{"id":70080,"date":"2025-11-16T17:00:18","date_gmt":"2025-11-16T16:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/bergmannskrankenhaus-und-medizinische-talentschmiede-2\/"},"modified":"2025-11-16T17:00:18","modified_gmt":"2025-11-16T16:00:18","slug":"bergmannskrankenhaus-und-medizinische-talentschmiede-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/bergmannskrankenhaus-und-medizinische-talentschmiede-2\/","title":{"rendered":"Bergmannskrankenhaus und medizinische Talentschmiede"},"content":{"rendered":"<h1><strong>Vergessenes Erbe in Rokittnitz<\/strong><\/h1>\n<p><strong>Wer Hindenburg O.S. h\u00f6rt, denkt wahrscheinlich an Bergbau und Fu\u00dfball. Dabei ist es auch eine Universit\u00e4tsstadt mit einem charmanten Campus der Schlesischen Medizinischen Universit\u00e4t im Stadtteil Rokittnitz.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2><strong>Bergknappschaft<\/strong><\/h2>\n<p>Zu den wichtigsten Institutionen im oberschlesischen Industriegebiet geh\u00f6rten einst die Bergknappschaften. Seit dem Mittelalter unterst\u00fctzten sie \u2013 zun\u00e4chst religi\u00f6s motiviert \u2013 kranke Bergleute und deren Angeh\u00f6rige, um Notlagen zu verhindern. Denn die Arbeit unter Tage war damals wie heute mit besonderen gesundheitlichen Gefahren verbunden.<br \/>\nDie schnelle Entwicklung des Steinkohlebergbaus im 19. Jahrhundert und die Schwierigkeit, eine ausreichende medizinische Versorgung \u00fcber bestehende Krankenh\u00e4user sicherzustellen, veranlassten die Knappschaften dazu, eigene Krankenh\u00e4user zu errichten.<\/p>\n<h2><strong>Knappschaftskrankenhaus Rokittnitz<\/strong><\/h2>\n<p>Die Entstehung des Krankenhauses in <strong>Rokittnitz<\/strong> ist eine indirekte Folge der politischen Entwicklungen in <strong>Oberschlesien<\/strong> nach dem Ersten Weltkrieg. Die Knappschaft mit Sitz in <strong>Tarnowitz<\/strong> wurde 1922 \u2013 genauso wie die Region \u2013 in einen deutschen und einen polnischen Teil geteilt, wobei die Mehrheit der Mitglieder und Spit\u00e4ler an Polen fiel. In den in Deutschland verbliebenen Krankenh\u00e4usern fehlte es infolgedessen an Betten, weshalb ein Neubau n\u00f6tig wurde.<br \/>\nF\u00fcr die neue Klinik wurde in der damals unabh\u00e4ngigen Gemeinde <strong>Rokittnitz<\/strong> ein Grundst\u00fcck gegen\u00fcber dem 1904 fertiggestellten Kreisinvalidenheim erworben. Der Standort hatte den Vorteil, dass er in einem bewaldeten Gebiet und nahe einer wichtigen Verkehrsachse lag.<\/p>\n<div id=\"attachment_67499\" style=\"width: 803px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-67499\" class=\" wp-image-67499\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rokittnitz-3-Eingang-mit-Bibliothek-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"793\" height=\"595\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rokittnitz-3-Eingang-mit-Bibliothek-300x225.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rokittnitz-3-Eingang-mit-Bibliothek-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rokittnitz-3-Eingang-mit-Bibliothek-768x576.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rokittnitz-3-Eingang-mit-Bibliothek.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 793px) 100vw, 793px\" \/><p id=\"caption-attachment-67499\" class=\"wp-caption-text\">Eingang mit Bibliothek.<br \/>Foto: Martin Wycisk<\/p><\/div>\n<h2><strong>Moderne Gesundheitsversorgung<\/strong><\/h2>\n<p>Das neue Krankenhaus wurde im Juli 1928 fertiggestellt. Es bestand aus mehreren schlichten, zweckm\u00e4\u00dfigen Bauten, die gemeinsam einen gro\u00dfen Innenhof umfassten. Die neue Klinik mit 360 Betten war mit damals modernster Technik ausgestattet. Dazu geh\u00f6rten u. a. zwei Operationsr\u00e4ume, R\u00f6ntgenger\u00e4te sowie S\u00e4le f\u00fcr Lichtbehandlungen und Diathermie.<br \/>\nF\u00fcr die Verpflegung der Patienten sorgte eine Gro\u00dfk\u00fcche. Diese war mit allen Geb\u00e4uden unterirdisch verbunden, sodass im Winter die Mahlzeiten warm zu den Kranken kamen. Die Heizung und die Versorgung des Krankenhauses mit Warmwasser wurden durch mehrere Kokskessel sichergestellt. Zum Komplex geh\u00f6rten auch eine Apotheke sowie ein Schwesternhaus, in dem 36 Krankenschwestern wohnten.<\/p>\n<h2><strong>Ausgangspunkt f\u00fcr die Medizinische Universit\u00e4t<\/strong><\/h2>\n<p>Neben den materiellen Zerst\u00f6rungen war Polen nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Verlust vieler Fachkr\u00e4fte konfrontiert. Sch\u00e4tzungen zufolge \u00fcberlebten 39 % der polnischen \u00c4rzte den Krieg nicht.