{"id":70435,"date":"2025-10-01T12:00:06","date_gmt":"2025-10-01T10:00:06","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/70435\/"},"modified":"2025-10-01T12:00:06","modified_gmt":"2025-10-01T10:00:06","slug":"70435","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/70435\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<h1><strong>Identifiziert sich Oppeln mit der Region?<\/strong><\/h1>\n<p><strong>Der \u201eKongress \u00fcber Minderheiten\u201d in Oppeln letzte Woche war zweifellos ein Erfolg f\u00fcr die Organisatoren, die unter der Leitung von Dr. Marek Mazurkiewicz, mit dem ich im Rahmen des Forschungszentrums der deutschen Minderheit zusammenarbeite, eine wissenschaftliche und popul\u00e4rwissenschaftliche Veranstaltung von internationaler Bedeutung ausgerichtet haben.<\/strong><\/p>\n<p>Eine Veranstaltung dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung ist im universit\u00e4ren Milieu Oppelns keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, daher schlie\u00dfe ich mich den zahlreichen Gl\u00fcckw\u00fcnschen und Lobesworten an, die die Universit\u00e4t Oppeln zusammen mit einer Reihe von Institutionen und NGOs erhalten hat. Die Teilnehmer kamen aus vielen L\u00e4ndern, darunter Deutschland, Italien, Frankreich, die Schweiz, Tschechien, Gro\u00dfbritannien und andere. Der Kongress und die begleitenden Sitzungen sowohl des Sejm-Ausschusses f\u00fcr nationale und ethnische Minderheiten als auch der Gemeinsamen Kommission der Regierung und der nationalen und ethnischen Minderheiten brachten auch polnische Politiker nach Oppeln. Die Oppelner Woiwodin Monika Jurek erkl\u00e4rte bei der Er\u00f6ffnung des Kongresses, dass Oppeln f\u00fcr drei Tage zur \u201eHauptstadt der Minderheiten\u201d geworden sei und dass \u201ein dieser Vielfalt die St\u00e4rke unserer Region liegt\u201d. Und der Vizeminister f\u00fcr Wissenschaft und Hochschulwesen Andrzej Szeptycki \u00e4u\u00dferte die Ansicht, dass wir in Zeiten des Populismus diese lebendige Vielfalt verteidigen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Am Rande der Vortr\u00e4ge und Debatten \u00fcber Minderheitenrechte, ihre sprachliche, kulturelle, aber auch politische Situation fanden Gespr\u00e4che hinter den Kulissen statt, die manchmal wichtiger sind als der Mainstream. Viele Teilnehmer, darunter auch sehr wichtige Pers\u00f6nlichkeiten wie Prof. Nicolas Levrat, Berichterstatter f\u00fcr Minderheitenfragen bei der UN-Menschenrechtskommission, waren zum ersten Mal in Oberschlesien. Da sie alle Experten auf diesem Gebiet sind, brachten sie ihre Erfahrungen aus verschiedenen Minderheitenregionen und mit verschiedenen L\u00f6sungen im Bereich der Minderheitenpolitik mit. Einige von ihnen \u00e4u\u00dferten w\u00e4hrend der Debatte oder in Gespr\u00e4chen ihre Verwunderung, die in v\u00f6lligem Widerspruch zu den zitierten Worten von Woiwodin Monika Jurek stand.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Man konnte schwerlich dem Fazit widersprechen, dass sich Oppeln offenbar nicht mit dem deutschen Teil der Bev\u00f6lkerung der Region identifiziert.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Denn in Oppeln konnten sie keinerlei Anzeichen daf\u00fcr finden, dass es sich um die Hauptstadt einer Region handelt, in der eine nationale oder sprachliche Minderheit lebt. Dabei schauten sie sich aufmerksam die Stra\u00dfen, Schaufenster, Informationstafeln, Amtstafeln, Speisekarten in Restaurants und Sprachen, die an Hotelrezeptionen gesprochen wurden, an, besuchten Kirchen&#8230; und fanden keine Spur von Minderheitenpolitik oder dem Einfluss des Minderheitengesetzes.<\/p>\n<p>Sie nahmen zwar die Information, dass in den D\u00f6rfern um Oppeln bereits zweisprachige Ortsschilder aufgestellt wurden, f\u00fcr bare M\u00fcnze, wussten aber gleichzeitig vom Kongress, dass diese zweisprachigen Benennungen sofort verschwanden, sobald Oppeln einige dieser D\u00f6rfer eingemeindet hatte. Sie hatten erwartet, dass, wenn nach Meinung der Woiwodin die St\u00e4rke der Region in ihrer Multikulturalit\u00e4t liegt, dann sollte es ihrer Hauptstadt, der Universit\u00e4t, der Eisenbahn, den Beh\u00f6rden, Museen oder Bibliotheken (an der Fassade der Stadtbibliothek sahen sie neben Zitaten auf Polnisch nur noch solche auf Englisch) ein Anliegen sein, diese zweite Sprache und Kultur, die diese St\u00e4rke ausmacht, zu zeigen. So ist es n\u00e4mlich im italienischen Bozen\/Bolzano, im rum\u00e4nischen Sibiu\/Hermannstadt, im deutschen Bautzen\/Budi\u015bin, im spanischen San Sebastian\/Donostia und in anderen europ\u00e4ischen St\u00e4dten.<\/p>\n<p>Man konnte schwerlich dem Fazit widersprechen, dass sich Oppeln offenbar nicht mit dem deutschen Teil der Bev\u00f6lkerung der Region identifiziert. Wir haben uns schon daran gew\u00f6hnt. Aber die \u00dcberzeugungen der G\u00e4ste lie\u00dfen sich weder von den Reden polnischer Politiker noch vom Inhalt der gesetzlichen Bestimmungen beeinflussen. Das kann nur ihre freiwillige und nicht unbedingt erzwungene Umsetzung bewirken. Es ist schade, dass die Politiker den Kongress eher nur w\u00e4hrend der Er\u00f6ffnung, der Pressekonferenzen und Interviews mit ihrer Anwesenheit beehrten und solche Stimmen sie wahrscheinlich nicht erreicht haben.<\/p>\n<p>Deshalb widme ich, ohne den Kongress zu kritisieren, meine Kolumne bewusst diesem Eindruck der ausl\u00e4ndischen G\u00e4ste, damit der Kongress vielleicht auf diese Weise neben seinem wissenschaftlichen und prestigetr\u00e4chtigen Effekt f\u00fcr die Stadt auch etwas dauerhaft verbessert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Identifiziert sich Oppeln mit der Region? 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