{"id":70125,"date":"2025-11-10T05:00:56","date_gmt":"2025-11-10T04:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/neue-wege-fur-minderheitenarbeit\/"},"modified":"2025-11-10T05:00:56","modified_gmt":"2025-11-10T04:00:56","slug":"neue-wege-fur-minderheitenarbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/neue-wege-fur-minderheitenarbeit\/","title":{"rendered":"Neue Wege f\u00fcr Minderheitenarbeit"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mit Olivia Schubert, der neu gew\u00e4hlten Pr\u00e4sidentin der FUEN, sprach Andrea Polanski \u00fcber ihre Rolle als erste Frau an der FUEN-Spitze, die aktuellen Herausforderungen f\u00fcr Minderheiten in Europa, den Einfluss von Digitalisierung und demografischem Wandel, den Umgang mit dem Erstarken rechter Bewegungen, ihre Erfahrungen aus der deutschen Minderheit in Ungarn sowie ihre Priorit\u00e4ten und Ziele f\u00fcr die FUEN.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>Sie sind die erste Frau an der Spitze der FUEN. Welche Bedeutung hat diese Position f\u00fcr Sie pers\u00f6nlich und f\u00fcr andere Frauen in Minderheitenorganisationen?<\/h3>\n<p>Es ist eine gro\u00dfe Ehre f\u00fcr mich, als Pr\u00e4sidentin f\u00fcr FUEN arbeiten zu d\u00fcrfen und bedanke mich f\u00fcr das Vertrauen. In der Tat bin ich die erste Frau, die diese Position bekleidet. Beim Kandidieren habe ich in erster Linie nicht an das Geschlecht gedacht, sondern daran, dass ich Erfahrung, Kompetenz und Leidenschaft f\u00fcr die Sache mitbringen kann. Gleichzeitig sp\u00fcre ich den \u201eleichten Druck\u201c, mich als Frau beweisen zu m\u00fcssen. Ich stehe daf\u00fcr, dass Frauen mehr Chancen bekommen sollten, auch in F\u00fchrungspositionen. Durch unser Projekt \u201eWomen in Minorities\u201d versuchen wir gerade dies zu unterst\u00fctzen und zeigen, dass Minderheitenarbeit zu gro\u00dfem Teil dank der Frauen lebt und funktioniert.<\/p>\n<h3>Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell f\u00fcr Minderheiten in Europa, und wie m\u00f6chte die FUEN ihnen unter Ihrer Leitung begegnen?<\/h3>\n<p>Wir leben in einer Zeit gro\u00dfer politischer, gesellschaftlicher, wirtschaftlicher Spannungen, wo sich alles rasant schnell ver\u00e4ndert. Die Herausforderungen sind vielschichtig: Sprachverlust, fehlende rechtliche Sicherheit, Urbanisierung, Auswanderung bis hin zur Digitalisierung, K\u00fcnstliche Intelligenz. Wir erleben wieder mehr kriegerische Auseinandersetzungen, politische Hetze, Hassrede, die in den meisten F\u00e4llen auch die Minderheiten betrifft. Die Komplexit\u00e4t dieser Erscheinungen und die Priorisierung macht die Arbeit so schwer. In solchen schwierigen Zeiten stehen Minderheiten unter zus\u00e4tzlichem Druck: ihre Identit\u00e4ten, Sprachen oder Rechte k\u00f6nnen schneller weiter marginalisiert werden. Bereits in der Vergangenheit hat sich FUEN immer wieder f\u00fcr V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung, f\u00fcr den Dialog und Frieden, gegen Diskriminierung ausgesprochen durch Stellungnahmen aber auch durch konkrete Taten. Wir sollten mit gutem Beispiel vorangehen, die Rolle von Minderheiten als \u201eBr\u00fcckenbauer\u201c im Alltag leben und sichtbar machen, von den \u00f6rtlichen kleinen Projekten bis zu den europaweiten Kampagnen.<\/p>\n<div id=\"attachment_67245\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-67245\" class=\"size-large wp-image-67245\" src=\"https:\/\/wochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Olivia-Schubert-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><p id=\"caption-attachment-67245\" class=\"wp-caption-text\">Olivia Schubert<br \/>Foto: fuen.org<\/p><\/div>\n<h3>Wie m\u00f6chten Sie Minderheiten in Europa fit f\u00fcr die Zukunft machen &#8211; insbesondere angesichts von Digitalisierung, Urbanisierung und demografischem Wandel?