{"id":70319,"date":"2025-10-18T12:00:08","date_gmt":"2025-10-18T10:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/hafer-geschichte-und-herbstliche-waerme\/"},"modified":"2025-10-18T12:00:08","modified_gmt":"2025-10-18T10:00:08","slug":"hafer-geschichte-und-herbstliche-waerme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/hafer-geschichte-und-herbstliche-waerme\/","title":{"rendered":"Hafer, Geschichte und herbstliche W\u00e4rme"},"content":{"rendered":"<h1><strong>Haferbrei \u2013 ein L\u00f6ffel Geschichte und Genuss<\/strong><\/h1>\n<p><strong>Ein Wundermittel gegen k\u00fchle Herbstmorgen, eine s\u00e4ttigende Mahlzeit nach dem Mittagessen, ein nach Lebkuchen duftendes Dessert oder ein nahrhaftes Abendessen nach einem langen Tag \u2013 Haferflocken und Gr\u00fctze sind wahre Allesk\u00f6nner. Ihre Vielseitigkeit und unz\u00e4hligen Verwendungsm\u00f6glichkeiten sind wohl der Grund, warum sie seit Jahrhunderten so beliebt sind.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Hafer stammt wahrscheinlich aus den Donaul\u00e4ndern, auch wenn andere Quellen eher auf die Schweiz verweisen. Unbestritten ist jedoch: Hafer liebt K\u00e4lte und Feuchtigkeit. Kein Wunder also, dass er in den n\u00f6rdlichen und mittleren Teilen Europas zur Grundlage f\u00fcr Brot wurde \u2013 und dass der Haferbrei \u00fcber die Jahrhunderte hinweg seinen festen Platz in der K\u00fcche gefunden hat.<\/p>\n<p>Wir m\u00f6gen ihn warm oder kalt, cremig oder fest \u2013 und besonders im Herbst und Winter schmeckt er einfach k\u00f6stlich. Wenn ich heute aus dem Fenster schaue und den Himmel seit Tagen in Grau geh\u00fcllt sehe, muss ich an das Kunstwerk von Henning Kles denken: <em>\u201eDer Himmel hatte die Farbe von kaltem Haferbrei.\u201c<\/em> Treffender kann man es kaum ausdr\u00fccken.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Ich kann mir mein Fr\u00fchst\u00fcck ohne Haferflocken, N\u00fcsse und frisches Obst kaum vorstellen. Als Kind konnte ich keine Milchsuppe leiden \u2013 jede sah scheu\u00dflich aus und schmeckte noch schlimmer. Doch das ist lange her.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Ein Blick in die alte Presse zeigt, welche Bedeutung Haferbrei einst in Schlesien hatte. In einer Anzeige der <em>Bismarckh\u00fctter Zeitung<\/em> (1921) empfahl die Firma H. Chmiel f\u00fcr die Feiertage unter anderem Kaffee, Schokolade, Feigen \u2013 und Haferflocken. Eine am\u00fcsante Werbung fand ich in <em>Der Oberschlesische Wanderer<\/em> (1906): Der unerm\u00fcdliche Dr. Oetker forderte junge Br\u00e4ute auf, die Geheimnisse der Kochkunst zu entdecken, und versprach jeder ein kostenloses Exemplar seiner Kochb\u00fccher \u2013 mit Rezepten f\u00fcr Backwaren, Milchspeisen und Desserts. Sicher fanden sich darin auch einige Anregungen f\u00fcr die Verwendung von Haferflocken.<\/p>\n<div id=\"attachment_66493\" style=\"width: 536px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-66493\" class=\" wp-image-66493\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/SDB-Lublinitzer-Kreisblatt-1920-St.-23-300x122.png\" alt=\"\" width=\"526\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/SDB-Lublinitzer-Kreisblatt-1920-St.-23-300x122.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/SDB-Lublinitzer-Kreisblatt-1920-St.