{"id":70364,"date":"2025-10-12T05:00:40","date_gmt":"2025-10-12T03:00:40","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wort-zum-sonntag-von-bischofsvikar-dr-peter-tarlinski-2\/"},"modified":"2025-10-12T05:00:40","modified_gmt":"2025-10-12T03:00:40","slug":"wort-zum-sonntag-von-bischofsvikar-dr-peter-tarlinski-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wort-zum-sonntag-von-bischofsvikar-dr-peter-tarlinski-2\/","title":{"rendered":"Wort zum Sonntag von Bischofsvikar Dr. Peter Tarlinski"},"content":{"rendered":"<p><strong>28. Sonntag im Jahreskreis \u2013 C<\/strong><\/p>\n<p><strong>1.Lesung: 2 K\u00f6n 5,14\u201317<\/strong><\/p>\n<p><strong>2. Lesung: 2 Tim 2,8\u201313<\/strong><\/p>\n<p><strong>Evangelium: Lk 17,11\u201319<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2><strong>Geschenktes, Dankbarkeit und Menschlichkeitsverlust<\/strong><\/h2>\n<p>Wir m\u00f6gen es, beschenkt zu werden. Geschenke anzunehmen ist angenehm. Erhalten wir etwas, was wir uns sehr w\u00fcnschen, sind wir erfreut und wenigstens f\u00fcr wenige Augenblicke (oder auch l\u00e4nger) sehr gl\u00fccklich. Das, was wir haben, das, wie wir leben d\u00fcrfen, das, was unseren Lebenskomfort ausmacht, nehmen wir oft als selbstverst\u00e4ndlich an. Nicht selten begleitet uns die innere \u00dcberzeugung: \u201eDas geh\u00f6rt sich so\u201c, \u201eIch habe Anspruch darauf\u201c, \u201eDas steht mir zu\u201c, \u201eIch soll es zuerst bekommen\u201c.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>\u201eWer nur das haben will, worauf er glaubt, Anspruch zu haben, verliert dabei etwas wesentlich Menschliches: die F\u00e4higkeit, sich beschenken zu lassen und zu danken.\u201d<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>J\u00f6rg Heidig (geb. 1974), Prozesspsychologe, schreibt: \u201eEin interessanter Blickwinkel auf das Leben bietet sich, wenn man es als Muster aus \u00abGeben\u00bb und \u00abNehmen\u00bb betrachtet. Stark vereinfachend k\u00f6nnte man sagen, dass man als Kind und in der Jugend vor allem nimmt und weniger gibt. Auch w\u00e4hrend man ausgebildet wird, studiert, ausprobiert o. \u00c4., ist man eher beim Nehmen als beim Geben.\u201c<br \/>\nIst st\u00e4ndiges, unkritisches Nehmen nicht in gewisser Weise ein Verlust der Menschlichkeit?<\/p>\n<h2><strong>Geschenktes bedenkenlos nehmen?<\/strong><\/h2>\n<p>Gehen wir auf den Abschnitt aus dem Evangelium nach Lukas ein, der in den katholischen Kirchen am 28. Sonntag im Jahreskreis gelesen wird. Dort begegnen wir dem Geben und Nehmen. Lesen wir diesen Text gemeinsam:<\/p>\n<p>\u201eEs geschah auf dem Weg nach Jerusalem: Jesus zog durch das Grenzgebiet von Samarien und Galil\u00e4a. Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Auss\u00e4tzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: <em>Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!<\/em><br \/>\nAls er sie sah, sagte er zu ihnen: <em>Geht, zeigt euch den Priestern!<\/em> Und es geschah: W\u00e4hrend sie hingingen, wurden sie rein. Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den F\u00fc\u00dfen Jesu auf das Angesicht und dankte ihm. Dieser Mann war ein Samariter.\u201c<\/p>\n<p>Aus der Perspektive der Bibel war er ein Fremder. Die Juden pflegten keine Beziehungen zu den Samaritern. Das hatte religi\u00f6se Gr\u00fcnde. Die Samariter glaubten zwar an den einen Gott Israels, standen jedoch nicht in Verbindung mit dem Tempel am Berg Zion in Jerusalem, sondern mit dem eigenen Heiligtum am Berg Garizim, in der N\u00e4he des biblischen Sichem in Samarien.<br \/>\nZu Zeiten Jesu galten sie f\u00fcr die Juden als irregef\u00fchrte Abtr\u00fcnnige. Der Geringgesch\u00e4tzte bedankte sich. Die neun Selbstherrlichen nahmen die Heilung durch Jesus als etwas Gegebenes an, das ihnen zusteht. Bedenkenlos zogen sie weiter in ihren Alltag hinein. Sind wir in manchen F\u00e4llen auch nicht davon belastet?<\/p>\n<h2><strong>Wie geht es uns mit dem Geben und Nehmen?<\/strong><\/h2>\n<p>Wir alle sind beschenkt. Die Natur ist ein Geschenk. Die Erde, als gut ausgestattete Lebensumgebung, wurde uns von Gott gegeben. Das menschliche Leben hat seinen Ursprung in Gott. Unsere Eltern haben uns \u2013 unabh\u00e4ngig davon, wie es dazu kam \u2013 das Leben geschenkt und uns mehr oder weniger geschickt versorgt und (in vielen F\u00e4llen) versorgen sie uns immer noch.<\/p>\n<p>Durch gute Zusammenarbeit mit anderen Menschen erfahren wir, wie sehr wir einander ben\u00f6tigen. Das Schott-Messbuch auf <em>tagesimpuls.de<\/em> kommentiert:<br \/>\n\u201eJeder Mensch braucht die Hilfe anderer, um leben zu k\u00f6nnen. Wird sie ihm verweigert, so spricht man von Unmenschlichkeit. Wer aber nur das und all das haben will, worauf er glaubt, Anspruch zu haben, verliert dabei selber etwas wesentlich Menschliches: die F\u00e4higkeit, sich beschenken zu lassen und zu danken. Gerade das Wertvollste \u2013 das Leben selbst und die Liebe \u2013 kann uns nur geschenkt werden.\u201c<\/p>\n<p>Bleiben wir nur auf uns bezogen, denken und leben wir egoistisch, verlieren wir unsere Mitmenschlichkeit, die zu unserem Dasein geh\u00f6rt. Unser Leben besteht aus Nehmen und Geben, aus Dankbarkeit und Gro\u00dfz\u00fcgigkeit. Nur so sind und werden wir menschlich. Lassen wir uns dies vom egoistischen, eingeengten Denken und Handeln nicht verderben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>28. Sonntag im Jahreskreis \u2013 C 1.Lesung: 2 K\u00f6n 5,14\u201317 2. 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