption-text\">Annabel Rosin, ifa-Redakteurin bei der Deutschen Allgemeinen Zeitung in Almaty<br \/>Foto: privat<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Du hattest also bereits im Vorfeld Kontakt zur Entsendeorganisation \u2013 das ist schon eine Besonderheit. Du hast ja auch famili\u00e4re Wurzeln in Kasachstan. Welche Rolle haben diese bei deiner Entscheidung gespielt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Eltern sind 1990 und 1991 als Aussiedler aus Kasachstan nach Deutschland gekommen \u2013 aufgrund ihrer deutschen Abstammung. Lange Zeit war Kasachstan f\u00fcr mich nur ein Land aus Erz\u00e4hlungen. Meine Eltern und Gro\u00dfeltern haben oft von ihrer Kindheit hier berichtet, was ich immer sehr spannend fand. Ich wollte diese Geschichten irgendwann einordnen k\u00f6nnen und selbst ein Bild davon haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2018 bin ich dann gemeinsam mit meinen Eltern zum ersten Mal nach Kasachstan gereist \u2013 auch in die D\u00f6rfer, in denen sie aufgewachsen sind. Das war eine sehr sch\u00f6ne Erfahrung. Nat\u00fcrlich war vieles fremd: eine andere Kultur, eine neue Umgebung. Gleichzeitig f\u00fchlte es sich aber auch vertraut an, weil mir viele Verhaltensweisen und Mentalit\u00e4ten sehr bekannt vorkamen \u2013 Dinge, die ich von zu Hause kannte. Das hat mir gezeigt, dass mir das Ankommen hier wahrscheinlich leichter fallen w\u00fcrde. Die Sprache, die Umgangsformen, selbst die Essgewohnheiten \u2013 das alles war mir vertraut und hat meine Entscheidung f\u00fcr die Stelle auf jeden Fall best\u00e4rkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Du hast die Sprache angesprochen \u2013 Kasachstan ist ja ein sehr vielsprachiges Land: Kasachisch, Russisch, Deutsch\u2026 Welche Rolle spielt Sprache in deinem Arbeitsalltag, und wie navigierst du zwischen den verschiedenen Sprachwelten?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Alltag spreche ich haupts\u00e4chlich Russisch. Nat\u00fcrlich steht auch Deutsch im Fokus, aber im t\u00e4glichen Leben nimmt Russisch eine dominantere Rolle ein. Wenn ich l\u00e4ngere Zeit kein richtiges Gespr\u00e4ch auf Deutsch gef\u00fchrt habe \u2013 E-Mails mal ausgenommen \u2013 merke ich manchmal, wie mir deutsche Begriffe fehlen. Dann denke ich auf Russisch und suche nach der passenden \u00dcbersetzung. Das h\u00e4tte ich fr\u00fcher nie gedacht. Zwar bin ich zweisprachig aufgewachsen, aber zu Hause haben wir Kinder immer Deutsch gesprochen, auch wenn meine Eltern sich \u00fcberwiegend auf Russisch unterhalten haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Interesse an der russischen Sprache kam erst relativ sp\u00e4t. Als Kind habe ich das Russische eher verdr\u00e4ngt. Wir wollten in der Schule nicht auffallen und haben unsere Eltern sogar gebeten, keine russische Musik im Auto zu h\u00f6ren. Erst sp\u00e4ter wurde mir bewusst, wie hilfreich diese sprachliche Kompetenz eigentlich ist. Heute bin ich sehr dankbar daf\u00fcr, dass ich Russisch gut beherrsche \u2013 besonders in der Arbeit bei der DAZ. Die meisten Nachrichten \u00fcber das Land erscheinen auf Russisch. Kasachisch kann ich leider nicht, auch wenn ich die Sprache sehr interessant finde. Aber gerade beim Recherchieren und Aufbereiten von Inhalten ist das Russische f\u00fcr mich zentral, um Themen dann f\u00fcr unsere deutschsprachige Leserschaft zug\u00e4nglich zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Ich denke, es ist kein ungew\u00f6hnliches Ph\u00e4nomen, dass Menschen mit famili\u00e4ren Wurzeln in einem anderen Land sich erst mit der Zeit und durch intensiveres Auseinandersetzen st\u00e4rker mit ihrer kulturellen Herkunft identifizieren. Wie hat es dich beeinflusst, jetzt vor Ort in Almaty zu sein und die Menschen dort kennenzulernen? Und was hast du \u00fcber dich selbst gelernt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor meinem Praktikum hier in Almaty wusste ich lange