<br \/>\nSo wundert es nicht, dass sich im April 1946 das Organisationskomitee der \u201eSchlesischen Medizinischen Akademie\u201c gr\u00fcndete. Von Anfang an sollte die Akademie ihren Sitz in <strong>Rokittnitz<\/strong> haben. Der genaue Grund hierf\u00fcr ist nicht \u00fcberliefert, aber die moderne Infrastruktur und die gute Lage im Waldgebiet waren wahrscheinlich entscheidende Argumente.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Das ehemalige Knappschaftskrankenhaus in Rokittnitz wurde zum Ausgangspunkt der medizinischen Ausbildung in Oberschlesien.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Zu Beginn wurde eine Verlegung der Polnischen Medizinfakult\u00e4t der Universit\u00e4t Edinburgh diskutiert, die im Krieg Milit\u00e4r\u00e4rzte f\u00fcr die Polnischen Streitkr\u00e4fte im Westen ausbildete. Dadurch h\u00e4tte die neue Hochschule schnell Fachkr\u00e4fte gewinnen k\u00f6nnen, doch der sich anbahnende Stalinismus in Polen verhinderte dies.<br \/>\nLetztendlich entschied das Komitee, auf in Polen wohnhafte \u00c4rzte zur\u00fcckzugreifen.<br \/>\nDie Gr\u00fcndung der \u201e\u00c4rztlichen Akademie in <strong>Beuthen<\/strong>\u201c am 22. April 1948 leitete f\u00fcr <strong>Rokittnitz<\/strong> eine neue Epoche ein. Denn trotz des Namens war der Hauptsitz das ehemalige Knappschaftskrankenhaus.<\/p>\n<div id=\"attachment_67498\" style=\"width: 809px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-67498\" class=\" wp-image-67498\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rokittnitz-1-Ehm.-Kreisinvalidenheim-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"799\" height=\"599\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rokittnitz-1-Ehm.-Kreisinvalidenheim-300x225.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rokittnitz-1-Ehm.-Kreisinvalidenheim-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rokittnitz-1-Ehm.-Kreisinvalidenheim-768x576.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rokittnitz-1-Ehm.-Kreisinvalidenheim.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 799px) 100vw, 799px\" \/><p id=\"caption-attachment-67498\" class=\"wp-caption-text\">Ehemaliges Kreisinvalidenheim in Rokittnitz.<br \/>Foto: Martin Wycisk<\/p><\/div>\n<p>Die ersten Jahre waren von viel Improvisation gepr\u00e4gt, in denen die Rokittnitzer Studenten viel reisen mussten. Viele Teile der praktischen Ausbildung fanden in Kliniken in <strong>Beuthen<\/strong> und <strong>Hindenburg O.S.<\/strong> sowie sp\u00e4ter in <strong>Tarnowitz<\/strong>, <strong>Lublinitz<\/strong> und <strong>Kattowitz<\/strong> statt. Das konnte kein Dauerzustand sein, weshalb der Bau eines Universit\u00e4tscampus samt Klinik in <strong>Hindenburg O.S.<\/strong> und sp\u00e4ter in <strong>Beuthen<\/strong> geplant war.<br \/>\nIn der Not der Nachkriegsjahre fehlten jedoch die Mittel f\u00fcr eine solche Gro\u00dfinvestition. Letztendlich fiel Ende der 1950er Jahre die Entscheidung, dass der Campus im <strong>Kattowitzer<\/strong> Stadtteil <strong>Ligota (Ellgoth)<\/strong> entstehen sollte. Bis 1964 blieb aber <strong>Rokittnitz<\/strong> der Sitz des Rektors.<\/p>\n<h2><strong>Gegenwart und Zukunft<\/strong><\/h2>\n<p>Heute bildet hier die Schlesische Medizinische Universit\u00e4t \u2013 wie die Hochschule nun hei\u00dft \u2013 weiterhin Mediziner aus. In <strong>Rokittnitz<\/strong> befinden sich u. a. die Lehrst\u00fchle f\u00fcr Pharmakologie, ein Teil der Universit\u00e4tsbibliothek und ein Studentenwohnheim.<br \/>\nAktuell wird der Campus im Rahmen eines europ\u00e4ischen F\u00f6rderprojektes im Wert von 116 Millionen PLN ausgebaut. Neben einem neuen Geb\u00e4ude mit einem H\u00f6rsaal f\u00fcr 350 Personen wird auch das ehemalige Kreisinvalidenheim saniert. Hier entsteht ein Zentrum f\u00fcr Innovative Medizindidaktik.<br \/>\nZuk\u00fcnftige Studenten werden hier in realit\u00e4tsnahen Operationss\u00e4len und einer Notaufnahme ihr Metier lernen. Als Teil des Projekts ist au\u00dferdem ein Zentrum f\u00fcr neue Technologien geplant, wo mit 3D-Druckern und virtueller Realit\u00e4t neue Heilmethoden erforscht werden sollen.<br \/>\nModernste Medizin ist in <strong>Rokittnitz<\/strong> also nicht nur Geschichte, sondern auch Gegenwart und Zukunft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vergessenes Erbe in Rokittnitz Wer Hindenburg O.S. h\u00f6rt, denkt wahrscheinlich an Bergbau und Fu\u00dfball. 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