{"id":70533,"date":"2025-09-30T11:00:20","date_gmt":"2025-09-30T09:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/was-verbindet-oberschlesien-kleinpolen-und-estland-2\/"},"modified":"2025-09-30T11:00:20","modified_gmt":"2025-09-30T09:00:20","slug":"was-verbindet-oberschlesien-kleinpolen-und-estland-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/was-verbindet-oberschlesien-kleinpolen-und-estland-2\/","title":{"rendered":"Was verbindet Oberschlesien, Kleinpolen und Estland?"},"content":{"rendered":"<h1><strong>Kolumne: Aus der Mottenkiste der Geschichte<\/strong><\/h1>\n<p><strong>Wie aus den Aufzeichnungen des <em>Diarium<\/em> der Jesuiten aus Oppeln hervorgeht, begannen am 10. Oktober 1925 Exerzitien f\u00fcr Lehrer der Oppelner Schulen. Dieses Jahr war zugleich das erste Jahr der T\u00e4tigkeit der Jesuiten, die nach der Aufl\u00f6sung des Ordens im Jahr 1773 erstmals wieder ein Haus in Oberschlesien er\u00f6ffneten. Als Standort wurde Oppeln gew\u00e4hlt, wo die n\u00f6rdliche Provinz der Jesuiten ein Geb\u00e4ude in der heutigen ul. Grunwaldzka erwarb.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Offiziell fanden die ersten Missionen der Oppelner Jesuiten am 1. Januar 1925 in der sch\u00f6nen Holzkirche St. Michael in Xiondslas statt, wo Pater Leopold Willimsky SJ predigte. Im <em>Diarium<\/em> der Oppelner Jesuiten lesen wir auf der ersten Seite: \u201eZur Missionsprobe kamen Pater Eduard Profittlich aus Dziedzitz und Pater Paul Banaschik aus Exaten aus der dritten Probezeit hierher. Ziel dieser Einrichtung: (\u2026) organisatorische Basis f\u00fcr Aktivit\u00e4ten in ganz Oberschlesien.\u201d<\/p>\n<div id=\"attachment_65978\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-65978\" class=\" wp-image-65978\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Eduard_Profittlich-221x300.png\" alt=\"\" width=\"490\" height=\"665\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Eduard_Profittlich-221x300.png 221w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Eduard_Profittlich.png 383w\" sizes=\"auto, (max-width: 490px) 100vw, 490px\" \/><p id=\"caption-attachment-65978\" class=\"wp-caption-text\">1931 wurde Eduard Profittlich Titularerzbischof in Estland.<\/p><\/div>\n<p>\u00dcber jeden der ersten Jesuiten in Oberschlesien lie\u00dfe sich viel schreiben. Am meisten interessiert uns jedoch der selige Pater Eduard Profittlich SJ, der am 6. September 2025 in Tallinn, der Hauptstadt Estlands, seliggesprochen wurde. Damit hat unser Land einen direkten Bezug zu diesem neuen Seligen der Kirche.<\/p>\n<p>Eduard Profittlich wurde am 11. September 1890 in Birrsdorf in Rheinland-Pfalz \u2013 einer Partnerregion der Woiwodschaft Oppeln \u2013 geboren. Schon fr\u00fch trat er in den Jesuitenorden ein und wollte wie sein Bruder Missionar werden. Sein Wunsch, im Osten zu wirken, f\u00fchrte ihn nach Krakau, wo er zwei Doktorgrade \u2013 in Philosophie und Theologie \u2013 erwarb und zugleich die polnische Sprache erlernte.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Trotz der Gefahr half Erzbischof Profittlich Hunderten von Menschen bei der Flucht und rettete ihnen so das Leben, weigerte sich aber standhaft, seine Gemeinde zu verlassen.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Im August 1925 kam der junge Jesuit nach Oppeln, wo er bis 1928 missionarisch t\u00e4tig war, auch unter der polnischsprachigen Bev\u00f6lkerung. Neue Aufgaben f\u00fchrten ihn anschlie\u00dfend nach Hamburg, wo er die dortige polnische Gemeinde betreute und seine feierlichen Gel\u00fcbde ablegte. Dank seiner Sprachkenntnisse entsandte ihn der Orden nach Estland, wo er in Tallinn die Pfarrei St. Peter und Paul \u00fcbernahm. 