nicht, dass es hier noch eine deutsche Minderheit gibt. Ich dachte, alle Deutschen in Kasachstan seien ausgewandert, so wie meine Eltern, aber tats\u00e4chlich leben hier noch etwa 226.000 Deutsche. Das ist ein gro\u00dfer Anteil der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Menschen, die ich kennenlernen durfte, erz\u00e4hlten mir zum Beispiel, dass sie Deutsch und Russisch mischen \u2013 deutsche Verben mit russischen Endungen. Das fand ich unglaublich spannend, weil ich das so au\u00dferhalb Deutschlands nie erwartet h\u00e4tte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferdem habe ich viele Traditionen wiedererkannt, die meine Eltern aus der Sowjetzeit mitgebracht haben: Gastfreundschaft, nie mit leeren H\u00e4nden kommen, hilfsbereit sein und auch das letzte St\u00fcck Brot teilen. Das pr\u00e4gt mich sehr und zeigt mir, dass Kasachstan ein Teil von mir ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Du hast gerade die deutsche Minderheit in Kasachstan erw\u00e4hnt, die trotz historischer Entwicklungen und Auswanderungen weiterhin pr\u00e4sent ist. Wie stark ist sie im gesellschaftlichen Leben sichtbar, und wie erlebst du das im Arbeitsalltag?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Deutschen sind hier in Kasachstan wirklich sehr pr\u00e4sent. Es gibt zum Beispiel die Volksversammlung Kasachstans, in der alle ethnischen Gruppen vertreten sind \u2013 \u00fcber 100 an der Zahl. Auch die deutsche Minderheit nimmt daran aktiv teil.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich kann insbesondere von der Wiedergeburt-Gesellschaft in Almaty berichten, da wir unsere B\u00fcros gemeinsam im Deutschen Haus haben. Bei Veranstaltungen ist deutlich zu sehen, wie engagiert die deutsche Gemeinschaft ist \u2013 sie ist stets sichtbar und aktiv vertreten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein gutes Beispiel ist der Tag der Volkseinheit, der jedes Jahr am 1. Mai gefeiert wird. Auch dort sind die Deutschen regelm\u00e4\u00dfig mit einem eigenen Stand pr\u00e4sent und f\u00fchren traditionelle deutsche T\u00e4nze auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dar\u00fcber hinaus gibt es viele Kasachstandeutsche, die hier erfolgreiche Unternehmen aufgebaut haben und einen bedeutenden Beitrag zur Wirtschaft des Landes leisten. Sie genie\u00dfen hohes Ansehen \u2013 nicht selten werden sie auch vom kasachischen Pr\u00e4sidenten pers\u00f6nlich besucht.<\/p>\n<div id=\"attachment_64242\" style=\"width: 1828px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-64242\" class=\"wp-image-64242 size-full\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_8016_11zon-scaled-e1753884448902.jpeg\" alt=\"\" width=\"1818\" height=\"2300\" \/><p id=\"caption-attachment-64242\" class=\"wp-caption-text\">Annabel Rosin gemeinsam mit Natalie Pawlik, Staatsministerin und Beauftragte f\u00fcr Migration, Fl\u00fcchtlinge und Integration<br \/>Foto: privat<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Minderheiten? Gibt es gemeinsame Projekte oder Veranstaltungen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, auf jeden Fall \u2013 st\u00e4ndig. Das ist auch ganz im Sinne des Leitgedankens der Volksversammlung Kasachstans: Man m\u00f6chte zeigen, dass Kasachstan ein multiethnisches Land ist, in dem zahlreiche Nationalit\u00e4ten nicht nur nebeneinander, sondern wirklich miteinander in Harmonie leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es finden regelm\u00e4\u00dfig Veranstaltungen und Projekte statt. Unsere Chefredakteurin, Olesya Klimenko, ist selbst Mitglied der Volksversammlung hier in Almaty und nimmt h\u00e4ufig an solchen Aktivit\u00e4ten teil.