{"id":70271,"date":"2025-10-26T17:00:54","date_gmt":"2025-10-26T16:00:54","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/eine-der-letzten-bewohnerinnen-von-schloss-moschen\/"},"modified":"2025-10-26T17:00:54","modified_gmt":"2025-10-26T16:00:54","slug":"eine-der-letzten-bewohnerinnen-von-schloss-moschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/eine-der-letzten-bewohnerinnen-von-schloss-moschen\/","title":{"rendered":"Eine der letzten Bewohnerinnen von Schloss Moschen"},"content":{"rendered":"<h1><strong>Wiktoria Ernst erz\u00e4hlt die Geschichte von Eva-Dorothea von Kleist-Retzow<\/strong><\/h1>\n<p><strong>Mit Wiktoria Ernst, Marketing-Spezialistin am Schloss Moschen, sprach Andrea Polanski \u00fcber ihre Faszination f\u00fcr das Schloss sowie \u00fcber ihr Buch <em>\u201eDas Leben auf dem Schloss \/ \u017bycie na zamku\u201c<\/em> \u00fcber Eva-Dorothea von Kleist-Retzow.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Woher kommt bei dir die Faszination f\u00fcr das Schloss und seine Legenden?<\/strong><\/p>\n<p>Das hat schon in meiner Schulzeit angefangen. Ich wohne im Dorf nebenan und bin oft mit dem Fahrrad zum Schloss gefahren. Mein erster Ferienjob war es, F\u00fchrungen durch das Schloss zu machen. Ich konnte mein erstes Geld verdienen, und gleichzeitig hat mich die Atmosph\u00e4re dieses Ortes einfach mitgerissen. Nicht nur die Besucher, sondern vor allem die Menschen, die hier arbeiten, sind unglaublich freundlich. Wir sind wie eine gro\u00dfe Familie, und sie haben ihr Wissen und ihre Geschichten mit mir geteilt. \u00dcber die Jahre habe ich immer mehr \u00fcber das Schloss erfahren. Vieles wissen wir von Menschen, die fr\u00fcher hier gearbeitet haben. Fr\u00fcher wurde \u00fcber die Vergangenheit kaum gesprochen \u2013 sie war zu schwer. Doch inzwischen \u00f6ffnen sich die Menschen, und die Enkel beginnen wieder zu fragen, wie es damals war. Heute arbeite ich nicht nur am Wochenende, sondern auch unter der Woche im Marketingbereich des Schlosses.<\/p>\n<p><strong>Hast du eine Lieblingslegende, die mit dem Schloss verbunden ist?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, meine Lieblingsgeschichte ist die der Familie von Tiele-Winckler. Obwohl sie sehr wohlhabend waren, waren sie doch eine ganz normale, bodenst\u00e4ndige Familie. Besonders ber\u00fchrt mich die Liebesgeschichte der Eltern des Grafen \u2013 Valeska und Hubert.<br \/>\nValeska von Winckler war eine reiche Frau, sie besa\u00df zahlreiche Bergwerke und Minen in Schlesien. Hubert von Tiele dagegen war ein hochgeborener, aber armer preu\u00dfischer Oberst. Die beiden lernten sich in Deutschland auf einer kleinen Insel kennen. Als Valeska sp\u00e4ter eine Reise durch die Mittelmeerl\u00e4nder plante, entschied sich Hubert spontan, sie zu begleiten. Er kaufte sich aus der Armee frei und gab sein letztes Geld f\u00fcr das Schiffsticket aus. Von dieser Reise kehrten sie schlie\u00dflich verlobt zur\u00fcck und gemeinsam bekamen sie neun Kinder \u2013 eine wirklich wundersch\u00f6ne Liebesgeschichte. Schon damals kauften sie Moschen, wo zu jener Zeit nur ein kleines Jagdschl\u00f6sschen stand. Ihr \u00e4ltester Sohn, Franz Hubert von Tiele-Winckler, entschied sp\u00e4ter, das Schloss auszubauen und den Familiensitz von Miechowitz nach Moschen zu verlegen.<\/p>\n<p><strong>Diesen Herbst erscheint dein Buch \u201eDas Leben auf dem Schloss \/ \u017bycie na zamku\u201c \u00fcber Eva-Dorothea von Kleist-Retzow. Wer ist sie?<\/strong><\/p>\n<p>Eva-Dorothea von Kleist-Retzow ist die Tochter von Hans Werner von Tiele-Winckler, dem letzten Besitzer des Schlosses Moschen. Hans Werner musste 1945 mit seiner Familie vor der heranr\u00fcckenden Roten Armee fliehen. Sp\u00e4ter stellte sich heraus, dass seine Tochter, Frau Eva-Dorothea, heute in Deutschland lebt. Sie ist inzwischen 95 Jahre alt und erinnert sich immer noch lebhaft an die Sommer, die sie als kleines M\u00e4dchen auf dem Schloss verbrachte.