{"id":70405,"date":"2025-10-05T05:00:49","date_gmt":"2025-10-05T03:00:49","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/das-wort-zum-sonntag-vom-evangelischen-bischof-wojciech-pracki\/"},"modified":"2025-10-05T05:00:49","modified_gmt":"2025-10-05T03:00:49","slug":"das-wort-zum-sonntag-vom-evangelischen-bischof-wojciech-pracki","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/das-wort-zum-sonntag-vom-evangelischen-bischof-wojciech-pracki\/","title":{"rendered":"Das Wort zum Sonntag vom evangelischen Bischof Wojciech Pracki"},"content":{"rendered":"<h1><strong>Erntedank 05.10.2025<\/strong><\/h1>\n<p><strong>Lesungen: 2. Korinther 9,6\u201315; Markus 8,1\u20139<\/strong><br \/>\n<strong>Predigttext: Jesaja 58,7\u201312<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u201eBedeutet es nicht, dem Hungrigen dein Brot zu brechen, Obdachlose Arme ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deiner Verwandtschaft nicht zu entziehen? Dann wird dein Licht hervorbrechen wie das Morgenrot, und deine Heilung wird schnell gedeihen. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des HERRN folgt dir nach.\u201c<\/strong><br \/>\n<strong><em>Jesaja 58,7\u20138<\/em><\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Liebe Leserinnen und Leser,<\/h2>\n<p>In der evangelischen Kirche feiern wir Ende September\/Anfang Oktober <strong>Erntedank<\/strong>. Es ist ein besonderer Sonntag, an dem der Altar mit der Ernte unserer Felder und G\u00e4rten geschm\u00fcckt wird. Kinder ziehen feierlich in die Kirche ein, mit K\u00f6rben, in denen sich Obst und Gem\u00fcse befinden. Das weist symbolisch darauf hin, wof\u00fcr wir Gott danken wollen. Dann stehen die K\u00f6rbe auch vor dem Altar.<\/p>\n<p>Erntedank ist ein Fest, an dem wir dem Sch\u00f6pfer f\u00fcr seine F\u00fcrsorge und f\u00fcr unsere S\u00e4ttigung danken. Wir danken f\u00fcr das Wetter und f\u00fcr die Kraft zur Arbeit. Im Allgemeinen geht es um das Leben selbst und alles, was f\u00fcr das Leben notwendig ist. Das ist die Hauptbedeutung von Erntedank.<\/p>\n<p>Es geht jedoch nicht nur um das Bekommen, Erarbeiten, Konsumieren und Vorsorgen. Der Mensch ist im Erntedank auch zum <strong>Teilen<\/strong> aufgerufen \u2013 mit denen, die nicht so viel Gl\u00fcck hatten: Hungrigen Brot brechen, Nackte bekleiden, Obdachlosen ein Dach \u00fcber dem Kopf geben. Also nicht nur f\u00fcr sich selbst und die eigene Familie sorgen, sondern auch Bed\u00fcrftige im Blick behalten.<\/p>\n<p>So wird Erntedank zu einem <strong>Fest des Teilens und der F\u00fcrsorge<\/strong>. Wo finden wir heute all diese Bed\u00fcrftigen? Es geht vielleicht nicht nur um die Obdachlosen, die ihre Obdachlosigkeit zu ihrem Lebensstil gemacht haben, die durch Drogen oder Alkoholsucht auf der Stra\u00dfe gelandet sind und sich Arbeit und sozialer Verantwortung entziehen. Brot, Dach und Kleidung teilen \u2013 haben wir das nicht letztes Jahr erlebt, als wir im S\u00fcden Polens mit den Folgen der Flut k\u00e4mpften? Brot, Dach und Kleidung \u2013 ist das nicht auch seit Februar 2022 der Fall, als Russland die Ukraine angriff? In beiden F\u00e4llen k\u00f6nnen wir sagen: Wir haben die Pr\u00fcfung bestanden. Gut f\u00fcr unser Gewissen!<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>\u201eWir sind alle auf unserer Lebensreise. Umso wichtiger ist es, einander zu unterst\u00fctzen und die Gaben Gottes zu teilen.\u201c<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Es gibt aber auch andere Herausforderungen \u2013 wie die <strong>Migrantenkrise im Osten Polens<\/strong>, wo viele sagen: \u201eAch, die Migranten sollen ihre Probleme im eigenen Land l\u00f6sen.\u201c W\u00e4hrend des Kommunismus sind meine Gro\u00dfeltern nach Deutschland ausgewandert. Sie waren auch Migranten. Sie hatten keine M\u00f6glichkeit, das Problem des Kommunismus in ihrem Land zu l\u00f6sen. Nicht alles ist Schwarz-Wei\u00df. Dazwischen gibt es viel Grau \u2013 auch im Menschen. Das \u00e4ndert aber nichts daran, dass wir helfen sollen.<\/p>\n<p>Vor einigen Jahren fuhr ich oft mit dem Zug die Strecke Warschau\u2013Zebrzydowice. Der Zug fuhr weiter \u00fcber Bratislava nach Wien. Einmal sa\u00df ich im Abteil mit einem Muslim aus Tschetschenien w\u00e4hrend des Ramadan. Er wollte unbedingt wissen, ob die Sonne schon untergegangen war. Als ich ihm versichert habe, dass es soweit sei, zog er Datteln aus seiner Tasche und teilte sie mit mir. Seine Religion erlaubte ihm erst nach Sonnenuntergang eine Mahlzeit. Er hatte nicht viel, aber seine religi\u00f6se Pflicht war es, auch mit mir \u2013 seinem Reisebegleiter \u2013 zu teilen.<\/p>\n<p>Ein anderes Mal sa\u00df ich im Zug mit einem jungen Australier, der die Bahnhofsdurchsage nicht verstanden hatte und im falschen Zug gelandet war. Mit Geld und Kreditkarte ausgestattet, aber hungrig. Es gab keinen Speisewagen, und der Zug hielt erst wieder in Kattowitz. Er war froh, dass er meinen Apfel und mein belegtes Brot, von meiner Schwiegermutter vorbereitet, bekommen hat \u2013 denn er hatte noch eine lange Reise vor sich.<\/p>\n<p>Wir sind alle auf unserer <strong>Lebensreise<\/strong>. Umso wichtiger ist es, einander zu unterst\u00fctzen und die Gaben Gottes zu teilen. Denn im Teilen der Gaben ist auch die <strong>Danksagung<\/strong> enthalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erntedank 05.10.2025 Lesungen: 2. Korinther 9,6\u201315; Markus 8,1\u20139 Predigttext: Jesaja 58,7\u201312 \u201eBedeutet es nicht, dem Hungrigen dein Brot zu brechen, Obdachlose Arme ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deiner Verwandtschaft nicht zu entziehen? Dann wird dein Licht hervorbrechen wie das Morgenrot, und deine Heilung wird schnell gedeihen. 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