-23.png 678w\" sizes=\"auto, (max-width: 526px) 100vw, 526px\" \/><p id=\"caption-attachment-66493\" class=\"wp-caption-text\">Lublinitzer Kreisblatt, 1920, St. 23<br \/>Quelle: Schlesische Digitalbibliothek<\/p><\/div>\n<p>Hafer war zudem ein wertvolles Grundnahrungsmittel. Im Jahr 1920 erschienen Haferflocken sogar auf Lebensmittelkarten in Lublinitz (Lubliniec), wor\u00fcber der Landrat im <em>Lublinitzer Kreisblatt<\/em> berichtete. Und in der <em>Schlesische Zeitung<\/em> (1876) war zu lesen, dass die Gebr\u00fcder Heck in ihrem Gesch\u00e4ft in der Ohlauerstra\u00dfe 34 beste Tees, Kaffees, geheimnisvoll klingendes Weizenpuder und fein ger\u00f6stete Hafergr\u00fctze anboten. Haferflocken dienten damals auch als Bindemittel f\u00fcr Suppen \u2013 und die Firma Knorr bewarb ihre \u201eBindemittel\u201c sowie fertige Suppen mit Haferanteil.<\/p>\n<div id=\"attachment_66491\" style=\"width: 335px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-66491\" class=\" wp-image-66491\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/SDB-Bismarckhuetter-Zeitung-1921-Nr.-39-242x300.png\" alt=\"\" width=\"325\" height=\"403\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/SDB-Bismarckhuetter-Zeitung-1921-Nr.-39-242x300.png 242w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/SDB-Bismarckhuetter-Zeitung-1921-Nr.-39.png 406w\" sizes=\"auto, (max-width: 325px) 100vw, 325px\" \/><p id=\"caption-attachment-66491\" class=\"wp-caption-text\">Bismarckh\u00fctter Zeitung, 1921, Nr. 39.<br \/>Quelle: Schlesische Digitalbibliothek<\/p><\/div>\n<p>Zwanzig Jahre sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichte dieselbe Zeitung eine Ausschreibung des Zuchthauses in Rawitsch (Rawicz) f\u00fcr die Lieferung von Lebensmitteln \u2013 mit einer genauen Liste der Mengen. Unter anderem: 4000 kg Hafergr\u00fctze!<\/p>\n<p>Wie genau man Haferbrei im 19. Jahrhundert a\u00df, erfahren wir aus einem Ausschnitt der Zeitschrift <em>Der Bote aus dem Riesengebirge<\/em> (1834):<\/p>\n<p><em>\u201eJetzt trat Mutter Else auch wieder ein, si\u0119 trug eine dampfende Sch\u00fcssel mit Haferbrei, auf welchem das Rippenst\u00fcck eines t\u00fcchtigen Keulers lag. \u2026 \u201eich fand in der Eile nichts besseres als den Haferbrei, das t\u00e4gliche Nachtessen unserer Leute. Das St\u00fcck Schweinsrippe habe ich aus der Speisekammer der Frau geholt\u2026\u201d<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_66492\" style=\"width: 543px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-66492\" class=\" wp-image-66492\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/SDB-Der-Oberschlesische-Wanderer-1906-Nr.-251-300x135.png\" alt=\"\" width=\"533\" height=\"240\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/SDB-Der-Oberschlesische-Wanderer-1906-Nr.-251-300x135.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/SDB-Der-Oberschlesische-Wanderer-1906-Nr.-251.png 452w\" sizes=\"auto, (max-width: 533px) 100vw, 533px\" \/><p id=\"caption-attachment-66492\" class=\"wp-caption-text\">Der Oberschlesische Wanderer, 1906, Nr. 251.<br \/>Quelle: Schlesische Digitalbibliothek<\/p><\/div>\n<p>Und heute? Ich kann mir mein Fr\u00fchst\u00fcck ohne Haferflocken, N\u00fcsse und frisches Obst kaum vorstellen. Als Kind konnte ich keine Milchsuppe leiden \u2013 jede sah scheu\u00dflich aus und schmeckte noch schlimmer. Doch das ist lange her. Heute steht Haferbrei mehrmals pro Woche auf unserem Tisch \u2013 stets warm, cremig und nahrhaft. Danach kann man stundenlang arbeiten oder lernen, und die gute Zusammensetzung eines solchen Fr\u00fchst\u00fccks entfaltet ihre Energie langsam und stetig. Haferflocken sind lecker, gesund und im Nu zubereitet.