{"id":70072,"date":"2025-11-17T17:00:49","date_gmt":"2025-11-17T16:00:49","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/ausstellung-zu-lebensgeschichten-deutscher-frauen-nach-dem-zweiten-weltkrieg-flucht-vertreibung-und-integration\/"},"modified":"2025-11-17T17:00:49","modified_gmt":"2025-11-17T16:00:49","slug":"ausstellung-zu-lebensgeschichten-deutscher-frauen-nach-dem-zweiten-weltkrieg-flucht-vertreibung-und-integration","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/ausstellung-zu-lebensgeschichten-deutscher-frauen-nach-dem-zweiten-weltkrieg-flucht-vertreibung-und-integration\/","title":{"rendered":"Ausstellung zu Lebensgeschichten deutscher Frauen nach dem Zweiten Weltkrieg \u2013 Flucht, Vertreibung und Integration"},"content":{"rendered":"<h1><strong>Ungeh\u00f6rt. Geschichten, die bisher nicht erz\u00e4hlt wurden<\/strong><\/h1>\n<p><strong>Rosmarie Becker aus Pommern, Edith Gleisl aus Ostpreu\u00dfen, Friederike Niesner aus M\u00e4hren, Gertrud M\u00fcller aus Oberschlesien, Emma Weis aus M\u00e4hren und Ria Schneider aus der Batschka. Sechs verschiedene Frauen, sechs verschiedene Lebensgeschichten. Und dennoch etwas, das sie alle verbindet: Alle sechs mussten nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat verlassen.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ihre Erlebnisse, die f\u00fcr viele deutsche Frauen der Nachkriegszeit exemplarisch sind, widmet sich die Ausstellung des Hauses des Deutschen Ostens in M\u00fcnchen, die am vergangenen Wochenende offiziell mit einer Gespr\u00e4chsrunde in der Oppelner Woiwodschaftsbibliothek er\u00f6ffnet wurde. Es handelt sich um die erste Ausstellung dieser Art in Deutschland, die bereits gro\u00dfes Interesse und eine breite Resonanz hervorgerufen hat. Die Ausstellung ist als Wanderausstellung konzipiert und wurde bereits an verschiedenen Orten in Deutschland gezeigt, bevor sie nun nach Polen gelangte.<\/p>\n<h2><strong>\u201eDas ist unerh\u00f6rt, dass das erst jetzt erz\u00e4hlt wird\u201c<\/strong><\/h2>\n<p>Prof. Andreas Otto Weber, Direktor des Hauses des Deutschen Ostens, betonte bei der Er\u00f6ffnung die besondere Bedeutung der Ausstellung: \u201eEs ist zum ersten Mal, dass eine Ausstellung aus dem Haus des Deutschen Ostens in M\u00fcnchen in Polen gezeigt wird. Das ist f\u00fcr mich eine gro\u00dfe Besonderheit. Der Titel unserer Ausstellung sagt genau, warum es so wichtig ist: <em>Ungeh\u00f6rt<\/em>. Eine Geschichte, die bisher nicht erz\u00e4hlt wurde. H\u00f6chstens individuell im Einzelnen, aber nie mit dem gesamten Blick auf eine gro\u00dfe Gruppe von betroffenen Frauen, die mit Kindern und Gro\u00dfm\u00fcttern sich auf einen Weg in das Ungewisse machen mussten, unter gro\u00dfer Gefahr. Und das ist unerh\u00f6rt, dass das erst jetzt erz\u00e4hlt wird.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_67531\" style=\"width: 594px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-67531\" class=\" wp-image-67531\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/IMG_9625-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"584\" height=\"779\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/IMG_9625-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/IMG_9625-768x1024.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/IMG_9625.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><p id=\"caption-attachment-67531\" class=\"wp-caption-text\">Mit einer Gespr\u00e4chsrunde in der Oppelner Woiwodschaftsbibliothek wurde die Ausstellung &#8222;Ungeh\u00f6rt&#8220; er\u00f6ffnet.<br \/>Foto: adur<\/p><\/div>\n<p>Er hob hervor, dass in der deutschen Erinnerungskultur bisher vor allem die Integration der Vertriebenen und ihr Beitrag zum Wirtschaftswunder betont wurde, w\u00e4hrend die Rolle der Frauen in dieser Situation kaum thematisiert wurde:<\/p>\n<p>\u201eDie M\u00e4nner waren sehr oft noch im Krieg, in Kriegsgefangenschaft oder tot, und die Frauen haben ihre Familien gerettet. Deswegen ist es so wichtig, dass das heute erz\u00e4hlt wird.