<\/p>\n<p>Im vergangenen Herbst besuchte die Familie von Tiele-Winckler nach vielen Jahren wieder das Schloss. Sie pflegen eine Familientradition, sich einmal im Jahr irgendwo auf der Welt zu treffen, und dieses Mal fiel die Wahl auf Moschen. Sie wollten ihren Kindern zeigen, wo ihre Wurzeln liegen, und ihnen die Geschichte ihrer Vorfahren n\u00e4herbringen. Die Familie ist weit verstreut \u2013 sie lebt in M\u00fcnchen, Berlin, K\u00f6ln und zum Teil sogar in Italien.<\/p>\n<p>Sie verbrachten mehrere Tage hier, erkundeten die Region, und ich durfte sie pers\u00f6nlich durch die Schlossr\u00e4ume f\u00fchren. Dabei war es besonders spannend, denn einige Familienmitglieder korrigierten Details in unseren Erz\u00e4hlungen \u2013 so konnten wir manche Legenden berichtigen und mit neuen Informationen erg\u00e4nzen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend dieses Besuchs lernte ich auch die Familie Pho Duc aus M\u00fcnchen kennen \u2013 Nachkommen von Eva-Dorothea. Eine ihrer T\u00f6chter erz\u00e4hlte mir, dass die beiden L\u00f6wenstatuen auf der Innenterrasse des Schlosses sogar Namen haben: Joko und Hans. Diese Namen hatten Eva-Dorothea und ihre \u00e4ltere Schwester den L\u00f6wen einst gegeben. Jede hatte ihren eigenen L\u00f6wen, auf den sie als Kinder sogar steigen durften. Da war f\u00fcr mich klar: Dieses Wissen darf nicht verloren gehen. Also nahm ich Kontakt mit der Familie auf, und wenig sp\u00e4ter organisierten wir ein Online-Meeting. So entstand schlie\u00dflich auch die Idee, ihre Erinnerungen in einem Buch festzuhalten, damit die Geschichte des Schlosses Moschen und seiner Bewohner lebendig bleibt.<\/p>\n<p><strong>Und wie hat sich dann die Materialsammlung f\u00fcr das Buch weiterentwickelt?<\/strong><\/p>\n<p>Es blieb nicht bei einem Interview \u2013 am Ende wurden es drei. Nach dem ersten Gespr\u00e4ch war ich v\u00f6llig fasziniert, wie viel Frau Eva-Dorothea noch wusste und an wie viele Details sie sich erinnerte. Ich fragte zum Beispiel nach einem bestimmten Raum, und sie antwortete sofort: \u201eJa, das war unser Esszimmer \u2013 dort gab es einen Drehschrank.\u201c Und tats\u00e4chlich, genau dort steht er bis heute. Mich hat beeindruckt, wie lebendig ihre Erinnerungen geblieben sind, selbst an Kleinigkeiten.<\/p>\n<p>Noch dazu war sie unglaublich offen und bereit, \u00fcber ihre Vergangenheit zu sprechen, obwohl sie als Kind den Krieg und die Flucht vor der Roten Armee miterlebt hat. Das erste Gespr\u00e4ch dauerte \u00fcber eine Stunde, und am Ende sagte ich: \u201eIch habe aber noch viele Fragen.\u201c Sie lachte und meinte: \u201eDann machen wir eben noch ein Gespr\u00e4ch.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_66759\" style=\"width: 532px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-66759\" class=\" wp-image-66759\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/moschen-225x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"522\" height=\"696\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/moschen-225x300.jpeg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/moschen-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/moschen-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/moschen.jpeg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 522px) 100vw, 522px\" \/><p id=\"caption-attachment-66759\" class=\"wp-caption-text\">Wiktoria Ernst hat ein Buch \u00fcber Eva-Dorothea von Kleist-Retzow geschrieben.<br \/>Foto: A. Polanski<\/p><\/div>\n<p>Zwischen den Interviews habe ich mir Zeit genommen, weitere Fragen vorzubereiten. Ich fragte auch mein Team hier im Schloss, was sie gerne von Eva-Dorothea erfahren w\u00fcrden. Das zweite Interview fand kurz vor Weihnachten statt, und wir sprachen \u00fcber zwei Stunden lang. Sie erz\u00e4hlte viel \u00fcber ihre Familie, \u00fcber ihre Jugendzeit und \u00fcber das Leben auf dem Schloss \u2013 es war ein sehr warmes, pers\u00f6nliches Gespr\u00e4ch. Ein drittes Interview folgte nach den Feiertagen. Dieses letzte Gespr\u00e4ch diente vor allem dazu, noch einmal Details zu kl\u00e4ren, Themen zu vertiefen und das Bild abzurunden. Besonders wichtig war uns dabei der Teil \u00fcber das Schloss selbst \u2013 f\u00fcr viele Menschen in der Region ist es ein vertrauter Ort, doch nur wenige kennen die ganze Geschichte dahinter.