<\/p>\n<h3><strong>&#x1f944; Rezept: Cremiger Haferbrei mit N\u00fcssen und Fr\u00fcchten<\/strong><\/h3>\n<div id=\"attachment_66487\" style=\"width: 520px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-66487\" class=\" wp-image-66487\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_20251005_111102-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"510\" height=\"510\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_20251005_111102-300x300.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_20251005_111102-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_20251005_111102-150x150.jpg 150w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_20251005_111102-768x768.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_20251005_111102.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><p id=\"caption-attachment-66487\" class=\"wp-caption-text\">Rezept: Cremiger Haferbrei mit N\u00fcssen und Fr\u00fcchten.<br \/>Foto: M. Janik<\/p><\/div>\n<h4><strong>Zutaten:<\/strong><\/h4>\n<ul>\n<li>\u00bd Tasse Vollkornhaferflocken<\/li>\n<li>350 ml Milch nach Wahl<\/li>\n<li>1 TL Honig<\/li>\n<li>saisonale Fr\u00fcchte<\/li>\n<li>N\u00fcsse, K\u00fcrbis- und Sonnenblumenkerne, Leinsamen<\/li>\n<li>Zimt nach Geschmack<\/li>\n<\/ul>\n<h4><strong>Zubereitung:<\/strong><\/h4>\n<p>Die Haferflocken mit etwas kochendem Wasser \u00fcbergie\u00dfen und einige Minuten quellen lassen \u2013 das kann man auch am Vorabend tun. Anschlie\u00dfend N\u00fcsse, Kerne, Leinsamen und Zimt hinzuf\u00fcgen, die Milch dazugie\u00dfen und bei kleiner Hitze unter R\u00fchren k\u00f6cheln lassen, bis der Brei cremig wird. In eine Sch\u00fcssel geben, mit Fr\u00fcchten garnieren und mit Honig betr\u00e4ufeln. Fertig!<\/p>\n<p><strong>Tipp:<\/strong><br \/>\nWer es s\u00fc\u00dfer mag, kann gleich zu Beginn gehackte Trockenfr\u00fcchte wie \u00c4pfel, Birnen oder Aprikosen zugeben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Haferbrei \u2013 ein L\u00f6ffel Geschichte und Genuss Ein Wundermittel gegen k\u00fchle Herbstmorgen, eine s\u00e4ttigende Mahlzeit nach dem Mittagessen, ein nach Lebkuchen duftendes Dessert oder ein nahrhaftes Abendessen nach einem langen Tag \u2013 Haferflocken und Gr\u00fctze sind wahre Allesk\u00f6nner. Ihre Vielseitigkeit und unz\u00e4hligen Verwendungsm\u00f6glichkeiten sind wohl der Grund, warum sie seit Jahrhunderten so beliebt sind.<\/p>\n","protected":false},"author":295,"featured_media":66486,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4224],"tags":[5181,5182,5183,5184,5185,5186,5187,5188,5189],"redaktor":[],"class_list":["post-70319","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte-de","tag-dr-oetker","tag-h-chmiel","tag-hafer","tag-haferbrei","tag-haferflocken","tag-hafergruetze","tag-owsianka","tag-rawicz","tag-rawitsch"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70319","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/295"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70319"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70319\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/66486"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70319"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70319"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70319"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=70319"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}