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man trifft sich zum Beispiel gelegentlich in den Bergen \u2013 etwa zum Tag der Staatssymbole am 4. Juni. An diesem Tag versammelt man sich, um gemeinsam eine gro\u00dfe kasachische Flagge zu hissen \u2013 ein starkes Symbol des Zusammenhalts und der nationalen Identit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solche Erlebnisse zeigen eindrucksvoll, wie aktiv und vielf\u00e4ltig das gesellschaftliche Leben hier ist. Das ist wirklich etwas Besonderes \u2013 und etwas, worauf das Land sehr stolz sein kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Das klingt nach einer starken nationalen Identit\u00e4t, die \u00fcber ethnische Zugeh\u00f6rigkeiten hinausgeht. Wie erlebst du das?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was mir hier in Kasachstan besonders aufgefallen ist \u2013 und vielleicht ist das tats\u00e4chlich eine Besonderheit \u2013 ist, dass im Pass auch die ethnische Zugeh\u00f6rigkeit angegeben wird. Trotzdem haben alle einen kasachstanischen Pass, also dieselbe Staatsb\u00fcrgerschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich verwende hier bewusst den Begriff Kasachstaner. Denn Begriffe wie \u201eKasache\u201c oder \u201ekasachisch\u201c beziehen sich nur auf die ethnischen Kasachen und schlie\u00dfen andere Volksgruppen aus. Mit Kasachstaner meinen wir hingegen alle Staatsb\u00fcrger \u2013 also auch die russische, deutsche, tatarische und viele andere Gemeinschaften. Auf die Wortwahl zu achten, ist hier wirklich wichtig, denn Sprache spiegelt auch das gesellschaftliche Miteinander wider.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und genau dieses Gef\u00fchl der Verbundenheit sieht man auch immer wieder \u2013 sei es in Gespr\u00e4chen oder in sozialen Medien. Viele Menschen sagen offen: \u201eIch bin zwar ethnisch Russe oder Deutsche, aber ich lebe in Kasachstan \u2013 das ist mein Land, meine Heimat, und darauf bin ich stolz.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Kommen wir zu deiner T\u00e4tigkeit als ifa-Redakteurin. Was sind deine Aufgaben bei der DAZ?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die DAZ ist eine Wochenzeitung, die zweisprachig erscheint \u2013 insgesamt auf zw\u00f6lf Seiten, davon sechs auf Russisch und sechs auf Deutsch. Als ifa-Redakteurin bin ich f\u00fcr die deutschsprachigen Seiten verantwortlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Mittelpunkt steht dabei nat\u00fcrlich die Frage: Was gibt es Neues und Relevantes f\u00fcr unsere deutschsprachige Leserschaft? Wie bereitet man die Themen so auf, dass sie informativ und ansprechend sind? Unsere Leserschaft sitzt zum Gro\u00dfteil in Deutschland, die, das pr\u00e4gt auch die Auswahl und Aufbereitung der Inhalte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiterer wichtiger Teil meiner Arbeit ist die Betreuung unserer freien Autor:innen. Viele von ihnen leben in Deutschland, darunter auch zahlreiche Kasachstandeutsche, die dorthin \u00fcbergesiedelt sind. Das ist besonders wertvoll, denn gerade in St\u00e4dten wie Berlin finden mittlerweile viele Veranstaltungen statt, die sich mit Kasachstan oder ganz allgemein mit Zentralasien besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir dort jemanden vor Ort haben, der einen Beitrag schreiben kann, freuen wir uns nat\u00fcrlich sehr. Diese Texte bearbeite ich anschlie\u00dfend redaktionell, damit sie publiziert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferdem betreue ich unsere Praktikant:innen \u2013 die kommen \u00fcberwiegend aus Deutschland. Meistens studieren sie etwas im Bereich Osteuropastudien und absolvieren bei uns ihr Pflichtpraktikum. Aber inzwischen bewerben sich auch viele, die einfach Interesse am Thema mitbringen, ihr Studium bereits abgeschlossen haben und journalistische Erfahrung sammeln m\u00f6chten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie bringen eigene Themenvorschl\u00e4ge ein, schreiben Artikel, und ich unterst\u00fctze sie mit regelm\u00e4\u00dfigem Feedback, damit sie bei uns wirklich etwas lernen und einen guten Einblick in den journalistischen Alltag bekommen.