<\/h3>\n<p>Es gibt kein allgemeines Rezept f\u00fcr alle Minderheiten und wir k\u00f6nnen auch keine allgemein g\u00fcltigen L\u00f6sungen anbieten. Hier sind die Kapazit\u00e4ten, die Willenskraft und die proaktive Haltung der Mitgliedsorganisationen gefragt. Was wir machen k\u00f6nnen, ist, uns gegenseitig in mehreren Bereichen zu unterst\u00fctzen, durch den Zusammenhalt zu einer starken Stimme zu werden und zu den einzelnen Problemfeldern die entsprechenden Partner zu finden. Unser Projekt \u201eForum der Minderheitenregionen\u201d behandelt gerade diese Themen, wir sollten uns bem\u00fchen, die Ergebnisse der Konferenzen in konkrete Projekte umzusetzen. Dabei m\u00fcssen wir klar sehen, wo und was wir \u00e4ndern k\u00f6nnen und was nicht. Die heutige Zeit erfordert auch ein Umdenken und eine Anpassung an den technischen Umbruch.<\/p>\n<h3>Wie bewerten Sie die aktuelle politische Entwicklung in Europa, insbesondere das Erstarken rechter Bewegungen, f\u00fcr die Situation der Minderheiten?<\/h3>\n<p>Extremismus, egal welcher Art, birgt eine gro\u00dfe Gefahr, gerade auch f\u00fcr Minderheiten. Wir in Ost-Mittel-Europa haben genug schlechte Erfahrungen mit der kommunistischen Zeit gemacht. Inzwischen sehen wir in ganz Europa verst\u00e4rkte Tendenzen zu rechten Bewegungen, die kulturelle Homogenit\u00e4t fordern, was Minderheitensprachen, -kulturen und -identit\u00e4ten in Frage stellen kann. Es bedeutet, dass Errungenschaften im Bereich Minderheitenrechte nicht als selbstverst\u00e4ndlich gelten d\u00fcrfen, sondern aktiv verteidigt und weiterentwickelt werden m\u00fcssen. Die Ma\u00dfnahmen und Forderungen, die wir im MSPI formuliert haben, gelten daher nach wie vor und sind aktueller denn je zuvor. Dabei z\u00e4hlt die Langfristigkeit. Es geht nicht nur um kurzfristige Reaktionen auf Wahlergebnisse und auf politisch motivierte Taten, sondern um Strukturen, Bildung, Wertearbeit \u2013 damit Minderheitenrechte nachhaltig verankert bleiben.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>\u201eWir sollten mit gutem Beispiel vorangehen, die Rolle von Minderheiten als \u2018Br\u00fcckenbauer\u2019 im Alltag leben und sichtbar machen.\u201c<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<h3>Ihre langj\u00e4hrige Arbeit f\u00fcr die deutsche Minderheit in Ungarn hat Sie sicher gepr\u00e4gt. Welche Erfahrungen oder Erkenntnisse aus dieser Zeit m\u00f6chten Sie nun in Ihre Arbeit bei der FUEN einflie\u00dfen lassen?<\/h3>\n<p>Die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU) feierte dieses Jahr 30-j\u00e4hriges Bestehen. Die deutsche Gemeinschaft ist seit Jahrhunderten auf dem Gebiet Ungarns pr\u00e4sent, wegen der Traumata des 2. Weltkrieges und der darauffolgenden 40 Jahre mussten wir 1990, wo die Wende kam, unsere Arbeit von ganz unten starten. Kaum einige Tausend Leute haben damals den Mut gehabt, sich zum Deutschtum zu bekennen, es gab keine politische Interessenvertretung, wir k\u00e4mpften mit Sprach- und Identit\u00e4tsverlust und mussten lernen, uns selbst zu organisieren. Heute, dank der M\u00f6glichkeiten der kulturellen Autonomie wird Deutsch als Nationalit\u00e4tensprache in \u00fcber 400 Schulen und Kinderg\u00e4rten unterrichtet, wir verf\u00fcgen \u00fcber 500 Zivilvereine (Tanzgruppen, Ch\u00f6re, Kapellen), bei der Volksz\u00e4hlung haben sich um die 150 000 Personen zum Deutschtum bekannt, wir haben eine parlamentarische Vertretung und \u00fcber 70 \u00f6rtliche deutsche Selbstverwaltungen sind Tr\u00e4ger von Schulen und Kinderg\u00e4rten. Die LdU selbst verf\u00fcgt \u00fcber ein breites Netzwerk von schulischen und kulturellen Einrichtungen. Mit vielen kleinen Schritten, mit einem langen Atem und mit viel Arbeit und \u00dcberzeugungskraft haben wir all dies erreicht. Dabei suchen wir st\u00e4ndig nach neuen Herausforderungen und Verbesserungsm\u00f6glichkeiten. Wenn es bei unserer Organisation gelungen ist, dann kann diese Art der Arbeit auch bei FUEN funktionieren.<\/p>\n<h3>Welche Priorit\u00e4ten haben Sie f\u00fcr Ihre Amtszeit gesetzt?