<\/p>\n<p><strong>Dein Buch ist zweisprachig, und die Leserinnen und Leser finden darin nicht nur die Interviews mit Frau Eva-Dorothea.<\/strong><\/p>\n<p>Das Buch ist in zwei Teile gegliedert: Der erste Teil ist komplett auf Deutsch geschrieben, der zweite eine polnische \u00dcbersetzung. Ich wollte damit sowohl Leserinnen und Leser aus Deutschland als auch aus Polen ansprechen \u2013 schlie\u00dflich handelt es sich um eine gemeinsame Geschichte. Erg\u00e4nzt wird der Text durch Archivfotos aus der privaten Sammlung von Eva-Dorothea von Kleist-Retzow. Darauf sieht man sie als Kind, aber auch verschiedene R\u00e4ume und Gegenst\u00e4nde aus dem Schloss Moschen.<\/p>\n<p>Sowohl die deutsche als auch die polnische Version sind jeweils in drei Kapitel unterteilt, passend zu den drei Interviews. Der erste Teil behandelt grundlegende Informationen und Erinnerungen an das Leben auf dem Schloss. Der zweite konzentriert sich auf das Leben von Eva-Dorothea selbst. Im dritten Teil kehren wir wieder zum Schloss zur\u00fcck \u2013 dort erz\u00e4hlt sie zum Beispiel, wie Weihnachten damals gefeiert wurde.<\/p>\n<p>Am Ende des Buches gibt es noch einen besonderen Abschnitt: einige Seiten aus dem Tagebuch von Eva-Dorothea, das sie w\u00e4hrend der Flucht schrieb. Als die Rote Armee nach Ostdeutschland, nach Mecklenburg, vorr\u00fcckte, musste die Familie auch dort ihr Gut verlassen. Das \u201eTrecken\u201c, also das Fliehen mit Wagen, war damals verboten. Dennoch machten sich Eva-Dorothea, ihre \u00e4ltere Schwester und ihr j\u00fcngerer Bruder mit einem kleinen Pferdewagen und Fahrr\u00e4dern auf den Weg. Diese eindr\u00fccklichen Erinnerungen bilden den bewegenden Abschluss des Buches.<\/p>\n<p><strong>Das Buch von Wiktoria Ernst erscheint diesen Herbst im Verlag Silesia Progress: <\/strong><a href=\"http:\/\/www.silesiaprogress.com\"><strong>www.silesiaprogress.com<\/strong><\/a><\/p>\n<p>Das Buch entstand im Rahmen des Projekts \u201eWielokulturowe\u201c als Aufgabe des Vereins \u201eSukces po Opolsku\u201c. Die Aufgabe <em>\u201e\u015aladami przesz\u0142o\u015bci: Wielokulturowe Opolskie \u2013 historia, kt\u00f3ra \u017cyje\u201c<\/em> wird aus Mitteln der Selbstverwaltung der Woiwodschaft <strong>Opolski<\/strong> mitfinanziert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wiktoria Ernst erz\u00e4hlt die Geschichte von Eva-Dorothea von Kleist-Retzow Mit Wiktoria Ernst, Marketing-Spezialistin am Schloss Moschen, sprach Andrea Polanski \u00fcber ihre Faszination f\u00fcr das Schloss sowie \u00fcber ihr Buch \u201eDas Leben auf dem Schloss \/ \u017bycie na zamku\u201c \u00fcber Eva-Dorothea von Kleist-Retzow.<\/p>\n","protected":false},"author":295,"featured_media":66760,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4224],"tags":[5316,5317,2401,5318,5319,5027,5320],"redaktor":[],"class_list":["post-70271","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte-de","tag-das-leben-auf-dem-schloss-zycie-na-zamku","tag-eva-dorothea-von-kleist-retzow","tag-interview","tag-moszna-zamek","tag-schloss-moschen","tag-wiktoria-ernst","tag-zamek-w-mosznej"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70271","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/295"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70271"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70271\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/66760"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70271"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70271"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70271"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=70271"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}