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>\u201eIn Kasachstan ist Vielfalt kein Gegensatz zur Einheit, sondern ihr Fundament.\u201c<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Ist die DAZ eher Sprachrohr der deutschen Minderheit oder Plattform f\u00fcr interkulturellen Dialog?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich finde, sie ist beides. Die Zeitung existiert seit 1966, damals noch unter dem Namen \u201eFreundschaft\u201c, und war lange das einzige deutschsprachige Medium f\u00fcr die deutsche Minderheit vor Ort. Auch heute erf\u00fcllt sie noch diese Funktion \u2013 vor allem in der Printausgabe, die w\u00f6chentlich in einer Auflage von 1000 St\u00fcck erscheint und vor allem von der \u00e4lteren Generation gelesen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichzeitig hat sich das Publikum erweitert. Viele Deutsche aus Deutschland lesen uns \u2013 auch ohne direkten Kasachstan-Bezug. Es gibt kein vergleichbares deutschsprachiges Medium in ganz Zentralasien, das macht uns f\u00fcr viele interessant: Menschen, die sich f\u00fcr die Region interessieren, Gesch\u00e4ftsleute, die hier investieren wollen, oder Tourist:innen. Gerade der Tourismus nimmt sp\u00fcrbar zu, besonders aus Deutschland und England. Und weil die Region in deutschen Medien kaum vorkommt, sind wir f\u00fcr viele die erste Anlaufstelle, wenn sie etwas \u00fcber Kasachstan, Usbekistan oder Zentralasien erfahren wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Und wie wird die DAZ von der russischsprachigen Bev\u00f6lkerung wahrgenommen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Leserschaft des russischen Teils, das sind viele, die nach Deutschland ausgesiedelt sind \u2013 viele von ihnen sprechen bis heute besser Russisch als Deutsch. Aber auch hier in Kasachstan gibt es viele Leser:innen, die sich f\u00fcr Deutschland oder die Geschichte der deutschen Minderheit interessieren. Die Artikel kommen auch au\u00dferhalb der Community gut an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Gab es f\u00fcr dich ein besonderes Highlight in diesem Entsendejahr?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein echtes Highlight war gleich zu Beginn meines Entsendejahres im September: Ich durfte gemeinsam mit unserer Chefredakteurin an dem Treffen von Pr\u00e4sident Toqajew mit Olaf Scholz teilnehmen. Die deutsche Botschaft in Astana hat uns eingeladen und den Zugang erm\u00f6glicht. Das war nat\u00fcrlich etwas ganz Besonderes \u2013 so eine Gelegenheit h\u00e4tte ich in Deutschland am Anfang meiner Karriere wohl nie gehabt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir konnten tolle Fotos machen, eigene Artikel schreiben \u2013 das war eine einmalige Erfahrung auf allerh\u00f6chstem Niveau.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Mai war dann auch Bundesratspr\u00e4sidentin Anke Rehlinger zu Besuch. Sie hat zu einem Abendessen eingeladen \u2013 und obwohl viele Leute da waren, hat sie sich wirklich Zeit genommen und auch mit mir gesprochen. Ich konnte ein bisschen vom ifa und der DAZ erz\u00e4hlen, und sie war richtig begeistert, dass es so etwas gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solche Begegnungen sch\u00e4tze ich sehr hier. Man merkt einfach, dass das Interesse an Zentralasien w\u00e4chst \u2013 und dadurch entstehen auch f\u00fcr uns vor Ort viele besondere M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<div id=\"attachment_64241\" style=\"width: 1930px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-64241\" class=\"size-full wp-image-64241\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_6339_11zon-scaled-1.jpeg\" alt=\"\" width=\"1920\" height=\"2560\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_6339_11zon-scaled-1.jpeg 1920w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_6339_11zon-scaled-1-225x300.jpeg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_6339_11zon-scaled-1-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_6339_11zon-scaled-1-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_6339_11zon-scaled-1-1536x2048.jpeg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><p id=\"caption-attachment-64241\" class=\"wp-caption-text\">Ein malerischer Ausblick auf den Sportkomplex Medeo nahe Almaty, perfekt f\u00fcr Naturliebhaber und Winterfreunde.