<\/h3>\n<p>F\u00fcr mich ist es wichtig, dass nicht nur symbolische Ma\u00dfnahmen umgesetzt werden \u2013 also etwa \u201emehr Frauen\u201c \u2013, sondern echte Beteiligung entsteht mit Verantwortung, Ressourcen und Wirkung. Ich halte es f\u00fcr genauso wichtig, dass die internationalen Anforderungen mit den lokalen Erfahrungen von Minderheiten verbunden werden, d.h. Praxis und Politik wirklich zusammenfinden. Dabei ist die Grundvoraussetzung, dass Minderheitenorganisationen nicht nur reagieren, sondern mitgestalten und dass die Minderheitenarbeit nicht als isoliertes Thema gesehen wird, sondern als Teil einer inklusiven Gesellschaft. Der Wandel in den Gemeinschaften, wie Generationenwechsel, Urbanisierung, Digitalisierung, muss erkannt und aktiv begleitet werden.<\/p>\n<h3>Gibt es ein konkretes Ziel oder Projekt, das Sie in Ihrer ersten Amtszeit unbedingt umsetzen m\u00f6chten, um die FUEN nachhaltig zu st\u00e4rken?<\/h3>\n<p>Da die Arbeit von FUEN so komplex ist, kann man kein Projekt hervorheben. Weiterhin bleibt die finanzielle Stabilisierung und die Erwerbung neuer Mittel, insbesondere EU-F\u00f6rdermittel, ein zentrales Ziel, wie auch die schrittweise Umsetzung der Ma\u00dfnahmen vom MSPI.<\/p>\n<h3>Wie m\u00f6chten Sie junge Menschen st\u00e4rker in die Arbeit der FUEN einbinden, damit sie sich f\u00fcr Minderheitenpolitik begeistern?<\/h3>\n<p>Einerseits ist es wichtig, dass wir mit unserer Partnerorganisation YEN st\u00e4rker zusammenarbeiten, M\u00f6glichkeiten finden, mehrere gemeinsame Projekte zu starten und sie in unsere Kommunikation und PR st\u00e4rker einbeziehen. Bereits jetzt hat der Vertreter von YEN einen festen Sitz im Pr\u00e4sidium, die ihnen eine Teilhabe an der Entscheidungsfindung und die M\u00f6glichkeit des direkten Informationsflusses erm\u00f6glicht. Wir sollen uns bem\u00fchen, mehr Plattformen zu finden und auch neue Wege dank der Digitalisierung, wodurch die Jugend sich aktiver in die Arbeit einbringen kann. Die Initiativen daf\u00fcr sollen von beiden Seiten kommen. Auf der anderen Seite halte ich es f\u00fcr enorm wichtig, dass auch viel Eigeninitiative seitens der Mitgliedsorganisationen gezeigt wird. Sowohl die Jugendorganisationen als auch die Verb\u00e4nde der einzelnen Mitgliedsorganisation sollen ihre eigenen Ma\u00dfnahmen ergreifen, um die jungen Leute zu f\u00f6rdern. Ich kann wieder nur aus eigener Erfahrung sprechen. Bei der LdU haben wir vor etwa 15 Jahren eine gezielte Jugendf\u00f6rderung gestartet. Seitdem hat sich die Zahl der jungen Vollversammlungsmitglieder stark erh\u00f6ht, der Jugendausschuss ist aktiv, initiiert eigene Projekte, wir haben einen starken Zulauf von Praktikantinnen und immer mehr junge Leute sind aktiv in den lokalen Selbstverwaltungen. Es ist dabei wichtig, Raum f\u00fcr eigene Ideen und Mitgestaltung zu schaffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Olivia Schubert, der neu gew\u00e4hlten Pr\u00e4sidentin der FUEN, sprach Andrea Polanski \u00fcber ihre Rolle als erste Frau an der FUEN-Spitze, die aktuellen Herausforderungen f\u00fcr Minderheiten in Europa, den Einfluss von Digitalisierung und demografischem Wandel, den Umgang mit dem Erstarken rechter Bewegungen, ihre Erfahrungen aus der deutschen Minderheit in Ungarn sowie ihre Priorit\u00e4ten und Ziele [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":12,"featured_media":67245,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4232],"tags":[2023,4711,2913,3797,1950,4391,4712,4713,4714],"redaktor":[],"class_list":["post-70125","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-politik-de","tag-deutsche-minderheit","tag-deutsche-minderheit-in-ungarn","tag-digitalisierung","tag-fuen","tag-instagram","tag-landesselbstverwaltung-der-ungarndeutschen-ldu","tag-mspi","tag-olivia-schubert","tag-yen"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70125","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/12"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70125"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70125\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/67245"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70125"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70125"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70125"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=70125"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}