1931 wurde er Apostolischer Administrator Estlands, 1936 ernannte ihn Papst Pius XI. zum Titularerzbischof.<\/p>\n<p>Sein Wirken fiel in eine schwierige Zeit: In den 1930er Jahren gewannen in Estland extremistische Gruppierungen \u2013 Faschisten und Kommunisten \u2013 an Einfluss. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und der Aufteilung Osteuropas durch Hitler und Stalin begann f\u00fcr Estland ein dunkles Kapitel. Am 17. Juni 1940 marschierten sowjetische Truppen ein, und das Land wurde der UdSSR eingegliedert. Es folgte eine Welle brutaler Verfolgungen.<\/p>\n<div id=\"attachment_65977\" style=\"width: 522px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-65977\" class=\" wp-image-65977\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/profittlich-foto-Stefi_Easy-Resize.com_-e1759219291442-217x300.jpg\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"708\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/profittlich-foto-Stefi_Easy-Resize.com_-e1759219291442-217x300.jpg 217w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/profittlich-foto-Stefi_Easy-Resize.com_-e1759219291442-741x1024.jpg 741w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/profittlich-foto-Stefi_Easy-Resize.com_-e1759219291442-768x1061.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/profittlich-foto-Stefi_Easy-Resize.com_-e1759219291442.jpg 853w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><p id=\"caption-attachment-65977\" class=\"wp-caption-text\">Eduard Profittlich wurde am 6. September 2025 seliggesprochen.<br \/>Foto: Stefani Koprek-Golomb<\/p><\/div>\n<p>Trotz der Gefahr half Erzbischof Profittlich Hunderten von Menschen bei der Flucht und rettete ihnen so das Leben, weigerte sich aber standhaft, seine Gemeinde zu verlassen. Der sowjetische Terror forderte in Estland rund 23.000 Opfer. Im Januar 1941 schrieb Profittlich an den Papst in Rom: \u201eIch wei\u00df, dass Leiden und Martyrium im Hinblick auf Gottes Werk eine tiefe Bedeutung haben und dass sie sich f\u00fcr das Heil der Seelen als noch fruchtbarer erweisen k\u00f6nnen als das Apostolat. Ich f\u00fcr meinen Teil bin bereit, diesen Weg ohne Z\u00f6gern zu gehen.\u201d<\/p>\n<p>Am 27. Juni 1941 wurde er vom NKWD verhaftet. F\u00fcnf Jahrzehnte lang blieb sein Schicksal ungewiss. Erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion konnten seine Familie und die Beh\u00f6rden des wiedergeborenen Estlands dank der Akten des NKWD die Wahrheit rekonstruieren: Profittlich wurde schwer gefoltert, am 27. November 1941 in einem Scheinprozess auf Grundlage falscher Aussagen wegen angeblicher Spionage zum Tode verurteilt und starb am 22. Februar 1942 im Alter von 51 Jahren an den Folgen der Misshandlungen im Gef\u00e4ngnis.<\/p>\n<p>Mit der Seligsprechung Eduard Profittlichs SJ am 6. September 2025 haben Polen, Deutschland und Estland einen gemeinsamen Seligen gewonnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kolumne: Aus der Mottenkiste der Geschichte Wie aus den Aufzeichnungen des Diarium der Jesuiten aus Oppeln hervorgeht, begannen am 10. Oktober 1925 Exerzitien f\u00fcr Lehrer der Oppelner Schulen. Dieses Jahr war zugleich das erste Jahr der T\u00e4tigkeit der Jesuiten, die nach der Aufl\u00f6sung des Ordens im Jahr 1773 erstmals wieder ein Haus in Oberschlesien er\u00f6ffneten. 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