\u201c<\/p>\n<h2><strong>Zeitzeuginnen und methodischer Ansatz<\/strong><\/h2>\n<p>F\u00fcr die Ausstellung wurden Zeitzeuginnen aus verschiedenen Regionen befragt. Dabei kam die Methode des lebensgeschichtlichen Interviews zum Einsatz, bei der das gesamte Leben einer Person betrachtet wird. Erst nach einer sorgf\u00e4ltigen wissenschaftlichen Auswertung der Interviews werden die Erkenntnisse in der Ausstellung pr\u00e4sentiert. Weber betonte, dass die individuellen Lebensgeschichten und Erz\u00e4hlungen der sechs Frauen hier zum ersten Mal in dieser F\u00fclle sichtbar werden und Allgemeines \u00fcber die Situation der Frauen aussagen.<\/p>\n<h2><strong>Ein Leben im Spiegel der Geschichte<\/strong><\/h2>\n<p>Eine der Heldinnen der Ausstellung ist Gertrud M\u00fcller &#8211; die einzige Oberschlesierin unter ihnen -, die 1936 in Gleiwitz geboren wurde und in einer eng verbundenen katholischen Familie aufwuchs. Ihre unbeschwerte Kindheit endete mit den Kriegsjahren und der Flucht im Januar 1945. Nach dramatischen Tagen in Dresden gelangte die Familie nach Bayern und fand in Gossersdorf erste Stabilit\u00e4t; 1945 konnte der Vater wieder zu ihnen sto\u00dfen.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Prof. Andreas Otto Weber hob hervor, dass in der deutschen Erinnerungskultur bisher vor allem die Integration der Vertriebenen und ihr Beitrag zum Wirtschaftswunder betont wurde, w\u00e4hrend die Rolle der Frauen in dieser Situation kaum thematisiert wurde.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Ein neuer Anfang gelang der Familie in M\u00fcnchen, wo der Vater einen Schreinerbetrieb aufbaute. Gertrud engagierte sich fr\u00fch in der Landsmannschaft Oberschlesien, leitete ab 1954 die Jugendgruppe und blieb ihrem oberschlesischen Erbe eng verbunden. Nach 1991 setzte sie sich besonders f\u00fcr die Begegnung zwischen Heimatvertriebenen und der deutschen Minderheit in Oberschlesien ein, organisierte Hilfstransporte und Austauschfahrten. F\u00fcr ihr jahrzehntelanges Engagement erhielt sie das Bundesverdienstkreuz und wurde Ehrenvorsitzende der Kreisgruppe M\u00fcnchen.<\/p>\n<div id=\"attachment_67537\" style=\"width: 478px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-67537\" class=\" wp-image-67537\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/IMG_9637-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"468\" height=\"624\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/IMG_9637-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/IMG_9637-768x1024.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/IMG_9637.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 468px) 100vw, 468px\" \/><p id=\"caption-attachment-67537\" class=\"wp-caption-text\">Die Ausstellung \u201eUngeh\u00f6rt \u2013 die Geschichte der Frauen. Flucht, Vertreibung und Integration\u201c bis zum 17. Dezember im Dokumentations- und Ausstellungszentrum der Deutschen in Polen (DAZ) zu sehen.<br \/>Foto: adur<\/p><\/div>\n<p>Die Ausstellung \u201eUngeh\u00f6rt \u2013 die Geschichte der Frauen. Flucht, Vertreibung und Integration\u201c gibt den pers\u00f6nlichen Geschichten der Frauen eine Stimme und macht zugleich die Bedeutung dieser Erfahrungen f\u00fcr die deutsche und europ\u00e4ische Erinnerungskultur sichtbar. Ab heute ist die Ausstellung im Dokumentations- und Ausstellungszentrum der Deutschen in Polen (DAZ) zu sehen und kann dort noch bis zum 17. Dezember besucht werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ungeh\u00f6rt. Geschichten, die bisher nicht erz\u00e4hlt wurden Rosmarie Becker aus Pommern, Edith Gleisl aus Ostpreu\u00dfen, Friederike Niesner aus M\u00e4hren, Gertrud M\u00fcller aus Oberschlesien, Emma Weis aus M\u00e4hren und Ria Schneider aus der Batschka. Sechs verschiedene Frauen, sechs verschiedene Lebensgeschichten. 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