<br \/>Foto: privat<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Was sollte man mitbringen, wenn man sich f\u00fcr ein Entsendejahr in Kasachstan interessiert?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich w\u00fcrde sagen: vor allem Spontanit\u00e4t. Hier l\u00e4uft vieles anders als in Deutschland \u2013 Dinge k\u00f6nnen sich von einem Moment auf den n\u00e4chsten \u00e4ndern. Man muss flexibel bleiben, gelassen reagieren und nichts pers\u00f6nlich nehmen, auch wenn es manchmal so wirkt, als l\u00e4ge es an einem selbst. Das ist hier oft einfach normal.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und ganz wichtig: Sprachkenntnisse. Mit Englisch kommt man meines Erachtens nicht weit. Wer wirklich verstehen will, was in der Gesellschaft passiert, was diskutiert wird, der braucht Russisch oder Kasachisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Was macht die Region f\u00fcr dich besonders bzw. warum sollte man nach Kasachstan reisen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz klar: die Natur. Sie ist hier wirklich etwas Besonderes \u2013 aufregend und atemberaubend. Vor allem rund um Almaty gibt es extrem viel zu entdecken: Berge, die man in nur einer halben Stunde vom Stadtzentrum aus erreicht, aber auch Canyons, Seen und vieles mehr. Die Region \u2013 eigentlich das ganze Land \u2013 hat unglaublich viele sch\u00f6ne Orte. Wer Natur liebt, ist hier genau richtig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Und zu guter Letzt: Was sollte man in Kasachstan kulinarisch probieren?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kulinarisch wird es auf jeden Fall spannend \u2013 aber wer kein Fleisch isst, hat es hier nicht ganz leicht, denn die meisten traditionellen Gerichte enthalten Fleisch. Das Nationalgericht Beschbarmak etwa wird klassisch mit Pferdefleisch zubereitet. Wer es probieren m\u00f6chte: Ich kann es empfehlen. Auch Plov ist ein typisches Gericht, das man hier unbedingt probieren sollte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Entsendeprogramm des Instituts f\u00fcr Auslandsbeziehungen (ifa) unterst\u00fctzt Organisationen der deutschen Minderheit in Osteuropa und Zentralasien durch den Einsatz von Kulturmanager:innen sowie Redakteur:innen. Mit ihrem Fachwissen helfen sie nicht nur bei Projekten, sondern auch dabei, ein modernes Deutschland- und Europabild zu vermitteln und die kulturelle Vermittlerrolle der Organisationen zu st\u00e4rken. Wir sprechen mit den Entsandten [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":267,"featured_media":70525,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[6045,5625,4229],"tags":[5564,5565,2294,5901,2295,4976],"redaktor":[],"class_list":["post-70557","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bildung","category-kultur-de","category-kulturbildung-de","tag-almaty","tag-deutsche-allgemeine-zeitung","tag-ifa-entsendeprogramm","tag-institut-fuer-auslandsbeziehungen","tag-institut-fur-auslandsbeziehungen","tag-kasachstan"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70557","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/267"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70557"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70557\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/70525"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70557"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70557"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70557"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=70557"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}